Nov
10
16

Literatur: Das Mädchen mit den orangenen Haaren

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Lustigerweise traf ich mich 2 Stunden nachdem ich von einem Mädchen mit orangen Haaren für eine Hilfsorganisation auf der Straße angesprochen wurde mit ihr auf einem Hostelzimmer wieder. Sie kam ebenfalls aus Deutschland und wir verstanden uns auf Anhieb wirklich gut. Bis spät in die Nach saßen wir einfach nur auf unseren Betten und redeten miteinander, ihre Geschichte jedoch hat mich wirklich beeindruckt.
Als sie noch nicht einmal 10 Jahre alt war trennten sich ihre Eltern, kein Sonderfall hier in Deutschland. Ihr Vater jedoch machte eine 180Grad Wendung, wie sie es selbst gern sagte und fing an seine ehemalige Frau und ihre Kinder abgrundtief zu hassen. Das Mädchen von meinem Zimmer und ihr Bruder wurden bei ihm zu Hause fast wie Sklaven behandelt, unwürdig und fast schon brutal.

Die Eltern stritten sich um das Sorgerecht, das Jugendamt wurde eingeschalten, später auch der Psychiater. Sie erzählte mir, dass ihre Erinnerung an diese Zeit nur sehr brüchig ist, irgendwie scheint ihr Gehirn einen Schutzmechanismus verwendet zu haben. Ihre Mutter gewann am Ende den Streit um das Sorgerecht und mir ist ihre Erzählung im Kopf geblieben, wie der Vater beide Kinder nur in kurze Sommerklamotten gekleidet drei Stunden zu früh vor seine Haustür setzte und ihre kompletten Sachen einfach in den Müll war. Da saßen sie dann, 2 kleine Kinder. Allein und verlassen. Ohne helfende Nachbarn hätten sie wohl wirklich drei Stunden vor dieser Tür sitzen müssen.
Die Zeit bei ihrer Mutter jedoch wurde auch nicht wirklich besser, sie zogen um und das Mädchen von meinem Zimmer war nicht dazu in der Lage neue Freunde zu finden. Im Gegenteil, Mobbing kam dazu. Ihre Mutter wurde alkoholabhängig und kam mit den neuen Umständen überhaupt nicht klar, der Vater zahlte kein Kindergeld, ständig mussten Anwälte eingeschalten werden und die Kinder saßen irgendwo verzweifelt dazwischen.

Später in der Nacht erzählte sie mir von zwei Briefen, welche sie in der Zeit geschrieben und abgeschickt hatte. Einen für den Vater und einen für die Mutter. Sie hatte Tränen in den Augen, als sie mir den Inhalt erzählte und ich möchte hier auch gar nicht weiter darauf eingehen. Ihr Vater meldete sich nie auf diesen Brief, ihre Mutter war kurz vor dem Selbstmord.
Auch sie selbst hatte oft darüber nachgedacht und sich zum Schutz Armbänder fast bis zu den Ellenbogen umgebunden. „Das ist es nicht wert, wenn ich einmal anfange mir selbst weh zu tun weiß ich, dass ich nicht damit aufhören kann.“, sagte sie mir und ich habe sie für ihre Kraft bewundert. Sie möchte einfach nur noch raus aus diesen Zuständen. Ständig der Kampf mit dem Vater, ständig die eigene Mutter betrunken zu sehen muss einem das Herz zerreißen. Bei Menschen die man liebt ist es am schwersten zuzusehen, wie sie sich selbst zerstören.

Also beschloss sie sich eine Auszeit in Neuseeland zu nehmen, später wegzuziehen und all´das hinter sich zu lassen, auch wenn sie wusste wie schwer das für ihre Mutter wird. Von dem Vater wollen beide Kinder nichts mehr wissen.
Und als wäre diese Geschichte nicht schon schlimm genug, hatte sie ihr Freund genau 4 Tage bevor wir uns trafen am Telefon verlassen. Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken und als ich ihr zuhörte wusste ich nicht, wie ich denn eigentlich auf diese Situation reagieren soll. Ich bin aufgewachsen in einer gut behüteten Welt und in diesem Moment erschienen mir meine Probleme im Gegensatz zu ihren einfach so unglaublich klein.

Es ist krank durch wie viel Scheiße ein Mensch gehen kann, aber ich habe das Mädchen mit den orangenen Haaren bewundert. Warum? Weil sie weitermacht und große Pläne hat. Weil sie eine Frohnatur ist und mit einem lauten (sehr lauten), ansteckendem Lachen durch die Welt geht. Ihr Leben war bisher nicht vom Glück verfolgt, aber als wir am nächsten Abend zusammen eine Kürbissuppe kochten hoffte ich für sie, dass auch sie irgendwann einen guten Platz darin findet.

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2 COMMENTS
jan

bin durch Zufall auf deinem Blog gelandet, deine Bilder sind gut. aber das hier verwirrt mich. du betitelst „literatur“, wenn du Geschichten erzählst, schätze ich. wahre oder fiktive. aber du schreibst, als wenn du aus einer Klatschzeitschrift abschriebst. ich konnte keinen Satz dieser Geschichte ernst nehmen, oder etwas dabei empfinden. selten etwas mit so wenig Gefühl geschriebenes gelesen.

Das ist wohl einfach eine Geschmacksache 🙂 Schade das dich meine Texte nicht erreichen und danke für das Kompliment über die Fotos.
Liebst, Katja

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