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        Es ist 1:28 Uhr mitten in der Nacht und ich sitze mit angehockten Beinen auf meinem Bett, eingekuschelt in sein viel zu großes Bandshirt. Mein Fenster steht weit geöffnet, es war ein heißer Sommertag und jetzt plätschert der Regen langsam auf die Erde. Ich liebe Sommergewitter, habe früher immer mit einem Buch auf dem Fensterbrett gesessen und die Stimmung genossen.
        Meine linker Zeigefinger schmerzt, wenn er auf die Buchstaben auf meiner Tastatur trifft, hinter mir liegen 125 Gramm Echthaar und 57 Dreadextensions. Ich habe das Gefühl mich mitteilen zu müssen, will meine Gedanken niederschreiben. Etwas fehlt.

        In meinem Leben passiert gerade so viel und doch nichts. Ich arbeite und versuche die freien Stunden bestmöglichst auszunutzen. Komme nicht zur Ruhe. Trotzdem herrscht in diesem Augenblick eine unendliche Leere in meinem Kopf. Ich versuche nachzudenken.
        Sehr oft sitze ich und versuche über meinen Blog nachzudenken, genau wie jetzt. Ich sehe die Fashionbloggerszene mit ihrer Lästerei, die für mich unnahbaren Travelblogger, ich sehe so viele Blogs und so viele Menschen mit guten Ideen. Sie sind anders als ich, denn sie haben sich entschieden. Sie haben ihre Bestimmung gefunden und ich irre wie ein kleiner verlorener Ballon irgendwo im Wald herum.

        Ich möchte mich mitteilen, ein Diaryblogger sein, ich liebe Mode, interessiere mich für Musik und werde bald Reisen, Amsterdam, Neuseeland mit dem Rucksack. Was bin ich und wo kann ich mich zugehörig fühlen?
        Der gestrige Tag lässt mich nicht mehr richtig los und zwingt mich zum Grübeln. Ich war auf einem Bloggertreffen und jeder einzelne Mensch dort hatte ein genaues Ziel, hatte einen Plan im Kopf. Egal ob sie später einmal mit ihrem Modeblog Geld verdienen wollen, gern kochen oder die Welt bereisen, sie wussten worauf sie hinarbeiten. Und ich?

        „Ich habe einen Modeblog und versuche etwas Literatur mit einzubringen.“, war wohl einer meiner schlechtesten Standartsätze bisher. Wie soll ich das, was ich hier treibe auch in Worte fassen, wenn nicht einmal ich selbst es richtig fassen kann? Ich hatte das Gefühl nicht wirklich etwas über mich und meine kleine Seite erzählen zu können ohne ins Stottern zu geraten, oder als einfacher Modeblog dargestellt zu werden.
        Mein Ziel umfasst keine kaufbereite Zielgruppe, aber irgendwie möchte ich doch inspirieren.

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        Es ist einer dieser philosophischen Momente in denen mein gesamtes Leben aus Widersprüchen besteht und ich nicht richtig weiß wohin ich gehen soll. Man kann in der heutigen Zeit so viel machen und erleben, ich habe aber den Anschluss verloren und finde den Anfang nicht. Wen möchte ich darstellen? Den erhobenen Zeigefinder der euch ständig ermahnt nicht an der Konsumgesellschaft teilzuhaben, nachzudenken und entschleunigt zu leben, oder den modernen Blogger in Culotte und Espadrilles?

        Auf jeden Fall möchte ich Mode und meine Gedanken hier teilen, aber während ich diese Worte schreibe weiß ich, dass ich die Kommentare darunter nicht lesen möchte. Ich möchte nicht lesen, dass ihr mich versteht, denn auch wenn es euch so erscheint, ihr kennt mich nicht. Ihr könnt nicht darüber urteilen ob ich gerade einfach nur melanchonisch aus dem Fenster auf den Regen schau oder wirkliche Selbstfindungsprobleme habe.
        Ein weiterer Punkt den ich komisch finde. Ich biete eine Plattform und jeder Mensch darf sich hier gern Willkommen fühlen. Ihr dürft euch aufgehoben fühlen zwischen meinen Worten und vielleicht auch ein Stück weit verstanden. Dennoch könnt ihr mich nicht verstehen und in mich hineinsehen, denn ihr erfahrt nur die Hälfte. Könnt ihr das irgendwie nachvollziehen? Worte sind Kunst und Kunst verändert sich im Auge des Betrachters.

        Das Bloggen ist eine komplizierte Angelegenheit. Jeder möchte irgendwo seine Karriere vorantreiben und größer werden, aber irgendwo bleibt dabei die alte Persönlichkeit auf der Strecke. Vielleicht bin auch ich gerade an einem Punkt, an welchem ich auf meine Anfänge zurückblicke und mir selbst fremd bin.
        Früher hätte ich mich nie getraut Firmen von allein um Unterstützung zu bitten und heute höre ich auf die anderen Blogger und tippe fleißig Mails. (Mal sehen was dabei rauskommt.) Ich hätte nicht einmal überlegt zur Fashionweek zu fahren und mir den Stress anzutun. Heute bereue ich es nicht dabei gewesen zu sein. Unter anderen Bloggern bin ich nicht mehr verklemmt und verstecke mich, sondern versuche neue Kontakte zu knüpfen. Hätte ich dies meinem 16-jährigen Ich erzählt, hätte es mich ausgelacht.

        Ich merke gerade wie verwirrt und undurchsichtig dieser Text gerade wird, wollte ich doch eigentlich noch einen tollen Abschlussatz schreiben. Mein Kopf wird aber gerade wieder leer und möchte einfach nur dem Regen lauschen und nach draußen sehen, also kehre ich meine innerste Seite wieder in mich und lasse euch mit ehrlichen, verwirrten Worten zurück. Denn auch das gehört irgendwie hier dazu. Ehrlichkeit. Gefühle. Versucht das mal auf einem Bloggertreffen zu erklären und in 2 Sätze zu quetschen.

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        Handgemachte Plugs von Madame Lucane*, vielen Dank für die Unterstützung!

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        9 COMMENTS

        Wow, ich bin sprachlos. Ich kenne die Gedankenlosigkeit, wenn doch der Kopf vor Gedanken zu zerspringen droht. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt.

        Also erstmal Kompliment an dich für deine Art zu schreiben! Ich habe deinen Blog zwar gerade eben erst über Kleiderkreisel entdeckt, aber mir kommt es vor als würde ich ihn schon seit Wochen lesen.
        Ich bewundere Blogger, die regelmäßig und mit Plan bloggen. Das würde ich auch gerne, aber ich hab es noch nie hinbekommen und ehrlich gesagt habe ich da manchmal auch gar keine Lust nach Außen hin das perfekte Bild abzugeben, wenn es nicht so ist. Zudem macht ein guter Blog für mich eine Mischung aus guten Fotos und guten Texten mit Persönlichkeit aus.

        Liebe Grüße,
        Mella Sophie

        Meine Liebe, selten ließt man solch offen und ehrliche Beiträge in der Fashionblogger Szene. Danke schonmal dafür! (Leider) muss ich dir mir vielen Punkten Recht geben. Konkurrenz steht hier leider an der Tagesordnung. Mehr als ein Mal habe ich mich nicht getraut meine Lieblingsblogger anzusprechen, einfach weil ein blödes Gefühl mich begleitet hat. Ich find das sehr, sehr schade! Für mich sind andere Blogger Kollegen. Und wir alle schaffen zusammen etwas ganz tolles! Deswegen liebe ich es neue Kontakte zu knüpfen. Leider sieht der Rest der Szene es anders.

        Ich finde du hast total recht mit dem was du schreibst. Ich lese deine Posts super gerne und mag auch deinen Schreibstil, weil da so viel Persönlichkeit drin steckt, was ich wirklich wichtig finde!
        Liebe Grüße
        http://www.janinewx.com/2016/07/segeln-2016.html?m=1

        Huhu….

        Du hast einen sehr schönen Post geschrieben.
        Ich bin ja jetzt nicht unbedingt ein Leser von Fashion Blogger, bin da einfach zu wenig interessiert an Mode. Finde aber durch auch Post und Outfit, bei denen man wirklich hübsche Teile findet. Was ich aber schön finde, wenn sie ein Blog ändert, wie der Mensch selber. Wenn er nicht nur auf das eine Thema eingeht, sondern Abwechslung bringt.

        Liebe Grüße

        Das ist so ein wundervoll geschriebener Post! Es gibt so viele Fashion Blogger, die zwar echt bekannt sind, aber leider mit ihren Texten sehr sparsam sind. So wie nahezu alles andere in dieser Welt hängt auch das Bloggen wohl von eines ab: dem Aussehen. Es gibt viele Blogger, die damit punkten und deshalb ihre Karriere quasi im Turbogang starten. Aber für mich zählt vor allem die eigene Persönlichkeit und ausdrucksstarke Texte. Ich finde deinen Schreibstil wundervoll, deinen Blog wirklich sehr persönlich und daher auch so authentisch. Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen, so fühle ich mich auch öfters. Ich weiß gar nicht wohin mit mir oder meinem Blog, aber vielleicht ist es gerade das, was ihn ausmacht 🙂

        Love,
        Christina ♥
        cinapeh.blogspot.de

        Schöner Text!
        Der Blog verändert sich eben mit einem und ich bin auch der Meinung, das man nicht immer alles definieren muss.

        Bei mir ist es beispielsweise ruhiger und privater auf dem Blog geworden. Ich mache das, was mir Spaß macht und lasse mich da auch nicht unter Druck setzten. Und rechtfertigen muss man sich erst Recht nicht.
        Wünsche dir weiterhin viel Erfolg und mach dir nicht so einen Stress 🙂

        Ich bin immer der Meinung, dass man glücklich und erfolgreich mit seinem Blog wird, wenn man das macht, was einem zu hundert Prozent Spaß macht. 🙂 Das können ja auch diverse Dinge sein und man muss micht unbedingt seine Nische finden, ich lese auh gerne vielfältige Blogs. Und es ist doch auch toll, dass du eine Entwicklung feststellst!
        LG Marie

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