Apr
19
16

Sie verlassen dich, als wärst du nie da gewesen.

Ich kann keine engen Bindungen mit anderen Menschen eingehen. Mir fehlt es an Vertrauen und oft verlaufen meine Freundschaften im Sand. Manchmal frage ich mich, ob ich einfach nicht dafür geschaffen bin sie zu pflegen und was bei mir eigentlich schief läuft.
In der Grundschule hatte ich nicht viele Freunde. Ich verstand mich zwar mit allen sehr gut, hatte um mich herum jedoch nur einen kleinen Kreis aus engen Freunden. Wir gründeten zusammen einen Detektivclub und waren unzertrennlich. Trotzdem habe ich mich manchmal wie ein kleiner Außenseiter gefühlt, denn auch in ihrer Freizeit unternahmen die Mädchen viel miteinander. Ich war entweder beim Training oder wollte meine Ruhe haben.
Ich weiß nicht, warum es mir schwer fällt, Bindungen mit anderen Menschen einzugehen und diese auch aufrecht zu erhalten. Ich verstehe mich immer sehr gut mit Jedem und am Ende des Tages bin ich allein. Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu den Mädchen aus der Grundschule.

Mein Freundeskreis am Gymnasium bestand aus meinem Verein, meiner Trainingsgruppe. Auch wenn ich in dieser Zeit öfter schüchtern am Rand stand, hatte ich das Gefühl mit jedem gut auszukommen und wir hatten gemeinsam viel Spaß. In der Schule lernte ich dann meine beste Freundin kennen, schnell waren wir Unzertrennlich, redeten jedoch nie über ernsthafte Dinge und Probleme oder Gedanken. Außerhalb dieser kleinen Gruppe gab es jedoch niemanden für mich und auch in der Freizeit unternahmen wir nur selten etwas gemeinsam, sahen wir uns doch jeden Tag beim Training oder auf Wettkämpfen.

Heute habe ich zu keinem dieser
Menschen noch Kontakt und auch meine beste Freundin ist seit 2 Jahren
nicht mehr in meiner Klasse.“Ich bin eben kein Mensch, mit dem man freiwillig Zeit verbringt.“

Sie streckte das Abitur auf 3 Jahre, ich wollte nur 2. Ich wurde also ganz allein in das kalte Wasser geworfen und fand aber schnell neue Kontakte. Wieder einmal verstand ich mich mit jedem sehr gut, außerhalb der Schule unternahm ich jedoch nur selten etwas mit ihnen, heute möchte ich diese Klasse einfach nur noch verlassen. Warum könnt ihr hier noch einmal ausführlich lesen.

Zum gleichen Zeitpunkt des Klassenwechsels, wechselte ich auch den Verein. Anfangs war diese Entscheidung sehr von meinen Eltern ausgegangen, aber schnell sah auch ich ein, dass dies die beste Lösung war. Ich wusste jedoch nicht mehr, wohin ich gehörte.
Im Verein selber, war ich nur sehr selten und wir sahen uns bei Wettkämpfen, sonst trainierte ich aber wie auch schon vorher bei unserem Stützpunkt. Ich verstand mich immer sehr gut mit
beiden Seiten, jedoch blieben auch diese Freundschaften wieder nur sehr oberflächlich und ich hatte, beziehungsweise habe immer noch das Gefühl nicht richtig dazuzugehören. Schnell fühlte ich mich auch keiner Trainingsgruppe mehr zugehörig und trainierte allein mit einer Freundin. Oft hatte ich mir gewünscht, dass ein Trainer sich um uns kümmert und wieder aufnimmt, jedoch wurde ich fallen gelassen, in eine Kiste gepackt und in der hintersten Ecke des Regals verstaut.

„Allein zu sein! Drei Worte, leicht zu sagen, Und doch so schwer, so endlos schwer zu tragen.“

Die Anderen fingen an im Spaß über mich zu lästern, über meine Leistung im Sport und wie schlecht ich durch fehlendes Training geworden war. Die Tatsache sah ich auch ein und konnte am Anfang sogar über ihre Witze lachen. Zum Ende hin wurde es jedoch immer anstrengender und mein Lächeln war nur noch Fassade. Durch fehlende Lust und ihre Kommentare, kam ich immer seltener, wurde immer schlechter und das ganze wurde zum Teufelskreis.

„Immer steh ich draußen vor der Tür, wenn die andern Feste feiern. Dies furchtbare Alleinsein.“

Ich war also wieder einmal allein, bis auf die Freundin, mit welcher ich manchmal trainierte. Diese hat vor einem Jahr ihr Abitur gemacht und mit dem Sport aufgehört. Unser Kontakt wurde immer schwächer und ich fühlte mich ausgenutzt. Allein. Ich war die, die immer dabei war und mitlachte. Trotzdem stand ich am Rand und ging am Abend allein nach Hause.
Ich fragte mich immer mehr, warum ich nicht dazu in der Lage bin Freundschaften intensiv zu pflegen und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Selbst in der Männerwelt wollte sich nicht der Richtige finden, alle sahen in mir immer nur einen guten Kumpel.

Man könnte meinen aus Verzweiflung, Einsamkeit und der Angst allein zu sein, meldete ich mich bei einer Datingapp an. (Die gesamte Geschichte könnt ihr hier noch einmal nachlesen). Dort lernte ich meinen derzeitigen Freund kennen.

„Wenn dich alles verlassen hat, kommt das Alleinsein. Wenn du alles verlassen hast, kommt die Einsamkeit.“

Er ist die einzige Person in meinem Leben, welche sich regelmäßig melde, mit welcher ich viele Dinge unternehme und er ist auch der Einzige, der fragt wie es mir geht. Durch ihn habe ich gelernt mich zu öffnen und ihm zu vertrauen. Ich habe noch nie gern über meine Gefühle oder Gedanken gesprochen, viel lieber schreibe ich sie auf und verarbeite sie auf diese Weise. Ihm jedoch erzähle ich von meinen Ängsten und kann mich langsam immer weiter öffnen, auch wenn ich mich teilweise immer noch unter Druck gesetzt fühle, wenn ich wirklich einmal reden soll und er eine
Antwort von mir erwartet.

Zur Zeit versuche ich neue Bekanntschaften außerhalb der Schule und der Trainingsgruppe zu schließen. Ich habe mich oft mit anderen Mädchen getroffen, mit ihnen gelacht und einen schönen Nachmittag verbracht. Dabei blieb es dann aber auch wieder. Wieder waren die Bekanntschaften nur oberflächlich und in diesen Fällen auch zweckmäßig, um ein paar neue Fotos für unsere Blogs oder Instagramprofile zu schießen. Auch mit meiner Trainingspartnerin habe ich mich noch einmal getroffen, wobei nach diesem Abend schnell wieder die Ruhe einkehrte.

„Man kann nicht für sich allein leben. Das ist der Tod.“

Mittlerweile weiß ich nicht mehr, ob der Fehler bei mir oder bei den Anderen liegt. Ich bin nicht gut im Nachrichten schreiben, vor allem wenn es um belanglose Sachen wie den Tagesablauf geht und versuche dennoch mit regelmäßig zu melden. Ist das vielleicht doch zu wenig? Muss ich mich öfter melden? Sollte ich aufhören ständig abzuwarten, dass sie ebenfalls ihr Interesse an
mir bekennen?

„Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.“

Ich gebe ernsthaft zu, dass ich gern eine gewisse Distanz wahre und Gefühle nicht gern zulasse. Aber wirkt das auf andere Menschen wirklich abschreckend, dass sie sich nicht von allein bei mir melden können?

Wenn ich aus der Schule gehe, werde ich auch keinen Kontakt mehr mit meinen Klassenkameraden haben, wobei ich in diesem Fall sehr froh darüber bin. Dann werde ich wieder allein sein, wobei ich diesmal noch jemanden an meiner Seite habe. Ich werde mich bei meinen oberflächlichen Bekanntschaften melden und hoffen, dass mehr daraus wird, um dann nach Neuseeland zu verschwinden und
wieder sämtliche Kontakte zu verlieren. Ich weiß nicht einmal, wen ich zu meiner Abschiedsfeier einladen werde und ob mich überhaupt jemand vermisst.

Als ich die Bilder sah, welche wir vor der Synagoge in Dresden geschossen haben, gewannen die Gefühle überhand. Es war wie ein Schlag in mein Gesicht. Eine Person, welche mir noch einmal von Angesicht, zu Angesicht sagte, dass ich keine Freunde habe. Ich fühlte mich allein, vor der grauen Wand eines Gotteshauses, welches einem Zuflucht bieten sollte. Jedoch schaffe ich es nie hinein zu gehen, stehe immer nur davor und trage meine Fassade aufrecht. Die einzige Person mit mir da draußen vor der Tür war mein Freund und Photograph.

„Zwischen Hunderten von Leuten, fühl mich trotzdem allein. Steh in unsichtbaren Mauern, zwar geborgen, doch klein, bin verloren im Sein.“




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14 COMMENTS

Liebe Katja,
ich finde es so mutig von dir, dass du so offen darüber sprichst und das macht dich einfach unglaublich sympathisch. In deinen Zeilen habe ich viel von mir selbst und meinen Gedanken wiedergefunden, auch ich habe durch einige Umstände in der Schule und allgemein nur relativ oberflächliche Freunde gefunden und nur ein, zwei enge Freunde mit denen ich über die großen Fragen der Welt, den Sinn oder über Gefühle reden kann.
Ich kann dir versichern, du bist nicht allein mit dem Alleinsein. Es zeigt mir, dass es anscheinend so viele Leute gibt, die auch auf der Suche sind nach einer engeren Bindung und nicht wissen wie man eigentlich eine solche aufbaut. Denn genau das habe ich mich auch gefragt: Bin ich einfach nicht in der Lage Freundschaften einzugehen? Wirklich ich fühle mich da wie ein Amateur der das alles nicht so richtig weiß.
Ich wünsche dir und mir von ganzem Herzen, dass wir Menschen finden die genau wie wir auf der Suche sind sodass sich tiefe Freundschaften finden können. Ich hoffe immer auf mein Studium ab Herbst, dass ich dort einen Neuanfang haben werde.
Du scheinst trotz allem ein so offener, sympathischer und zugewandter Mensch zu sein, bleib so!
deine Greta

Hallo Katja,
dein Text ist wirklich sehr ehrlich. Ich war nie alleine, habe immer Freunde gesucht und gefunden. Nur einmal war ich für zwei Wochen ganz allein. Da hatte ein Quatsch über mich erzählt und niemand mochte mich mehr. Zum Glück nur zwei Wochen, denn diese waren richtig schlimm für mich.
Ich finde, dass du das trotzdem ganz gut meisterst und jetzt ja endlich einen lieben Menschen an deiner Seite hast. Das freut mich sehr für dich 🙂
Und glaube mir, das mit der Freundschaft wird auch noch irgendwann werden!

Was für ein wahnsinnig Toller Post. Ich hatte immer viele Freunde aber seid dem ich Mama bin haben sich einfach mal alle abgewendet. Und es gibt sehr viele Momente wo man dann sehr einsam ist. Aber dafür habe ich meine Cousine/Beste Freundin die immer noch da ist <3

Ich finde es auf jeden Fall sehr mutig und sehr sympatisch das du diesen ehrlichen Text veröffentlicht hast.

Liebst,
Janine // http://www.traummelodiie.de

Das mit dem allein sein kenne ich. In der Schule hatte ich auch nie viele Freunde und auch heute ist mein Freundeskreis eher klein und überschaubar, was ich allerdings gar nicht so schlimm finde.
Ich wurde oft enttäuscht und verletzt bin aber immer wieder aufgestanden und habe weiter gemacht.
Sicherlich bin ich sparsamer mit meinen Gefühlen und meiner Freundschaft geworden. Dennoch lasse ich hin und wieder Menschen an mich ran. Und außerdem bin ich ja noch verheiratet 🙂

Such das Problem nicht immer bei dir. Du bist wie du bist. Wenn du dich so nicht wohl fühlst änder etwas daran, wenn nicht dann nicht. Wichtig ist, dass du es tust weil du es möchtest und nicht weil andere es wollen 🙂

Liebste Grüße Laura
http://streuselsturm.blogspot.de

Ein wirklich toller und berührender Text in dem ich mich selbst auch sehr gut wieder finde.
Sowohl in meiner ersten Schullaufbahn, als auch jetzt auf der Abendschule. Ich tue mich sehr schwer mit Menschen. Doch inzwischen sehe ich das nicht mehr als Problem – ich suche mir meine Freunde eben sehr genau aus.
Und das ist nicht immer negativ.
Fühl dich gedrückt

Liebst
Justine

http://www.justinewynnegacy.de/

ich kenne dieses gefühl. lange habe ich auch geglaubt, keine engen bindungen mit menschen einzugehen, oder die angst zu haben, dass sie mich irgendwann einmal verlassen. so war es oft auch. aber hey, wenn das so ist, waren es einfach die falschen menschen. die richtigen kommen zu dir und bleiben, auch wenn du angst hast, auch wenn du angst hast zu vertrauen. ich glaube, wenn man oft enttäuscht wurde, dann baut man eine mauer um sich herum auf. das geschieht zum schutz, aber viele verstehen das nicht. ich bin sehr froh, dass ich ein paar menschen um mich herum habe, die gewusst haben, wie man diese mauern wieder einreißt.

lg
dahi
http://www.strangeness-and-charms.com/

Schöner Text, mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann. Ich habe auch nur einen sehr kleinen Freudes- bzw. eher Bekanntenkreis (als wirkliche Freunde würde ich noch weniger Menschen bezeichnen) und ich Stelle mir die selben Fragen wie du. Lass dich nicht unterkriegen und freu dich, dass du so einen netten Freund hast:)

Liebe Grüße
Patricia

Ein richtig toller Text und mir geht es auch so. Die meisten Freundschaften verliefen im Sand und ich habe mich oft gefragt, was ich falsch gemacht habe. Wollte keinen mehr an mich ran lassen und es fällt mir immer noch schwer. Man muss so aufpassen, deswegen habe ich auch eher einen kleinen Freundeskreis.
Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

Du bist nicht allein mit dem Alleinsein.
Und ich bin es auch nicht, das weiß ich jetzt.
Und darüber bin ich echt froh.
Wir werden noch die passenden Menschen in unserem Leben finden, davon bin ich überzeugt. Es braucht nur seine Zeit. Es ist schwer, oder sogar unmöglich diese Zeit ohne Tränen und Stunden der Einsamkeit zu verbringen. Aber: jeder Berg, den es zu überwinden gilt, macht uns stärker. Also, stay positive!
Alles Liebe

Ein wunderschöner Look und den Mantel finde ich klasse.

Der text ist echt berührend und ich finde mich stellenweise darin wieder. Doch abwarten, im Leben finden sich die passenden Menschen.

Liebste Grüße
Claudia von minnja.de

Der Text ist so ehrlich und geht einem nahe. Ich finde, dadurch, dass du ihn geschrieben hast, wirkst du auf mich keines falls unnahbar, sondern mutig und vielleicht mit Selbstzweifeln, die unbegründet sind. Natürlich sucht man die Fehler bei sich, das tut jeder, aber du bist, wie du bist und jeder Mensch ist auf seine Weise toll. Andere erkennen das nicht immer, reden sich raus und meinen, ach, die meldet sich ja nicht, aber sehen gar nicht, dass es nicht nur an einer Person teilweise liegt. Vielleicht waren es auch einfach nicht die richtigen Personen, denn schließlich gibt es deinen Freund, der dir zeigt, dass du deine Gefühle zeigen kannst, wenn du das möchtest und auch darüber sprechen kannst. Wenn du das vorher nicht konntest, hast du dich vieleicht nicht dabei wohlgefühlt.
Der Text ist so berührend und ich hab auch keine große Menge an Freunden, aber die paar, die ich habe reichen mir.
Du bist ein toller Mensch und auch sehr stark, bleib so!
Liebste Grüße, Calli ♥♥
http://sparklingforstars.blogspot.de/

Anonym

Ich bin echt froh von Leuten zu lesen, denen es genauso geht wie mir 🙂

Anonym

WOW das war gerade echt krass. Ich hatte gerade das Gefühl, dass du ganz genau meine Gedanken aufgeschrieben hast! Ich habe viele Leute mit dehnen ich klar komme und die mich mögen und ich habe auch meine beste Freundin mit der ich sehr viel Zeit verbringe, aber ich erzähle ihr nie etwas über meine Gefühle. Das ist einfach nicht so mein Ding. Ich behalte all das lieber für mich. Danke für deine Gedanken, sie schreiben echt 100% meine Gedanken. Und zeigen mir, dass es anderen auch so geht, dass sie sich alleine fühlen obwohl da menschen sind die einen mögen.
liebe grüße Jule

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