Unsere Wanderung durch Schottland

liegt jetzt wirklich schon eine geraume Weile zurück und zwischen die wunderschöne Landschaft und die Entspannung dieser Zeit, haben sich leider zwischenzeitlich ein paar weitere Ereignisse geschoben. Wenn ich daran denke, wie hektisch ich in den letzten Wochen durch meinen Alltag gerannt bin, kann ich mich kaum daran erinnern mit einem Rucksack bepackt durch die atemberaubende Idylle zu wandern, weshalb es dringend auf dem Tagesplan stehen sollte, sich ein paar Minuten für mich zu nehmen.
Ich war allein im letzten Monat auf einem Klostergut, in Berlin, in Hamburg und stehe nur einige Stunden vor der nächsten Busfahrt – erneut nach Berlin (dazu in ein paar Tagen mehr). Das ist diese innere Unruhe, vielleicht ist Stress an dieser Stelle eine unpassende Beschreibung, immerhin finde ich viel Spaß an diesen kurzen Reisen, die mir sagt ich sollte, wieder einmal einen Ausflug in die Natur machen.

Versteht mich nicht falsch in diesem Moment, natürlich kann ich dankbar sein von Zeit zu Zeit überhaupt aus meinen 18 Quadratmetern zu flüchten und die Welt da draußen zu entdecken, Tag für Tag ein neues Abenteuer zu erleben. Aber irgendwie erfüllen mich Städte, vor allem die großen unter ihnen, einfach nicht so sehr wie der Anblick eines Berges, oder der des Meeres. Ich war im letzten Monat mehr als einmal damit überfordert überhaupt eine Bahn in einer fremden Stadt zu benutzen, dass ich mich umso mehr nach Schottland zurück wünschte.

Auf dieser Wanderung fühlte ich mich unglaublich frei, wobei sich meine Erinnerung wahrscheinlich gerade auch nur an die schöneren Erfahrungen zurück denkt. Kennt ihr dieses romantisieren verschiedener Dinge und Erlebnisse? Ich erwische mich oft dabei, wie ich mir Situationen in den rosigsten Farben ausmale und mit dem Blick auf die Realität feststelle, dass es natürlich auch Hindernisse zu überwinden galt.

So ist das mit dem Leben, es geht einmal auf und dann wieder hinunter und wir hängen irgendwo in einem kleinen Wagon auf der Achterbahnfahrt.

In Schottland allerdings gab es diesen einen Nachmittag, beziehungsweise war es fast schon ein Abend, an dem meine Fahrt ziemlich steil nach oben ging.
Ich weiß gar nicht richtig wie ich diese Situation für euch beschreiben soll, dazu fehlen mir einfach immer noch die Worte. Irgendwo zwischen Tag 4-5 jedenfalls, änderte sich auf einmal die Landschaft um uns herum und der Pfad unter unseren Füßen wurde immer steiniger. Steiniger nicht in diesem Sinne, dass wir schwerer vorangekommen wären, nein, die Betonstraße unter unseren Füßen wandelte sich langsam zu einem richtigen Wanderweg, welcher immer schmaler wurde.

Und dann kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, ich für meinen Teil schien mit offenem Mund durch die Welt zu laufen, meiner Freundin ging es von außen her betrachtet aus meiner Perspektive ähnlich zu gehen. Die Natur am Rand des Weges sah ein bisschen aus wie eine Filmkulisse, hier und da hatte man ein paar Pappwände aufgestellt um die Berge zu simulieren, weiter hinten wurden sie immer größer. Es brauchte ein paar Augenblicke, bis ich feststellte, dass wir uns nicht verlaufen hatten, sondern diese Kulisse tatsächlich real war. Das, was aus der Entfernung aussah, als könnte man die Pappwand mit einem schnellen Fußtritt umwerfen, waren echte Berge, mit einer echten Kuppe aus Schnee auf der Spitze und wir wanderten direkt durch die hindurch.

Ihr haltet mich jetzt vielleicht für verrückt, schließlich habe ich in Neuseeland schon ähnlich atemberaubende Landschaften und Berge gesehen, an manchen Orten sogar ein bisschen beeindruckender. Das Gefühl endlich wieder richtig draußen zu sein, mit Wanderschuhen und Dreck an der Hose, war der eigentliche Auslöser für mein Erstaunen, gemeinsam mit dem eigenen Stolz den gesamten Weg auf den eigenen Beinen gelaufen zu sein, bis zu dieser Stelle zumindest.

Genau diese Pappwände mit ihren Schneekuppen und dieses Gefühl von Freiheit, vielleicht auch etwas Bodenständigkeit sind es, die ich mir gerade in einigen ruhigen Momenten wünsche, weil die Natur für mich auch immer eine Auszeit und Entspannung bedeutet, die ich in schnellen und lauten Kurztrips durch Städte einfach nicht erreichen kann. Auch wenn diese ebenfalls Urlaub bedeutet, wie wir hier gern unsere Reisen betiteln.

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