Es war ein trüber Morgen, als ich mich nach langer Diskussion mit meinem Freund gegen 8 Uhr aus dem Bett quälte. Ich war kurz davor etwas Neues zu probieren und reagierte wie immer, wenn ich Situationen oder Menschen nicht kenne. Ich wurde panisch, versuchte mich herauszureden und war schüchtern. Ja, ich bin ein kleiner Angsthase.
Diesmal nützte jedoch alles nichts und kurze Zeit später saß ich mit meinem Handy bewaffnet auf einem Stuhl der sich in diesem Moment anfühlte, wie der einzige Stuhl in einem schwarzen Raum, auf welchen gleich der Scheinwerfer gerückt wird und drückte auf „Livestream beginnen“. Und es begann.

Ich verstehe mich selbst als einen Menschen der Ruhe braucht, der gern allein ist und rot wird, sobald er im Mittelpunkt steht. Ich verstehe mich als einen Menschen der viel über bestimmte Dinge nachdenkt und seine Probleme oftmals im Inneren löst. Ich verstehe mich als einen Menschen der eine gewisse Distanz zwischen sich und anderen Menschen braucht, auch wenn er sie vielleicht für einen kurzen Moment an seinem Leben teilhaben lässt. Und dadurch verstehe ich mich leider auch als einen Menschen der immer wieder anstößt und Andere mit seiner Art verletzt. Weil sie ihn in seinem Handeln manchmal nicht verstehen.

Und genau dieser Mensch startete einen Livestream auf Instagram und versuchte für einen kurzen Moment nahbar zu sein. Ganz ehrlich? Es war die reine Hölle.
Ich war das erste Mal aufgeregt, als ich nur eine Andeutung gegenüber euch machte. Das nächste Mal kam die Aufregung über mich, als das feste Datum stand. Und an diesem trüben Morgen gegen 8 Uhr verfiel ich in Panik.

Ich hatte mir in meinen Gedanken immer wieder vorgestellt, wie das Ganze ablaufen wird. Ihr habt mir vorher Fragen geschickt die ich beantworten und ich hatte mir einen ungefähren Plan darüber gemacht. Mit dem Drücken auf den kleinen unschuldigen Startknopf erwartete ich also kurz etwas Zeit zum durchatmen, bevor ein paar Leute auf mich aufmerksam werden, um danach meinen Text mit den Fragen vorzutragen.
Nach 10 Sekunden fing die Zahl der Zuschauer langsam an zu steigen und ich beruhigte mich kurz, da ich wirklich daran dachte, dass vielleicht keiner zuschauen möchte. Ich meine, ist das nicht verständlich? Wer sollte schon Interesse daran haben wie ich komische Antworten auf irgendwelche stammle?

Am Anfang wollte ich noch kurz über die Distanz zwischen uns sprechen. Ich habe hier einen kleinen Ausschnitt davon, was ich eigentlich sagen wollte:

Ich weiß gar nicht, warum ich einer dieser Menschen bin der immer etwas Distanz und Abstand braucht. Warum ich Andere nur auf eine bestimmte Weite an mich heranlasse und dann abblocke. Nicht mehr weiter weiß. Nicht mehr rede und einfach nur noch allein sein möchte. Und ich weiß auch nicht, wann ich angefangen habe im Internet auf die gleiche Weise zu handeln.

Ich nenne mich eine verdammte persönliche Bloggerin und schreibe so viele Worte und Texte über Gefühle, Situationen aus meinem Leben, über meine Gedanken. Und trotzdem halte ich euch immer auf Abstand. Distanz.

Ich schreibe auf einmal fiktiv, verstecke mich hinter Metaphern anstatt die Geschehnisse einfach wiederzugeben und versuche gleichzeitig mein Umfeld aus dieser Sache herauszuhalten. Einfach aus Selbstschutz und um mir ein kleines bisschen Privatsphäre zu schaffen.
Aber dieses Ding ist größer geworden. Und ich bemerkte es erst, als ich mit vollem Kopf dabei war einen Wochenrückblick zu schreiben um meine Gedanken zu sortieren. Nein, dachte ich mir bei der Fertigstellung diese Beitrags. Das kannst du niemals hochladen.

Hinter diesen Worten könnte ich nicht stehen. Ich bin nicht die Bloggerin welche euch ständig auf Snapchat, Instagramstories und durch einen Wochenrückblick mit in ihr Leben nimmt. Ich brauche meine Momente, Erlebnisse die ich am Ende vielleicht niederschreibe, aber trotzdem für mich allein habe.
Vielleicht schmücke ich mich auch ein Stück weit mit meiner Distanz. Schon immer habe ich die Menschen der Öffentlichkeit bewundert, welche sich mit dieser mystischen Blase umgeben und niemanden direkt in ihr Leben lassen. Das macht sie doch auch ein Stück spannender, oder?


Wer Abstand hält, hat sich nicht unbedingt entfernt.


Diese Unnahbarkeit hat mich schon immer umgeben. Selbst im privaten Leben. Für einen kurzen Moment redet man mit mir, oder liest meine Texte und glaubt mich zu verstehen. Mir nah zu sein. Aber schon kurze Zeit später begegnen wir uns wie Fremde.
Ich mache das bewusst und unbewusst. Manchmal steht einfach der pure Selbstschutz dahinter, meine Privatsphäre oder einfach eine schlechte Laune. Doch ich habe auch immer mehr Spaß an dieser Sache gefunden. Wenn ich einen Text schreibe und euch damit zum Nachdenken anregen möchte. Wenn ihr vor dem Laptop sitzt und euch fragt, ob mir diese Ereignisse wirklich passiert sind oder ich nur auf etwas aufmerksam machen möchte. Oder wenn ich euch bewusst in mein Leben lasse und meine menschliche Seite zeige.

Ich weiß, dass dieser Text ziemlich verwirrend ist, aber das ist diese Distanz die ich manchmal brauche auch für mich. Ich weiß, dass ich früher Menschen von mir weggeschoben und damit sehr verletzt habe und bin froh etwas Kontrolle darüber erlangt zu haben. Aber ich weiß auch, dass mein Selbstschutzsystem jederzeit zugreifen kann und jemanden allein zurücklässt.
Wir werden immer eine Schlucht zwischen uns haben, auch wenn sie vielleicht an manchen Tagen ziemlich klein wirkt. Und das ist auch gut so. Denn keiner von euch kennt mich persönlich, keiner von euch kann mich jeden Tag auf ein Neues verstehen. Auch, wenn das Internet und manchmal genau diese Nähe einreden möchte.

Ungefähr nach dem 3. Satz geriet ich ins Stocken. Die Zuschauerzahl schoss immer weiter in die Höhe und erreichte kurzzeitig einen Wert von über 200 Menschen. 200 Menschen die mir beim Reden zuschauten und gleichzeitig über die Kommentarfunktion mit mir kommunizieren wollten. Ist das nicht verrückt?
Ja, für einen Blogger oder Influencer mögen 200 LeserInnen nicht besonders viel sein und ehrlich gesagt klingt diese Zahl für mich auch nicht mehr besonders groß. Immerhin besuchen jeden Monat tausende Menschen meinen Blog und lesen ihn. Ich stellte mir aber in genau diesem Moment 200 Leute mit mir gemeinsam in einem Raum vor, ich vorn an einem Pult, die Masse vor mir und ständig hebt jemand seinen Arm um eine Frage zu stellen. Das wars. Mein Kopf wollte nicht mehr.

Die nächsten Minuten überstand ich eher mittelmäßig und als ich mich nach einer halben Stunde selbst erlöste, wollten meine Hände nicht aufhören zu zittern. Ich hatte in diesem Moment das erste Mal realisiert, welchen Einfluss ich haben kann. Wie viele Leute sich für mich interessieren und vor allem auch, für wie viele Menschen ich ein Vorbild bin.
Ehrlich gesagt habe ich mir darüber nie viele Gedanken gemacht. Ich wollte Bloggerin werden um mich mitzuteilen und als ich in diese Welt eingedrungen bin, wurde es auf einmal normal mit dieser hohen Reichweite klarzukommen und ehrlich gesagt habe ich meine auch nie besonders groß gesehen. Im Vergleich zu manch Anderen bin ich ein Niemand und ich dachte immer, dass ich damit klarkomme in der kleinen Öffentlichkeit zu stehen, in der ich gerade bin.

Anscheinend ist es doch nicht so einfach. Ich sitze in gemütlicher Atmosphäre vor meinem Laptop und realisiere nicht, wen meine Worte alles erreichen könnten und vor allem was ihre Aussage mit den Menschen macht. Ich bin gerade 18 Jahre alt und fühle mich zu jung um ein Vorbild zu sein oder darzustellen.
Vielleicht wollte ich diese Tatsache auch einfach nur nie wahrhaben und habe deshalb die Augen vor den Zahlen verschlossen. Sie als das gesehen, was sie für mich als Bloggerin sind – Zahlen. Mal ganz im Ernst, wenn wir über 14.000 Instagramfollower reden, dann geht es uns doch gar nicht um Menschen, sondern einfach nur um Follower. Eine blöde Zahl. Als müssten wir eine Abgrenzung ziehen um diesen Wahnsinn für uns selbst verständlich zu machen. Ich glaube auf einem anderen Weg kann man damit nicht umgehen oder würde an seiner eigenen Bekanntheit kaputt gehen.

Dieser Instagramlivestream hat mir also nicht nur gezeigt, dass ich diese Distanz zu euch in einem gewissen Grad weiterführen sollte, nein, ich habe jetzt auch die Bestätigung darin wie schlecht ich darin bin vielen Menschen zu reden und zweifle gerade wirklich daran, ob ich wirklich erfolgreicher werden möchte. Ob diese Zahl wirklich noch weiter wachsen soll, wie ich es immer wollte und ob ich wirklich eine Vorbildfunktion erfüllen kann und möchte.
Ich glaube zwischen dem Jetlagleben, gesponserten Klamotten und teuren Hotels vergessen viele Blogger, dass sie einen Lifestyle leben den ihre Leser auch gern hätten und ihnen damit nacheifern. Das sie einen unglaublichen Konsum bewerben und sich nicht im Geringsten darum kümmern, wie sich das Ganze entwickelt und vor allem was es mit ihren Lesern macht. Denn ihr Leben ist einfach realitätsfern.

Ich möchte nicht darin enden mich selbst zu bewerben und unnahbar durch meinen Lifestyle werden. Alles was ich immer wollte war meinen Modegeschmack und vor allem meine Gedanken zu teilen, ohne dabei ständig an die Folgen denken zu müssen. Mein Ziel war es Distanz zu schaffen wenn ich es möchte, nicht, wenn ich wieder etwas besonderes habe, was ihr nicht habt.
Ich glaube alles was ich damit sagen will ist, dass ich bodenständig bleiben möchte. Ich möchte mit euch gemeinsam lachen, weinen und alt werden, euch vielleicht persönlich kennenlernen und fotografieren und weiterhin meine Gedanken teilen. Ich möchte euch als Menschen sehen, nicht als Follower. Und wenn ich darüber nachdenke wie sich mein Blog und vor allem mein Instagramaccount verändern könnte, habe ich verdammte Angst davor abzuheben und in einer Blase zu schwimmen die ich nie betreten wollte. Denn ich weiß, wie sehr mich Erfolg verändern kann.


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Ich möchte meinen Blog unabhängig von Affiliate-Links, gesponserten Beiträgen und Kooperationen, welche nicht zu mir passen, laufen lassen. Wenn euch dieser Beitrag gefallen hat würde ich mich deshalb sehr über eine kleine Spende von euch freuen. Mehr dazu erfahr ihr hier.



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14 COMMENTS
Ines

Interessanter Post! Schön finde ich vorallem zu lesen, wie es aus ‚Influencer-Sicht‘ ist! Manchmal realisiert man gar nicht, wie viele Menschen eigentlichen hinter dieser Zahl stecken..
http://soglitteryandgolden.blogspot.de

UNBEKANNT

Ich find dich ehrlich gesagt unglaublich anstrengend und zwar nicht weil ich dich nicht verstehe,sondern einfach in deiner kompletten Art. Das Konstrukt von dir, das du selber beschreibst hat für mich schon immer eine brüchige Fassade, die den Blick auf deinen Konsum, deinen Wunsch nach Reichweite und den danach eine Modeinspiration zu sein, verbergen soll – aber immer wieder kommt für mich dein eigentliches Image durch. Du hast dich für mich in keiner Weise selbst gefunden sondern dich in deiner Vorstellung was Selbstfindung und Individualität betrifft komplett verirrt. Ich sehe keine Authentizität mehr sondern leere Worte und Metaphern.

Schade, dass du dich hinter deiner Anonymität versteckst.
Eim bisschen haben mich deine Worte schon getroffen, da ich natürlich Konsumsüchtig bin (wer ist das heute nicht) und versuche das in den Griff zu bekommen, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Das es nicht immer klappt sehe ich selbst ein.
Ich finde es doof, dass du das gleich als leere Methaper auffasst und mit meiner Art nicht klarkommest.
Und natürlich habe ich mich nicht selbst gefunden – davon war auch nie die Rede. Ich fühle mich nur gerade mit jedem Tag etwas wohler und möchte das gern teilen.
Dem Rest kann ich leider nicht zustimmen und würde gern wissen, warum dieser Eindruck bei dir erweckt wird. Denn so möchte ich auf keinen Fall rüberkommen.
Liebst, Katja

Oh ja ich verstehe dich nur zu gut! Ich würde auch richtig Panik bekommen, wenn ich da sitzen würde und mir so viele Menschen zusehen!
Respekt, dass du es gewagt und gemacht hast! Das ist wirklich toll!
Schade, dass ich es verpasst habe. Aber schön hier ein paar deiner Zeilen zu lesen 🙂

Liebst, Sarah von Belle Mélange

Habt ihr das noch nicht probiert?
Vielleicht überwinde ich mich und es gibt ein nächstes Mal, dann bist du auf jeden Fall dabei. 🙂
Liebst, Katja

Wow! Ein wirklich sehr schön geschriebener Beitrag. Ich konnte mich wirklich in deine Situation hineinfühlen. Ich bin auch immer unglaublich nervös und aufgeregt, wenn ich versuche etwas Neues zu starten. Ich mag keine Veränderungen und bleibe oft am liebsten beim Alten.
Umso besser, dass du aus dieser Situation so viel mitnehmen konntest und dass sie dich zum Nachdenken angeregt hat. Mach das, was für dich als richtig erscheint und was dich selbst glücklich macht. Wenn du dich nicht wohlfühlst und lieber schreibst (was du übrigens sehr, sehr gut kannst!) dann mach das. Wenn du lieber YouTube-Videos drehst und InstagramLiveStreams, dann mach das. Ich finde, keiner sollte sich unter irgendeinen Druck setzen, sondern das machen, was gefällt und Spaß macht.
Danke, für diesen ehrlichen Post. Du hast mich damit zum Nachdenken angeregt,.
Ach übrigens, wunderschöne Bilder! Ich mag es, wenn du lachst. Das sieht wirklich toll aus 🙂
LG Michelle
https://michelleimwunderland.com

Wir sind alles Angsthasen 😀
Es wäre schön, wenn es so einfach ist. Das Schreiben macht mir unglaublich viel Spaß, das Fotografieren sowieso und ich habe trotzdem keine Ahnung wie ich weitermachen soll.
Liebst, Katja

Ich bin auch so ein kleiner Angsthase, wenn es darum geht, Neues zu wagen – da bist du nicht allein… 😛
LG Marie

Schön zu wissen 🙂
Liebst, Katja

Sehr ehrlicher und schöner Beitrag. Du hast das super in Worte gefasst. Ich kann das komplett nachempfinden mit der Panik. Mir geht es oft ähnlich. Ich brauche immer sehr, sehr lange um mich zu überwinden.
Schön, dass du es geschafft hast mutig zu sein! 🙂

Lieben Gruß, Isabelle

Johanna Kunz

Ich habe deine Live-Instastory gesehen und fand dich mega sympathisch (sehr hübsch übrigens auch)!
An deiner Stelle wäre ich auch unglaublich aufgeregt. Ich denke, dass das vermutlich alle wären. Was du so erzählt hast war richtig interessant.
Ich finde du kannst stolz darauf sein, dass du so authentisch rüberkamst. Das schaffen bei weitem nicht alle. Mach dir nicht so viele Gedanken darüber, was andere von dir halten.
Was du von dir selbst denkst ist viel wichtiger. So eine Instastory ist übrigens auch schnell wieder vergessen und doofe Kommentare kommen überall mal vor… 😉
ich würd mich jedenfalls freuen wieder etwas von dir zu sehn.

Liebe Grüße in die Ferne!

Oh, Dankeschön. Ich war so aufgeregt, dass ich mich an die Hälfte gar nicht mehr erinnern kann 😀
Liebst, Katja

Anna W.

Ich finde deinen Text sehr schön und konnte jetzt auch noch ein bisschen an deinem Live Video teilhaben, was ich leider verpasst habe. Trotzdem kann ich deine Angst gut nachvollziehen da ich auch sehr schüchtern bin, gerade wenn ich Leute neu kennenlernen muss.
Da ich auch in Dresden wohne und immer in Secondhand Läden gehe, würde mich interessieren welche da deine liebsten sind. Vielleicht kenne ich einen ja noch nicht.
Liebe Grüße aus Dresden
Anna

Hey, also ich kann dir Oxfam und Humana empfehlen, in der Neustadt gibt es auch noch einen richtig guten, aber bei dem habe ich den Namen vergessen 😀
Viel Spaß!
Liebst, Katja

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