Eine kleine Selbsttherapie, welche ich in den letzten Wochen geführt habe. Die Reihenfolge bestimmt das Ende.

7.02.2017
Innere Ruhe

Im Leben eines Menschen geht es immer bergauf und bergab, sodass ich es schwierig erachte nach dem Perfektionismus zu streben. Vielleicht gibt es ihn, in kurzen und kleinen Momenten, aber die Gesamtansicht besteht aus großen und kleineren Bergen.
Auch der Begriff des Ankommens fühlt sich gerade wie eine falsche Formulierung über meinen derzeitigen Gemütszustand an, denn dieses Ankommen würde bedeuten den Anker zu werfen und nicht mehr weiter zu ziehen und genau danach steht mir der Kopf gerade überhaupt nicht.

Viel mehr ist es eine innere Ruhe die über mich gekommen ist, ein tiefes Durchatmen und Augen schließen, die Lunge voller Energie, um den Moment einzufangen. So etwas habe ich schon lange nicht mehr gespürt, war ich doch immer wieder auf der Suche nach meinem Ausgleich und vor allem nach einem Ausweg au diesem schwarzen Loch in meinen Gedanken. Etwas Alltag, hieß die Lösung auf alle Fragen, jedoch ohne Quälerei. Ohne Angst davor in die Uni zu fahren, ohne Lustlosigkeit auf die Arbeit oder den nächsten Aushilfsjob zu gehen, ohne planlos keinen Grund zum Aufstehen zu haben.
Eine Aufgabe zu haben fühlt sich gut an, auch wenn damit die Suche nach dem Glück noch lange nicht beendet ist. Ich stehe nur eine Stufe weiter höher als sonst, trage diese innere Ruhe in mir und sehe das schwarze Loch langsam an mir vorbeiziehen.

29.01.2017
Verregnete Nächte

Eine dieser Nächte in denen der Regen langsam anfängt gegen die Fensterscheibe zu tröpfeln. Wie oft habe ich schon darüber geschrieben, wie er sacht gegen das Fensterbrett schlägt, schon damals, als es dunkel wurde und wir uns mit Decken im Zelt verkrochen, während er auf unsere Zeltwand prasselte und immer noch heute, wenn wir unter deinem Dachfenster liegen und ihm leise lauschen.
Ich war schon immer einer dieser Menschen die beim ersten Anzeichen eines Sommergewitters das Fenster öffnen und mit einer Decke eingekuschelt auf der Heizung darunter die Tropfen beobachten, die diesen Duft den das kühle Nass hinterlässt tief in sich aufsaugen. In mir macht sich dann dieses Gefühl der Geborgenheit breit und genauso war es auch diese Nacht, als ich es tröpfeln hörte.

Mir wird immer wieder in Träumerein während des Regens bewusst, wie wichtig es doch ist genau diese Momente voller Geborgenheit zu genießen, um sich für eine Minute vor der kalten Welt zu verstecken. Sie voll auszukosten, weil mich diese Kleinigkeiten glücklich machen und für einen Moment auch irgendwie vollkommen. Und wenn ich genügend Kleinigkeiten gesammelt habe, wird das große Ganze doch auch irgendwann schön, nicht wahr?

24.01.2017
Ohne Titel

Es war wieder einer dieser Abende an denen ich mich mit ein paar Freundinnen traf, ein paar Gläser Wein trank, diskutierte, gute Gespräche führte und am Ende beschwingt und erfüllt nach Hause lief. Ich glaube jeder kennt das, man sitzt beisammen, der Wein lockert die Zunge und auf einmal fühlt es sich gut an über seine Probleme und Ängste zu reden, um sich einfach nur für einen Abend wohl und verstanden zu fühlen.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir alle nur orientierungslos in der Luft herum zu schweben scheinen und einen Anker brauchen der unsere Hand nimmt und uns davor rettet wie ein Luftballon in der Weite zu verschwinden.

Als würden wir uns gegenseitig therapieren, indem wir uns zuhören, verstehen und einfach miteinander reden, als bräuchte der Mensch diese sozialen Kontakte, um sich nicht selbst zu verlieren.
Der Mensch ist schließlich auch nur ein Lebewesen mit Instinkten, meinten ein paar Freunde einmal ganz platt zu mir, wir sollten vielleicht in gewissen Situationen aufhören alles zu differenzieren. Natürlich haben sie damit Recht, wir sind wie ein Rudel Tiere die sich ihren Freundeskreis suchen, ihren Partner mit dem sie sich Fortpflanzen können und irgendwo erkennt man auch in unserem Verhalten Instinkte.

Aber ich als kleine Träumerin und Romantikerin fühlte mich damit wie vor den Kopf gestoßen, nicht weil jemand beleidigend die Fakten gegen mich argumentierte, sondern weil ich schlicht und einfach nicht aus dieser Perspektive heraus denke, es eigentlich auch gar nicht möchte, aber vielleicht ab und zu sollte.
Ich meine, vielleicht geht es bei dieser ganzen Selbstfindung eigentlich nur darum seine Instinkte zu erforschen und mit ihnen zu leben. Wie wäre es, wenn man aus dieser Perspektive denkt, wenn man zum Beispiel weiß wann und wie viel sozialen Kontakt oder aufmunternde Worte man braucht und sich dann auf ein Glas Wein mit Freunden trifft?

Dieser Gedanken wurde von mir noch nicht ganz vollendet, er hat bestimmt einige Dinge übersehen und irgendwo eine ganz große Lücke. Und auch, wenn ich nicht diese Einstellung zu gewissen Dingen haben möchte, mich davon vor den Kopf gestoßen fühle, kann es doch nicht allzu verkehrt sein sich manchmal daran zu erinnern. Wenn im Rudel ein Mensch imponieren möchte zum Beispiel, oder wenn wir uns am Abend treffen, um uns ein Stück weit vor der Leere in uns zu retten. Denn dazu sind andere Menschen da, soziale Kontakte die unsere eigenen Instinkte befriedigen.

15.01.2018
Flüchten oder Weglaufen

Manchmal fühlt es sich an, als müsste ich immer wieder flüchten und neue Dinge sehen, ein bisschen rastlos durch die Welt stolpern, um mich dann wieder auf einen Ort zu freuen an den ich mich binden kann. Ich glaube, dass ich immer wieder Zeit brauche dieses Chaos, welches ich immer in Leipzig hinter mir lasse anzugehen. Beziehungsweise einfach wegfahren und die Probleme noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, bis ich mich bereit fühle mich ihnen umzugehen.

9.02.2018
Alles grau

Laute Stimmen dringen in meiner Ohren, während ich genervt an der Haltestelle stehe. In der Ferne hupt ein Auto, ich höre quietschende Reifen und sehe genervte Blicke. Der Boden unter meinen Füßen ist Beton und wenn ich meinen Blick hebe, findet sich dort neben dem grauen Himmel nichts als noch mehr Beton.
Alle Menschen um mich herum sind gestresst, sie stürmen hektisch durch die Straßen und nehmen ihre Umwelt kaum noch war. Alles ist laut, grau und ich werde überschwemmt von diesen ganzen Eindrücken.

03.01.2018
Fragen

Mag ich mich so wie ich gerade bin?
Mag ich wie ich zu anderen bin?
Wofür bin ich dankbar?
Welche Bedeutung hat meine Existenz?

Inspirierte Zeilen aus meinem Notizbuch von Lina Mallon

12.12.2017
Ich möchte wieder glücklich sein

Ich habe das Lachen verlernt, bemerkte ich letztens an einem von diesen trüben Tagen im Dezember. Diese Freude die vom Herzen aus durch den ganzen Körper wandert, ihn wärmt und schließlich die Augen zum strahlen bringt. Ich muss es irgendwo auf meinem Weg verloren haben.
Grinsebacke, riefen sie mir früher hinterher und ich vermisse diese Person, wie sie unbeschwert durch ihr Leben geht, die Mundwinkeln immer weit nach oben gezogen, kleine Lachfalten um die Augen, wie ein Schmuckstück, eins von denen die man niemals ablegen möchte.

Wo ist sie hingegangen? Und wer ist diese neue Person hinter der gleichen Fassade, die wehmütig aus dem Fenster schaut, Tränen vergießt und zu jedem einzelnen ihrer Schritte gezwungen werden muss? Was ist mir ihr passiert?
Ich möchte wieder glücklich sein, wie damals als ich das Leben mit offenen Armen empfing und eine Fröhlichkeit voller Inbrunst aus meiner Kehle kam. Ich möchte wieder wild über den Gehweg hüpfen, etwas überdreht und kindisch, ohne Gedanken die mich ständig runterziehen. Ich möchte einfach wieder glücklich sein.

10.12.2017
Alles wird gut

„Was würdest du machen, wenn ich jetzt weiterlaufe, immer weiter?“ Sie steht mit den Füßen im Sand und hebt ihren wütenden Blick, um mich anzuschauen. Wir stehen vor der endlosen Weite des Meeres und die Wellen rauschen leise in der kühlen Nacht, eine wunderschöne Kulisse in die sich mich gezerrt hat.
Ich streichle mit der Hand nervös über meinen Oberarm, auf dem sich rote Abdrücke ihrer Hand eingebrannt haben und muss die Tränen zurückhalten. Sie ist so wütend, sie trägt so viel Hass und Verzweiflung in sich, dass ich sie am liebsten in den Arm nehmen würde, einmal fest drücken und nie wieder loslassen. „Alles wird gut.“, möchte ich ihr ins Ohr flüstern, dabei bin ich der Auslöser für dieses Unglück.

Die Meisterin im Zerstören, nenne ich mich selbst gern, denn ich bekomme wirklich alles kaputt. Ich zerstöre Momente mit meinen Worten, ich zerstöre Tage und Abende die wir gemeinsam verbringen mit meinen Taten, ich schaffe es sogar das Urlaubsglück durch meine Sturheit zum einstürzen zu bringen. Ich bin der Außenseiter, der Teenager der genervt hinter seiner Familie hertrottet und auf nichts wirklich Lust hat, ich treibe den Keil zwischen die Menschen.
Manchmal frage ich mich was ich hier soll, wo der Sinn hinter meiner Existenz im Leben dieser Personen ist und jetzt stehen wir hier, weil ich schon wieder alles kaputt gemacht habe. Dabei sollte alles gut werden, Freude bringen und eine Auszeit bedeuten.

Der Schmerz über mein Unglück wird immer dann ziemlich schmerzhaft, wenn ich sie verletze, wenn ich Menschen verletze die ich Liebe und wenn sie mich dann mit wütenden Augen anblicke, weil sie sich ebenfalls anfangen zu fragen, wo der Sinn meiner Existenz in diesem Moment ist.
Aber sie wird niemals gehen, das weiß ich wenn ich ihre schmale Figur vor dem Meer stehen sehe, sie wird immer weiter an meiner Seite bleiben, sich verletzen lassen und mir verzeihen und dieses über sich ergehen lassen wird mich nur noch mehr schmerzen.

Weil ich sie in den Arm nehmen möchte, aber kein „Es tut mir leid“ über die Lippen bringe und erst recht kein „Ich habe dich lieb.“ Deshalb fallen auch keine Worte mehr zwischen uns, nur noch Tränen und ich überlege, was passieren würde wenn sie wirklich weiterläuft, bis ihr Kopf unter der Oberfläche verschwindet und sie in den Wellen davon treibt.
Aber nach einer Weile ist uns kalt geworden und wortlos sind wir gemeinsam zurückgelaufen. Wie ein ungeschriebenes Gesetz steht der Ausgang dieser Situation vor uns und ich bin wieder einmal überfordert damit umzugehen. Mit dieser Liebe die ich nicht verdient habe, wo ich durch nur mit Zerstörung um mich werfe.

Sie nimmt immer wieder meine Hand, „Alles wird gut“, sagt sie dann und ich schäme mich, weil dieser Satz aus meinem Mund kommen sollte. Er will nicht herauskommen, er reiht sich in die Gruppe der ungesagten Worte und schlussendlich bleibt mir nichts anderes übrig, als es immer wieder aufzuschreiben. „Danke für alles. Ich habe dich lieb.“
Dabei denke ich seit dem kühlen Abend am Meer immer wieder über ihren Verlust nach, was passiert, wenn sie irgendwann nicht mehr da ist und ich allein vor der unendlichen Weite stehe, um darüber nachzugrübeln, um mich darüber zu ärgern ihr diese Worte nie gesagt zu haben? Ihr nie gezeigt zu haben, was sie und ihre Existenz für mich bedeutet, weil ihre Anwesenheit so viel bedeutet hat im Gegensatz zu meiner?

Eine kleine Selbsttherapie, welche ich in den letzten Wochen geführt habe. Die Reihenfolge bestimmt das Ende.

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KOMMENTARE

Du hast mit diesem Text das in Worte ausgedrückt, was ich selbst nicht schaffe auszudrücken.. mir sind Tränen über die Wangen gelaufen, weil mich dein Text tief ins Herz trifft!<3