Manchmal scheint ein Abend nur mit sich allein wie eine sehr düstere Angelegenheit, wäre da nicht dieser grundlegende Unterschied zwischen der Einsamkeit und dem Alleinsein. Einsam habe ich mich schon oft gefühlt, aber das Alleinsein zelebriere ich in einer perfekten Illusion.
Klaviermusik tönt dann durch die Räume, der Duft des Frischgekochten zieht unter der Türschwelle hindurch zu den Nachbarn, das Wasser plätschert leise in die Badewanne und neben mir liegt fein säuberlich sortiert das Notizbuch neben dem Kugelschreiber. Es sind Abende, an denen ich mit mir und meiner Stimme im Kopf ganz allein bin, ich ihr die Stirn biete oder einfach nur zuhöre.

Mit mir selbst muss ich mein gesamtes Leben verbringen, also versuche ich zu verstehen. Nicht selten fühle ich mich doch etwas einsam, allein gelassen mit mir und diesen nicht endenden Gedankengängen, überfordert davon mit ihnen umzugehen. Doch genau für diese Fälle habe ich mir meine perfekte Illusion aus Klaviermusik und Badewanne gebaut, damit sie mich auffängt, sanft ihre Arme um meine Seele legt, sie streichelt und sanft tröstet.
Oft weine ich, schlage die Hände über dem Kopf zusammen, habe einen stechenden Schmerz auf der linken Brust und laufe manchmal bis spät in die Nacht verwirrt durch die dunklen Straßen der Stadt. Es sind die Abende an denen ich davonlaufen möchte obwohl ich weiß, wie sehr dieser Fluchtinstinkt alles kaputtmachen wird. Also laufe ich durch die Straßen, immer weiter und immer schneller, bis meine Beine mich nicht mehr tragen wollen und ich erschöpft auf meinem Bett zusammensinke.

Alles was in diesen Stunden passiert wirkt so anstrengend schön auf mich. Ich bin oft fertig, fülle die Seiten meines kleinen grünen Buches bis meine Schrift immer krakeliger wird und mein Handgelenk schmerzt. Ich laufe jeden Gedankengang zweimal ab und sitze trotzdem oft nur da und starre in die dunkle Stille. Manchmal betrachte ich mich selbst aus der Vogelperspektive, wie ich auf dem Boden sitze, die Beine dicht an meinen Körper herangezogen, den Körper sachte hin und her wiegend. Vor und zurück. Vor und zurück.
Fragt mich nicht, wann und warum ich damit angefangen habe. Allein die Beschreibung dieses Zustands wird sich nie in Worte fassen lassen, sie fühlt sich in diesem Fall eher etwas merkwürdig und verwirrt an. Meine Seele, sollte sich wirklich existieren, braucht diese Zuneigung und ich möchte nicht mehr vor ihr und meinem ewig plappernden Kopf davonlaufen.

Ich habe damit angefangen ihnen zu lauschen, tief in mich hinein zu hören und die Lösung nicht aus dem Mund anderer, sondern aus mir selbst zu ziehen. Irgendwie scheinen Antworten, Wegweißer und Trost immer irgendwo in meinem Körper zu stecken und ich bin gewillt etwas Zeit in sie zu investieren, um nicht vom Weg abzukommen.
Vielleicht sind sie eine düstere Angelegenheit, diese Abende, erleuchtet nur durch den Kerzenschein vom Küchentisch. Allein ist man immer bewusst und auch wenn es in mir schmerzt, weiß ich wie notwendig diese Zeit für mich sein wird.

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KOMMENTARE

Hier und da zu sein. Zu verstehen von was die Seele da spricht. Verstand und Vernuft gegen Fantasie und Träume. Ein kleines Chaos, was ständig mit mir spricht. Mich erfüllt aber auch unheimlich anstregend ist. Danke für deine bildhafte Beschreibung.

Vielen dank für diesen wundervollen Text, damit sprichst du mir direkt aus der Seele, ich hadere auch oft mit mir in den Zeiten in denen ich ganz mit mir alleine bin.
Danke dir 🙂