Sep
05
17

Mit ungefähr 12 Jahren paddelte ich wie an so vielen Tagen vorher auch schon über die Elbe und dachte darüber nach, wie mein Leben weitergehen soll. Ich konnte mir nie vorstellen alt zu werden, oder Verantwortung zu übernehmen. Meine Vorstellungskraft reichte einfach nicht dazu aus mich eigenständig und vor allem auch selbstständig zu sehen, das alles war immer nur eine Vision die ich nie von mir hatte.
Ich war immer der festen Überzeugung, dass ich einfach nicht alt werden würde. Nicht wie in einem Film, in dem man einen Zaubertrank schluckt und nicht weiter altert, sondern eher auf die traurige Weise. In meiner Vorstellungskraft von der Zukunft starb ich im jungen Alter. Das mag sich jetzt sehr dramatisch anhören, ging aber sogar so weit, dass ich über die Jahre hinweg die Art und Weise wie ich sterben würde sehr genau durchdachte.

Was damals unter Freunden eher ein schlechter Witz war, bekam in meinen Gedanken eine Art von Realität. Ich machte Leistungssport damals, war dadurch jeden Tag in einem Boot auf der Elbe unterwegs und genau dort sollte alles auch ein Ende nehmen. Das sowieso schon etwas baufällige Blaue Wunder stürzte über mir ein, meine Leiche sollte am Grund der Elbe langsam in das Meer treiben um endlich Freiheit zu finden.
Fast 2 Jahre sind jetzt schon vergangen, seit ich diese Vision endlich aufgeben konnte, welche im Übrigen keine Art von Selbstmordgedanken an sich haften hatte. Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass ich irgendwann die Schule schaffe, studiere, oder sogar arbeite. Ich war nicht der Mensch der sich glücklich mit einer Familie sah, mein Selbstwertgefühl und der Glaube an mich selbst waren so gering, dass ich meine Zukunft immer sehr negativ betrachtete. Nämlich tot.

Diese Geschichte klingt jetzt in meinen eigenen Ohren einfach unglaublich deprimierend und wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen um mir selbst eine feste Umarmung zu geben. Mich macht es immer noch traurig, wie wenig ich damals und auch teilweise heute noch von mir selbst halte und mich macht es noch trauriger, dass ich mich einfach nicht selbst wertschätzen kann.
Genau deshalb sind mir die folgenden Worte sehr wichtig, weil ich sie für mich selbst erarbeitet habe und mich immer wieder daran erinnern sollte:

Ich kann stolz auf alles blicken, was ich mir in den letzten Monaten und Jahren selbst aufgebaut, beziehungsweise erarbeitet habe. Wie sehr ich mich persönlich weiterentwickelt habe und an neuen Herausforderungen gewachsen bin, aber auch wie viel offener und selbstbewusster ich geworden bin. Ich kann stolz auf das was ich erreicht habe und vor allem auch auf mich sein. Meine Zukunft kann so vielseitig sein, ich werde studieren, arbeiten, Menschen begeistern und ich werde in gewissen Bereichen sogar wertgeschätzt.
Genau daran sollte sich dieses selbsthassende Bündel in mir drin immer wieder erinnern, genau diese Sätze sollte es sich immer wieder vorsprechen. Wie ein auswendig gelerntes Lied, bei dem man jeden Absatz laut und voller Begeisterung mitsingen kann. Das wäre doch schon einmal ein Anfang.



Outfitdetails
Kleid: Second Hand (nachhaltige Alternative hier) // Seidenblouson: Second Hand (nachhaltige Alternative hier) // Schuhe: Dr. Martens (aus Leder (!) hier, man bekommt aber gute Modelle Second Hand auch über Kleiderkreisel)


Kamera: Canon EOS 6D (hier)
Objektiv: 24-105mm (hier)
Location: Dresden, Walpurgisstraße
Fotografin: @lsdirection (hier gehts zu ihrem Profil)


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5 COMMENTS

Ach liebe Katja, ich würde dich nach diesem Text am liebsten auch gerne ganz fest umarmen! Ich hoffe, deine letzten beiden Absätze bleiben so in deinem Kopf und du glaubst an sie. Du kannst sehr stolz sein auf das, was du hier aufgebaut hast und auf die Person, die du bist (ich erlaube mir einfach mal, das so zu sagen – schließlich haben wir zusammen ja auch schon ein tolles Wochenende verbracht :)).
Ganz, ganz viel Liebe an dich <3

Ich finde es wirklich bemerkenswert wie unglaublich offen du in deinen Texten schreibst und wie viel deiner innersten Gedanken und Gefühle du mit „aller Welt“ teilst. Das macht dich nicht nur menschlich, sondern auch so sympatisch, weil einfach jeder mit irgendwelchen Problemen und Unsicherheiten zu kämpfen hat (nicht genau wie du in diesem Text beschreibst, sondern allgemein!)
Es ist wirklich krass, dass du damals so über dein Leben oder deine Zukunft gedacht hast und schön wie wenig sich davon bewahrheitet hat. Du hast all das geschafft, was du dir damals nie vorstellen hättest können und das bedeutet, dass du auch alles schaffen wirst, was dir jetzt so schwer und unerreichbar scheint! Denn jeder wächst mit seinen Aufgaben und nichts ist unmöglich! Manchmal ist vielleicht noch nicht der richtige Zeitpunkt erreicht, aber wenn man etwas will und dafür arbeitet, dann schafft man es auch.
Hoffentlich bleibt dir dein letzter Absatz in Gedanken und du erinnerst dich in schweren Zeiten immer daran!

Liebe Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Ja, du wirst wertgeschätzt. Da kannst du dir sicher sein. Schreib es an deinen Spiegel und bleib stolz. So ein bisschen Stolz in sich zu tragen, ist meiner Meinung nach vollkommen gesund und menschlich. Und wollen wir nicht alle eher Mensch statt Maschine sein?

Rieke

Ok.
Wow.
Ich habe gerade wirklich das Gefühl, du bist in meinen Kopf getaucht. Ich weiß, man sagt oft, dass man sich verdammt gut mit einem Text identifizieren kann und das Gefühl hat, dass der Autor einen selbst(/selber?) besser kennt als man es von sich dachte. Aber das sind 1 zu 1 meine Gedanken. Ich bin 16 und weiß überhaupt nicht, wo ich in 10 Jahren bin und deswegen habe ich mir schon öfters überlegt, dass ich vielleicht einfach tot sei und das wahrscheinlich auch gar nicht so übel wäre. Ich fühle mich wie in einem Selbstfindungs-Highschool-Film, es fehlt nur noch meine Erleuchtung und der gutaussehende, beliebte Footballspieler, der sich unsterblich in mich verliebt.
Und ich hasse mich dafür, dass ich so denke weil ich mich anhöre, wie jemand mit ernsthaften Depressionen und meine Meinung nach wäre das lächerlich, wenn ich mich mit solchen Menschen gleichstellen würde. Ja, ich hasse mich! Tief in mir drinnen weiß ich ja, dass es natürlich weitergeht und ich (wahrscheinlich) nicht in 10 Jahren tot bin aber mir kommt keine andere Option in den Sinn. Ich passe nicht in diese Welt dort draußen. Das merke ich jeden Tag, in jedem möglichen Bereich des Alltags. Und ich halte mich für naiv, und das will ich auf gar keinen Fall sein. Ich möchte eine starke, selbstbewusste, gonnakickyourass – Frau werden oder sein.

Vielen Dank, dass du mir den Gedanken genommen hast, ich wäre komplett mental (bitte englisch denken/aussprechen, finde kein deutsches Wort dafür).
Hab noch einen Tag, den du nicht so schnell vergisst.

Franzi

Das ist ja drollig. Ich hatte früher genau die gleichen Gedanken, dass ich immer dachte ich sterbe früh, weil ich mir das Erwachsensein nicht vorstellen konnte.
Aber wirklich nur deshalb und nicht aus einer Melancholie heraus.
Ich freue mich, dass das bei dir besser geworden ist. Deine Texte sind im Übrigen sehr schön!

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