Dez
28
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Manchmal schmerzt die Entfernung

Wir schreiben den 24. Dezember, ich sitze gemeinsam mit meinem Freund und seinen Eltern bei Starbucks und versuche mir durch einen großen Löffel Zimt etwas Weihnachtsstimmung in die heiße Schokolade in dem Pappbecher mit Rentieraufdruck zu rühren. Draußen scheint die Sonne, es ist ein schöner warmer Sonnentag. Etwas betrübt denke ich an meine Familie.
Ich wusste, dass dieses Weihnachtsfest anders wird. Deprimierend. Und das nicht nur wegen fehlender Kälte und Geschenke. Es ist ein komisches Gefühl 18.000 Kilometer weit entfernt von zu Hause zu sitzen und die Liebsten nicht um sich zu haben. Ausgeschlossen von allen Traditionen. Und obwohl ich darauf vorbereitet war kam der Moment überraschend. Ich hatte das erste Mal richtig Heimweh.

Ich dachte daran was meine Familie heute machen würde. Den Baum schmücken und dabei laut Weihnachtsmusik hören. Kartoffelsalat und Dresdner Stollen essen. Beisammen sitzen und lachen. Gemütlichkeit. Und am Ende die Bescherung.

Drei Monate reise ich jetzt schon durch Neuseeland, mit allen Höhen und Tiefen. Ihr wisst, dass das Land mich von der ersten Minute an eher enttäuscht als begeistert hat. Es gab Tage an denen ich am Abend verzweifelt im Bett lag und mich fragte wie die nächsten Wochen werden. Ob wir das überhaupt alles schaffen. Aber wir haben es geschafft. Ich habe gelernt mich allein durchzuschlagen und langsam angefangen Neuseeland in mein Herz zu schließen.

Vor kurzem war ich am Abend Joggen und die Zufallswiedergabe lies mich dieses eine Lied hören. Dieses eine Lied welches ich im Flieger auf dem Weg hier her hörte. Und auf meiner ersten Busfahrt Richtung Norden. Dieses eine Lied welches die Vorfreude auf ein großes Abenteuer wiederspielte. Ich erinnerte mich daran wie ich hier ankam und alles neu und unbekannt war.
„Das hier siehst du nie wieder!“, sagte die Mama meines Freundes vor Kurzem im Nationalpark und damit hat sie Recht. Ich habe nur diese eine Chance das Land kennen zu lernen, ich habe nur diese eine Chance auf ein komplettes Jahr im Ausland. Und diese verdammte eine Chance sollte auch genossen werden. In vollen Zügen.

Und je mehr ich mir dieses Motto zu Herzen genommen habe, desto glücklicher wurde ich hier. Der Sommer hat angefangen, das Wetter wurde wärmer und das Land immer schöner. Ich bin endlich angekommen. Habe Fuß gefasst und mich wohlgefühlt. Bis Weihnachten mich von den Füßen riss.
Ich war froh an dem Abend überhaupt etwas Familie um mich zu haben, auch wenn es nicht die Eigene war. Und als ich am nächsten Morgen mit meinen Liebsten skypte und ihre lachenden Gesichter nach der Bescherung sah wusste ich worauf ich mich nächstes Jahr freue. Es tut oft weh so unglaublich weit weg von allem zu sein und kaum am Leben in Deutschland teilnehmen zu können. Allein der Zeitunterschied hindert daran. Aber so sehr die Entfernung auch manchmal schmerzt, jetzt bin ich hier. Jetzt genieße ich Neuseeland. Denn diese Chance haben wir nur einmal im Leben. Und diese verdammte eine Chance sollte auch genossen werden. In vollen Zügen. Sage ich mir immer wieder.







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3 COMMENTS
Mischa

Ja das stimmt, manchmal wünscht man sich wieder Zuhause im geborgenen bei der Familie zu sein, aber da man nicht einfach so schnell zurück kann, muss man improvisieren und das Beste aus der Situation machen. Das ist ein Talent den man immer wieder im Leben gebrauchen kann, egal ob Freizeit, Beruf oder auf Reisen. In dem Sinne, guten Rutsch und genieße den Sommer 🙂

Das Beste aus der Situation haben wir auf jeden Fall herausgeholt. Dir auch einen guten Rutsch! 🙂

Janna

Wie ein besonderer Beitrag, mit hat der wirklich ein bisschen Gansenhaut gegeben. Es ist gut sich immer zu erinnern das Beste aus der Situation zu machen. Nicht immer einfach, aber sehr wichtig. Und das bringt schöne Erfahrungen, die man vielleicht nie wieder erlebt!

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