Jetzt sitze ich wieder hier und frage mich, was genau denn aus mir werden soll. Ich stöbere durch meinen Kopf, auf der Suche nach einem Plan den ich haben sollte. Obwohl es vielleicht nicht einmal das verzweifelte Fehlen einer Liste ist, von welcher ich die Punkte Stück für Stück abarbeiten kann. Nein, viel mehr erscheint mir der Augenblick wie das Festklammern an einem Rettungsanker, nur das ich genau diesen Anker nicht besitze.
Es ist noch so, als würde ich mir keine Mühe geben. Ich durchsuche das Internet, ich befrage Bücher und natürlich meine Freunde und Freundinnen. Ich lese Ratgeber, versuche Ansätze zu finden und klammere mich dabei doch nur an Strohhalme, die nach dem einmaligen Nutzen und mit der Leere des Getränks wieder weggeworfen werden. Alles ist verworren, verworfen und am Ende irgendwie nie das Richtige für mich.

Das, was sich gut anfühlen sollte, mir ein Funkeln in die Augen treibt und kleine Grübchen auf meinen Wangen entstehen lässt.

Mein Leben ist schön an diesem Punkt, ich könnte es wahrscheinlich noch ein paar Atemzüge mehr auf diese Weise genießen. Doch immer wieder quält mich die Frage nach dem `warum´, dann frage ich mich `wozu das alles` und verfehle immer wieder den Sinn hinter meinen Taten.
Aber wie gesagt, ich bin nicht auf den Kopf gefallen, ich versuche einen Ausweg zu finden. Doch während ich mich unterhalte, meine Zeit dem Small-Talk widme und versuche herauszufinden, was mein nächster Schritt sein soll, fällt mir eines immer wieder auf.

Menschen haben Träume. Jeder einzelne von ihnen erkennt seine Stärken und Schwächen, jeder von ihnen hat ein Talent und im besten Fall ein klares Ziel vor den Augen.

Sie streben gemeinsam danach glücklich zu werden und sich genau diese Träume zu erfüllen. Im Gegensatz malen sie sich ein Bild von ihrer Zukunft und wissen oft genau wie es aussehen soll. Natürlich kennen sie das Format noch nicht, natürlich fehlt in einigen Ecken noch die Farbe, schließlich möchte jeder ungebunden sein und sich etwas Spannung bewahren. Aber sie sehen sich, wie sie Lehrerin werden, Tierarzt, Künstlerin und vielleicht sogar Politiker.
Ich habe ihn nicht, diesen Traum. Bis vor einigen Jahren war ich der festen Überzeugung, ich würde dieses Alter nie erreichen, geschweige denn was ich zu diesem Zeitpunkt einmal machen möchte.

Ich weiß nicht, in welche Richtung ich gehen möchte.

Manchmal sehe ich Stärken in mir, eine Art Talent an den guten Tagen, aber hört auf mich zu fragen, was ich damit anfangen könnte. Jede einzelne Spur scheint unwillkürlich in das schwarze Nichts zu führen und endet entweder in Träumen die nie die Wirklichkeit erreichen werden, oder im besten Fall einfach als weitere Schnapsidee auf dem Scheiterhaufen.
Alles was ich kann, was ich gern mache, lässt sich nicht zu einem Traum, oder gar zu einer Arbeit formen. Ich habe kein Ziel, auf welches ich hinarbeiten kann, ich habe keine Motivation anzufangen. Viel mehr ist es die Angst wieder überstürzt einem Pfad hinterherzulaufen, um am Ende ausgehungert und mit eingerolltem Rücken wieder nach Hause zu laufen. Schlussendlich wieder genau am selben Punkt, wobei jedes Mal etwas mehr Selbstvertrauen auf dem Weg liegen bleibt.

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KOMMENTARE

Hey,
Ich habe auch sehr lange gesucht und bin irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass ich dauernd nach dem Perfekten suche, sowohl in der Patnersuche als auch in der Berufswahl.
Irgendwann habe ich mir gedacht wie blöd das doch eigentlich ist, denn was jetzt für mich perfekt ist heißt nicht dass es in ein paar Jahren immer noch ist. Ich mache das, was sich jetzt für richtig anfühlt, und wenn es mir in 3Jahren nicht mehr gefällt? So what! Dann lerne ich halt was neues. Das ist das was mir die Welt ermöglicht.
Vielleicht hat die das ein wenig geholfen.
Lieben Gruß
Laura

Tja, wer kennt das nicht? Ich drehe mich auch immer wieder im Kreis, aber häufig aus Versagensängsten. Wie wäre es denn mal mit sowas wie einem FSJ/FKJ? Was wolltest du als (kleines) Kind werden (eine sehr ernst zu nehmende Frage, würde mir gesagt). Diese Fragen bekomme ich von Beratungsstellen. Wer waren/sind deine Vorbilder? Was wolltest du schon immer mal ausprobieren?

Ach, es geht nicht nur mir so??? Macht’s nicht besser, aber anders. Bin einfach irgendwann losgegangen in eine Richtung, die zumindest Sicherheit bot. Aus dieser Sicherheit heraus schaue ich nun, wie aus einem Kaninchenbau heraus, was es noch so gibt für mich. Könnte schlimmer sein, wirklich wirklich schlimmer. Es sei denn, man hat Angst vor engen Räumen.

Sehr schön geschriebener Text! Es ist doch irgendwie schön um erleichternd zu wissen, dass man nicht alleine ist. Danke für deine Ehrlichkeit

Der Text ist absolut Hammer. Ich kann mich so gut in deinen Worten wiederfinden und finde es unfassbar erleichtern, das Gefühl zu haben, nicht allein mit dieser Orientierungslosigkeit durch die Welt zu laufen. Vielen Dank dafür, dass du solche interessanten und wichtigen Themen teilst und es auch noch schaffst, sie in Form und Wort zu fassen!