Wenn es etwas auf diesem Blog schon lange nicht mehr gegeben hat, dann ist das wohl ein Outfitpost.

Ein Beitrag gefüllt mit Konsum, Selbstdarstellung und ohne Inhalt zwischen den Zeilen, oder den Affilinet-Links. Dabei kann Mode viel bedeuten. Sie kann ein Statement sein, eine Persönlichkeit besser ausdrücken, oder einfach inspirieren. Für mich ist dennoch genau daraus irgendwann eine Qual geworden, als würde ich ständig eine Last auf meinen Schultern tragen. Aus dem täglichen Blick in den Spiegel wurden Selbstzweifel, ob ich das wirklich tragen kann, ob ich gut genug bin. Aus dem vollen Kleiderschrank wurde die Frage, was ich wirklich zum Leben brauche, vor allem wenn ich von einer Reise wiederkam. Und aus jedem einzelnen Kleidungsstück schien ein neuer Gewissensbiss zu werden, ob ich diese Modewelt voller Ausbeutung wirklich auf diese Weise unterstützen möchte.
Wie finde ich wieder Spaß an der Mode und kann ich das wirklich alles für mich vertreten?

Ich konnte meinen Kleiderschrank nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren und begann mich mit Themen wie Minimalismus und fairer Mode auseinanderzusetzen. Das alles macht ich hier öffentlich, aus den Outfitbeiträgen sollten fair fashion Outfitbeiträge werden, bis sie schlussendlich komplett verschwanden. Alles was blieb ist dieser kleine Hinweis am Ende jedes Textes, woher meine Kleidung kommt und wo man sie nachkaufen kann.

Im Fokus stehen für mich mittlerweile ganz andere Themen und die gesamte Modewelt hat sich ohne mich weitergedreht. Ich bin froh kein Teil mehr von ihr zu sein und diese Erkenntnis hat mich einige Zeit gekostet. Keine Frage, ich möchte niemanden verurteilen, nicht immer alles schlecht reden, aber mitmachen kann ich auch nicht mehr.
Von neuen Trendteilen und Produktionsbedingungen einmal abgesehen, möchte ich für mich die Mode einfach nicht mehr an erster Stelle in meinem Denken und meinem Leben stehen haben. Dort stehe jetzt ich, was auch immer ich sein mag, mit meinem Glück, Freundschaft, meinen Gefühlen und Gedanken. Dort stehen meine Erfahrungen, Abenteuer und Niederlagen.

Ich möchte mir mein Selbstbewusstsein nicht von Äußerlichkeiten wie Kleidung abhängig machen, sie dürfen jedoch trotzdem ihren kleinen Anteil daran nehmen.

Auch, wenn ich fast nur noch Second Hand oder fair produzierte Kleidung trage und endlich wieder für mich Spaß an der Mode gefunden habe, fällt es mir immer noch schwer einen Text über Belanglosigkeiten wie ein neues Kleid zu schreiben. Da draußen gibt es so viel wichtigere Dinge auf die ich aufmerksam machen möchte, bei denen mein Drang überwiegt meine Meinung zu sagen.
Kleidung ist dabei, vor allem auf den Fotografien zum Text, immer ein kleiner Teil davon, aber eben auch keine Priorität an erster Stelle. Vielleicht sortiere ich auch deshalb meinen Kleiderschrank immer wieder aus, um mich von unnötigem Ballast zu trennen den ich täglich mit mir herumtrage und meinen Blick auf wichtigere Dinge zu lenken.

Denn mal ganz ehrlich, was bedeutet schon eine neue Hose, wenn man vor wichtigen Lebensentscheidungen steht, oder den Sonnenuntergang am Abend mit leuchtenden Augen betrachtet? Richtig, man trägt sie locker auf der Hüfte, es könnte aber in diesem Moment auch jede andere Hose sein. Und für mich war es wichtig genau diesen Drehpunkt zu verstehen.

OUTFITDETAILS

Schuhe: Veja (prsample)
Hose: Topshop über Kleiderkreisel
Bluse: Second Hand
Uhr: Kerbholz (prsample)

DETAILS

Kamera: Canon EOS 6D
Objektiv: 24-105mm
Stativ: Hama
Bearbeitungsprogramm: Lightroom

Beitrag zur Bildbearbeitung: hier

SHARE
KOMMENTARE

Da hast du so so recht und ich kann deine Gedankengänge nur zu 100% nachvollziehen! Ich finde nur dass Textil auf jeden Fall nichts belangloses ist, jedes Kleidungsstück kann eine Geschichte mit Mehrwert erzählen. Ist es aber nicht schön, dass es Menschen wie dich gibt, die von der Oberflächlichen sozialen Druck und Konsumnummer weggehen und das Promoten, was wir eigentlich hinter der ganzen „glück durch Konsum „Nummer verstecken hervorholen?

Liebst Franzi
https://unpetitsourireslowsdown.com/

Da muss ich dir zustimmen, wobei es immer einen Unterschied zwischen der Geschichte eines Second Hand Kleidungsstückes und einem fast fashion Teil gibt. Die Geschichte kann eben auch schön, oder nicht so schön sein. Recht hast du auf jeden Fall, wobei ich mich frage ob dieses romantisieren von puren Dingen immer so gut ist.
Liebe Grüße,
Katja

Seitdem du mich in diesem ganzen Thema zum Überdenken meines Konsumverhaltens gebracht hast, habe ich mich auch komplett von der Wichtigkeit meiner Outfits und meiner Klamotten getrennt. Klar ist es leider immer noch nicht so, dass ich einfach irgendwas anziehe und es mir vüllig egal ist, einfach weil unsere Gesellschaft das nicht hergibt bzw. man dafür seeehr selbstbewusst sein muss. Aber ich arrangiere mich einfach mit dem was ich habe, versuche daraus das Beste zu machen und habe nicht mehr das Gefühl noch mehr und mehr und mehr zu brauchen. Denn bei mir hat sich das in eine totale Spirale entwickelt, dass man immer mehr und immer wieder etwas kaufen will und dem bin ich jetzt komplett entflohen. Und wenn ich etwas gekauft habe in der letzten Zeit, dann habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht oder es wirklich gebraucht (wie mein Abiball-Kleid). Außerdem möchte ich noch dazu übergehen nur noch Second Hand oder Nachhaltig zu kaufen.
Ich unheimlich froh, dass du mich zum Überdenken angeregt hast und fühle mich mit weniger und ohne das Verlangen so viel wohler!

Liebste Grüße
Pauline <3

https://mind-wanderer.com/category/lifestyle/thoughts/