Jun
02
18

Zwischen Sommerloch und innerer Leere

Die letzten Tage sind einfach an mir vorbeigezogen und ich könnte nicht einmal beschreiben, ob sie sich besonders schnell, oder besonders langsam und ätzend angefühlt haben.

Ich bin am Morgen irgendwann aufgestanden, beobachtete mich später dabei, wie ich verschiedenen Tätigkeiten nachging und wieder in meinem Bett lag. Ach ja, und zwischendurch aß ich ab und zu. Die Zeit ist einfach an mir vorbei geschwebt.
Wie ein toter Körper im Wasser schwebte ich durch diesen schwarzen Sog der mich die letzten Tage ständig begleitet hat. Er hat mich einfach mitgezogen und auf seine Weise die belanglosen Tage in meinem belanglosen Leben wie einen Film wirken lassen, den man sich am Abend ausgelaugt und etwas müde auf dem Sofa anschaut.

Es fühlt sich an wie ein Sommerloch, was eigentlich gar keins sein kann. Von meinem Fenster aus betrachte ich die Menschen in den Parks und auf den Wiesen, obwohl ich selbst zwischen ihnen sitze. Ich sehe ihnen beim Grillen zu, dabei, wie sie die warme Sonne auf ihrer Haut genießen und im inneren etwas Glück empfinden.
Aber während ich sie beobachte, während ich zwischen ihnen sitze, möchte ich mich einfach nur verkriechen und die Augen schließen. Ich möchte am Morgen meinen Wecker nicht hören und am Abend warte ich auf den Sonnenuntergang, um endlich schlafen gehen zu können.

Mein Leben ist ein unangenehmer Trott. Ich fühle mich müde, als hätte ich die letzten Nächte nicht genug geschlafen und habe gleichzeitig diese stumpfe Leere in mir.
Nichts ist schlimmer, als nichts zu fühlen. Keine Freude, kein Glück, keine Entspannung, nicht einmal mehr Traurigkeit oder Wut. Das ist eine der schwersten Lektionen überhaupt und bisher kann ich nicht von mir behaupten sie mit Bravour zu absolvieren.

Alles in mir ist schwer und schwarz und dunkel. Schwer und schwarz und dunkel. So sehr, das ich tatsächlich das erste Mal ernsthaft darüber nachdachte mir Hilfe zu holen. Jemanden der mir sanft einen Tritt in den Hintern gibt, meine Augen wieder für die schönen Dinge öffnet und vielleicht sogar in ein Lachen mit mir einstimmt. Einfach jemanden, der mir die Freude wieder zeigt.

Denn Ernährung hin oder her, meine Traurigkeit kann keine fehlenden Nährstoffe oder den Mangel an Vitamin D als Ursache haben. Das habe ich getestet, ausprobiert und wieder aus meinem Kopf gestrichen. Das Problem liegt tiefer, ich muss es mir nur eingestehen können.
Dieses Sommerloch, was mich selbst im Winter begleitet, diese ständigen Selbstzweifel, mangelnde soziale Beziehungen, wo soll ich anfangen? Oder besser gesagt, wo soll ich aufhören?

DETAILS

Model: Lisa (Instagram)
Kamera: Canon EOS 6D
Objektiv: 24-105mm
Stativ: Hama
Bearbeitungsprogramm: Lightroom

Beitrag zur Bildbearbeitung: hier

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7 COMMENTS
Julia

Ich erlebe Ähnliches Tag für Tag. Und habe auch oft mit dem Gedanken gespielt, diese Lebensverdrossenheit einer fremden, aber doch bitte gut ausgebildeten, Person anzuvertrauen. Aber es ist noch nicht akut genug, um in einer Praxis aufzuschlagen. Dann denkt man, verdammt, mir fehlt doch nichts. Der Kühlschrank ist voll, das Telefon auch, mit Kontakten, die nur darauf warten kontaktiert zu werden. Und doch, man erstarrt, allein weil es jederzeit möglich ist. Vielleicht ist uns generell zu viel möglich. Vielleicht rührt die Verzweiflung daher, dass die Hürden fehlen. Jedenfalls sind Freunde, wenn sie diese Litaneien zum hundertsten Mal hören, nicht so amused… weil man sie damit kränkt. Ihr Genugsein in Frage stellt. Ich suche nach einer Lösung. Und nicht nur meinetwegen.

Allie

Ich glaube es ist ein großer Fehler sich selbst einzureden die Probleme wären “nicht schlimm genug” um sich Hilfe zu suchen. Um einen Therapeuten aufzusuchen braucht man weder in einer akuten Krise stecken noch psychisch krank sein. Es ist einfach so dass ein Außenstehender häufig besser helfen kann herauszufinden was man eigentlich im Leben will und was einem fehlt obwohl man doch das Gefühl hat schon alles zu haben. Mich hat das so viel weiter gebracht und ich kann es nur weiterempfehlen egal in welcher Situation ihr gerade steckt.

Pauline

Hey Katja,
es ist echt schade, dass du den schönen Sommer nicht so genießen kannst und scheinbar gar nicht richtig wahrnimmst…
Wenn du vorhast vielleicht selbst daran etwas zu ändern und dich damit beschäftigen möchtest, kann ich dir Law of Attraction empfehlen. Es beruht auf der Kraft der Anziehung und besagt, dass man das in sein Leben holt womit man sich am meisten beschäftigt. Beschäftigt man sich also mit dem Guten und Schönen, zwingt sich sozusagen ein bisschen dazu und redet es sich ein, dann kommt es auch zu dir (hört sich erst mal komisch an, aber wenn du dich dazu beliest ist es wirklich total interessant und vor allem habe ich schon mehrfach erlebt, dass es bei mir funktioniert hat!)
Würde mich freuen, wenn es dir hilft 🙂
Liebste Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Lisa

Liebe Katja,
deine Worte sitzen tief, während ich sie lese, kommt mir der Gedanke, dass sie auch von mir stammen könnten. Umso glücklicher bin ich, dass diese Bilder (tausend Dank dafür) den Beitrag visuell untermauern. Denn sie spiegeln so ehrlich wieder, wie ich mich fühle. Dein Beitrag bedeutet mir viel! Danke!

Cora

Liebe Katja,
ehrlich gesagt dachte ich schon bei mehreren deiner Posts, aber insbesondere bei diesem, dass sich das, was du schilderst, sehr stark nach einer Depression oder zumindest einer depressiven Episode anhört. Was du beschreibst, deckt sich zu 100% mit den Symptomen, die bei mir zu dieser Diagnose geführt haben. Ich kann dir nur empfehlen, dir Hilfe zu suchen! Selbst wenn bei dir keine Depression diagnostiziert wird, wird dich ein*e Therapeut*in nicht einfach wegschicken, sondern dir trotzdem weiterhelfen. Therapien helfen bei Problemen/Sorgen und sind nicht nur etwas für psychisch Kranke! Es kostet immer Überwindung, diesen Schritt zu gehen, auch weil es in dieser Gesellschaft als Schwäche angesehen wird, Hilfe zu brauchen, aber es lohnt sich. So oder so wünsche ich dir, dass es dir bald besser geht.

Wanda-lou

Hey,
Wenn ich deine Posts lese denke ich auch fast immer das das so das beschreibt was in mir ist… und ich weiß erlich gesagt auch nicht wie ich dagegen ankommen sollte. Aber wenn es dir wirklich so schlecht geht… dann würde ich mich an deiner Stelle wirklich mal nach einer Therapie umsehen… weil vielleicht hat das ja auch tiefere Gründe… eine gute Freundin von mir hatte auch mal so eine Phase und hat sich dann Hilfe gesucht in Star dadurch viel mehr zu sich gefunden und hat auch Gründe für ihre ,, Depression“ gefunden, an denen sie dann arbeiten könnte. Ich wünsche dir von ganzem hertzen dann es dir bald besser geht und du den Sommer und die Schönheit des lebens wieder genießen kannst.

Svenja

Ich kann mich mit deinen Worten richtig gut identifizieren, auch wenn es bei mir nicht ganz so extrem ist. Ich fühle auch manchmal diese Leere, bin energie- und motivationslos und die Tage rauschen an mir vorbei. Ich denke mal, dass könnte an einem falschen „Mindset“ liegen, wie man so schön sagt. Aber es steckt eine Menge Arbeit dahinter die eigenen Gedankenstrukturen zu ändern und wieder die schönen Momente im Leben wahrzunehmen. Oder eventuell werden die Botenstoffe im Gehirn nicht richtig transportiert. Für diese Stimmungstiefs oder auch depressive Episoden gibt es wohl eine Menge Gründe. Alleine weiß man oft nicht weiter und kann die Gründe dafür nicht identifizieren. Wenn man sich dafür Hilfe holen möchte, ist dies definitiv der richtige Schritt, um Licht ins Dunkeln zu bringen.
Liebe Grüße, Svenja von http://mindful-discovery.com/

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