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        Stille. Sie atmete beruhigt aus und schloss die Tür hinter sich.
        Hinter ihr lag ein Raum voller lauter Maschinen, voll mit Menschen in weißen Anzügen, voller Sterilität. “Gefängnis” hatte sie diesen Ort heimlich getauft.
        Es gab zwar keine Gitterstäbe an den Fenstern, jedoch sah man in diesem Raum weder Sonnenlicht noch konnte man überhaupt ein Fenster öffnen, denn es gab keine. Ihre einzigen Anhaltspunkte waren das gleichmäßige Rauschen der Maschinen, welches selbst durch die Kopfhörer nicht aufhören wollte, und der konstant bleibende Wetterbericht. Auf diese Weise konnte sie sich wenigstens nach draußen träumen.

        Der Raum, in welchen sie gegangen war, bot ihr Zuflucht. Hier konnte sie der lauten Welt für einen kurzen Moment entfliehen, ein kühles Wasser trinken, den unbequemen Mundschutz abnehmen und tief durchatmen. Auch dieses kleine Zimmer war in weiß gestrichen und machte nicht den Eindruck eines bequemen Orts. Dennoch kam sie gern hier her.
        Sie setzte sich auf ein graues Metallgerüst und nahm ihr Notizbuch in die Hand. Es war kariertes Papier, nicht gerade ihr liebstes zum schreiben, aber man hatte ihr dieses am ersten Tag anvertraut. Wort für Wort kritzelte sie in die kleinen Kästchen, in der Hoffnung so viele Worte wie möglich in nur 5 Minuten loszuwerden.

        Eines musste sie sich eingestehen, in diesem Raum hatte sie wohl ihre kreativste Phase und schrieb die schönsten Texte. Es war die Sehnsucht nach draußen und die eintönige Arbeit drinnen, welche sie inspirierte und welche ihr vor allem viel Zeit zum nachdenken gab. Die Sehnsucht und die Liebe hatten schon viele Schriftsteller inspiriert und das nicht ohne Grund.
        Die Sehnsucht lässt einen Menschen träumen, von einer fremden und schöneren Welt. Sie gibt ihm Glauben, Hoffnung und lässt ihn durchstehen. Durch sie entwickelt er ihm unbekannte Kräfte und nur durch sie macht er weiter und gewinnt neue Motivation.
        Die Liebe dagegen lässt den Menschen über die Gefühle schreiben. Er wird romantisch, schüttet sein Herz aus und hofft die richtigen Worte zu finden. Aber das kann so schwer sein! Wie oft traf die Liebe auf Ablehnung und wurde zu Liebeskummer. So viele Texte enstanden durch gebrochene Herzen.

        Aber ihr ging es nur um die Sehnsucht, dem Wunsch nach draußen. Und diesen kritzelte sie immer wieder in das kleine Buch. Er gab ihr Glauben, Hoffnung und nur durch dier Sehnsucht und ihr großes Ziel schaffte sie es nach 5 Minuten wieder das Gefängnis zu betreten und weiterzumachen.

        Ihre Sehnsucht schrieb immer wieder die gleiche Geschichte. Sie handelte von einem Mädchen, so alt wie sie, welches die Welt entdeckte. Es reiste in fremde Länder, lernte neue Menschen kennen und war auf der Suche nach sich selbst. Die Abenteuer welches das Mädchen erlebte, waren die Abenteuer welche sie ebenfalls erleben wollte. Später einmal, wenn sie diese Welt hinter sich gelassen hatte, wollte auch sie ihren Rucksack nehmen und in die weite Welt losziehen.
        Sie wollte endlich das Leben einmal genießen und die große Freihit kennen lernen. “Diese Zeit wird wundervoll und du wirst sie nie vergessen” oder “Die schönste Zeit deines Lebens”, sagten ihr die Menschen und genau diese wollte sie bald ebenfalls erleben.
        Endlose Landschaften, das Meer und riesige Täler malte die Sehnsucht in ihrem Kopf.

        Langsam hob sie ihren Blick und drehte sich Richtung Glastür, durch welche man in den riesigen Raum voller Maschinen blicken konnte. Sie war nicht ohne Grund hier.
        Die 5 Minuten waren um und der Becher Wasser neben ihr war leer. Müde setzte sie sich ihren Mundschutz wieder auf und zog neue Handschuhe dann. Danach verstaute sie das Buch wieder sicher in ihrem Anzug und öffnete vorsichtig die Tür.
        Sofort kam ihr wieder der Lärm der Maschinen entgegen und sie wäre am liebsten auf der Stelle wieder umgekehrt. Sie hatte keine Lust mehr Gegenstände durch die Gegend zu tragen, das Beine-Po_Workout konnte sie auch zu Hause bewältigen.
        Immer wieder führte sie sich ihren Traum vor Augen und lief dabei durch das “Gefängnis”. Sie sprach sich Mut zu, denn wer reisen möchte braucht auch Geld. So spielt das Leben, auch wenn sie der Konsumgesellschaft für eine Weile entfliehen wollte.

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        6 COMMENTS

        Wunderschön – ich glaube, bis jetzt einer meiner allerliebsten Literaturposts von dir (und das will was heißen, denn ich mag sie alle!). Finde das immer total interessant, dass in deinen Geschichten ja anscheinend auch sehr persönliche Gedanken ihren Platz finden (also hier vielleicht, dass du dich auf deine Neuseelandreise freust und keine Lust hast mehr hier dafür zu arbeiten? Kenn dieses Gefühl übrigens sehr gut :D).
        Ganz liebe Grüße, freu mich wie immer schon auf den nächsten Beitrag <3

        Dein allerliebster erscheint am 30. August auf deinem eigenen Blog! 😀
        Aber ja, ich verarbeite in den Geschichten oft auch ein paar persönliche Dinge, manchmal jedoch sind sie auch völlig fiktiv.
        Liebst, Katja

        Wunderschöner Text und ich kann nur zustimmen: Worte und Buchstaben helfen bei so vielem! <3
        Liebe Grüße,
        Missi von Himmelsblau

        wunderschöner Text, wie immer bei deinen Literatur Posts.
        Es klingt vielleicht seltsam, aber ich freue mich auf deine Neuseeland-Reise. Bin gespannt, was du erlebst und was man hier auf deinem Blog mit erleben darf, wenn mal selbst leider nicht Reisen kann. 🙂

        Ich hoffe nur du bist am Ende nicht enttäuscht, weil ich noch nicht genau weiß wie regelmäßig ich das in Neuseeland schaffen werde. 🙂
        Liebst, Katja

        Wow so gut geschrieben 😮 <3

        Liebe Grüße
        Johanna von http://missrapunzeljohanna.blogspot.de/

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