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        Immer wieder, wenn ich denke alles mögliche verarbeitet und in einer sicheren Kiste verstaut zu haben, klopft eine neue Bekanntschaft vorsichtig an meiner Tür, um dann blitzartig und flink ihren Fuß zwischen den kleinen Spalt zwischen uns zu blocken, wenn ich sie wieder schließen möchte. So auch dieses Mal, als wir in kleiner Runde gemeinsam an einem Küchentisch saßen und in der Dämmerung, die sanft durch das Fenster schien, bei einem Glas Wein über das Leben philosophierten.

        „Ich finde das alles aufregend und interessant.“, rief sie schon fast voller Aufregung von der anderen Seite des Tisches und ich kam nicht umhin, mit meinem Sitznachbarn einen augenrollenden Blick zu tauschen. Er kannte mich, er verstand mich und das alles, obwohl sich unsere Freundschaft, falls man sie in diesem Stadium überhaupt schon so nennen darf, auf ein paar Stunden belief.
        Doch wir Beide hatten uns in unserer Kindheit, wenn auch jeder ganz für sich allein und abgeschieden, durch Tage, Wochen, Jahre gequält und dabei neben der Qual auch immer wieder die große Frage nach dem `Warum`mit uns herumgetragen.

        Warum mache ich das hier, warum Leistungssport, warum quäle ich mich jeden Tag auf ein Neues, warum ich und vor allem warum höre nicht nicht einfach damit auf, waren nur einige der Wiederholungen die mir nicht allein durch den Kopf gingen.
        Fragen, bei denen die Antworten immer wieder darin endeten einfach nicht mehr darüber nachzudenken und weiterzumachen. Weil die Antworten, zumindest aus meiner Perspektive, aus dem Druck von hier und da geformt wurden. Aufgeben war nie ein wirklicher Ausweg, obwohl wir Beide in unserer kleinen Verbundenheit schon lange aufgegeben hatten.

        Und wie der Zufall es nun wollte, standen wir uns auf einmal gegenüber und sahen uns dabei zu zwei Geschichten zu erzählen, welche doch in einer endeten, bis er mir die finale Frage an den Kopf schmiss, während sie am anderen Ende des Küchentischs immer noch mit ungläubigen Augen auf uns starrte und versuchte zu begreifen.
        Bist du nachtragend gegenüber deinen Eltern, weil sie doch die Verantwortung trugen damals, stand erneut eine Sinnfrage für mich im Raum und als ich fast schon ohne darüber nachzudenken ein bestimmtes „Nein.“ verkündete, war es als wäre ein weiterer Stein von meiner Brust gefallen.

        Für alle die jetzt ebenfalls ungläubig mit dem Kopf schütteln, habe ich hier die passende und teilweise im Nachhinein betrachtet doch sehr traurige Lektüre aus meinem Leben als Leistungssportler herausgesucht. Über den Link im Titel kommt ihr direkt zum gesamten Text.

        Das kleine Mädchen war wieder da // „Die besagte Kälte machte sich innerhalb von Sekunden über mich her. Meine Hände wurden nass, steif und blau, dann gelb. Der Trainer lachte im Motorboot. „So macht paddeln Spaß“, schrie er uns zu. In diesem Moment hasste ich ihn. Er hat uns viel Gutes getan, war sehr gnädig, vor allem mit meinen Noten, aber paddeln bei -1,6°C im Nebel war doch wirklich nicht menschlich.“ // Dieser Text ist im Übrigen mit einigen sehr süßen Kinderbildern geschmückt.

        Der Sport, mein Fahrrad und ich // „Auch ich mache ab und zu Sport. Seit der 5. Klasse besuche ich das Sportgymnasium und habe dort Leistungssport getrieben. Jeden Tag musste ich mich motivieren und zum Training gehen, jedes Mal mit dem Hintergedanken im Kopf, Ärger zu bekommen, weil ich nicht anwesend war, oder beim nächsten Wettkampf jemand besser ist als ich.“

        Ohne Zukunft // „Was damals unter Freunden eher ein schlechter Witz war, bekam in meinen Gedanken eine Art von Realität. Ich machte Leistungssport damals, war dadurch jeden Tag in einem Boot auf der Elbe unterwegs und genau dort sollte alles auch ein Ende nehmen. Das sowieso schon etwas baufällige Blaue Wunder stürzte über mir ein, meine Leiche sollte am Grund der Elbe langsam in das Meer treiben um endlich Freiheit zu finden.“

        Outfitdetails
        Schuhe: Dr. Martens // hier, allerdings nicht fair produziert und aus Leder
        Kleid: Kleiderkreisel // hier gibt es eine nachhaltige Alternative
        Uhr: Kerbholz // hier, allerdings mit Lederarmband


        Location: Lüneburger Heide, Oberhaverbeck
        Kamera: Canon EOS 6D
        Objektiv: 24-105mm
        Bildbearbeitung Tutorial (hier)


         

        2 COMMENTS

        Ich wurde als kleines Kind auch getrimmt – und zwar aufs Klavierspielen. Allerdings habe ich eigentlich fast nie drunter gelitten.
        Hast du dich denn mittlerweile befreien können?
        Übrigens liebe ich die Bilder und deinen Look! Und die Bildbearbeitung <3 Sehr schön!
        lg
        Esra

        http://nachgesternistvormorgen.de/

        Klavierspielen ist aber auch etwas schönes, aber ich verstehe dich da vollkommen.
        Mittlerweile schon, aber manchmal kommt immer noch etwas durch. Vielen Dank dir!
        Liebst, Katja

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