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        Wir sind Seelenverwandte und du bist doch so fern, schrieb ich damals und wünschte mir nichts sehnlicher als eine beste Freundin der ich all´meine Sorgen anvertrauen könnte. Ich fühlte mich allein und zurückgelassen, die Entfernung zwischen Deutschland und Neuseeland machte den regen Kontakt meiner damaligen Freundschaften nicht wirklich besser. Wir lebten aneinander vorbei, wachte ich auf gingen sie ins Bett, ging ich schlafen starteten sie in den Tag und hatten kaum Zeit.
        Man sagt ja immer, dass man durch genau diese Entfernung lernt welche Freunde die Richtigen sind und das viele Kontakte einfach abbrechen werden. Genau diese Weisheit hat sich auch bewahrheitet, denn ich habe kaum noch Freunde aus dieser alten Zeit. Entweder haben sie sich entschieden zu gehen, oder ich habe beschlossen, dass wir zu weit auseinander gedriftet sind in unserer persönlichen Entwicklung.

        Ich hatte irgendwie immer Angst davor, dass dieser Augenblick irgendwann eintreten würde. Durch das damalige ständige Training und die fehlende Freizeit fiel es mir unglaublich schwer noch Zeit für Freunde zu finden und somit bestand meine Beschäftigung an freien Tagen eher damit das Internet und meinen Blog zu füllen. Ihr habt mir oft gesagt, dass sich meine Einträge wie ein Tagebuch anhören und genau das war es damals für mich auch. Ihr wart die Freundin die ich nie hatte und der ich meine Gedanken anvertrauen konnte.
        Durch das Auslandsjahr hatte ich aber noch mehr Freunde verloren und fühlte mich damit auch allein. Ich hatte zu viel Zeit mit der ich nicht gelernt hatte umzugehen, weil ich immer nur zum Training gegangen bin und ich hatte niemanden der mir zeigen konnte was man mit dieser Zeit anstellen könnte.

        Glücklicherweise begann ich damit meine Angst und Schüchternheit die immer ein treuer Begleiter war abzuwerfen und wagte das Experiment ein paar Shootings zu machen. Ich fotografierte fremde Leute und unterhielt mich mit ihnen, ich schlüpfte auf Familienveranstaltungen aus der Rolle des Kindes und konnte mich endlich wie eine Erwachsene unterhalten, ich bin einfach selbstbewusster geworden und weiß, dass wir alle nur nach etwas sozialen Kontakten und Anerkennung streben.
        Mein Minderwertigkeitskomplex war und ist teilweise so hoch, dass ich glaubte niemand würde mir zuhören, wenn ich an einem großen Tisch etwas sage, beziehungsweise würde meine Worte einfach ignorieren und für blöd abschreiben. Ich war schüchtern, redete mir diese Schüchternheit mit der Zeit immer mehr ein und wurde dadurch sogar oft als arrogant abgestempelt, als würde ich mich besser fühlen und mit niemandem reden wollen.

        Ich weiß, wie melancholisch der nächste Satz klingen wird, aber ich bin unglaublich froh darüber was mir alles passiert ist. Über das Jahr in Neuseeland, über meinen Blog, über meine Liebe zur Fotografie, über Dinge die mir das heutige Selbstbewusstsein gegeben haben.
        Denn auch wenn ich immer noch nicht wirklich glücklich mit mir bin, konnte ich aus Shootings Freundschaften entstehen lassen, aus fremden Menschen Freunde machen und alte Freundschaften noch mehr pflegen. Hätte ich vor einem Jahr in die Zukunft blicken können, hätte ich mir nie erträumt nach einer Woche voller Reisen und guten Gesprächen zufrieden an meinem Laptop zu sitzen. Denn diese Freundschaften haben mir vor allem dabei geholfen endlich wieder ein Stück zu Hause anzukommen und das Fernweh zu minimieren.

        Mich plagt schon seit mehreren Wochen eine Schreibblockade, darüber habe ich euch schon berichtet. Ich weiß nicht mehr wie ich mit einem Text anfangen soll und was ich euch eigentlich vermitteln möchte. Ich habe das Gefühl jedes niedergeschriebene Wort steht an der falschen Stelle und eigentlich habe ich auch gar nichts mehr zu sagen.
        Im Gegensatz dazu aber, rede ich wie am Fließband. Diese innere Blockade die mich nie über Gefühle oder Probleme sprechen ließ hat sich verflüchtigt und auf einmal kann ich Gespräche führen die noch vor einem Jahr nie möglich gewesen wären. Ich merke selbst, wie ich durch ein einfaches Lachen positiven Einfluss auf Menschen haben kann und wie ich losgelöst, fast schon freudig über das Rede was mich gerade beschäftigt.

        Vielleicht weiß ich gerade aus diesem Grund nicht mehr, was ich euch erzählen will, weil ich einfach alles schon gesagt habe. Weil ich gerade glücklich bin und alles was mich runterzieht die Perfektion ist die ich auf diesem Blog rüberbringen will, aber nicht kann.
        Ich habe endlich das Gefühl angekommen zu sein und während ich vor meiner Abreise nicht einmal wusste, ob ich eine Abschiedsfeier mit nicht vorhandenen Freunden feiern möchte, komme ich jetzt mit meiner freien Zeit nicht hinterher. Wisst ihr, das ist so ein wunderbares Gefühl und ich wünsche jedem von euch, dass er es auch einmal erleben kann.

        Die Bilder zu diesen Text entstanden übrigens auf einem spontanem Ausflug in die sächsische Schweiz. Wir fuhren an einem verregneten Mittwoch einfach mit dem Zug los und auch wenn die letzten Kilometer der Wanderung sehr nass waren, gibt es doch nicht schöneres als mit dem Liebsten durch die düstere, wolkenverhangene Landschaft zu laufen und sich danach mit einer heißen Schokolade im Bett zu verkriechen.
        Manchmal brauche ich diese Tage einfach, an denen ich rausgehen kann um alle Sorgen zu vergessen und etwas frische Luft zu atmen.






















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