Jan
21
18

Würdest du dir einen Chip unter die Haut operieren lassen?

Ob ihr es glauben möchtet oder nicht, es begab sich also die Tatsache, dass ich auf eine Art Interview eingeladen wurde, um über das Internet, die Technik, aber auch vor allem die Sicht meiner Generation auf diese Entwicklung zu sprechen. Ich musste mich auch kurz kneifen, denn auch, wenn ich die Firma und ihre MitarbeiterInnen aus privaten Gründen schon länger kenne, fühlte es sich etwas einschüchternd an, als ich schließlich auf dem Stuhl vor der auf einem Stativ stehenden Kamera Platz nahm und einfach anfing drauf los zu reden. Das Interview lief gut, soweit ich das aus meiner doch eher etwas nicht sehr professionellen Sicht beschreiben kann, ich versuche es mit euch zu teilen, sobald es öffentlich verfügbar ist. Die Grundidee war es einfach verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Altersklassen, aber auch Berufsgruppen zu befragen, um am Ende möglichst spannende Blickwinkel auf dieses doch sehr facettenreiche Thema zu erhaschen. Mich haben die Fragen auf irgendeine Weise persönlich sehr zum Nachdenken angeregt und vor allem an einer bin ich so sehr hängen geblieben, dass ich sie gern mit euch teilen würde.

Würdest du dir einen Chip unter die Haut einsetzen lassen, mit dem man Bargeldlos bezahlen kann?

„Nein“, lautete meine Abwehrhaltung sofort, denn ich finde das Gefühl Technik unter meiner Haut zu tragen noch beängstigender, als jeden Abend abhängig vor dem Handy oder nächsten Bildschirm zu verbringen. Ich würde mich kontrolliert fühlen, eingeschränkt, denn wer weiß schon, ob dieser kleine Chip nicht noch ganz andere Informationen und Daten messen kann und sammelt. Das Kaufverhalten zum Beispiel, den Standort oder andere private Dinge wie Gespräche. Das war meine Begründung, aber da ich doch ein sehr neugieriger Mensch bin, interessierte mich natürlich auch die Meinung der anderen Befragten die ich leider nicht persönlich traf. „Technik wird für mich erst ab einem Punkt unheimlich, ab dem ich sie nicht mehr abschalten kann.“, äußerte sich ein Anderer ebenfalls negativ gegen diesen Chip und genau daran blieb ich hängen, es brachte meine Gedanken richtig ins Rollen.

Wir scheinen mittlerweile dauerhaft mit der Technik verbunden zu sein, sei es nun mit dem Handy in der Hosentasche, dem PC, einer elektrischen Armbanduhr, einer elektrischen Zahnbürste, oder einfach nur vor dem Bildschirm der Kaffeemaschine. Alles funktioniert mit einem Touchscreen oder auf Knopfdruck und lässt sich natürlich einfach abschalten wenn man den Stecker zieht, zumindest reden wir uns das ein. Aber können wir wirklich einfach einmal eine Woche ohne Handy aus dem Haus gehen? Geht das wirklich noch, oder sind wir schon längst abhängig von diesen Geräten?
Ich habe immer mehr das Gefühl, dass unser komplettes System, unsere gesamte Gesellschaft immer mehr auf der digitalen Welt aufbaut und abhängig von ihr ist. Klar, wir reden uns ein wie schön es doch ist das Handy für einen Tag beiseite zu legen, aber spätestens nach einem Tag ohne Antwort fangen schon die ersten Whatsappkontakte an sich zu sorgen, fragen was los ist und man selbst fühlt sich ohne Google Maps schon ein bisschen verloren.

Es ist jetzt schon so, als hätte uns die Technik im Griff, sie macht uns süchtig und einen großen Unterschied, ob sie sich nun in der Hosentasche, oder unter der Haut unser ständiger Begleiter ist macht es auch nicht mehr. Dann zählt nicht einmal mehr mein Argument mit den gesammelten Daten, denn diese stellen wir sowieso schon in großen Massen gewissen Plattformen zur Verfügung.
Das ist irgendwie ein Beitrag und ein Thema, auf welches ich selbst noch keine richtige Lösung, beziehungsweise Einstellung gefunden habe, weshalb ich mich über eure Ansichten sehr freue. Fakt ist, dass ich mit einem sehr unguten Gefühl nach Hause gefahren bin und das lag nicht an meiner Nervosität vor dem Interview. Es ist fast so als gäbe es dieses System was man nicht mehr abschalten kann jetzt schon und das macht mir unglaublich viel Angst.

Bilder von Sued Fotografie, vielen Dank!

Outfitdetails
Jacke: Second Hand
T-Shirt: Second Hand

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7 COMMENTS
Annemarie

Über das Thema Abhängigkeit, gerade was das Handy angeht, habe ich mir in den letzten Tagen auch Gedanken gemacht, denn gerade jetzt, da ich auf Reisen bin, merke ich, dass ich mein Handy viel zu oft in der Hand halte und oftmals eben auch für komplett sinnfreie Dinge, die man auch anders lösen könnte. (Zum Beispiel eine Landkarte benutzen anstelle von Google Maps, oder indem man Leute fragt statt etwas zu googlen!) Deshalb habe ich beschlossen, (gerade jetzt, wo bald die Fastenzeit ansteht) 40 Tage lang auf mein Handy und somit auf sämtliche Medien und Einflüsse, die mich schon ganz wirr machen, zu verzichten und mal RICHTIG zu leben! Ich bin schon gespannt, wie und ob es funktionieren wird und wie es sich auf mich auswirkt. Ich hoffe es wird mir gut tun!
Liebst, Annemarie 🙂

Ich bin gespannt wie deine Fastenzeit verläuft und ob man wirklich einfach noch aussteigen kann. Berichte doch gern 🙂
Liebst, Katja

Julia

Es gibt eine brillante Serie auf Netflix, die sich mit teilweise eher subtilen aber größtenteils doch sehr verheerenden Folgen der digitalen Zukunft beschäftigt, Black Mirror. Und ein unter die Haut implantierter Chip, was nichts anderes ist als Transhumanismus, ist für mich persönlich, aus ethischer Sicht, ein Horrorszenarium. Die Optimierung des Menschen hat mittlerweile absurde Dimensionen erreicht, wohl gemerkt in den westlichen Industrieländern, also denen, die es sich leisten können und anscheinend in der Masse am wenigsten über die Konsequenzen nachdenken. Es ist fast so, als würde man eine Atombombe abwerfen, um einfach mal zu sehen, was passiert. Statt im Vorhinein die Ausmaße zu kalkulieren. Deine Antwort, Katja, finde ich sehr treffend. Zwar teilt man unbewusst beinah mit jedem Klick irgendwelche Informationen, aber man hat immer noch die Wahl, es nicht zu tun. Die Verschmelzung von Mensch und Technik wird aber dieses fragile Hintertürchen, so fürchte ich, auch noch zuschlagen. Wobei ich mir jetzt schon, von schwarzen, glänzenden Bildschirmen überall umgeben, die Frage stelle, wie viel freien Willen im Umgang mit der neuen Technik wir noch besitzen.

Black Mirror fand ich richtig gut und ich kann jedem der sich etwas mit dem Thema auseinandersetzt auch Unabomber sehr empfehlen. Diese Optimierung von der du schreibst ist wirklich gruselig, ich saß letztens erst wieder beim Optiker und wurde gefragt, ob ich nicht spezielle Funktionen in meine Brille haben möchte, die nicht einmal Menschen haben die von Natur aus perfekt sehen. Ja, das mag vielleicht im ersten Moment super toll klingen, aber ich finde es nur noch unheimlich.
Liebst, Katja

Alex

Ja krass, da beschäftigt sich doch jemand auch mit “meinem” Thema. Da ich in der Chip/ RFID-Branche tätig bin, kann ich die Entwicklung sehen uns verfolgen.
Die Hunde hatten keine Wahl Und auch wir werden eines Tages vor dem Dilemma stehen, insbesondere wenn der Chip-unter-der-Haut poltisch und/oder gesellschaflich gefordert wird. Wenn die Gegenbewegung losgeht, wird mein Name fallen. Warum? Und warum dagegen?
Follow me on Instagram _alexschu

Alex

Ja krass, da beschäftigt sich auch jemand mit “meinem” Thema. Da ich in der Chip/RFID Branche tätig bin, kann ich diese Entwicklung sehen.
Die Hunde hatte keine Wahl, diese werden bereits gechipt und such wir werden vor dem Dilemma stehen, wenn dies politisch-gesellschaftlich gefordert wird.
Bei der Gegenbewegung wird man meinen Namen finden. Warum? Und warum dagegen?

Follow _alexschu on instagram 🙂

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