Mai
18
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Ich würde dich gern wiedersehen, eines Tages.

Auf eine Tasse Kaffee vielleicht, oder in der süßen kleinen Bar direkt an der Ecke. Ich sehe es förmlich vor mir, wie ich drinnen etwas nervös an einem der Tische sitze, auf dich warte und du wie immer ein paar Minuten zu spät kommst.
Wir würden uns kurz schüchtern anlächeln, vielleicht sogar umarmen, obwohl das nie deine Art war. Du hast dich immer groß aufgeplustert, um dann in den entscheidenden Momenten den Rückzug zu wagen, zu schüchtern für mehr.

Ich würde dich gern so viele Dinge fragen, die ich mich früher nie getraut habe laut in deiner Anwesenheit auszusprechen.

Während wir uns über Belanglosigkeiten und den bitteren Geschmack des Kaffees unterhalten haben, aber beide so viel wichtigere Worte auf den Lippen hatten.
Eine dieser Fragen würde „warum?“ heißen und wahrscheinlich wie ein schwerer Blumen zwischen uns und den 2 Gläsern Bier in der Luft hängen. Eigentlich bevorzuge ich den Wein, aber für dich würde ich immer eine Ausnahme machen, weil ich weiß wie viel dir diese Kleinigkeiten bedeuten.

Was mir ebenfalls auf der Zuge liegen würde, wäre die Suche nach einer Antwort. Ob aus uns tatsächlich eine Art „wir“ hätte werden können. Ein wir in schwarzer Jeans und einem viel zu großen Pulli, Hand in Hand und trotzdem mit der richtigen Menge Abstand. 2 schwarze Schatten auf dem grauen Beton.
Da wären noch so viel mehr Sachen die ich gern von dir wissen würde, aber ich denke für den Anfang dürfte das bereits erwähnte unausgesprochene Wissen für genügend Gesprächsstoff sorgen und hoffentlich den Bann zwischen uns brechen.

Doch diese gesamte Vorstellung ist nur eine reine Fiktion von mir,

wenn ich mich wieder einmal nach dem „was wäre wenn?“ frage und mir dann selbst eingestehe, dass ich auch ohne dich und deine haselnussbraunen Augen vorangekommen bin. Ich kann förmlich den Schmerz darin sehen, wenn du diese Zeilen liest, aber dafür ist es jetzt zu spät. Denn du bist fort gegangen und ich bin weiter fortgelaufen, bis wir uns aus den Augen verloren haben.

Ich warte vergeblich auf meinen Geburtstag und eine Nachricht von dir, als wäre dies die letzte Chance ein paar Worte von dir zu lesen, lasse deinen jedoch wie jeden anderen Tag an mir vorbeiziehen und bringe es nicht über mein Herz mich bei dir zu melden. Genauso wie ich weiß, dass dich diese Worte nie erreichen werden und du nicht eines Tages mit deinen wilden und zerzausten Haaren vor mir stehen wirst.

Unsere Zeit ist schon lange vorbei und anstatt ihr hinterher zu trauern, sollte ich diese ungeklärten Fragen endlich aus meinem Kopf verbannen. Denn ich werde doch keine Antworten von dir bekommen. 

Ich würde einfach nur gern wissen, ob es dir genauso ergeht, oder ob ich nur noch ein langsam verblassender Schleier in deiner Erinnerung bin. Ein Schleier den du schon lange hinter dir gelassen hast. 

Manche Geschichten aus dem Leben schreiben kein Happy-End, was dann am Ende über kitschige Kinoleinwände läuft und Menschen wie mich zu Tränen rührt. Manche Geschichten enden einfach nur mit einem großen Fragezeichen und einer großen Schlucht aus Ungeklärtheiten und Missverständnissen.

Ich wünsche uns am Ende einfach nur alles Glück der Welt, mit oder ohne einander. 

OUTFITDETAILS

Schuhe: Dr. Martens
Hose: Vintage Levis
Hemd: Second Hand
Pullover: Moon River über Kleiderkreisel
Brille: Take A Shot (prsample)

Alle Bilder wurden von Nora Scholz fotografiert, danke dafür <3

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5 COMMENTS
Maikie Makakie

wow, wirklich schön eschrieben und richtig tolle Bilder ! Ich mag dene Dreads richtig gerne – wenn ich die Fotos so sehe, wächst in mir wieder die Sehnsucht, mir auch wieder welche zu machen, ich hab sie vor jahren abgeschnitten 😮

Pauline

Ich glaube dieser Text ist ein neuer meiner neuen Favoriten von dir Katja! So so wunderschön, gefühlvoll. Ich kann mich so gut in die Situation hinein versetzen und ich finde es immer wieder toll wie du mir Worten umgehen kannst. Auf eine besondere Weise so unkompliziert, ehrlich und nah am Leser – ich weiß nicht so ganz wie ich das beschreiben soll 😀
Aber da du oft das Gefühl hast nichts richtig gut zu können, kann ich dir definitiv sagen: Du kannst richtig schön Schreiben, sowie Fotografieren. Und ich glaube du musst nicht die Beste darin sein, du musst einfach du sein und es gibt viele Leser und Follower, die das genau so sehen wie ich.

Liebe Grüße
Pauline <3

https://mind-wanderer.com/category/lifestyle/photography/

Svenja

Unglaublich toll und berührend.

Lars

Vieles davon kommt mit wirklich sehr bekannt vor,es ist unglaublich schön geschrieben.

Pia

Liebe Katja,
ich bin soo verliebt in die Bilderreihe! Und das Design passt unglaublich gut dazu! 🙂
// In deinen Worten sehe ich mich wieder. Ich finde es immer wieder beeindruckend, dass du es jedes Mal aufs Neue schaffst, meine Gedanken genau auszusprechen. Danke dafür!
Alles Liebe, Pia

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