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        242 Kilometer durch Portugal und Spanien, das ist der Caminho Portugues. Ich bin den Weg diesen Januar mit einer sehr guten Freundin gelaufen und möchte in diesem Artikel meine Erfahrungen für euch zusammenfassen.
        Der Weg führt in mehreren Etappen von Porto bis nach Santiago de Compostela und ist vor allem für Anfänger*Innen sehr gut geeignet, da er kaum über Berge führt und in 11-13 Tagen sehr gut machbar ist. Was genau man jetzt vom Jakobsweg erwarten kann, möchte ich später klären, hier lest ihr erst einmal über die Vorbereitung und Planung.

        VORBEREITUNG

        Was muss ich alles beachten? Worum muss ich mich vor der Abreise kümmern und was kann ich vor Ort erledigen?

        Diese Fragen haben wir uns natürlich auch gestellt. Macht es zum Beispiel Sinn die Unterkünfte schon vorher zu buchen, oder laufen wir einfach jeden Tag los und schauen am Abend, wo wir unterkommen? Wie viel Geld sollten wir einplanen und wie sieht das mit dem Gewicht des Rucksacks aus?
        Ich kann euch für die Vorbereitung und den Weg im Allgemeinen wirklich nur den Outdoor-Wanderführer empfehlen. Darin befinden sich nicht nur wertvolle Tipps zur Planung der Wanderung, sondern die einzelnen Etappen sind wunderbar aufgeführt. Zu jedem Ort findet man außerdem eine kleine Liste an Herbergen, Restaurants und Einkaufsläden – dieses Buch hat uns täglich sehr gut begleitet.

        Im Prinzip haben wir für uns beschlossen, die Reise entspannt anzugehen und alles einfach auf uns zukommen zu lassen. Wir haben uns im Voraus wirklich nur die Flüge gebucht und geschaut, wie viel Zeit wir insgesamt für die Wanderung einplanen wollen – 12 Tage für den eigentlichen Weg und 3-4 Tage als „Puffertage“, falls etwas schief läuft. Dabei sind wir jeden Tag um die 20 Kilometer gewandert und im Endeffekt haben wir diese Puffertage gar nicht gebraucht und dafür genutzt, um uns zum Beispiel Porto und Santiago etwas genauer anzuschauen.
        Um in den Pilgerherbergen (dazu später mehr), übernachten zu können, braucht ihr auf jeden Fall einen Pilgerausweis. Den kann man im Voraus online bestellen, wir haben ihn aber einfach in Porto vor Ort gekauft. Der kostet wirklich nicht viel (ich glaube wir haben zwei oder drei Euro bezahlt) und man bekommt ihn direkt an der Kathedrale, welche gleichzeitig auch der Start der Wanderung ist. Einzig und allein die Öffnungszeiten solltet ihr beachten.

        Wir hatten also vor der Reise nichts, außer die Flüge, ein Airbnb für eine Nacht in Porto (unter diesem Link bekommt ihr einen kleinen Rabatt) und dem Reiseführer. Allerdings haben wir die Wanderung auch bewusst im Winter gemacht, um Touristen aus dem Weg zu gehen und mehr entspannte Zeit für uns zu haben.

        UNTERKÜNFTE

        Während des Weges hat man die Möglichkeit entweder in privaten oder öffentlichen Herbergen zu schlafen, mittlerweile ist die Auswahl wirklich groß. Die öffentlichen Herbergen sind in Portugal oft auf Spendenbasis, in Spanien haben wir zwischen 5-6 Euro für eine Nacht gezahlt.
        Je nachdem welchen Anspruch ihr an die Reise und die Unterkünfte habt, muss denke ich jeder für sich selbst entscheiden, wo er oder sie sich wohl fühlt. Die öffentlichen Herbergen in denen wir waren, sind ein bisschen mit Hostels zu vergleichen, man schläft in Doppelstockbetten auf 8-26 Personenzimmern, hat vor allem im Portugal oft keine Heizungen, Gemeinschaftsbadezimmer und eine Gemeinschaftsküche. Sie sind sehr einfach, aber trotzdem vollkommen ausreichend.

        Für die privaten Herbergen kann man ab 20 Euro so ziemlich jede Preisklasse erwischen und die Zimmer sind etwas nobler eingerichtet. Im Prinzip findet ihr jedoch eine tolle Liste mit allen Vor- und Nachteilen im besagten Reiseführer und könnt jeden Tag spontan entscheiden, wo ihr gern schlaft.
        Um die öffentlichen Herbergen nutzen zu können, braucht ihr jedoch unbedingt einen Pilgerausweis und man muss sich bei der Ankunft ausweisen. Reservierungen sind dort leider nicht möglich, man läuft einfach zur Unterkunft und stellt sich direkt vor Ort vor.

        GEPÄCK

        Wie schwer sollte der Rucksack sein und was muss man wirklich für die Wanderung einpacken?
        Wir haben unsere Rucksäcke sehr luxiorös und somit auch etwas schwerer gepackt – wussten jedoch, dass wir das Gewicht locker tragen können.

        Mein Rucksack wog inklusive Essen um die 10-12 Kilo, je nachdem wie unsere Lebensmittelvorräte gerade aussahen. Ich hatte jedoch auch die Kamera und Bücher mit im Gepäck, was jetzt nicht unbedingt notwenig ist. Gerade für Anfänger*Innen wird ein Gewicht von 5-6 Kilo empfohlen, das reicht vollkommen aus. Wanderbekleidung, Wechselschuhe und Waschtasche, mehr muss wirklich nicht sein. Außerdem ist es doch eine Challenge, sein Gepäck wirklich einmal auf das Nötigste zu reduzieren, richtig? Man gewöhnt sich zwar schnell an das Gewicht des Rucksacks, verflucht aber unterwegs jedes einzelne Gramm, welches man zu viel eingepackt hat. Eine Packliste findet ihr zum Beispiel hier.

        ALLEIN ODER ZU ZWEIT?

        Eine Frage die ich mir sehr oft gestellt habe, laufe ich den Jakobsweg lieber für mich oder mit einer guten Freundin? Im Endeffekt sind wir zu zweit losgelaufen und ich hätte über diese Entscheidung nicht glücklicher sein können. Für mich war es perfekt eine Person an meiner Seite zu haben, mit der ich wirklich über alles reden kann, mit der es aber auch kein Problem ist über mehrere Kilometer zu schweigen und für sich zu sein.
        Ich glaube mit der richtigen Person kann die Wanderung zu zweit wirklich ganz wunderbar sein und das zwischenmenschliche Verhältnis unglaublich stärken. Jedoch stelle ich mir die Herausforderung allein auch sehr spannend vor, vor allem da man nie wirklich allein ist und am Abend in den Herbergen immer einen Menschen zum reden findet. Ich denke diese Frage ist ganz von der eigenen Persönlichkeit abhängig. Wenn euch das Thema mehr interessiert, kann ich gern einmal einen extra Artikel darüber schreiben. 

        Zu viel Vorbereitung für das Pilgern braucht es am Ende gar nicht und der Caminho Portuguese war vor allem für mich eine gute Möglichkeit, um einfach einmal loszulassen. Man steht jeden Tag auf, zieht die Wanderschuhe an, läuft los und schaut, was die kommenden Stunden mit sich bringen. Man lernt den eigenen Gefühlen zu vertrauen und sich wirklich einmal ohne großen Stress treiben zu lassen. Ich glaube der Jakobsweg ist genau für dieses Loslassen des Alltags und des Planens perfekt, denn mehr als einen Rucksack und Wanderschuhe braucht es am Ende doch nicht, um einfach loszulaufen.

        Die Bilder für diesen Beitrag habe ich unterwegs aufgenommen, sie sollen einen kleinen Einblick geben. Die komplette Fotoserie wird hier verlinkt, sobald ich sie online gestellt habe.

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