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        Fast 2 Monate sind jetzt vergangen, seit ich in einem Haufen voller Kleidung saß, mich selbst fragte wie viel ich davon wirklich brauche und kurzerhand beschloss ein Experiment zu starten – nämlich 3 Monate keine neue, oder gebrauchte Kleidung mehr zu kaufen. Während ich also übermütig in die kommenden Wochen startete, möchte ich an dieser Stelle nicht aufgeben, sondern niederschreiben was ich gelernt habe, wie es mir dabei erging und euch erklären, warum ich mich dazu entschlossen habe aufzuhören und auf mein Gefühl zu hören.
        Minimalismus soll und darf keine große Einschränkung für mich bedeuten, sondern durch ihn möchte ich versuchen glücklicher und befreiter zu leben. Für mich ist es wichtig ein gesundes Mittelmaß zwischen dem Minimalismus und meinem eigenen Leben zu finden, was auch für jeden von euch ein tragender Gedanke sein sollte. Aber dazu später mehr, bevor ich meine lange Rechtfertigung mit euch teile, möchte ich erst am Anfang beginnen.

        Die ersten Wochen

        Ich beschloss also nicht nur aus finanziellen Gründen das Shoppen für eine Weile an den Nagel zu hängen und mich auf andere Werte meines Seins zu konzentrieren. PR-Samples, also zugeschickte Kleidung von Firmen schloss ich dabei aus, um Kooperationspartner nicht zu verlieren und genau diese Einstellung wurde mir schon in der ersten Woche zum Verhängnis.
        Neben Kleiderkreiselbestellungen der letzten Tage, trudelten nämlich auch jede Menge andere Pakete bei mir ein und machten mir gleich am Anfang ein richtig schlechtes Gewissen. Ich meine, lasst euch diesen Widerspruch auf der Zunge zergehen, ich möchte aufhören neue Kleidung in meinen Schrank zu hängen und suhle mich schon einige Stunden später in prall gefüllten Pappkartons. Das war kein guter Anfang, aber er ließ sich leider auch nicht mehr rückgängig machen. Immerhin lernte ich damit umzugehen, nicht aufzugeben und positiv in die nächste Woche zu gehen.

        Diese wäre nämlich um ein Haar auch in die Hose gegangen. Aber ich blieb stark. Auf dem Flohmarkt, auf welchem ich nach Möbeln für die neue Wohnung Ausschau hielt und mir eine Hose für 2€ ins Auge sprang. Immer wieder auf dem Weg zur Arbeit, als ich an einem meiner liebsten Second Hand Läden vorbei lief und nur im Vorbeigehen hinein schielte. Und auch an dem einen Abend, als ich ohne darüber nachzudenken fast bei einem Instagramstory-Verkauf mitgemacht hätte. Glaubt mir, das war mein größtes Verhängnis.
        Aber ich blieb stark, sortierte stattdessen immer wieder aus meinem eigenen Kleiderschrank aus, weil ich nur das Wichtigste mit nach Leipzig nehmen wollte und war richtig stolz auf mich selbst. Aus dem anfänglichen Widerstehen und der Sucht „doch nur mal zu schauen“, wurde nämlich ein kühler Blick auf die Ware, der gar nicht erst daran dachte stehen zu bleiben.

        Ich hatte nicht einmal mehr das Bedürfnis neue Kleidung zu kaufen.

        Geld habe ich in dieser Zeit leider gar nicht gespart, wie ich es mir eigentlich erhofft hatte, dafür war einfach der Umzug zu preisintensiv. Ich empfehle euch übrigens kurz vor dem Umzug noch einmal die Doku „Minimalism“, sie gibt ein unglaublich schönes Denken auf die neue Wohnung und hat mich auch dazu gebracht meinen Kleiderschrank und sämtliche Kisten noch einmal auszusortieren.
        Ich reiste also nur noch mit dem (wie ich glaubte) Nötigsten nach Leipzig und zog ein. Die leeren Wände fühlten sich zwar leer an, aber nicht weil ihnen die materiellen Dinge gefehlt haben, sondern weil ich mich allein fühlte. Ich fühlte mich gut mit mir selbst und meinem Willen, schüttelte doch in dieser Zeit und auch heute immer noch über den Konsum mancher Instagrammer und Blogger. Selbst über jene, bei denen ich dachte sie hätten ihren Briefkasten einigermaßen im Griff, wobei sich mir auch die Frage stellte, welchen Konsum ich euch auf Instagram vorzeige und ob das verantwortungsbewusst ist. Bis heute habe ich noch keine richtig Antwort darauf gefunden, deshalb würde mich eure Meinung interessieren.

        Auf jeden Fall war mittlerweile ein Monat vergangen und ich begann langsam das Shoppen zu vermissen. Nicht das Besitzen von neuen Kleidungsstücken, sondern die Zeit die ich mit Freunden in Second Hand Läden verbrachte und in denen wir uns um die Schnäppchen stritten, oder alte Herrenmützen trugen. Zeit in denen wir über den Flohmarkt schlenderten und uns fragten, wer eigentlich alte Gläser aus dem Chemielabor kauft und warum die Menschen wirklich um jeden Euro feilschen.
        Ich merkte, dass dieses Stöbern und die Liebe für getragene Kleidung mit Geschichte ein Teil von mir ist auf den ich ungern verzichten möchte und dachte das erste Mal daran ob kompletter Verzicht (obwohl ich es nicht als Verzicht bezeichnen würde, eher der komplette Wandel), wirklich glücklich macht.


        Dennoch blieb ich stark und nachdem ich 2 Wochen mit dem Rucksack durch Deutschland gereist war, sortierte ich sogar noch ein 3. Mal radikal aus. Ich mache das immer gern nach einer Reise in der mir bewusst wird, wie wenig ich brauche und auch diesmal hat es mir wieder richtig gut getan.
        Neben des Experiments im Bezug auf meinen Kleiderschrank, begann ich jedoch auch mich mit den Themen Zero Waste und regionales, biologisches Einkaufen zu beschäftigen und stieß dabei mehr als einmal an meine Grenzen. Ich wollte einfach zu viel auf einmal und anstatt Essen zu genießen, dachte ich jedes Mal an die Verpackung oder das Plastik. Ich war zu radikal mit mir selbst, worüber ich euch aber gern in einem extra Beitrag berichten kann, falls ihr interessiert sein und brauchte ein paar ältere Blogeinträge von DariaDaria, um mich nicht mehr ständig unter Druck zu setzen.

        Vor allem wenn man in der Öffentlichkeit steht, wird man immer dazu angehalten alles perfekt zu machen, was ich allein aus der Sicht der Vorbildfunktion auch verstehen kann. Was aber, wenn dieses Perfekt-Sein die Person selbst zerstört und sie einen Weg zum Glück, zum minimalistischen Leben zeigt den sie selbst nicht wirklich geht? Es geht nicht darum sich von allem zu trennen, lautet auch ein Satz aus der Doku Minimalism, wenn du gern Bücher kaufst und später an deine Freunde weitergibst, mit ihnen darüber redest und dich erfüllt fühlst, dann behalte sie verdammt noch einmal auch.

        Meine Gedanken rasten immer wieder darum es jedem Recht machen zu wollen, obwohl ich mich dabei selbst vergaß.

        Wo stehe ich also jetzt? Ich war frustriert davon mit meinem radikalen Denken an dem persönlichen Projekt Zero Waste nicht so schnell vorangekommen zu sein, wie ich es mir erhofft hatte und wie immer, wenn sich in mir ein Loch aufbaut, versuchte ich es mit neue Kleidung zu füllen. Bestellt habe ich zum Glück nur einen Pullover, aber damit war ich aus meiner Perspektive auch an meinem 2. Experiment gescheitert.
        Und das Ganze war mir eine Lehre. Ich möchte wieder kleine Schritte machen und für mich selbst den besten Weg finden, ohne große Ankündigungen zu machen und mich selbst unter Druck zu setzen. Denn Kleidung gehört zu mir und macht mich glücklich, nicht im materiellen Sinn, sondern aus dem Blickwinkel der Neuerfindung und der alten Stücke mit Geschichte, weshalb ich sie nicht aufgeben möchte.

        Meine Kaufsperre ist also aufgehoben, weshalb ich mich jetzt aber nicht als Versager sehe, oder direkt loslaufe und mit einer vollen Einkaufstüte nach Hause komme. Die Zeit war mir eine große Lehre und ich habe wieder einmal viel über mich selbst erfahren, was einfach notwendig war. Das alles möchte ich auch euch mit auf den Weg geben, immer mit dem Gedanken daran das richtige Gleichgewicht zwischen einem gesundem Leben und den eigenen Möglichkeiten zu finden, denn sonst setzt man sich selbst zu sehr unter Druck.
        Ich weiß also jetzt, dass ein voller Kleiderschrank nicht die Erfüllung meines Lebens ist, ich aber auch nicht darauf verzichten möchte und ich habe gelernt zu erkennen, wann ich Dinge wirklich brauche und wann ich wirklich nur aus Langeweile, oder anderen Gefühlen die ich nicht stillen kann shoppe.

        70 Teile

        Neben diesen Erfahrungen nehme ich auch ein neues Konzept für meinen Kleiderschrank mit, denn dort hängen jetzt nur noch genau 70 Kleiderbügel (das ist keine empfohlene Angabe, sondern mein eigenes Gefühl. Jeder muss für sich selbst den richtigen Weg und die richtige Masse finden). Das ist immer noch eine Menge und ich bin mir dessen bewusst, möchte aber auch nicht darauf verzichten müssen. Jedenfalls sind 70 Kleiderbügel dafür da um gefüllt zu werden und um mich immer wieder daran zu erinnern, dass ich mir Grenzen setzen muss, denn wenn sie voll sind, sind sie voll.

        Outfitdetails
        Schuhe: Dr. Martens // hier, aus Leder (!)
        Hose: Topshop über Kleiderkreisel // hier als nachhaltige Alternative und hier das Original
        T-Shirt: Zara über Kleiderkreisel // hier oder hier als nachhaltige Alternative
        Cardigan: Second Hand (ursprünglich Pull&Bear)// hier als nachhaltige Alternative und hier das Original
        Rucksack: Fjällraven // hier (hat Lederdetails)

        Location: Radebeul
        Kamera: Canon EOS 6D
        Objektiv: 24-105mm
        Bildbearbeitung Tutorial (hier)

        13 COMMENTS

        Jetzt hatte ich mir deinen Beitrag tagelang aufgespart, um ihn genau und mit viel Zeit zu lesen – und das war es auf jeden Fall wert! Bei mir steht auch bald (endlich) ein Umzug an und die Doku werde ich mir davor auf jeden Fall ansehen. Ich freue mich auch schon darauf, endlich Ordnung in meinen Kleiderschrank zu bringen und mich von so viel Unnützem zu trennen. Ich weiß, dass ich mit einem Verzicht von Shopping auch an meine Grenzen stoßen würde bzw schon getan habe, dass auch das Flohmarktschlendern oder das bewusste Stöbern in meinen Lieblingsläden zu mir gehört. Deswegen freue ich mich über diesen so guten, so selbstreflektierten und sympathischen Artikel von dir! Stück für Stück an sich selbst zu arbeiten und sich dabei selbst kennenzulernen, ist doch eigentlich das Beste, das wir tun können. Aber trotz allem finde ich, dass wir alle persönlich darauf hören sollten, was uns glücklich macht – und das in Einklang mit unseren Werten und Idealen bringen sollten. So leicht geschrieben, aber so schwer umzusetzen: Ich habe das Gefühl, ich scheitere an diesem Vorsatz von mir selbst täglich…
        Ganz liebe Grüße an dich <3

        Danke dir! Wie schön geschrieben, ich glaube wir dürfen uns einfach selbst nicht zu sehr unter Druck setzen und brauchen vielleicht auch einfach eine Person die an uns glaubt.
        Alles Gute beim Umzug, ich muss dich dann mal besuchen kommen in der neuen Wohnung 🙂

        Toller Beitrag – wie all deine Beiträge! Ich finde es super, dass du uns teilhaben lässt und lasse mich immer wieder aufs Neue von dir inspirieren! Danke dafür 🙂

        Dieser Beitrag spricht mir sehr aus der Seele. Ich habe auch mal einen Monat auf shoppen verzichtet und zum Ende würde es sehr schwierig, aber ich hab’s geschafft. Seitdem gehe ich sehr selten nur noch bummeln. ☺
        Und du bist definitiv keine Versagerin, du hast dich in meinen Augen einfach sehr gut kennengelernt, was dein Verhältnis zu Klamotten angeht.
        Außerdem mal wieder sehr schöne Fotos! 👍🏼😊

        Wie schön, dass du es tatsächlich durchgehalten hast 🙂

        Ich beschäftige mich im Moment auch mit Zero Waste beziehungsweose mehr Nachahltigkeit usw. Aber ich hab im Moment einfach nicht die Möglichkeiten dazu, meine Vorhaben umzusezten, da ich noch für einen Monat in Irland bin und meiner Gastfamilie nicht vorschreiben will, was sie kaufen soll oder wie sie öeben soll. Ich hab schon hier und da mal drarauf hingewiesen aber geändert hat sich nichts. Ich hoffe das wird bei meiner Familie zu Hause leichter, an sonsten muss ich leider noch ein paar Jahre warten, bis ich ausziehe (bin 15)

        Die Erfahrung habe ich aber auch gemacht, man muss auch den Lebensstil von anderen Menschen akzeptieren. Vor allem wenn es um Familie geht, auch wenn du ihnen natürlich ein Bewusstsein für die Fakten geben kannst. Alles gute auf deinem Weg 🙂

        Und genieß die Zeit und Irland!

        Wie ein schöner Artikel. Als ich aus Leipzig zurück in den Niederlanden gekommen bin, habe ich fast geweint, als ich meinen Kleiderschrank geöffnet habe. Ein Jahr hatte ich mit nur weniger Kleiding gelebt (da ich es einfach nicht mitnehmen konnte) und auch fast gar nichts gekauft. Und dann gab es auf einem Mal noch so viel bei meinen Eltern. Sachen die ich irgendwie gar nicht vermisst habe usw. Ich habe die Sachen sofort sortiert und weggegeben. Ich glaube, dass ich das bald nochmal machen werden. Deine Wörter motivieren mich.

        Das ging mir nach Neuseeland tatsächlich genauso und ich wünsche dir alles gute auf deinem Weg 🙂

        Da ich dauerhaft unterwegs bin, muss ich mich einschränken und hab wirklich nur das Nötigste an Klamotten. Finde aber nicht, dass du zu viel konsumierst oder so, da du ja meist second hand kaufst und das ist meiner meinung nach was ganz anderes. Klar es landet auch in deinem Schrank, aber du unterstützt die Produktion nicht und es hat eine andere Bedeutung.
        Keiner erwartet von dir perfekt zu sein! Und ein Wandel geht nicht in paar Wochen. Finde deinen weg und lass es langsam angehen. Niemand wird dich dafür verurteilen 💚

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