Jan
30
17

Wir sind Seelenverwandte und du bist trotzdem so fern.

Manchmal nehmen mich meine Gedanken mit auf ihre Reise und dann sehe ich uns. Du und ich, wir sind unzertrennlich. Wir gehen zusammen durch dick und dünn. Ich sehe uns wie wir gemeinsam über den Flohmarkt schlendern und du dir mir einen scheußlichen Pullover vor meinem Oberkörper zeigst, die Augenbraue hochziehst und uns zum lachen bringst. Wie wir gemeinsam das größte Schnäppchen finden und auf dem Weg nach Hause ein Eis essen.
Ich sehe uns gemeinsam vor dem Fernseher sitzen, in Jogginghose und einem selbst gemachten Auflauf auf dem Tisch. Wir schauen kitschige Filme und zum Nachtisch gibt es heißen Schokoladenpudding. Du verdrückst eine Träne am Ende des Films und sie ist der Anlass, dass wir bis spät in die Nacht nebeneinander sitzen und einfach nur reden. Über die Liebe, über die Freundschaft und über unsere Probleme. Wir vertrauen uns blind und finden immer eine Lösung.

Aber ich sehe uns auch gemeinsam durch den Wald laufen, mit unseren viel zu großen Kameras bewaffnet. Wir Beide lieben die Fotografie und brauchen keine großen Worte um die richtige Stimmung einzufangen. Wir kennen uns einfach.
Und später wenn ich auf meinem Blog einen Text dazu veröffentlichen möchte, schicke ich dir meinen Entwurf. Du bist immer der Mensch der meine Worte als erstes liest und du bist auch immer der Mensch der mir seine ehrliche Meinung darüber sagt. Denn du erinnert mich immer wieder daran, dass dieser Blog viele Menschen erreicht die vielleicht einen anderen Interpretationsansatz haben.

Ich nehme deinen Rat immer an. Doch manchmal, manchmal machen mich deine Worte wütend. Dann sehe ich uns auf einmal beide wütend, dann schreien wir uns Worte entgegen die wir noch im selben Moment bereuen. Dann werden Türen zugeschlagen und es herrscht Funkstille für ein paar Stunden. Denn spätestens danach wissen wir, dass wir nicht ohneeinander auskommen. Wir brauchen uns.

Vor allem durch meine Reise nach Neuseeland war das nicht immer einfach. Ich habe dich zurückgelassen und das erste Mal in meinem Leben einem Mann den Vortritt gewährt. Aber selbst das hast du akzeptiert. Und mich mit deinen Briefen und Worten zum weinen gebracht. Denn wenn ich daran zweifle ob ich in Deutschland wirklich vermisst werde und nach einem Jahr wieder Fuß fassen kann, erinnerst du mich daran, was wir gemeinsam haben. Du baust mich wieder auf, egal ob Heimweh oder Angst vor dem zu Hause, genauso wie ich dich wieder aufbaue wenn du über den ewig langweiligen Alltag redest und einfach nur eine Auszeit brauchst. Wir haben es trotz Entfernung und Zeitunterschied geschafft beisammen zu bleiben.

Und während ich all´diese Bilder in meinen Gedanken sehe, weiß ich, dass uns niemand diese Freundschaft zerstören kann. Keiner wird je unsere Bindung zueinander auch nur ansatzweise verstehen und wenn ich an unsere gemeinsamen Erlebnisse und Reisen zurückdenke, freue ich mich schon auf die nächsten. Ich würde gern mit dir die Welt bereisen. Fremde Kulturen entdecken und einfach mal zu zweit aus der Welt entfliehen.
Aber weißt du was? Dich gibt es verdammt nochmal nicht. Egal wo ich dich auch suche, du spielst ein elendes Versteckspiel mit mir. Alles was ich habe sind meine Gedanken die mir Bilder zeigen. Bilder von uns. Aber was bedeutet dieses „uns“ schon, wenn wir uns nicht einmal kennen?
„Komm und zeig dich!“, möchte ich dir entgegenrufen, obwohl ich genau weiß, dass es nicht so einfach geht. Dabei bist du alles was ich noch brauche um endlich vollkommen glücklich zu sein. Meine beste Freundin.

Seit einer geraumen Zeit beschäftigt mich jetzt schon der Gedanke, ob wir wirklich eine beste Freundin brauchen. Ich habe dieses Wunschdenken von einer perfekten Freundschaft, aber ich weiß auch, dass es vielleicht nie eintreffen wird. Ich bin einfach zu schlecht darin Freundschaften regelmäßig zu pflegen und das macht mich gleichzeitig wütend und traurig. Vielleicht ist es aber auch nur der Grund, warum ich noch nie eine Erfahrung wie beschrieben machen konnte.
Also fragte ich meine Freunde zu diesem Thema aus und ja, sie hatten alle sehr unterschiedliche Meinungen. Aber viele haben – wie ich – keine wirkliche beste Freundin. Und dann hörte ich einen Ansatz der mich wirklich begeistert hat. Vielleicht brauchen wir gar nicht diese eine Freundin. Vielleicht macht uns einfach nur diese Vorstellung krank und wir begeben uns auf eine Suche ohne Ende, obwohl wir eigentlich schon alles gefunden haben. Denn ist es nicht viel besser einen kleinen Personenkreis zu haben auf den man sich im Ernstfall verlassen kann? Unterschiedliche Menschen mit denen man über seine unterschiedlichen Probleme reden kann?
Ich finde zur Zeit selbst keine Antwort auf meine Fragen, deswegen möchte ich euch fragen. Braucht man wirklich eine beste Freundin? Brauchen wir diese beschrieben Wunschfreundschaft?


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22 COMMENTS
Svenja

Ich hatte ewigkeiten ein hin und her was eine „beste Freundin“ angeht. Ich hatte meine Kindheit und frühe Teenager Zeit eine beste Freundin, die mich im Endeffekt schrecklich hintergangen hat & danach dachte ich, ich hätte wieder eine Freundin gefunden, die mich so unterstützt wie man es sich vorstellt, die immer da ist und mich nie verlässt.. Fehlanzeige. Auch sie hat mich verlassen bzw. wir beide haben uns verlassen. Ich sehne mich genauso wie du oft danach, einfach so jemanden zu haben, wie du es beschrieben hast aber ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich so jemanden gar nicht brauche. Ich habe eine Hand voll wirklich gute Freunde, die mir für Rat und Tat zur Seite stehen, mit denen ich Pferde stehlen kann und die immer für mich da sind, wenn etwas ist. Und ist das nicht viel schöner als nur eine Person zu haben? Man hat so einfach die Möglichkeit sich mehrere Meinungen einzuholen, wenn man sie braucht. Es ist immer jemanden da, auch wenn diese „eine“ Person, die ja nicht existiert, mal keine Zeit hat. Und wenn ich mal so darüber nachdenke, bei meinen Jungs gibt es auch keinen, der sagen würde, er hat diesen einen besten Freund. Nein, meine Leute haben auch eine kleine Hand voll Freunde an die sie sich wenden können, wenn etwas ist & mit denen sie all das erleben, was man sich so erträumt.
Du bist also nicht die einzige, der es so geht!
Wir kennen uns nicht aber du bist bestimmt eine gute Freundin.

Ganz liebe Grüße!

Oh, du wurdest ja richtig enttäuscht. Aber ich teile deine Gedanken, auch wenn man in diesem Freundeskreis vielleicht doch eine „engere“ Freundin hat ist es schön mehrere Meinungen zu hören und immer jemanden da zu haben.
Liebst, Katja

Ich habe für mich die Erkenntnis, dass ich keien beste Freundin brauch. Oft hatte ich den Anschein gehabt, eine solche Seelenverwandte gefunden zu haben und über einen gewissen Zeitraum fühlt es sich auch so an. Aber letztendlich verweilt nur selten etwas auf ewig. Und wie meine bisherigen Erfahrungen bei Freunschaften sind, geht man irgendwann dann doch getrennte wege, weil die Interessen sich an manchen Punkten ganz und gar nicht mehr schneiden. Aber das ist ok!

Allerliebste Grüße,
HOLYKATTA

Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schade. Denn egal ob beste Freundin oder nicht, ich habe viele alte Freunde die ich nicht missen möchte. Denn man kennt sich einfach schon so lange und weiß wie der Andere tickt.
Liebst, Katja

Also ich glaube, das Problem ist, sich eine solche Person so positiv auszumahlen. Weil es dann schwierig sein wird, jemanden zu finden, der dem Bild entspricht. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die andere perfekt machen. Und wenn aus einer Freundschaft eine Seelenverwandtschaft entsteht, ist es halt noch besser. 🙂

Liebe Grüße
Iza von Unsettled Destination

Das stimmt, man hat immer eine Wunschvorstellung im Kopf und kann dadurch sein Glück gar nicht richtig genießen 😀
Liebst, Katja

Ich liebe deine Texte, ich muss gleich die anderen Texte lesen.
Ich selber tue mir auch sehr schwer Anschluss zu finden und diese Kontakte auch zu pflegen. Trotzdem habe ich eine beste Freundin. Wir reden vielleicht 4 Mal im Jahr miteinander. Und trotzdem ist sie meine Person,weil sie genau weiß, dass ich das nicht kann und sie akzeptiert es und lieb mich so wie ich bin. Und deswegen funktioniert es. Aber sie ist als beste Freundin der absolute Glücksgriff. Wer weiß vielleicht brauchst du auch so jemand 🙂 Aber man kommt auch ohne BFF durchs Leben 🙂

Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

Ich finde die Bezeichnung BFF so abartig. Sie passt irgendwie richtig in das Klischee einer Freundschaft die ich nie haben möchte.
Es ist übrigens interessant was ihr für eine Freundschaft führt. Hast du nicht das Gefühl sie öfter sehen zu wollen?
Liebst, Katja

Nancy Wächtler

Die tiefste und innigste Freundschaft ist die zu dir selbst. Du brauchst nicht suchen. Du musst nur den Weg zu ihr frei kehren.
Herzlichst
Nancy

Eine schöne Idee, aber manchmal brauche ich auch soziale Kontakte 😀 (Obwohl ich weiß was du meinst).
Liebst, Katja

Isa

Ich kann dich total verstehen, auch ich wünsche mir einfach eine beste Freundin die am besten in meiner Nähe wohnt und mein Leben mit mir teilt. Aber leider wohne ich abseits von All meinen Freunden was wahrscheinlich der Grund ist warum ich nie eine Beste Freundin gefunden habe. Manchmal bin ich schon neidisch wenn andere beste Freundschaften haben und ich daneben stehe. Allein. Aber ich denke dass ich irgendwann eine Person finde die mich akzeptiert wie ich bin und hinter meine Fassade gucken kann und mich als Freundin sieht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass auch du, liebe Katja, so eine Freundin finden wirst :))
Liebe Grüße 🙂

Und ich hoffe das du sie auch irgendwann findest 🙂
Liebst, Katja

Wunderschöner Text, liebe Katja!
Ich hatte diese beste Freundin wie du sie im Text beschreibst. Wir waren unzertrennlich, kannten uns seitdem wir 3 Jahre alt waren. Wir waren zusammen im Kindergarten, in der Grundschule, am Gymnasium, … Vor 1.5 Jahren wandte sich sich schlagartig von mir ab, scheinbar ohne erklärlichen Grund. Ich bekam richtige Hass-Nachrichten, voller Beleidigungen und bösen Worten. Ich glaube, sie kam mit vielen positiven Veränderungen in meinem Leben nicht klar- sie gönnte mir kein Glück und empfand anscheinend nur Neid.
Erstmal war ich damals nur traurig, im Nachhinein war es wohl das Beste so.

Ich denke, man „braucht“ nicht zwingend eine beste Freundin. Es ist natürlich schön wenn man solch eine Person in seinem Leben hat, aber sie ist sicher schwierig zu finden!

Liebe Grüße,
Carolin von streifenherzchen.de

Ich liebe deine Texte ja sowieso, aber dieser hier hat mich besonders berührt . So richtig. Unter anderem weil du ihn erzählerisch unfassbar gut aufgebaut hast. Und außerdem weil ich mir zuerst gedacht habe, dass du wieder einmal eine von diesen glücklichen Personen bist die so eine Freundin haben, nur um dann im nächsten Moment festzustellen, dass du mir was das betrifft so ähnlich bist.
Ich hatte während der Schulzeit eine solche Freundin, aber seitdem das ziemlich unschön außeinander gegangen ist, habe ich das Gefühl gar nicht einmal mehr in der Lage zu sein eine solche Freundschaft zu führen. Deine Frage, ob man diese beste Freundin braucht oder nicht kann ich nicht beantworten. Ich stell sie mir selber immer noch oft. Aber ich glaube so richtig brauchen tu ich sie nicht. Mit toller Familie, tollem Freund und ein paar guten Freunden ist man doch eigentlich eh auch schon gut ausgestattet 🙂
Danke für diesen Text!

Arabella

ich verstehe deine Gedanken.. ich habe diese eine Freundin, die ich schon seit der Krabbelgruppe kenne. Wir haben uns früher alle paar Wochen angerufen uns getroffen uns paar Tage gespielt und dann wieder paar Wochen keinen Kontakt gehabt, obwohl wir nebeneinander gewohnt haben. und so ist es jetzt immer noch. Ich wohne mittlerweile 400km weiter weg, aber immer wenn ich nach Hause fahre, ist sie die erste die ich besuche und es ist als ob ich nie weg gewesen wäre auch wenn wir uns monatelang nicht gesehen haben. ich weis nicht ob wir beste Freunde sind, da sie nicht zu meinem Freundeskreis gehört, den ich täglich sehe, aber irgendwas hält uns aufjedenfall zusammen. abgesehen davon finde ich einen engen Freundeskreis wertvoller als nur eine beste Freundin. solange du den hast und wertschätzt musst du nichts vermissen 🙂

Laura

Ich glaube nicht, dass es diese eine beste Freundin gibt,mit der man alle Interessen teilt und die man schon seit dem Kindergarten kennt. Freundschaften müssen gepflegt werden, dich sie dürfen auch zu Lebens abschnitten gehören.
Ich würde sagen, ich habe ca drei sehr enge Freundinnen und dann nochmal einen größeren Freundeskreis von ca acht „richtigen“ Freunden und den Rest würde ich zu (guten) Bekanntschaften zählen. Diese drei Freundinnen sind aber auch nicht immer die selben, die Plätze tauschen unteinander immer mal wieder, und wenn es nur für einen Moment ist.

Wichtig ist, dass man ein soziales Umfeld hat, in dem man mindestens immer eine Person hat, mit der man über eine (bestimmte) Sache reden oder etwas unternehmen kann.

Das kann jedoch nicht eine Person alleine ausfüllen.

Im Endeffekt gibt es dafür sowieso keine allgemeine Lösung und jeder muss seinen eigenen Weg finden. 🙂

Bea

Als ich deinen Text gelesen habe, schossen mir sofort die Gedanken in den Kopf, wie schön und „ideal“ die von dir beschriebene Freundschaft doch ist. Ich habe mir auch oft die Frage gestellt, ob ich wirklich eine beste Freundin habe, ob ich überhaupt eine brauche. Doch mittlerweile hat sich bei mir die Einstellung gefestigt, dass man in jedem Freund man hat auch einen besten Freund hat. Jede Freundschaft und jede Beziehung ist so individuell, dass man sogesehen mit jedem Menschen eine beste Freundschaft entwickelt, da es halt nur diese eine unvergleichbare zwischen diesen Personen gibt. Für mich sind alle meine Freunde zusammen meine beste Freundin.
Dennoch hat sich bei mir eine so besondere Freundschaft entwickelt und bei dieser Person fühle ich mich einfach zuhause. Sie ist der Inbegriff von Familie für mich, von frei sein, von du sein. Auch wenn wir diese Freundschaft haben, oder auch beste Freundschaft, sind die anderen Freunde für mich auf gleicher Stufe.

Mir gefällt der Gedanke, dass jede Freundschaft individuell ist und man sich somit auch mit bestimmten Problemen an bestimmte Personen wenden kann. Aber bei mir bleibt dann auch die Frage, ob es nicht schön ist eine Person für alles zu haben 🙂

P

Ich hatte sehr lange eine solche enge und innige Freundschaschaft, in der wir wirklich alles, jede Sorge und jeden Glück geteilt haben, leider geht das gerade in die beüche, und für mich ist das schlimmer als das ende jeder beziehung, aber es war auch schöner als jede beziehung!

Nineke

Ich hatte so eine beste Freundin für eine Zeit, zumindest habe ich das gedacht. Ich könnte alle meine Gedanken mit ihr teilen, wir haben uns auch mal gestritten und angeschriehen, zusammen gelacht und geweint. Aber als ich dann für ein Jahr wegging, hat sich heraus gestellt dass wir beide anders empfunden haben über unsere Freundschaft. Ich war am Boden zerstört als das klar wurde.
Nach wie vor wünsche auch ich mir diese eine Freundin, die beste Freundin, eine Seelenverwandte & ja, natürlich ist es schön viele verschiedene Freundinnen zu haben, aber doch wünsche ich mir nach wie vor eben all dies in einer Freundschaft zu vereinen.

Susu

Ich hatte zwar damals beste Freunde aber nie so jemanden. So jemanden hab ich mir auch schon gewünscht und mittlerweile hab ich gar keine beste Freundin und zwar eigentlich genauso wie du es beschrieben hast. Die Vorstellung ist sehr wunderschön, oft denke ich irgendwann kommt sie vielleicht aber oft denke ich auch vielleicht ist man einfach sich selbst die aller beste Freundin, die so ist wie beschrieben. Auch wenn es eigentlich ein bisschen einsam klingt.

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