Es war ein später und dunkler Montag als sie ihrer Familie auf Wiedersehen sagte, ihnen den Rücken kehrte und in einen grünen Bus stieg. Die Bustüren schlossen sich wie eine endgültige Mauer, durch welche es für sie kein zurück mehr geben sollte.
Ein paar kleine Tränen flossen ihr über das Gesicht als sie ihre Liebsten das Letzte mal für eine lange Zeit durch das Fenster winken sehen sollte. Aber der Bus rollte schon und sie versuchte ihre Gefühle zu unterdrücken, sich bequem zu setzen und das schon jetzt entstandene Heimweh mit etwas Weihnachts-Marzipan-Broten zu bewältigen.

Wohin die Reise gehen sollte? Über Frankfurt und Hongkong nach Neuseeland.
Viel Schlaf bekam sie auf ihrer Reise nicht und schneller als erwartet hielt der Bus in Frankfurt am Flughafen, während sich schon die erste Morgendämmerung zeigte. Um die anstehende Wartezeit zu verkürzen gab sie zusammen mit ihrer alten Schulfreundin und Reisebegleitung ihr Gepäck schnell am Schalter ab und die Beiden vertrieben sich die restlichen Stunden mit einer kleinen Stadtbesichtigung. Wie ihr Frankfurt in Erinnerung bleiben sollte? So wie man eine Großstadt nach nur 5 Stunden kennenlernt: Laut, verrückt und abgefahren.

Später zurück am Flughafen bekam sie das erste Mal ihre Reisegruppe zu Gesicht. Ein Mädchen mit Dreadlocks lächelte ihr freundlich zu und in diesem Moment realisierte sie etwas sehr wichtiges: Wenn du Dreads hast, hast du Freunde auf der ganzen Welt. Dreadheads stehen immer zueinander und lächeln sich freundlich zu, egal wie gut und lange sie sich schon kennen.
Der Rest der Gruppe war auch ganz okay, so gut konnte sie die Menschen noch nicht einschätzen. Da war ein dicklicher Typ mit einem viel zu kleinen Rucksack (zumindest würde sie damit kein Jahr überleben), ein Paar welches sich später nur als beste Freundin – bester Freund entpuppen sollte, ein schüchternes, ebenfalls vegetarisches Mädchen und ein paar Jungs mit welchen man sich ganz nett unterhalten konnte.

Im Flugzeug fand sie sich in der Mitte von zwei dieser jungen Herren wieder. Der dickliche Typ mit dem viel zu kleinen Rucksack war ein Studiumabbrecher, welcher tatsächlich mit seinen 30 Jahren das erste Mal in einem Flugzeug saß. Sie redeten wie gute Freunde miteinander und genau aus diesem Grund hat sie diese Reise angetreten, um sich mit fremden Menschen zu unterhalten und ihre Lebensgeschichte zu erfahren.
Den 11 Stunden Flug überlebte sie mit Filmen, unbequemen Sitzpositionen und ohne Schlaf. Trotzdem blieb ihr keine Pause, denn die Reisegruppe wollte die nächsten Stunden Aufenthalt in Hongkong nutzen um noch etwas von der Stadt zu sehen.

Hier begannen ihre Probleme. Ihre Kreditkarte funktionierte nicht und Hongkong war nicht die Stadt welche sie sich vorgestellt hatte. Vollgepackt mit ungeplanten 30 Grad stritt sich ihre Reisegruppe über den Weg und das Ziel, bis sie irgendwann vollgeschwitzt vor einer Aussichtsplattform standen. Ja, die Aussicht war wundervoll und als sie sich mit zwei Mädchen welche später nach Australien fliegen wollten bei einer Portion Pommes unterhielt, wusste sie, wie sie auf ihrer weiteren Reise nicht weiterkommen wollte.
Durch die große Gruppe ohne Plan kam sie sich vor wie auf einer schlechten Klassenfahrt.

Trotzdem waren alle als Gruppe über den langen Flug und den Hongkong-Ausflug zusammengewachsen und als sie am Flughafen eine Verspätung ihres Flugzeugs um 4 Stunden lasen, saßen später alle gemeinsam an einem Tisch und aßen schlechtes chinesisches Essen. In Asien.
Von dem späteren Flug bekam sie nichts mehr mit. Der Schlafmangel war zu groß. In Auckland angekommen wollte sie auch nur noch in ein weiches Bett fallen und endlich die Augen schließen.
Angekommen kochte sich ihre Gruppe ein paar angebrannte Nudeln mit Chlorwasser und genoss das müde Jetlagleben.

So hatte sie sich ihre Ankunft nicht vorgestellt, auch wenn in dem Infobegleitheft darauf vorbereitet wurde. Sie realisierte das erste Mal wie weit sie von zu Hause weg war, dass sie jetzt auf sich allein gestellt war und immer noch kein Geld hatte.
Das Plappermaul aus ihrer Gruppe erzählte immer, dass sie jetzt zusammen gehören und Gleichgesinnte sind, aber wenn es hart auf hart kommt möchte keiner Geld leihen weil eine Kreditkarte nicht funktioniert oder wartet auf dich wenn du etwas erledigen musst.
Von der Stadt hatte sie in diesem Moment auch noch nicht viel gesehen. Das waren sie also, die ersten Tage am anderen Ende der Welt.
Vielleicht lief nicht alles rund und natürlich fühlte sie sich allein und verlassen. Aber sie hatte einen Lichtblick für den Mittwoch in drei Wochen. Und außerdem war sie in einem wundervollen Land voller netter Menschen. Was kann da noch schief gehen?

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KOMMENTARE

Haha ohje ja das Chlorwasser! Das kommt mir sehr bekannt vor 😀
Ich hoffe das mit deiner Kreditkarte hat sich alles gelöst und du bist auch ansonsten schon ein bisschen besser angekommen. Manchmal merkt man eben doch, dass es das andere Ende der Welt ist… Aber wenn man erst mal ein paar wirklich nette Leute kennenlernt und viel erlebt, bekommt man das Heimweh auch in den Griff <3
Ganz ganz liebe Grüße!

Richtig eklig 😀
Mit der Karte hat sich leider nichts geklärt, aber ein neuseeländisches Konto hilft schon weiter 🙂 Das wird langsam 🙂

Meine Karte hat erst auch nicht funktioniert, aber meine Reisebegleitung konnte mir aushelfen. Bei mir war es Taipei. Es gibt sicher schönere Orte und sich einen asiatischen Keks-Fabrik angucken ist auch nicht sehr spannend. Auf dem Flug habe ich etwa 1 Stunde geschlafen. Mein Bett hätte auch ein Brett sein können, wahrscheinlich hätte es mich nicht gestört. Das Gute ist, wenn es am Anfang blöd läuft, kann es nur besser werden. Viel Spaß dir noch.

Du schreibst wirklich wundervoll und das klingt nach einem riesigen Abenteuer das vor dir liegt 🙂
Liebe Grüße, Mona

Toll geschrieben. Ich mag Frankfurt und Hongkong total gerne. Deine Fotos sehen übrigens super aus, darf man fragen womit du die Bilder machst?

Gruß&Kus
Johanna

Toll geschrieben. Ich hoffe das Geld Problem hat sich gelöst. ☺
Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

Das hast du so toll geschrieben. Klingt mega interessant und ich freue mich schon auf deine weiteren Reiseberichte! <3

Liebe Grüße
Johanna von http://www.missrapunzel.com/

Mega gut geschrieben und das klingt doch nach einem echten Abenteuer! Wahnsinn, was du alles erlebst! Weiter so. 🙂
Liebe Grüße
Clara