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        #vanlife also. Ich scrolle mich belustigt durch die Bilder, welche unter dem Hashtag auftauchen. Lachende Paare posieren sonnengebräunt vor ihrem Campervan, kochen im Freien und scheinen tatsächlich ein glückliches Leben zu führen. Sie sind Aussteiger, haben ihre Sachen gepackt, sind in ein kleines Auto gezogen und ich komme nicht umhin ein bisschen für sie zu schwärmen.
        Ich meine, so ein #vanlife verspricht mir auf den ersten Blick eine unglaubliche Freiheit. Fahren wohin man möchte, schlafen am Meer oder in den Bergen, eine Küche im Freien, Digital Detox und natürlich kuschelige Stunden im Auto, während der Regen auf das Dach tropft. Ich wäre direkt ein bisschen neidisch, würde ich nicht die Wahrheit hinter dem Hashtag kennen.

        Denn auch ich habe die letzten 9 Monate in einem Auto verbracht. Zwar nicht in einem luxuriösem Instagramvorzeigevan mit Dusche, Toilette und eingebauter Küche, aber auch ich wollte diese Freiheit spüren. Überall hinfahren. Überall Campen. Überall ein zu Hause finden.
        Und tatsächlich ist das Leben in einem Auto ziemlich abgefahren (Achtung, Wortwitz!). Für ungefähr 30 Minuten am Tag, in denen man sein Leben wirklich spürt und realisiert. Für den kleinen Augenblick, in welchem ich meine Hand in den Wind gehalten habe und Freiheit spürte. Für 5 Minuten in denen ich mich tatsächlich über Regen auf dem Dach gefreut habe. Für einen Sonnenaufgang den ich aus dem Bett durch das Fenster beobachten konnte.

        Das Leben in einem Auto ist sehr einfach. Und damit meine ich nicht, dass man auf einmal keine Probleme mehr hat, ganz im Gegenteil, die Umstände sind einfach sehr einfach. Mal davon abgesehen, dass immer wieder Regen durch unser Autodach kam.
        Die Wahrheit sieht leider immer etwas unschöner aus und trägt keinen Instagramfilter. Man kann tatsächlich nicht überall campen (mehr dazu unten im Text). Man hat manchmal für eine Woche keine Dusche, beziehungsweise nur kaltes Wasser. Kochen auf dem Gaskocher, oder in einer engen Kabine nervt, vor allem wenn am Ende alles nach Essen stinkt. Regen nervt noch viel mehr, da man sich nach einer Weile einfach in seinem Van eingeschlossen fühlt, keinen Platz mehr hat und nicht sonderlich viel unternehmen kann. Ganz zu schweigen von Reparaturen, denn ist das Auto in der Werkstatt hat man weder ein Auto, noch einen Platz zum Schlafen.

        Trotzdem freut man sich immer wieder, wenn man sein Auto (beziehungsweise sein Heim) auf dem Parkplatz stehen sieht und auch ich habe unseres ins Herz geschlossen. Vor allem, weil mir diese Zeit unendlich viel gebracht hat.
        Ich habe gelernt, wie wenig ein Mensch zum Leben braucht und welchem Konsum wir täglich ausgesetzt sind. Ich konnte die kleinen Dinge wieder mehr schätzen, denn nichts ist schöner als eine warme Dusche, oder eine Toilette auf der man tatsächlich sitzen möchte. Und das Wichtigste, ich war noch nie so viel an der frischen Luft. Wie schon beschrieben, in einem kleinen Van engt man sich schnell ein, im Gegensatz zu einer Wohnung oder einen Haus, weshalb ich auch bei Wetter nach draußen ging, bei welchem ich zu Hause nicht einmal die Vorhänge geöffnet habe.

        Das #vanlife hat für mich also schon einen Reiz gehabt und mir vieles gegeben, allerdings könnte ich mir nicht vorstellen, noch einmal eine lange Zeit in einem Van zu leben. Das Leben muss auch irgendwann weitergehen und ich habe keine Lust noch eine weitere Nacht vor Kälte zitternd im Bett zu liegen.
        Trotzdem möchte ich jedem von euch diese Erfahrung ans Herz legen, auch, wenn nicht immer alles so schön ist wie es aussieht. Und da ich weiß, dass viele von euch auch nach Neuseeland wollen, habe ich hier ein paar kleine Tipps für euch zusammengefasst. Ich weiß nicht genau, wie die Regeln in anderen Ländern sind, weshalb ich nur meine Erfahrungen für Neuseeland niedergeschrieben habe.


        1. Self Containded (SC) vs. Non Self Containded (NSC)

        In Neuseeland unterscheidet man zwischen diesen beiden Arten von Campern. Dabei bedeutet SC einfach, dass man Dusche und Toilette besitzt und man bezahlt eine kleine Gebühr für das Label. Man kann mit diesen Campern tatsächlich überall in Neuseeland schlafen, solange das Campen nicht ausdrücklich verboten ist.
        Wir haben uns aber für einen NSC-Van entschieden, weil die erstens günstiger und zweitens einfacher sind. Ich hatte keine Lust immer wieder unsere Toilette zu säubern, Chemikalien dafür zu kaufen, oder vor einer kalten Dusche zu stehen (das Wasser wird nur mit Strom warm). Außerdem findet man auch für diese Vans kostenlose Campingplätze, dort muss aber immer noch eine Toilette vorhanden sein.

        2. Der Autokauf

        Der komplizierteste Punkt. Zwischen August und Dezember kommen viele Backpacker in das Land, welche ihr Auto kaufen wollen, zwischen März und Mai wollen sie es alle wieder loswerden. Dementsprechend sind die Chancen etwas gescheites auf dem Backpackermarkt zu bekommen. Ich kann euch empfehlen außerhalb von großen Städten wie Auckland zu kaufen, denn dort werdet ihr auf jeden Fall über den Tisch gezogen. Auch das Verkaufen von einem Backpackerauto ist nicht einfach, uns wurden zum Beispiel von einem Händler 300 Dollar geboten. Zum Vergleich, für das Verschrotten unseres Autos hätten wir immer noch 200 Dollar mehr bekommen.
        Solltet ihr also zwischen August und Dezember ankommen, kann ich euch nur ans Herz legen einen Job zu suchen, sich erst einmal an das Land zu gewöhnen und mit den Einheimischen über den Kauf zu sprechen. Meistens kennen sie über 3 Ecken jemanden der sein Auto gerade loswerden möchte und ihr bekommt dadurch oft sehr gute Qualität zum Freundschaftspreis. Ein Bett kann man sich auch immer noch selbst einbauen und wenn ihr die Sitze hinten drin lasst, könnt ihr das Auto am Ende auch super an Einheimische weiterverkaufen und bekommt dadurch mehr Angebote und mehr Geld. Beim Kaufen eines Autos würde ich euch auch von Automärkten abraten, weil sich dort neben den Händlern viele Backpacker herumtreiben die ihr Auto für möglichst viel Geld loswerden wollen und nicht wirklich wissen, welche Qualität sie verkaufen (weil die Meisten keine Ahnung von Autos haben), oder euch über den Tisch ziehen wollen.
        Beim Kauf solltet ihr auch unbedingt auf einen gültigen WOF (ähnlich wie der TÜV) achten. Mehr Tipps zum Kauf findet ihr hier.

        Verkaufen geht oft in Facebookgruppen unter Backpackern (z.B. hier), oder über TradeMe (das neuseeländische Ebay). Dort muss man zwar eine kleine Gebühr bezahlen, wenn man einen festen Preis einstellen möchte und keine Auktion, wir haben darüber aber auch die meisten Angebote bekommen.
        Die Ummeldung beim Kauf, beziehungsweise Verkauf, geht dann ganz einfach. Ihr geht einfach in die nächste Postfiliale und dort liegt ein Formular, welches man ausfüllen muss. Dazu braucht man nur den Reisepass und eine neuseeländische Adresse (Hostels schreiben euch auch eine „proof of address“, falls ihr bei keinem Einheimischen gewohnt habt).

        3. Die Apps

        Mit Campermate und Wikicamps spart ihr euch viel Zeit und Geld. Die zweite App kostet zwar 2€, aber dafür findet ihr dort jede Menge kostenloser Campingplätze (man kann dabei auch direkt NSC einstellen). Campermate hilft bei der Suche nach W-Lan, Toiletten, Duschen oder Supermärkten und ist kostenlos. 

        4. Fahren, Parken & Einbrüche

        Ich werde immer wieder gefragt, ob das Fahren auf der linken Seite sehr schwer ist. Und man gewöhnt sich tatsächlich sehr schnell daran. Im Prinzip befindet sich nur der Sitz und das Lenkrad auf der anderen Seite, Gaspedal, Bremse, Kupplung bleiben in der gleichen Reihenfolge, genauso wie die Gänge. Nur die Hebel für Scheibenwischer und Blinker sind bei manchen Autos vertauscht, was uns am Anfang viele lustige Momente beschert hat. Man sieht hier immer öfter einen Campervan mit Scheibenwischer bei strahlendem Sonnenschein abbiegen. Man gewöhnt sich aber wie gesagt sehr schnell daran, muss sich aber am Anfang sehr konzentrieren, vor allem an Ausfahrten und beim Abbiegen.
        Auch die Verkehrsschilder sind ähnlich und kaum misszuverstehen. Parken darf man in Neuseeland überall, es sei denn am Straßenrand befindet sich eine gelbe gestrichelte Linie. Manchmal findet man auch ein Schild mit Parkzeitbegrenzung und in den größeren Städten natürlich auch Parkuhren.

        Vor einem Einbruch hatte ich am meisten Angst. Immerhin hat man wirklich sein gesamtes Leben im Van verstaut. Deshalb habe ich immer darauf geachtet, dass alle Fenster zu sind, nichts offensichtlich herumliegen lassen und die Vorhänge offen gelassen. Damit jeder sieht, dass wir arme Backpacker sind bei denen es nichts zu holen gibt.
        Allerdings habe ist uns nichts passiert und ich habe auch niemanden getroffen der von einem Einbruch erzählt hat. Die Neuseeländer sind alle sehr vertrauenswürdig und schließen ihre eigenen Autos teilweise nicht einmal ab, wenn sie in den Supermarkt gehen, aber für mein Gewissen musste ich die erwähnten Vorsichtsmaßnahmen treffen.


        5. Kosten & Werkstätten

        Ein Auto in Neuseeland kann relativ günstig sein, solange man nicht ständig in die Werkstatt muss wie wir. Nachdem wir einige davon ausprobiert haben, kann ich euch VTNZ empfehlen um das Auto vor dem Kauf durchchecken zu lassen (dort bekommt ihr eine Liste mit allen Mäkeln am Auto und wisst, was ihr kauft) und für den Rest Bridgestone. Die haben sehr freundliches Personal, sind überall in Neuseeland vertreten und haben bisher immer eine Lösung für uns gefunden.
        Eine Versicherung bekommt ihr zum Beispiel beim AA (ADAC Mitglieder bekommen dabei noch etwas Rabatt) und außerdem leisten sie auch eine sehr gute Pannenhilfe. Solltet ihr eine andere Versicherung wählen, achtet unbedingt darauf, dass sie auch ein Bett im Kofferraum abdecken.

        6. Was lohnt sich mehr? Hostel, Mietwagen oder eigenes Auto?

        Nach 2 Wochen ohne Auto stand für mich auf jeden Fall fest, dass wir uns eins kaufen. Man hat einfach mehr Freiheit um auch an unentdeckte Orte zu kommen und muss keine Hostels oder Busse im Voraus buchen. Die können in der Hauptsaison nämlich schnell Wochen voraus voll sein.
        Allein hätte ich mich aber nicht an ein Auto getraut und in Hostels findet man definitiv mehr Gleichgesinnte, als auf einem Campingplatz. Ich glaube, dass es sich tatsächlich lohnt zu Hitchhiken und Hostels zu buchen, aber dafür braucht man wie gesagt einen groben Plan, den wir nicht hatten.

        Für unsere letzte Woche auf der Insel, hatten wir unser eigenes Auto schon verkauft und ausgerechnet, was für uns günstiger ist. Mit Bus, Hostels, beziehungsweise Campinglätzen, Tank und Mietwagen, war die Zweite immer noch die günstigere Variante. Ich weiß aber nicht, wie die Preise für ein solches Auto in der Hauptsaison steigen.
        Ich würde mir also auf jeden Fall wieder ein Auto kaufen und für eine kürzere Zeitspanne einen Mietwagen buchen. Eine gute Alternative ist übrigens auch ein Kleinwagen ohne Bett, denn damit kann man alles entdecken, andere Backpacker zum Teilen des Sprits mitnehmen und hat keinen großen Stress sein Auto wieder zu verkaufen.

        7. Hygiene

        Wenn man Neuseeland mit dem Auto erkunden möchte und dabei auch einigermaßen günstig reisen will, sollte man sich wie oben erwähnt auf ein einfaches Leben einstellen. Man kann sich natürlich jede Nacht auf einen Holidaypark stellen, aber das kostet zwischen 30-50$. Dort hat man aber dafür eine warme Dusche, eine Küche und eine Toilette.
        Wir waren mit der sparsamen Variante unterwegs und haben auf kostenlosen Campingplätzen geschlafen. Dort gibt es eine Toilette (weil wir NSC waren) und auf manchen auch eine kalte Dusche. Oft muss man sich auch sein eigenes Wasser mitbringen. Gekocht haben wir dort auf einem Gaskocher und geduscht haben wir entweder in einem Schwimmbad für 2-5$, oder aller 2-3 Tage auf einem Holidaypark.


        Ich hoffe mein Beitrag hat ein bisschen Licht ins Dunkele gebracht und ihr seid jetzt vorbereitet. Das Thema ist wirklich sehr komplex, vor allem wenn man am Anfang in ein fremdes Land kommt und alles richtig machen möchte. Solltet ihr also noch ein paar Fragen haben, immer her damit.


        2 COMMENTS
        Camilo Pérez Martínez

        Tus fotografías son excelentes, de verdad me gusto lo relacionado a Nueva Zelanda, de Hecho se mira que es un lugar demasiado bonito, me pareces una buena chica, suerte.
        Escríbeme algún día.

        Tolle Bilder!!

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