Jan
07
18

Warum Fast Fashion manchmal doch nicht schlecht ist.

Ich weiß jetzt schon, dass ich diesen Beitrag eigentlich gar nicht schreiben will, weil ich dafür schnell verurteilt werden kann. Gerade im Internet scheinen wir zu verlernen Dinge differenziert zu betrachten und verfallen in ein schwarz-weiß Denken, was bei den Themen Veganismus, aber auch fairer Mode noch einmal extremer zu werden scheint. Wahrscheinlich weil gerade auf diesem Weg des Umdenkens immer viel der eigenen Persönlichkeit im Spiel ist und wir uns schneller angegriffen fühlen, aber darüber möchte ich später noch einmal einen eigenen Text schreiben. Dieser Absatz soll euch nur daran erinnern, dass unsere Welt, unser Leben und auch unser Denken Graustufen besitzt.

Jetzt soll es um den Titel des Textes gehen, mit welchem ich euch hoffentlich ein bisschen neugierig gemacht habe. Ihr wisst, dass ich seit einiger Zeit nur noch faire Mode oder Second Hand Kleidung kaufe und versuche meinen Konsum zurückzuschrauben, um mich lieber darüber zu besinnen, wie gut es mir geht und was ich schon alles besitze. Das alles könnte besser nicht funktionieren, die letzten Monate erlaubte ich mir keinen einzigen Fehltritt (so viel zum Thema des richtig oder falschen Lebensstils), bis ich mir vor genau 5 Tagen eine unfair produzierte Jacke bei Monki kaufte. Diese Entscheidung traf ich tatsächlich bewusst und genau darüber möchte ich heute schreiben.
Man wird schnell verurteilt, wenn man sich eigene Prinzipien setzt, sie öffentlich teilt und dann am Ende doch vereinzelt bricht, damit habe ich auch schon Erfahrungen gesammelt. Ein extremes Beispiel für eine solche Diskussion wäre zum Beispiel der Veganer der sich Second Hand einen Pelzmantel kauft und stolz damit über die Straße läuft, bei einer solchen Handlung hätte das Internet Tage zu knabbern und würde bis zum umfallen diskutieren, unfreundliche Kommentare schreiben und entfolgen.

Im kleineren Rahmen werde ich dafür verurteilt, wenn ich mir Dr. Martens aus Leder über Kleiderkreisel kaufe, was ich auch irgendwo verstehen kann, immerhin trage ich ein totes Tier an meinen Füßen. An genau dieser Stelle soll aber mein Beitrag ansetzten, denn ist es nicht immer noch umweltschonender und nachhaltiger gebrauchte Kleidung zu kaufen, auch wenn sie damals nicht fair produziert wurde, anstatt sich immer nach fairen Alternativen umzusehen die neu produziert werden? Und lebt man nicht nachhaltiger, wenn man sich einmal pro Jahr einen neuen Pullover bei einer fast Fashion Kette kauft, anstatt jeden Monat einen der zwar fair hergestellt wurde, aber durch die Masse trotzdem viele Ressourcen verbraucht?
Diese Fragen stelle ich mir schon sehr lang, vor allem aber auf sehr intensive Weise über meine ersten beiden Tage auf dem Weihnachtsmarkt. Ich arbeitete dort in einer kleinen Lebkuchenhütte und auch, wenn sich dieser Job auf den ersten Blick vielleicht ganz süß anhört und mir wirklich Spaß gemacht hat, befand sich in unserer Hütte keine Heizung und es wurde vor allem am Abend sehr, sehr kalt. Selbst meine wärmste Jacke und Thermounterwäsche hat irgendwann nicht mehr geholfen und ich wusste, dass ich mir endlich einmal eine richtige Winterjacke kaufen sollte.

Ich recherchierte also etwas, fand auch einige faire Alternativen zu unbezahlbaren Preisen online, einige Second Hand Stücke bei denen ich mir irgendwie unsicher war und mit den Fragen die ich auch euch vorhin stellte wanderte ich schließlich im Leipziger Monki umher, um eine halbe Stunde später mit genau der Jacke heraus zu spazieren die ihr auf den Bildern zum Text bewundern könnt.
Und jetzt? Habe ich alle meine Prinzipien gebrochen? Kann man mich überhaupt noch ernst nehmen? Widerspreche ich mir damit nicht selbst? Und wie lebe ich selbst damit?

Natürlich ist diese Jacke kein Weltuntergang, aber sie ist ein perfektes Beispiel für die Gedanken die unserer Gesellschaft in meinen Augen noch fehlen. Wir sehen täglich verschiedene Lebensstile im Internet, vergleichen, be- oder verurteilen und haben uns schnell eine eigene Meinung gebildet, ohne groß über den Hintergrund dieser Tat nachzudenken. Es scheint ein bestimmtes Schema in unseren Köpfen zu geben und wer sich nicht daran hält, wird automatisch schlecht angesehen.
Dabei geht es doch eigentlich mit dem eigenen Leben glücklich zu werden, sein eigenes Tun immer wieder zu hinterfragen und im Endeffekt damit zufrieden sein zu können. Oder nicht? Sollte nicht jeder Mensch für sich selbst entscheiden, welcher Lebensstil für ihn am besten passt und bis zu welcher Grenze er sich zum Beispiel einschränken möchte, wenn es zum Beispiel um faire Kleidung oder vegane Ernährung geht?

In meinen Augen zählt jeder kleine Schritt den ein Mensch machen kann, um unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen. Egal, ob er Fast Fashion kauft, dafür aber bewusst und durchdacht, oder ob er vielleicht an einer anderen Stelle entschieden hat in seinem Leben zu verzichten. Dieses differenzierte Denken würde ich mir auch im Internet mehr wünschen, denn schließlich steckt hinter jedem Foto und hinter jeder noch so kleinen Tat ein Mensch mit Gefühlen und Gedanken.
Natürlich gibt es Grenzen die gesetzt werden sollten, vielleicht auch gewissen Einschränkungen die notwendig sind, aber das entscheidet immer noch jeder für sich allein. Jeder muss für sich selbst festlegen, was er als machbar erachtet und wie weit er einen Weg gehen möchte. Ich persönlich versuche immer wieder alles was ich mache zu hinterfragen und in diesem Fall war meine Entscheidung eindeutig, ich habe die Jacke benötigt, ich brauche sie wirklich, ich nutze sie fast täglich, sie wurde zwar nicht nachhaltig produziert, aber der Ressourcenaufwand erschien mir durch eine Jacke kleiner, als durch 2 oder 3 die ich hätte ausprobieren können und damit kann ich in diesem Fall leben.

Ich hoffe diese Worte inspirieren euch dazu mehr nachzudenken, vor allem an Stellen an denen man vielleicht seine Meinung viel zu schnell fällt. Egal ob es um das eigene Handeln, oder um das von anderen Menschen geht, be- und verurteilen bringt niemanden weiter und man sollte immer das große Ganze betrachten.

Outfitdetails
Schuhe: Dr. Martens // vegane Alternative hier
Hose: Armedangels // hier nachhaltig produziert
Jacke: Monki // hier, mehr dazu im Text obendrüber

Kamera: Canon EOS 6D
Objektiv: 24-105mm
Bildbearbeitung Tutorial (hier)
Buche dein Shooting hier

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14 COMMENTS
Annika

Solche Texte oder Beiträge wie dieser erweitern immer meinen Horizont. Danke,dass du das alles machst und mich immer weiter inspirierst und motivierst.

Anni

Wundervoller Text! Deine Ansichten gefallen mir sehr.

Pauline

Hach Katja,
dein Beitrag spricht mir mal wieder so aus dem Herzen. Ich bin immer wieder begeistert wie geschickt du deine Gedanken formulierst und dass du so viel hinterfragst, so viel nachdenkst und dein Bestes versuchst zu geben, auch wenn man merkt, dass dich das manchmal auch sehr negativ beeinflusst (in dem Sinne, dass du dann traurig bzw. unzufrieden und verzweifelt bist) und auch mir geht das oft so.
Aber ich kann dir in diesem Thema und in deinen Gedankengängen nur zustimmen. Es geht um den Hintergedanken, um das überhaupt erst darüber nachdenken, um das etwas kleines verändern wollen, in welcher Art auch immer und genau so handhabe ich das auch ohne schlechtes Gewissen.
Ich esse viel vegan. Weil ich weiß, dass es richtig und wichtig und gut ist. Aber nicht komplett, weil es mir dann keine Freude mehr machen würde. Ich bin für einige wahrscheinlich nicht mal eine richtige Vegetarierin, weil ich Sauce esse, in der Fleisch schwamm oder auch mal in eine Packung nicht veggie Gummibärchen reinfasse, aber kaufen würde ich es nie. Und auch mit fair Fashion und Minimalismus beschäftige ich mich immer mehr. Aber alles langsam, alles nach und nach und alles auch mit Ausnahmen, weil nicht immer alles zu 100% funktioniert.
Ich hoffe, dass du mit deinem Beitrag einigen Leuten, die immer so schwarz/weiß denken die Augen öffnest, denn auch ich habe ein paar von ihnen in meinem Umfeld und sie nehmen einem einfach die Freude und geben einem ein schlechtes Gewissen, obwohl man doch etwas macht und schon viel weiter ist als manch andere. Und damit setzen sie eigentlich eher etwas negatives in Gang als das sie einen motivieren es noch besser zu machen.
Wir sollten uns alle gegenseitig versuchen zu unterstützen und nicht andere schlecht reden nur um selbst besser da zu stehen!

Liebe Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Hey Pauline,
ich stimme dir da ganz zu, solange es dich selbst glücklich macht und du damit leben kannst, solltest du unbedingt so weiter machen. Natürlich zählt das nicht als Ausrede für alles und man sollte immer hinterfragen, aber dein Weg hört sich aus der Ferne schon sehr gut und richtig für dich an 🙂
Liebst, Katja

Hannah

Wow, dieser Text war echt total schön zu lesen. Du öffnest mir und ich hoffe anderen auch manchmal die Augen oder lässt mich die Dinge von einem anderen Blickwinkel angucken, was dich meiner Meinung nach so von den 0815 Bloggern unterscheidet. Finds gut, dass du so ehrlich schreibst trotz der „Gefahr“ vom Internet verurteilt zu werden. Passt gut zu deinem Text vor ein paar Tagen, in dem du über deine Nuejahrvorsätze geschrieben hast, weil ich finde, dass du hiermit die schon einmal umgesetzt hast. Hoffe du verstehst, wie ich das meine☺😅
Liebe Grüße, Hannah!🙆

Danke, es ist schön zu lesen das meine Gedanken auch ankommen und verstanden werden. Und ich verstehe vollkommen was du meinst, auch wenn ich die Geschichte mit der Jacke irgendwie aus dem alten Jahr mitgenommen habe 🙂
Liebst, Katja

Jana

Ich finde der Titel und der Inhalt des Textes widersprechen sich ein bisschen.. Indem du Alternativen vergleichst, dich informierst und nach einigem Überlegen etwas kaufst, dass du wirklich brauchst (egal ob fair produziert oder nicht), ist das nicht „fast fashion“. Bei “ fast fashion“ geht es ja um gedankenlosen Konsum von Dingen, die man eigentlich vielleicht gar nicht braucht. Da das bei dir aber überhaupt nicht der Fall ist, passt, meiner Meinung nach, die Bezeichnung nicht. Und dementsprechend sind dann auch keine Prinzipien verletzt oder Ähnliches. Es wäre schon ein riesiger Schritt, wenn jeder so bewusst und gedankenvoll konsumieren würde, auch wenn es nicht fair produzierte Produkte sind.

Hey, danke für deinen Kommentar 🙂
Ich glaube einfach wir haben eine andere Auffassung von Fast Fashion, denn für mich bedeutet es neben dem sinnlosen Konsum auch die Art der Herstellung von Kleidung, die in diesem Fall eben in großer Masse und zu vielen Kollektionen pro Jahr passiert, um am Ende bei einer Fast Fashion Kette zu landen.
Und ich stimme dir vollkommen zu, wenn jeder mehr darüber nachdenken würde könnte schon viel verändert werden.
Liebst, Katja

Steffi

Danke, dass du das mit uns geteilt hast! Auf diese Art und Weise habe ich über dieses Thema tatsächlich noch nie nachgedacht. Aber du hast echt nen Punkt getroffen!

Eva-Lotta

Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich bin auch „Teilzeit Veganerin“ und Versuche aktuell gar keine Kleidung mehr zu kaufen, da ich eigentlich alles habe. Wenn ich dann aber doch Mal Käse esse oder mir einen Pullover kaufe, dann meckert sofort jeder rum. Ich finde das immer super nervig, denn die, die meckern sind oft jene die ständig neue Klamotten kaufen, ohne darüber nachzudenken. Es ist fast als würden sie den Fehler am „bewussten“ Leben suchen um das „unbewusste“ zu rechtfertigen. Vielen Dank für deinen Beitrag und LG aus Sachsen 🙂

Johanna

Vielen Dank für deinen Text! Es tut so gut, sowas mal im Internet zu lesen, wo wirklich sehr viel in schwarz/weiß gedacht wird. Dabei gestaltet sich das echte Leben wohl bei den allermeisten in Graustufen. Du hast es wirklich sehr schön ausgedrückt. Ich mag deinen Blog eh und diesen Beitrag besonders ❤.
Liebe Grüße,
Johanna

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