Aug
04
16

Lifestyle: Dreadlocks – Erstellung, Erfahrungen, Fragen und Antworten

Aufgeregt saß ich vor dem Computer und scrollte über verschiedene Fotos. Mein Herz schlug schnell und in meinem Bauch machte sich ein unruhiges Gefühl breit. Es war kein schlechtes, kein gutes, es war die pure Aufregung.

Der letzte Abend bevor ich mich unter die Häkelnadel begeben wollte, ausgerechnet eine Nachtschicht. Ich saß ziemlich genau von 18:00-6:00, mit Ausnahme einer kleinen Unterbrechung durch das Halbfinale der EM, nervös auf meinem Stuhl und schaute mir Mädchen mit Dreadlocks auf dem Kopf an.
Vor etwa zwei Jahren begann die Idee langsam in mir zu schlummern, für die Umsetzung des Projekts auf meinem Kopf fehlte mir aber der Raum und der Mut. Ich trat zwar in eine Facebookgruppe namens „Dreads Tipps und Tricks“ ein und träumte täglich, dabei sollte es jedoch auch erst einmal bleiben.

Meine Haare waren zu diesem Zeitpunkt schon sehr lang. Sie fingen mich an zu nerven und ich wollte eine Veränderung. Ende der 11. Klasse dann gab ich mir selbst ein Versprechen: Sobald ich mit der Schule fertig war sollten auf meinem Kopf entweder Dreadlocks oder eine Kurzhaarfrisur entstehen.

Ich lernte inspirierende Menschen mit Dreadlocks im Internet kennen und verfolgte ihre Profile, sodass für mich die Entscheidung ziemlich schnell getroffen war. Eine Kurzhaarfrisur kann ich mir auch noch machen, wenn die Dreads wieder ab sollen.
Die Idee in meinem Kopf wuchs immer weiter, ich schaute Videos, fragte in verschiedenen Foren, bearbeitete mir mit Hilfe von Photoshop die zukünftigen Haare auf den Kopf, um eine Vorstellung davon zu bekommen. Und es gefiel mir.

Im Hinterkopf hatte ich zwar immer den Gedanken der Akzeptanz, vor allem später in der Arbeitswelt. Aber die Dreadheads, wie sie sich bezeichnen, erzählten viel positives und kamen aus wirklich allen bereichen. Und Menschen die mich wegen meiner Haare nicht mehr mögen oder doof anschauen, mit denen möchte ich nichts zu tun haben.
Also machte ich mich zwischen Januar und Februar auf der Suche nach professioneller Hilfe. Schnell kam ich durch Leos Laber TV auf die Dreadfactory und fand das Profil von der lieben Charly, bei welcher jetzt auch der entgültige Termin liegt.

Das lang ersehnte Wochenende erschien mir zu dieser Zeit noch fern und ich kümmerte mich erst einmal nicht weiter darum. Manchmal suchte ich nach Inspiration und speicherte ein paar Bilder, aber meistens hatte ich andere Dinge zu tun.
Ich hatte eine grobe Vorstellung wie das Ganze am Ende aussehen soll, jedoch wollte ich mich auch vor Ort noch einmal beraten lassen.

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Und so rückte der Termin näher und näher und schließlich saß ich aufgeregt in der Nachtschicht, den Kopf voller Vorfreude und der großen Frage: „Wie wird es am Ende aussehen?“

Sehr, sehr früh am Morgen ging es für uns dann mit dem Bus nach Leipzig. Dort warteten genau 1 1/2 Stunden Schlaf, bevor wir dann bei Charly von der Dreadfactory ankamen. Wenn ihr euch Dreads machen wollt, möchte ich euch einen Tipp mit auf den Weg geben: Macht nicht den Fehler wie ich und geht ausgeruht und vor allem ausgeschlafen zu eurem Termin.

Sehr übermüdet besprachen wir dann beim Frühstück was jetzt genau mit meinen Haaren passieren sollte und sie machte sich sofort an die Arbeit.
Über meinen ersten Dread war ich überglücklich. Danach wartete 3 Tage lang ein höllischer Schmerz auf mich.
Ich wusste, dass es schmerzhaft werden würde und ich wusste auch, dass der Schmerz bei jedem Menschen unterschiedlich sein sollte. Aber eine solche Qual hatte ich nicht erwartet.

Nach dem ersten Tag fiel ich ermüdet und mit Kopfschmerzen ins Bett, das Schlafen ging noch relativ gut, da nur die vordere Kopfhaut voller Dreads war. Als ich dann am nächsten Tag wieder mit Kopfschmerzen aufwachte, wanderte in der Apotheke eine Packung Kopfschmerztabletten in meine Tasche. Auch eine Empfehlung von mir.
Die Tabletten helfen zwar nicht über den Schmerz beim Dreaden hinweg, aber immerhin haben sie gegen den pochenden Schädel geholfen, und glaubt mir, ich habe mein Limit an Tabletten pro Tag vollständig ausgereizt.

Der zweite Morgen lief entgegen der Erwartungen etwas besser, wir kamen gut voran und die Schmerzen hielten sich in Grenzen. Später kam dann wieder die Müdigkeit und ich kam an einen Punkt in meiner Gefühlswelt den ich schon aus dem Sport kannte.
Mir liefen die Tränen über die Wangen, ich konnte und wollte nicht mehr und wäre am liebsten einfach gegangen. Ich verfluchte mich für die Idee Dreadlocks haben zu wollen und war wütend auf Charly, welche die ganze Zeit ihre Häkelnadel erbarmungslos weiter durch meine Haare rammte.
Dafür bin ich ihr jetzt übrigens sehr dankbar und sie hat wirklich ihr bestes gegeben um Schmerzen zu vermeiden. Auch für sie waren die 3 Tage kein Zuckerschlecken.

Zwischenzeitlich war nicht einmal klar, ob mein Kopf überhaupt in den 3 Tagen fertig wird und ich begann ernsthaft zu zweifeln. Waren Dreadlocks überhaupt das Richtige für mich?
Dank Charly, welche immer weitermachte und meinem Freund, der mir am Abend Mut zusprach, wuchsen jedoch bis zum Sonntag stolze 57 Dreads auf meinem Kopf heran. Und ich bin überglücklich mit ihnen.
Auch wenn die Ansätze Tage später noch geschmerzt haben und ich am Anfang eine Frisur frisch aus der Steckdose hatte, die Schmerzen haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Nachdem ich auf Instagram gleich ein Foto hochgeladen habe, wurden mir viele Fragen gestellt, welche ich jetzt noch kurz zusammengefasst für euch beantworten möchte. Außerdem gibt es noch ein paar Fakten von mir dazu, welche ich als wichtig erachte. Dies sind aber alles nur meine Erfahrungen und können natürlich bei euch abweichen. Danach ist hier auch Schluss mit dem Hype um meine neuen Haare. Versprochen.
Vielen Dank auch für eure zahlreichen persönlichen Nachrichten, ich habe mich darüber sehr gefreut und bin glücklich, dass auch euch meine neue Frisur gefällt.

Wie lange hat das Dreaden gedauert?
Bei mir waren es 3 Tage jeweils 6-9 Stunden lang, ihr solltet also definitiv genug Zeit einplanen. Vergesst auch nicht, dass die Neuerstellung ebenfalls für den Dreader sehr anstrengend ist und er dementsprechent auch etwas Geld von euch haben will.

Hattest du viele Schmerzen?
Ja, ich habe 3 Tage lang durchgeflennt. Ich möchte euch jetzt keine Angst machen, denn die Schmerzen sind natürlich bei jedem Menschen unterschiedlich, trotzdem solltet ihr gewappnet sein.

Bei wem hast du deine Dreads machen lassen?
Bei der Charly von der Dreadfactory in Leipzig. Falls ihr auch einen Termin bei ihr haben wollt schreibt lieber eine SMS, sie ist ein kleiner Chaot. (Im positiven Sinne.)

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?
Sehr positiv. Meine Freund haben mir gut zugesprochen und waren am Ende begeistert, bei meinen Eltern war die Freude erst einmal nicht besonders groß, aber auch sie haben sich damit abgefunden und waren am Ende sehr neugierig.
Selbst auf Arbeit waren alle gespannt auf das Ergebnis. Ich habe vorher nachgefragt ob den Dreads etwas im Wege steht, aber weder bei Pull&Bear, noch im Reinraum waren sie ein Problem. Ich bin gespannt ob das Feedback so positiv bleibt.

Wie pflegt man die Dreads?
Entgegen aller Vorurteile wäscht man sich tatsächlich immer noch die Haare, wenn auch deutlich seltener. Ich wasche meine ca. 1 mal pro Woche, das Pony natürlich öfter. Pflegeleicht sind die Haare dennoch nicht, denn hinzu kommt jede Menge häkeln. Schließlich muss ein bisschen Ordnung auf dem Kopf immer herrschen.

Wie geht es jetzt weiter?
Ich habe meine Dreads mittlerweile verlängert und trage jetzt (endlich) wieder meine alte Haarlänge. Also zur Zeit bin ich wirklich zufrieden, möchte sie so schnell nicht loswerden und freue mich das Experiment endlich gewagt zu haben.

Was haltet ihr von Dreadlocks und habt ihr noch weitere Fragen? Dann immer her damit!

20160722-IMG_1007jkokoko1. Bild von Martin Stier, 3. Bild von Pedro

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8 COMMENTS
Larissa

Für mich wäre das nichts 🙂 Aber finde es toll wenn man es sich macht und dir steht es auf jeden Fall sehr sehr gut! 🙂
Liebe Grüße
Larissa

Interessanter Post! Es passt super zu dir und sieht toll aus 🙂
Für mich wäre es aber nichts, trotzdem interessant mehr drüber zu erfahren :))

Die stehen dir tatsächlich sehr gut, obwohl ich nicht wirklich ein Fan von Dreads bin, das ist einfach nicht so mein Ding.
Aber du hast wirklich so ein schöenes Gesicht, dass du wahrscheinlich mit allem noch gut aussehen würdest.

Liebe Grüße,
Vanessa von http://www.herzensglueck.com/

super schöner post 😀
ich überlege so oft, mir dreads zu machen
ich leide aber so oft unter Kopfschmerzen (wenn ich einen simplen Zopf trage zb)
ich glaube dreads würden das noch schlimmer machen 😀

alles Liebe deine AMELY ROSE

danke für die ganzen Antworten 🙂 Dreads stehen dir einfach super!
Irgendwann mach ich das auch mal, hab aber grade drei Jahre meine Haare lang wachsen lassen um wieder schön lange Haare zu haben. Daher wahrscheinlich wann anders 🙂
Liebe Grüße, Dunja

Sehr schöner Post und wunderschöne Dreads. Ich bin gespannt wie sich deine im Laufe der Zeit entwickeln werden. 🙂
Ich selber habe seit 4 Jahren Dreads. Aber noch mit offenem Deckhaar. Wenn ich Bilder von damals mit Bildern von jetzt vergleiche, ist die Entwicklung echt krass.
Hast du vor sie einfach wachsen zu lassen und nicht zu häkeln oder willst du sie lieber regelmäßig pflegen? 🙂
Du kannst von Glück reden, dass dein Umfeld so positiv regaiert hat, das war bei mir nämlich anders. Freunde und gerade Familie fanden sie ziemlich scheiße. 😀
Ich wünsche dir auf jeden Fall noch jede Menge Spaß mit deinen Filzwürmchen. 🙂

Liebe Grüße,
Sophie 🙂

Ein Dreadhead hat sich auf meine Seite verirrt *-*
Also ich finde deine Dreads wunderschön und offenes Deckhaar hat was, ich habe meins auch offen gelassen. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die Entwicklung und werde sie weiterpflegen, weil sie doch nicht komplett Chaotisch werden sollen. Und egal wie dein Umfeld reagiert, Hauptsache du mit glücklich mit ihnen 🙂
Liebst, Katja

Isaure

Hello Katja, I want dreads for some month now and I m going to do it soon but I m scared that if I do it, there will be only 10 dreads… How many dreads do you have?
Thank you!!

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