ethical lingerie nachhaltige Unterwäsche coco malou

Ich habe mich riesig gefreut, als Corinna mir im Frühjahr auf der Fashionweek erzählte, dass sie gerade ihr eigenes nachhaltiges Unterwäschelabel Coco Malou gründet. Denn mal ganz ehrlich, wer denkt bei fair produzierter Unterwäsche schon an Spitzen-BH und feminine Dessous und hat nicht sofort die weiße Unterwäsche von Oma im Sinn?
Corinna möchte dies ändern und seit Sonntag ist es endlich soweit. Die Crowdfunding-Kampagne für Coco Malou ist online gegangen und wir dürfen die ersten schicken Teile bewundern. Zeitlos und gleichzeitig unglaublich stilvoll hat sich die erste Kollektion in mein Herz geschlichen. Jedes einzelne Produkt wurde mit viel Liebe zum Detail entworfen und wird natürlich nachhaltig produziert.

Worauf genau Coco Malou bei der Produktion ihrer Unterwäsche achten, welche nachhaltigen Materialien sie verwenden und wie schwer manchmal das Gründerleben sein kann, hat Corinna mir im Interview verraten. Ich drücke auf jeden Fall alle Daumen für die Realisierung ihres Herzensprojekts.

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Wofür steht Coco Malou und wie kam dir die Idee zu einem eigenen Unterwäschelabel?
Coco Malou steht für nachhaltige Materialien, faire Produktion in Europa und feminines Design. Der Name leitet sich von meinem Vornamen Corinna ab und sollte einfach schön und leicht französisch klingen – so wie die Dessous auch aussehen. Die Idee kam mir, weil ich selbst lange erfolglos nach dem Richtigen für drunter gesucht habe. Seit ich 2015 auf faire Mode umgestiegen bin, habe ich kaum Unterwäsche gekauft, weil der faire Markt hier einfach nicht meinen Geschmack trifft – also habe ich mich selbst daran gemacht.

 

Nachhaltigkeit ist ein großer Bestandteil eurer Philosophie, worauf achtet ihr bei der Produktion eurer Unterwäsche? Welche Materialien verwendet ihr?
Die Materialien sind so nachhaltig wie momentan möglich: Das Hauptmaterial bei allen Teilen ist Tencel; ein Stoff, der aus Holzfasern gewonnen wird. Dieser ist sowohl im Anbau als auch in der Verarbeitung viel umweltfreundlicher als konventionelle Baumwolle, die aufwändig bewässert werden muss und auch in großen Mengen gespritzt und gedüngt wird. Die Bäume hingegen werden weder gespritzt noch künstlich bewässert und stammen alle aus nachhaltig beforsteten Wäldern. Außerdem wird Tencel in Österreich in einem Kreislaufverfahren hergestellt, in dem das Lösemittel zur Faserherstellung zu 99,9% recycelt wird. Das wurde sogar von der EU mit dem „European Award for the Environment“ ausgezeichnet. Fun Fact: Mit einem Coco Malou Slip wird ca. 50 Liter Wasser im Vergleich zum gleichen Modell aus Baumwolle eingespart.

Übrigens sind auch die Trageeigenschaften von Tencel super positiv: durch die Struktur der Faser wird Feuchtigkeit sehr schnell abtransportiert, wodurch deutlich weniger Bakterien (und damit auch Gerüche!) als bei Kunstfasern entstehen.
Die anderen Materialien, die noch nicht aus Tencel verfügbar sind, kommen alle von europäischen Lieferanten. Ich wollte nicht, dass die Rohstoffe einmal um die Welt fliegen müssen, bevor sie verarbeitet werden. Die Spitze kommt aus Deutschland und Italien und ist Oeko-Tex-STeP zertifiziert und mit Recycling Anteil. Die Schalen und Gummibänder sind noch nicht in „ökologisch“ verfügbar, aber hier bleibe ich dran und stelle um, sobald es Alternativen gibt.

Die Gründung eines eigenen Labels hat dich sicherlich vor einige Herausforderungen gestellt. Mit welchen Hürden hättest du nicht gerechnet und was hast du während dieses Prozesses über dich selbst lernen können?
Oh ja, Herausforderungen gab und gibt es genug! Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass alles so furchtbar lange dauert – von Idee zum Launch vergeht locker über ein Jahr. Man ist von so vielen Faktoren abhängig und auf unterschiedliche Lieferanten angewiesen, die alle unterschiedliche Lieferzeiten und Bedingungen haben. Hier bin ich schon oft an meine Grenzen gestoßen und habe gelernt, dass ich wirklich viel Geduld haben muss. Ähnlich sieht es auch in Bezug auf die Behörden und dem administrativem Aufwand aus. In Deutschland muss man wirklich über viele Hürden springen und es ist ein langer Weg.

Was möchtest du mit deiner Crowdfunding Kampagne erreichen?
Ich möchte möglichst viele Menschen erreichen und Frauen motivieren, auf faire Dessous umzusteigen. Es gibt ja auch viele Mädels, die sich noch nie wirklich Gedanken über die Materialien auf ihrer Haut oder die Arbeitsbedingungen hinter ihrer Kleidung gemacht haben. Ich hoffe, dass ich durch meine Kampagne auch einige Frauen inspirieren und zum Nachdenken anstoßen kann.
Letzten Endes versuche ich, 15.000€ zusammen zu bekommen, damit ich einen Großteil der Materialien bestellen kann und auch die Gewissheit habe, dass es genug Nachfrage gibt.

 

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Wie kann die Modeindustrie in deinen Augen noch nachhaltiger werden und wo gibt es immer noch Verbesserungsbedarf?
Die Modeindustrie hat noch einen weiten Weg vor sich: wir müssen weg vom schnellen Konsum und Wegwerfmode, hin zu langlebigen und hochwertig verarbeiteten Materialien. Gerade bei den Großen muss ein Umdenken stattfinden, um langfristig wirklich etwas zu verbessern. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach erst mal WENIGER: weniger Kollektionen, weniger Neukäufe, dafür mehr Innovationen und Forschung was die Materialien angeht. Und natürlich brauchen wir ein ganzheitliches Umdenken was die Produktionsbedingungen in den Niedriglohnländern angeht: höhere Sicherheitsstandards, Einhalten von Menschenrechten und faire Bezahlung!

Wo fängt man am besten an, wenn man selbst seinen Kleiderschrank auf faire Bekleidung umstellen möchte?
1. Informieren und nicht wegschauen. Die Doku „The True Cost“ zB ist super um sich erst mal darüber bewusst zu werden, in was für einer (Fashion) Welt wir eigentlich leben.
2. Weniger, dafür bewusster einkaufen. Wenn der Impuls des Habenwollens kommt, erst mal eine Nacht drüber schlafen und überlegen: brauch ich das wirklich? Die Fußgängerzonen am besten meiden.
3. Wenn man etwas braucht, nach nachhaltigeren Marken schauen, die auf Mensch und Umwelt achten. Dazu entweder die Websites der Marken anschauen, direkt nachfragen, wo wird produziert, welche Materialien etc. oder auch nach Siegeln wie GOTS oder FWF schauen. Secondhand ist auch immer eine gute Lösung (außer vielleicht in Bezug auf Unterwäsche), da hierfür keine neuen Ressourcen verbraucht werden.

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