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Literatur: Selbstzweifel

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Müde zog sie die Tür ihres Kleiderschrankes auf und betrachtete verträumt seinen Inhalt. Vor ihr hingen T-Shirts, Pullover und Jacken ordentlich sortiert auf den Bügeln, rechts davon gefaltete Hosen und Shorts. Sie strich über verschiedene Kleidungsstück ohne sie richtig zu beachten und klappte den Schrank kurze Zeit später wieder zu.
Drei Schritte hinter ihr hing eine Kleiderstange mit Jumpsuits und Kleidern, ebenfalls ordentlich aufgebügelt. Daneben stand eine weitere Stange mit Strickjacken, Blusen und Hemden, darunter farblich sortierte Schuhe. Wie im Traum berührte sie auch diese Kleidungsstücke ohne sie wahrzunehmen. So könnte es zumindest dem heimlichen Zuschauer dieser Szene vorkommen.

In ihrem Kopf jedoch entstand eine Art Kommunikation mit jedem Kleidungsstück. Sie erzählten ihr eine Geschichte und zeigten ihr Bilder. Ein blaues Latzkleid zum Beispiel erzählte von Tagen an denen sie sich wie ein Kind fühlen wollte, an denen sie ihr Alter einfach vergaß. Es erzählte die Geschichte eines langen Fußmarsches, tief hinein in den Wald, das Stativ unter den Arm geklemmt.
Eine rosa Bluse erzählte von ihrem ersten Date voller Aufregung, von dem ersten Fotoshooting mit ihren Dreadlocks, von einer großen Liebe. Und die besten Geschichen kamen von den schwarzen Jeanshosen, sie waren fast immer dabei gewesen und hatten mit ihr gemeinsam unzählbare Abenteuer durchlebt.

Ein Blick auf die Uhr reichte um sie aus den Tagträumen aufzuwecken. Es war schon 10 Uhr am Abend und sie musste noch einiges erledigen. Punkt 1 auf ihrer Liste war das morgige Outfit. Diese Tatsache möchte für einen Ausenstehenden sehr merkwürdig klingen, aber für sie stand morgen ein Treffen mit Freunden und ein Outfitshooting an.
Als Modebloggerin, wenn auch sehr kleine Modebloggerin, verband sie viel mit ihrer Kleidung, ja, sie war ihr Mittel um die Menschen auf sich aufmerksam zu machen, sich auszudrücken und auch um sich auszuprobieren. Sie war jedoch auch ihr heimlicher Feind und Verräter.

Schon jetzt hatte sie die Blicke ihrer Freunde vor Augen, welche sie musterten und innerlich über ihr Outfit urteilten. Auch wenn diese nur bedingt der Realität entsprachen und ihrer Einbildungskraft zugeordnet werden konnte, wusste sie, dass immer etwas mehr von ihr erwartet wurde. Und das war auch ihr eigener Anspruch.
Also öffnete sie erneut die Tür ihres Schrankes und wühlte sich durch die Kleidung. Die Bilder in ihrem Kopf jedoch wollten sie nicht gehen lassen und erzählten ihr immer weiter von alten Erlebnissen.

Sie versuchte sich zu konzentrieren und die Stimmen auszuschalten, während diese immer lauter und aggresiver wurden. Jedes einzelne Kleidungsstück, dass sie berührte, lies jetzt Bilder von vorherigen Outfitshootings in ihrem Kopf enstehen und zeigte ihr noch einmal wie sie es damals kombiniert hatte.
Langsam war sie den Tränen nahe, denn sie hasste diese Bilder. Nie fand sie sich im Nachinein hübsch genug oder mochte alte Kombinationen. Kleidungsstück für Kleidungsstück wurde beiseitegelegt und für mangelhaft befunden, während sie immer verzweifelter suchte.

Könnte man in diesem Moment ihre Gedanken lesen, würde man ihre Selbstzweifel erkennen. Den Druck von außen und den Druck, welchen sie sich dadurch selbst machte. Die Angst nicht gut genug zu sein und zu versagen. Das Gefühl sich in seiner eigenen Kleidung nicht mehr wohl zu fühlen.
Doch all dies können wir nur von außen erahnen.
Am liebsten wäre sie jedoch in diesem Moment abgehauen und hätte alles hinter sich gelassen, vielleicht kurz von der Ferne gewunken. Und genau in diesem Moment erblickten ihre Augen einen grünen Jumpsuit mit Blumenmuster.

Ein Getreidefeld vertrieb ihre schlechten Gedanken, gefolgt von einer Wiese und einem Mädchen, welches die Kamera auf sie richtete. Die Beiden lachten gemeinsam und in ihr keimte etwas Glück auf. Genau jenes Glück das auch jetzt in ihr aufkeimen sollte.
Lächelnd nahm sie den Jumpsuit vom Kleiderbügel und legte ihr zusammen mit einer großen Kette und braunen Schuhen für den morgigen Tag zurecht. Sie wusste, dass sie dieses Glück, die Geborgenheit morgen noch einmal spüren würde. Vielleicht auch ein kleines Stück Freiheit.

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Outfitdetails // Schuhe: Zara // Jumpsuit: ONIMOS // Kette: Mango // Uhr: Dan&Deer*

Fotos von @jessica.louisa

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10 COMMENTS

Einfach das anziehen und propagieren, was dir gefällt! Der Druck auf Blogger – gerade im Beauty- und Modebereich – ist riesig. Aber ihr solltest alle einfach mal drauf scheißen und Euer Ding durchziehen. Klar wird man aufgrund des Blogs be- und verurteilt. Aber da muss man drüber stehen. Kleidung ist mehr als nur Stoff, sie ist Ausdruck von Persönlichkeit. Und wer Persönlichkeit besitzt, wird es nie allen recht machen können – oder wollen! 😉

Wunderschöne Bilder! Ich kenne diese selbstzweifel und habe auch oft genug mit ihnen zu kämpfen.

Liebste Grüße,
Marina von Love & Fashion

Einfach machen, was einem gefällt. Mittlerweile ist es mir relativ egal, was andere Leute über mich denken, denn richtigen Freunden ist es schließlich egal, was ich trage. Allerdings ist es auch nicht immer einfach über seinen Schatten zu springen, weil die Kommentare und Reaktionen ja immer present sind. Gerade wenn man einen Blog hat, was viel mehr Leute mitbekommen als man denkt, lernt man mit der Zeit über den Dingen zu stehen.
Liebste Grße, Carlotta ♥♥
http://sparklingforstars.blogspot.de/

Die Bilder sind toll, dein Outfit gefällt mir richtig gut aber vorallem auch dein Text gefällt mir ganz wunderbar, du schreibst wirklich schön 🙂
Liebe Grüße, Mona

Abgesehen von dem wunderschön und passenden Text, sind die Bilder ganz toll geworden! Regt direkt zum Nachdenken an. Selbstzweifel sind aber denke ich etwas ganz menschliches. Hin und wieder legt an sie ab und öfter schleichen sie sich dann doch wieder ein. Man muss einfach nur lernen, damit umzugehen! 🙂
Liebe Grüße
Clara

nici

Huhu….
Schönes Kleid, gefällt mir wirklich ganz gut.
Die Bilder sind toll und das Outfit steht dir wirklich gut 😉

Liebe Grüße

Was ich ganz besonders toll finde ist, dass dein Text so ehrlich ist & so perfekt zu den Bildern passt. Ich denke jeder kennt diese Gedanken, diese Selbstzweifel und gerade als Modebloggerin macht man sich da nochmals mehr Gedanken. Wünsche dir viel Glück & ERfolg weiterhin mit deinem Blog.

Wow, der Jumpsuit ist wirklich wunderschön! Ich finde den Print ganz ganz toll <3

http://nilooorac.com/

Liebe Grüße

patty

Du siehst mal wieder bildhübsch auf deinen Bildern aus. Deine Texte fesseln einen immer total und man kann kaum aufhören zu lesen. Ich denke viele Leute kennen das mit dem Selbstzweifel, ich denke jeden von uns ging es schon einmal so.

Liebe Grüße 🙂
Measlychocolate by Patty

diese zweifel kenne ich nur zu gut
ich habe so oft meinen blog schon hingeworfen, einfach weil ich mich so unwohl gefühlt habe
dennoch liebe ich das bloggen so sehr, versuche da jetzt irgendwie einen mittelweg zu finden
aber ich mag diesen look so sehr, jumpsuits im sommer finde ich einfach nur top.
super schön

alles Liebe deine AMELY ROSE

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