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Wenn schon vegan, dann richtig.

Okay, zugegeben ging es in den letzten Wochen doch öfter um vegane Ernährung und auch, wenn es mir zur Zeit eher wie Pauline geht, habe ich mich dennoch sehr viel mit dem Thema befasst und möchte zu all´den Beiträgen der letzten Zeit noch eine kleine Anmerkung schreiben.
Vegane Ernährung scheint die perfekte Lösung auf unsere Probleme zu sein. Tiere müssen nicht mehr sterben, oder ausgebeutet werden damit wir ein Stück Fleisch oder Käse auf unserem Teller liegen haben, unsere Umwelt kann geschont werden, wie Jenni schrieb und auch unserem Körper scheint das Essen besser zu bekommen. Immerhin nehmen wir zum Beispiel durch ein Stück Fleisch auch viele der Antibiotika auf die bei der Massentierhaltung benutzt werden, beziehungsweise können tierische Produkte sogar Diabetes (mehr), Schlaganfälle oder Herzinfarkte (mehr) auslösen.

Es scheint also nichts außer unser faules Gemüt gegen eine vegane Ernährung zu sprechen, aber ich möchte an dieser Stelle noch einmal kurz den Zeigefinger erheben. Denn da diese Ernährungsweise gerade sehr trendig ist, entstehen neue vegane Produkte wie am Fließband die aber aus industrieller Sicht keinen Deut besser produziert werden, als ein Stück Schweinefleisch aus der Massenproduktion. Auch Obst und Gemüse, um ein weiteres Beispiel zu nennen, haben einen sehr hohen CO2 Ausstoß, wenn sie für uns einmal um die Welt geschifft werden müssen.
Weitere Punkte für mich sind Soja und Rapsöl. Beides wird in veganen Ersatzprodukten gern verwendet, schadet aber nicht nur der Umwelt, da riesige Flächen an Regenwald abholzt werden müssen, sondern teilweise auch unserer Gesundheit (mehr dazu hier).

Eine vegane Ernährung ist also keinesfalls der bessere Weg, wenn man sich nicht damit beschäftigt und versucht wirklich etwas zu verändern. Oft wird dabei einfach nur eine andere Industrie unterstützt, die aber nicht mit weniger brutalen Mitteln vorgeht.
Was hilft also? Man sollte vor allem darauf achten, was genau man in seinen Einkaufswagen legt. Egal ob man als Fleischliebhaber gute Qualität vom Bauernhof der Gemeinde kauft, oder als Veganer regionales und saisonales Obst mit nach Hause nimmt. Wichtig ist es vor allem die Landwirtschaft in der Umgebung zu unterstützen, denn auch ein Bio-Produkt kann schädlich für die Umwelt sein, wenn es einmal um die ganze Welt geflogen ist.

Ich empfehle einfach mal ein bisschen die Augen offen zu halten, denn oft gibt es in jeder Stadt einmal in der Woche einen kleinen Markt, auf dem die umliegenden Bauern ihre Lebensmittel verkaufen. Da kann man auch direkt nachfragen, woher das Essen kommt. Außerdem kann es schon viel helfen seinen Konsum an bestimmten Lebensmitteln einfach einzuschränken, wie Jenni in ihrem Beitrag schon gut geschrieben hat. Warum muss es jeden Tag Fleisch sein? Oder warum jeden Tag eine Avocado?
Schaut euch um, was eure Stadt zu bieten hat und setzt damit einen kleinen Schritt in die richtige Richtung. Denn nur weil ihr Veganer seid, heißt es nicht, dass niemand für euer Essen ausgebeutet wurde.

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15 COMMENTS

Hey!
Ich sehe das ganz ähnlich wie du, muss aber auch bei ein paar wenigen Punkten widersprechen..
Ich bin der gleichen Meinung, dass, egal ob Veganer oder Fleischesser, jeder darauf achten sollte, was wirklich gut für die Umwelt und wirklich gut für die eigene Gesundheit ist. Es kommt enorm darauf an, welches Fleisch man isst und auch als Veganer kann man sich ungesund ernähren… Dennoch habe ich mich für eine vegane Lebensweise entschieden, weil ich für mich selbst nicht mehr rechtfertigen kann, auf tierische Produkte zurück zu greifen…
Bzgl. der Regenwald-Zerstörung aufgrund von Soja.. dem will ich zwar nicht widersprechen, aber das meiste des Soja-Anbaus geht in die Massentierhaltung, sprich in die Ernährung von Tieren, die die Menschen essen. Wenn es die Massentierhaltung nicht mehr geben würde und nur die Menschen auf Soja angewiesen wären, statt die Tiere, gäbe es das Problem nicht mehr.
Ich finde man sollte immer darauf achten, was regional angebaut wurde und man kann versuchen eine Waage zwischen Bio und Regional zu halten. 🙂
LG Lena

Du hast völlig Recht, jeder sollte sich natürlich gesund ernähren, egal ob mit oder ohne Fleisch. Zu der Soja-Geschichte kann ich auch nur nicken, aber ich fühle mich trotzdem schlecht, wenn ich Soja esse und damit auch einen kleinen Teil zur Zerstörung beitrage und das solle auch jeder Veganer/Vegetarier wissen 🙂

UNBEKANNT

Soja für Ersatzprodukte wird zu großen Teilen in Deutschland und Österreich angebaut,kann man also i.d.R. ohne schlechtes Gewissen konsumieren 😉

Annika

Du hast es auf den Punkt gebracht!
Ein sehr schöner und vorallem nützlicher Blogbeitrag!
Ist das Septum echt?

UNBEKANNT

Informier dich vielleicht nochmal über die Herkunft von Sojapflanzen für Ersatzprodukte. Ansonsten ist das für mich ehrlich gesagt kein wirklich starker Artikel sondern er erweckt vielmehr den Eindruck,dass du dich rechtfertigst warum man kein Veganer sein muss.Genauso wie dein Augenmerk auf Fairtrade liegt,liegt dass anderer Menschen auf tierleidfreier Ernährung. An dieser Stelle könnte ich dich auch dafür kritisieren dass du immernoch unglaublich viel zu konsumieren scheinst,wenn auch Fairtrade – letzlich bezieht jedes produzierte Kleidungsstück unmengen an Energie und Umweltbelastung.Dass immer auf Herkunft und Produktion geachtet werden sollte(bei Kleidung und Nahrung) ist glaube ich jedem Menschen klar,der sich irgendwie versucht mit ethischer Ernährung zu befassen. Letztlich stirbt aber auch die Kuh vom Biobauern und Milch bleibt Nahrungsmittel für Kälber. Aber ok.
PS: Es gibt übrigens eine tolle langlebige Alternativen zu Leder DocMartens, ich wollte schon länger mal nachfragen warum du eigentlich noch so viel Leder trägst? Passt ja grade zum Thema

Hey, ich muss mich vor niemandem rechtfertigen, denn seid ich alleine wohne lebe ich zu 90% vegan. Meinem Konsum bin ich mir auch bewusst und ich versuche eine Lösung für mich zu finden, weshalb ich auch gerade für 3 Monate komplett auf das Kaufen von Kleidung verzichten möchte. Das Experiment läuft gerade, dazu gibt es aber auch einen Blogeintrag.
Auch für mich ist es gleich ob die Kuh zum Beispiel auf dem Teller ein glückliches Leben oder nicht hatte, wenn sie trotzdem sterben muss, aber viele Menschen beschäftigen sich leider immer noch nicht damit, deshalb versuche ich so gut es geht alle Punkte anzusprechen.
PS: Dr. Martens kann man auch gebraucht über Kleiderkreisel kaufen 🙂

Frieda

Auch für bereits getragene Doc Martens ist ein Tier gestorben.
Ich finde es toll wie sehr du dich mit dem Thema auseinandersetzt, jedoch haben die anderen Beiden Recht damit, dass das Soja in den meisten veganen Ersatzprodukten aus europäischer Produktion stammt und dafür keinesfalls der Regenwald abgeholzt wird.
Vielleicht beschäftigst du dich ja noch weiterhin damit und siehst die Dinge dann noch etwas anders.
Außerdem finde ich diesen Wettbewerb unter Menschen immer ziemlich kritisch zu betrachten („Wenn schon vegan – dann auch richtig“). Jeder Schritt in ein tier- und menschenleidfreies Leben ist ein richtiger Schritt. Es gibt kein „dann auch richtig“. Vegan sein ist richtig, vegetarisch sein ist richtig, faire mode ist richtig.

Herzlichst.

Marlene

Sojaprodukte die in Südamerika angebaut werden, gehen zu 90% an die Masthaltung, Das ist auch der Grund, warum für ein Stück Fleisch so viel CO2 ausgestoßen wird. Im Gegensatz dazu ist das „Sojaschnitzel“ usw (wie bsp. von Tukan, Taifun, …) meist aus europäischer Landwirtschaft und damit nicht für die Rodung des Regenwalds verantwortlich. Vegane Ernährung ist meines Empfindens nach ein „BESSERER WEG“und ein Anfang, nachhaltiger mit dem Planeten Erde umzugehen, wieso so skeptisch Katja?

Ziska

Genau das war auch mein Gedanke

Heyhey,
Schöner Artikel! Klar, wir wissen alle, was Vegan sein alles für Vorteile mit sich bringt, aber es ist gut, dass du darauf hinweist, dass vegan sein ohne den Kauf von regionalen Produkten einen auch nicht unbedingt zum besseren Menschen macht. Hast du mal etwas von solidarischer Landwirtschaft oder der marktschwärmerei (website) gelesen? Dort werden Produkte aus umliegenden Höfen verkauft. Sind beides verschiedene Ansätze aber beide sehr gut meiner Meinung nach 🙂 Ansonsten empfehle ich noch den Film „10milliarden – wie werden wir alle satt“ , ich habe den letztens erst gesehen und mir seitdem mal wieder ein paar mehr Gedanken zu dem Thema gemacht.

Die Marktschwärmer habe ich tatsächlich erst vor 2 Wochen besucht und die Idee dahinter finde ich richtig gut, auch wenn regional natürlich nicht gleich unbedingt nachhaltig bedeutet. Danke für die Anderen Empfehlungen, das muss ich mir mal in Ruhe anschauen 🙂

Oh Katja! Ich finde es so unglaublich schön, wie sachlich und weiter-denkend deine Texte immer sind! Ich finde es total wichtig, was du in diesem Beitrag angesprochen hast und darauf sollte man wirklich auch achten! Eine tolle Doku dazu ist „Tomorrow“ darin geht es nicht nur um nachhaltigen Anbau, sondern auch nachhaltige Energie und Städte 🙂 Super interessant und sehr schön gemacht!
Ich möchte mir bzw. meiner Familie so ein Box-Abbo anschaffen, wo man jede Woche eine Bio-Gemüse/Obst-Kiste geliefert bekommt, von Bauern aus der Umgebung. Das finde ich total super, weil wir es leider selbst nicht schaffen zum Markt zu gehen (ist ja immer tagsüber und da Arbeiten alle/sind in der Schule) und so kauft man trotzdem Bio, regional und nachhaltig 🙂 Außerdem spart man den ganzen Verpackungskram beim normalen Einkaufen, weil man eine Holzkiste bekommt und die jede Woche bei der neuen Lieferung wieder mitgenommen wird!

Liebe Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Julia

Ich sehe den Artikel aus zwei Gründen etwas kritisch. Erst einmal habe ich nicht den Anspruch, es perfekt zu machen. Ein bischen vegan / bio / regional etc. ist besser als gar nicht meiner Meinung nach. Warum denn „wenn schon vegan, dann richtig“? Ich glaube, mit solchen Titeln nimmt man Leuten, die sich noch nicht so mit dem Thema befasst haben, nur den Mut. Des Weiteren hat ja das eine nichts mit dem anderen zutun. Ich z. B. verzichte auf Tierprodukte, um Tiere zu schonen, nicht um etwas für die Umwelt beizutragen. Letzteres versuche ich zwar auch, aber mir ist ja völlig klar, dass das nichts mit Veganismus zutun hat. Deshalb verstehe ich deine Kritik an dieser Stelle nicht. Die Frage ist ja immer, was möchte ich mit meiner Ernährung bezwecken und vielleicht esse ich ja nicht vegan, um etwas für die Umwelt zu tun?
Liebe Grüße, Julia

Hey,
natürlich muss nicht jeder perfekt leben, ich glaube auch, dass es einen nur selbst kaputt macht ständig diesen Anspruch an sich zu haben. Trotzdem möchte ich einfach darüber schreiben, damit sich jeder damit befassen kann, auch Menschen die vielleicht noch nichts darüber wussten und zwar vegan, aber vielleicht nicht regional (oder was auch immer) einkaufen und aber auch nicht viel darüber wissen.
Das es einigen den Mut nehmen kann kam mir so nicht in den Kopf, aber in dem Punkt hast du vielleicht Recht und die Überschrift ist etwas zu kritisch gewählt. Im Endeffekt darf und kann jeder Mensch leben wie er das möchte und auch ich esse nicht nur für unsere Umwelt keine Tiere mehr. Ich habe einfach nur versucht alle Blickwinkel zu betrachten.
Liebe Grüße!

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