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        Und während ich diese Worte schreibe sitzen zwei junge Mädchen mit Reisetagebuch und ein alter Mann am Klavier neben mir. Lasst mich diese Geschichte erzählen.

        Nachdem ich in Auckland gelandet bin wurde für mich schnell klar, dass dies nicht meine Lieblingsstadt wird. Sie war einfach nicht in dieser Atmosphäre, in welcher ich mir Neuseeland vorgestellt hatte. Also nahm ich nach 4 Tagen den ersten Bus und zog weiter zu einem alten Freund von Freunden meiner Familie um dort ein paar schöne Stunden zu verbringen.
        Im Bus begegnete ich zwei Mädchen aus unserem Hostel, Ina und Mareike. Wir unterhielten uns nett, ihr Plan war es weiter auf eine Wwoofing-Farm zu ziehen, eine Farm auf welcher man gegen ein paar Stunden Arbeit kostenlos wohnen kann und essen bekommt. Sie stiegen vor mir aus dem Bus und unsere Wege sollten sich für unbestimmte Zeit trennen.

        Ich fuhr weiter zu dem alten Mann welcher auf einem riesigen Grundstück mit Schafen, Lämmern, Hühnern und einem alten Hund, Lucky (to be alive), lebte. Wir verstanden uns super, tranken zusammen Tee und ich fühlte mich wohl in seinen Räumen. Kurz bevor sich unsere Tassen leerten bekam ich eine verzweifelte Nachricht von den beiden Mädchen aus dem Bus.
        Auch sie waren an ihrem neuen Haus angekommen, jedoch fühlten sie sich gar nicht wohl. Das Haus war alt und verkommen, die Beiden hatten weder einen Strom- noch einen Wasseranschluss und wollten so schnell wie möglich wieder von dort verschwinden. Ich weiß gar nicht richtig warum ich ihre erste Kontaktperson war, im Nachhinein bin ich jedoch sehr glücklich darüber.

        Auf jeden Fall erzählte ich dem alten Mann, Tony, bei unserer Tasse Tee von ihrer Lage und wir begannen einen Plan zu schmieden. Ich fühlte mich schlecht die beiden Mädchen einfach mit ihren Problemen allein zu lassen und Tony war ein Herzensmensch und wollte sich ebenfalls um sie kümmern.
        Wir endeten nach langem Überlegen bei dem Entschluss, sie einfach am nächsten Tag abzuholen und mit bei ihm im Haus aufzunehmen, auch wenn dort eigentlich überhaupt kein Platz mehr für weitere Personen war. Tony erzählte mir, dass er ein „Ja-Mensch“ wäre. Er überlegt nicht lange ob etwas passt oder nicht, ob etwas gut oder schlecht ist, er sagt einfach JA und stürzt sich in ein neues Abenteuer. Ich mochte seine positive Energie.

        Am nächsten Tag saßen also zwei Lebensretter gemeinsam im Auto und machten sich auf den Weg zu zwei verzweifelten Menschen. Ungefähr eine Stunde dauerte unsere Fahrt und er zeigte mir nebenbei die wunderschöne Landschaft Neuseelands.
        Nach langem suchen fanden wir sie am Straßenrand, zwei Backpacker mit verzweifeltem Gesicht, einen kleinen Hund und jede Menge Pferde. „Yeah, I know those horse-people!“, sagte Tony und lud sie mit einem freundlichen Lachen zu sich ins Auto ein. Anscheinend sind Pferdebesitzer hier nicht gerade sehr beliebt.
        Den Beiden war die Erleichterung förmlich anzusehen und sie bedankten sich immer wieder bei uns. Ich mag diese Art und Weise wie man in Neuseeland Menschen trifft und ihnen einfach hilft, ohne groß zu fragen, ohne etwas dafür zu verlangen. Man ist einfach nett, hilfsbereit und opfert sich gern für Andere.

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        Nach unserer Rettungsaktion wollte Tony den Ausflug gleich nutzen um uns ein paar schöne Strände zu zeigen und es war wirklich unglaublich. Man steht vor einer riesigen Weite und sie ist unfassbar. Sie ist einfach nicht greifbar, Fotos können nicht einmal ansatzweise die Realität wiedergeben.
        Wir waren alle drei damit beschäftigt sämtliche Eindrücke zu verarbeiten und zu realisieren, sodass unser Ausflug ziemlich schnell ziemlich anstrengend, aber trotzdem schön wurde.
        Also fuhren wir zurück in Tonys kleines Haus und versuchten das Beste aus unserer Lage zu machen. Zwei von uns schliefen gemeinsam in einem Doppelbett, eine musste auf einem aufgebauten Matratzenbett schlafen, aber wir waren einfach nur glücklich hier zu sein. Das war alles was zählte.

        Die Menschen hier sind mit viel weniger zufrieden und Leben glücklich in ihren kleinen Häusern, diese Sympathie hat uns angesteckt. Ich habe es schon einmal geschrieben, sie interessieren sich nicht für deine Herkunft, dein Aussehen oder dein Internetprofil. Alles was die Menschen und auch Tony wollen ist mit dir zu reden, dir ihr Land zu zeigen und die gemeinsame Zeit zu genießen. Aus fremden Menschen werden hier innerhalb von Minuten beste Freunde und man erzählt sich seine Lebensgeschichte am Abend bei einer Tasse Tee.
        Aus diesem Grund saßen auch wir am Abend zusammen und redeten über Gott und die Welt, richtig und falsch und planten unseren nächsten Tag.

        Wir fuhren wieder mit dem Auto los und erkundeten die schönsten Orte in der Bay of Islands. Das Meer, die Landschaft, alles war noch beeindruckender als am letzten Tag. Es war wieder ein anstrengender, aber schöner Tag und ich bekam sogar einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase als ich barfuß durch das Meer lief. Wir aßen Popcorn am Strand. Ein wunderbares Gefühl.

        Kurz bevor der Regen uns erreichte waren wir wieder zurück bei Tony, unser kleiner Ausflug war bis in das kleinste Detail geplant. Und jetzt sitzen wir hier, schreiben unsere Abenteuer nieder und lauschen seinen Klaviertönen. Es ist einer dieser Momente den man für immer einfangen möchte.
        Eigentlich hatte ich vor die Menschen bei denen ich hier in Neuseeland wohne zu fotografieren und ein Porträt über sie zu schreiben. Ich wollte über Tony berichten, welcher ein super Reiseführer wäre und alles über jede Pflanze, jedes Haus und jeden Strand hier weiß. Ich wollte darüber schreiben wie gern er fischen geht, dass er eigentlich aus England kommt und viel zu viel redet. Aber ich habe gemerkt, dass das nicht reicht, denn solch ein Porträt könnte nie die ganze Geschichte erzählen. Und das ist es was ich möchte. Das Schönste an dieser Geschichte? Die beiden Mädchen nehmen mich für zwei Wochen, bis mein Freund hier ankommt, mit auf ihre Reise und durch sie habe ich einen Job bekommen. Eine Hand wäscht die Andere.

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        3 COMMENTS

        Wieder einmal wundervolle Bilder! Freue mich auf mehr Impressionen und Geschichten aus Neuseeland 🙂

        Mir geht es genauso! Ich könnte heulen vor Fernweh…
        Genieße die Zeit in Neuseeland. Es macht sehr viel Spaß deine Geschichten zu lesen. 🙂

        Eine wunderschöne Geschichte – vor allem, weil du sie wirklich erlebt hast.
        Und deine ganzen Fotos lösen bei mir das größte Fernweh überhaupt aus!?

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