Wir schrieben den 25. Mai, als mein Flieger gegen 8:45 Uhr in Frankfurt landete, ich zum Anschlusszug rannte und 13:24 Uhr endlich meine Mama wieder in die Arme schloss. Das Abenteuer Neuseeland war vorbei und ich war wieder zu Hause angekommen. Körperlich zumindest.
Wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag, ich versuchte mich mit Kaffee und Cola wach zu halten, bis ich schließlich kaputt ins Bett fiel. Und darüber war ich sehr froh, denn nach einer 24 Stunden Reise und dem ersten Kulturschock „Männertag“, hatte ich keine Lust mehr stundenlang die Decke anzustarren und meine verlorene Freiheit zu vermissen.

Lange schlafen konnte ich durch den Jetlag trotzdem nicht, aber somit hatte ich wenigstens Zeit schon am Morgen etwas anzupacken. Ich räumte ordentlich auf, packte den Rucksack aus, schoss ein paar neue Bilder und schrieb einen Blogeintrag. Gegen 10:00 Uhr war ich damit fertig, setzte mich in unser Wohnzimmer und wusste auf einmal nichts mehr mit mir anzufangen.
Unsere Wohnung kam mir viel zu groß und voll vor, mein Zimmer quillte über mit Dingen die ich eigentlich nicht brauche und trotzdem hatte ich keine Ahnung, wie ich meine Zeit füllen sollte. Ich fühlte mich verloren in der Zivilisation und musste raus.

Das Schönste an meinem Hobby ist, dass ich richtig schnell viele tolle Menschen kennenlernen kann. Also traf ich mich erst mit zwei Freundinnen, fuhr dann weiter in die Stadt um fluchend festzustellen, dass mein Handy nach seinem Wasserbad für 200€ ausgetauscht werden muss, traf eine Unbekannte aus dem Netz und erkannte glücklich, dass wir richtig gute Freunde werden können.
Außerdem hat sie mich dazu inspiriert die Sache endlich anzupacken, mich von dem alten Konsum zu befreien, weshalb ich gegen 21:00 Uhr anfing meinen Kleiderschrank auszusortieren. Die Hälfte meiner Kleidung und einen weiteren Kaffee später, fing das Kratzen in meinem Hals dann das erste Mal leicht an.

Über die zweite Nacht in meinem alten Kinderzimmerbett möchte ich nicht reden. Ich habe kaum geschlafen, 3 Tassen Tee getrunken, mit unruhigem Magen auf dem Klo gesessen und die erlösende Schmerztablette gefunden. Als die Sache auch am nächsten Morgen nicht besser wurde, musste ich enttäuscht einsehen, dass ich zu Hause angekommen und sofort richtig krank geworden war.
Ich verpasste also einen Flohmarktbesuch, 2 gute Essen und viel Freizeit schlafend im Bett, starrte betrübt meine Decke an und hasste meinen Körper. Man muss vielleicht dazu sagen, dass ich immer nur krank werde, wenn mein Körper mir eine Auszeit geben möchte. Manchmal ist er einfach dem Stress nicht mehr gewachsen und denkt sich, dass ein paar Tage mit Halsschmerzen im Bett eine gute Lösung sind.

Diesmal ist die Situation ähnlich. Ich habe versucht mein Jetlag im Kaffee zu ertränken und meine Sehnsucht mit neuen Bekanntschaften zu vergessen, weil ich noch nicht richtig ankommen, beziehungsweise realisieren will, dass ich wieder in Deutschland sitze und die Menschen wieder sächseln.
Aber während ich mich sonst über ein paar Tage gezwungene Auszeit freue, bin ich diesmal einfach nur genervt. Ich möchte noch nicht unnütz zu Hause sitzen und über alles Nachdenken, ich möchte noch nicht realisieren, ich möchte diesen Zauber noch nicht aufgeben.

Gezwungenermaßen habe ich also die ersten Tage nach meiner Ankunft mit der Frage beschäftigt, die ihr mir ständig bei Instagram stellt und vor der ich am meisten Respekt hatte - Wie ist es denn, wieder zu Hause anzukommen?
Naja, sie lässt sich ziemlich einfach beantworten. Beschissen.

Ich war krank, hatte Jetlag, fühle mich in meinem zu Hause nicht mehr wohl, als wäre ich rausgewachsen, ich bin geschockt von meiner eigenen Kultur, vermisse Neuseeland, vermisse die Freiheit, ich kann die Frage „Was machst du denn jetzt danach?“ nicht mehr hören und ich habe die ersten Menschen mit einer Primarktüte in der Hand entdeckt.
Nach Hause kommen ist verdammt schwer. Weil jeder Mensch aus der Heimat in seiner eigenen kleinen Blase weitergelebt hat, während man selbst die Welt entdeckte und seinen Horizont ein kleines Stück erweitert hat. Das Ergebnis sind Freundschaften die zerbrechen, ein ständiges Unwohlsein, das Gefühl nicht mehr dazuzugehören und die Suche nach Gleichgesinnten. Denn keiner aus deiner alten Blase kann verstehen, was die letzten Monate mit dir passiert ist.

Ich möchte gerade einfach nur gesund werden und meinen eigentlichen Plan der Verdrängung fortsetzen. Weil die Wunde noch zu frisch ist und auch, wenn mein Körper meint ich sollte endlich darüber nachdenken, habe ich noch nicht genügend Kraft mich der traurigen Realität zu stellen und etwas positives darin zu entdecken.

Outfitdetails // Kleid: Madekind // Rucksack: Fitz & Huxley (gesponsert) // Uhr: Kerbholz (gesponsert)

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8 COMMENTS

Wieder ein richtig schöner Beitrag. Ich kann mich kaum vorstellen wie das fühlen muss wieder zu Hause zu sein. Aber ich glaube, dass ich das Gefühl verstehe, dass alles so voll und groß aussieht. Das ist ungefähr was ich fühlte, als ich mit Weihnachten wieder kurz in den Niederlanden war. Ich hoffe, du bist trotzdem gut zu Hause gelandet und ich freue mich auf unser Treffen nächste Woche 🙂

PS. Du hast es auch schon geschafft so schnell wieder wunderschöne Bilder zu machen! Und ich liebe deinen Rucksack!

Ich freue mich auch sehr, dann kannst du mir alles berichten 🙂
Bis dahin!

Die Bilder sind der Wahnsinn!!!!! Die Farben passen alle so gut zusammen und der Look ist mega stimmig!
LG Eli
http://www.doctorsfashiondiary.com

Sandy

Die Bilder sind wunderschön, genau wie du. Der Pony unterstreicht meiner Meinung nach deinen einzigartigen Charakter. Ich bewundere dich für deine Selbstreflektion und dem Drang voran kommen zu wollen; dich weiterzuentwickeln und nicht stehen zu bleiben.

Allerdings musste ich bei der Formulierung „in seiner eigenen, kleinen Blase“ kurz inne halten. Ich unterstelle dir keine böse Absichten oder ähnlich. Aber ich frage mich wieso der Kosmos der Daheimgebliebenen kleiner ist? Wieso ihr Horizont beschränkter ist? Auch sie haben sich weiterentwickelt, Momente gelebt, aber auch Misserfolge erlebt und verarbeitet.
Ich verstehe diesen „Trend“ dieser Zeit nicht, indem Reisen oder ein Auslandsaufenthalt (welcher Art auch immer) als einzig wahrer Weg zur Selbstaktualisierung dargestellt wird. Man muss nicht an’s andere Ende der Welt, um seinen Horizont zu erweitern und aus seiner Blase auszubrechen. Dafür reicht oft schon ein aufmerksamer Blick und eine bewusste Wahrnehmung seiner eigenen Umwelt.

Vielleicht hilft es dir ja dir deinen Entdeckergeist und deine Abenteuerlust aus Neuseeland zu bewahren und auf deine Heimat zu projezieren. Wer weiß, vielleicht offenbaren dir so ganz neue Möglichkeiten 🙂

Willkommen zurück!

Danke dir 🙂
Ich glaube ich habe ein anderes Verständnis für das Wort „Blase“ und dies war auch überhaupt nicht negativ gemeint! Meine Familie und meine Freunde haben in ihrer Welt (beziehungsweise Blase) hier gelebt und ich habe dafür in meiner Blase am anderen Ende der Welt gelebt. Blase war darauf bezogen, dass sie ihren Alltag leben und einen geregelten Tagesablauf haben, während ich in meiner Reiseblase war und dafür aber zum Beispiel kaum Nachrichten mitbekommen habe. Also auch beim Reisen ist man irgendwie in seiner Blase, was aber nicht bedeutet, dass sie einen daran hindert den Horizont zu erweitern. In beiden Definitionen 🙂

Das werde ich auf jeden Fall versuchen, nicht umsonst Reise ich jetzt erst einmal ein bisschen durch Deutschland und möchte es besser kennen lernen!

Liebst, Katja

Zeilenzunder

Ohje, ich kann dich gut verstehen! Ich werde auch immer krank, wenn mir mein Körper sagen will, ich brauche mal eine Pause… ich wünsche dir eine gute Besserung und das du bald wieder so richtig ankommst und dein Zuhause wieder genießen kannst. Klar, dauert das eine Weile, aber ich denk, dass du bald wieder Freude an deinem Heim empfinden kannst <3
Viele Grüße
Lena

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