Jan
07
17

Es war der 11. Januar 2015 als wir gemeinsam auf das Schiff stiegen. Wir waren aufgeregt und nervös wohin uns die Reise führen würde, aber wir hielten uns dennoch die gesamte Zeit aneinander fest.
„Alle an Board?“, ertönte die Stimme des Kapitäns etwas verzerrt durch die Lautsprecher und ich blickte dich fragend an. Ein Kopfnicken war deine Antwort und unsere Reise sollte beginnen.

Es war der 11. Januar 2015, es war der Anfang von allem. Wir lernten uns kennen, wir trafen uns immer öfter und an genau diesem Tag sollte es beschlossen werden – wir wurden ein Paar und stürzten uns gemeinsam in das Ungewisse, wir bestiegen gemeinsam das gleiche Schiff und wollten wissen wohin es uns tragen würde.
Du weißt gar nicht wie aufregend und neu das Alles für mich war. Mit dir. Ich war was Beziehungen angeht vielleicht schon etwas erfahrener als du, aber das mit uns war etwas völlig neues. Ich war angespannt.

Aber unsere Fahrt begann. Wir nahmen Geschwindigkeit auf und wurden immer schneller, es war atemberaubend. Ich habe noch nie etwas vergleichbares erlebt und dir ging es ähnlich. Wir unternahmen so vieles, fuhren das erste Mal gemeinsam in den Urlaub, tanzten zusammen durch das Leben und nach einiger Zeit saßen wir zusammen an einem Tisch und aßen Tapas. Der 1. Jahrestag und ich fragte mich wie schnell doch die Zeit vergehen kann. Ich musste mich immer wieder kneifen um all´das, um uns zu realisieren.
Doch ich würde lügen, wenn ich nicht die Risse und Kratzer an unserem Boot erwähnen würde. Und immer wieder kamen neue hinzu. Unser Gerüst wurde immer kaputter und älter, es war schwer ihm noch etwas Vertrauen zu schenken. Es wurde immer schwerer das Schiff nach einem neuen Streit wieder ins Wasser zu schieben und die Segel erneut zu spannen.

Ich sah unsere Reise nach Neuseeland als letzte Chance um noch einmal Fahrt aufzunehmen. Und es hat tatsächlich funktioniert. Noch nie waren wir uns so nah und noch nie war unsere Beziehung miteinander so intim. Das war unser großer Fehler.
Wir wussten Beide wie schwer es sein kann 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche im selben Boot zu sitzen, mitten auf dem Meer, ohne einen Anker, ohne einen rettenden Steg zum anlegen. Und mit der Zeit haben wir wieder angefangen es zu zerstören. Aber diesmal wurden die Risse größer und unser angeschlagenes Gerüst konnte uns nicht mehr halten.

Wasser fing an unser Boot einzunehmen und ich hatte Angst zu ertrinken. Ich wusste nicht mehr wohin mit mir, dir, wohin mit uns. Und ich wusste auch, dass du ebenfalls kurz davor warst aufzugeben.
Bis unsere Reise abrupt endete. Wir hatten unser Schiff zerstört, es war nicht mehr fahrtüchtig und wir wussten nicht, ob wir überhaupt noch damit fahren wollten. Zu viel war geschehen, gute und schlechte Dinge die sich nicht mehr rückgängig machen ließen.

Wir waren gestrandet. Mit einem kaputten Wrack standen wir gemeinsam am Strand und wussten nicht mehr weiter. Es war zum verzweifeln. Ich wollte alles wegwerfen und dir den Rücken zudrehen, ja, wie schön wäre es gewesen einfach zu gehen. Vielleicht irgendwo ein neues Leben aufbauen, eine neue Beziehung finden. Aber dein Blick hinderte mich daran.
Ich fühlte mich schlecht bei dem Gedanken diesmal nicht für uns zu kämpfen. Ich wusste, dass dies die falsche Entscheidung war und ich es für immer bereuen würde. Ich wusste, dass ich auf diese Weise der Liebe meinen Rücken zuwenden würde und lange bräuchte um wieder daran zu glauben.

Also kämpfte ich. Und du hast mit mir gemeinsam gekämpft. Wie zwei Irre standen wir vor unserem gemeinsamen Wrack und versuchten es wieder aufzubauen, aber – es war zwecklos. Es war unmöglich aus einer Ruine ein neues zu Hause aufzubauen, das hätte selbst der größte Architekt nicht geschafft.
Verzweifelt saßen wir am Strand und wussten nicht wie es weitergehen sollte. „Möchtest du gehen?“, hast du mich gefragt und ich wusste schon bevor du deine Frage gestellt hast wie meine Antwort lauten sollte. „Nein. Möchtest du gehen?“ „Nein.“
Wir blieben beide. Und als am Abend die Sonne langsam unterging erschien unser kaputtes Wrack in einem neuen Licht. Immer noch kaputt und voller Verschleiß lag es am Strand während orange-rote Strahlen es zum leuchten brachten. Menschen kamen auf einmal mit ihren Kameras vorbei und blieben mit ihren staunenden Mündern davor stehen. Sie sahen es ungläubig an und wir erklärten ihnen unsere Geschichte.

Ich glaube an diesem Abend wurde uns beiden bewusst, dass wir etwas neues und einzigartiges geschaffen hatten. Etwas was uns keiner mehr wegnehmen konnte. Unser Schiff war nur noch eine Ruine, es war ein Wrack. Aber wie wir gemeinsam davor saßen und es immer noch nicht aufgaben machte mich stolz. Es lies mich wieder an uns glauben.
Es klingt vielleicht verrückt dieses Wrack nicht einfach hinter sich zu lassen und ein neues Schiff zu nehmen. Aber wir haben so vieles gesehen und erlebt, dass wir angefangen haben zu wissen wie wir am besten damit umgehen. Unser Schiff fährt nicht mehr, wir sind gestrandet. Ich würde aber nie auf die Idee kommen es ein Unglück zu nennen, es fühlt eher an wie ein sicherer Hafen. Und ich bin froh ihn endlich erreicht zu haben, denn, unser Wrack ist wunderschön. Und vielleicht kaufen wir uns irgendwann ein neues Schiff. Gemeinsam.




























Outfitdetails // Hose: Topshop // Schuhe: Dr. Martens // Hemd: Second Hand // Pullover: Mango

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14 COMMENTS

Unglaublich schön geschrieben. Und so ehrlich, dass man schon fast mitfühlen kann.
Ich finde es toll, wenn Menschen noch so an Ihre Beziehungen glauben, wie Ihr das anscheinend tut.

Ich finde jeder Mensch sollte an seine Beziehung glauben und wenn er das nicht mehr kann, dann sollte er gehen. Danke für deinen Kommentar 🙂

Jule

Wow das sind wunderschöne Bilder!! Ich habe das Anschauen sehr genossen.
Und ein toller, mitfühlender Text. 🙂
LG Jule

Leah Riethmüller

Der Text ist SO berührend! Man kann es beim lesen einfach spüren.

Anni

Wow, du hast mich mit diesem Text zu Tränen gerührt. Das ist der erste Blogeintrag den ich von dir gelesen habe und man merkt, dass du das mit vollem Herzen geschrieben hast. Du kannst dich glücklich schätzen, dass ihr beide bereit wart es nicht aufzugeben.

Ellen

Ich danke dir von ganzen Herzen für diesen wundervollen Text. Du hast mich damit berührt & mir Hoffnung gemacht.
Gebt niemals auf.

Charlotte

Vielen Dank dass du diese wunderschönen intimen Worte hier geteilt hast. Ich finde, man kann es so oft auch auf andere Schiffbrüche übertragen. Alles ist schlimm, man weiß nicht weiter, denkt irgendwann es gibt keine Lösung mehr. Bis man sich ruhig vor sein kaputtes Schiff setzt und es betrachtet und akzeptiert. Und dann kommt etwas, das man so gar nicht erwartet hat, und es überwältigt und tröstet über den Schmerz hinweg, den man wegen dem zerstörten Schiff aushalten musste.
LG Charlotte 🙂

Dabei geht es am Ende immer weiter voran 🙂
Danke für deine Worte.
Liebst, Katja

Mima

Hat mich getroffen …berührt….und ich habe kurz Tränen in den Augen gehabt…echt bewegend …danke für so ehrliche private emotionale Worte

Lea

Der Text spricht mir aus der Seele..

Leoni

Wow! Berührend…und irgenwie spiegelt es auch gerade meine Situation! Vielleicht gibt’s es noch Hoffnung… Danke dafür Katja!

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