27.08.2018

Ich weiß jetzt worüber sie schreiben, wenn sie nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen. Wenn selbst die einzelnen Sekunden nicht vergehen wollen und der kleine Zeiger in der Uhr immer penetranter tickt, wenn keine Beschäftigung gut genug erscheint um sich abzulenken, wenn alles nur noch wie ein sinnloser, nicht endender Trott erscheint.
Es ist ein Montag heute, im Gegensatz zu sonst bin ich früher aufgewacht, als wollte mir mein Körper noch mehr Zeit zur Verfügung stellen, in der ich mich allein fühlen kann. Also bin ich aufgestanden, habe ausgiebig gefrühstückt, geduscht, mich mehrmals sinnlos im Kreis gedreht und schließlich eine Reise weit weg von hier gebucht. Flüchten ist mein Ding und ich laufe viel zu oft davon, aber diesmal habe ich die Hoffnung die Flucht hilft mir dabei einen klaren Kopf zu bewahren.

Jetzt ist es 10:22 Uhr, ich bin immer noch wach, immer noch am Leben und weiß nicht mehr wohin mit mir. Ich habe unmotiviert darüber nachgedacht die Wohnung in Ordnung zu bringen, um wenigstens diesen kleinen Teil unter Kontrolle zu bringen, dann habe ich festgestellt, dass ich nicht einmal zu Hause bin. Ich sitze in der Wohnung meiner Eltern, in einer Stadt in der ich mich nicht wohl fühle, an einem Ort an dem mich gerade nichts mehr hält. Ich fühle mich fehl am Platz und bin nicht einmal in der Lage mich durch FreundInnen abzulenken, weil ich dieser Stadt den Rücken zuwenden wollte und alle Menschen die mir nicht gut tun aus meinem Leben verbannen wollte.
Das Ticken des Zeigers der Uhr hinter mir wird mit jedem Satz den ich hier versuche aufzuschreiben lauter, als würde mir selbst dieser belanglose Gegenstand aus Plastik sagen wollen, dass ich endlich zurück nach Hause fahren soll. Schon bei meiner Ankunft vor ein paar Tagen hat sich mein altes zu Hause wie ein Gefängnis angefühlt, in dem ich Entscheidungen treffen muss, entweder hinter den Gittern bleiben oder ausbrechen und jetzt habe ich mich entschieden und alles bricht vor mir wie ein leerer Haufen zusammen.

Ich habe jetzt die Wahl zurückzugehen, oder einfach weiter hier zu sitzen und auf Besserung zu hoffen, um bald endlich flüchten zu können. Wie gern würde ich manchmal einfach für eine kurze Minute in die Zukunft schauen, mir selbst dabei zusehen wie alles besser wird und dann mit neuer Energie zurückkehren. Wie gern wüsste ich, ob ich meine Taten später bereuen werde, oder wieder einmal völlig falsch gelaufen bin, aber das würde alles wahrscheinlich viel zu einfach machen.
Also sitze ich weiter hier, es ist mittlerweile 10:34 Uhr, so lange brauche ich wohl um meine Gefühlslage in einen weiteren traurigen Text zu pressen, um am Ende nur die Hälfte gesagt zu haben, denn manche Gefühle lassen sich einfach nicht niederschreiben, man muss sie wirklich fühlen.

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Nicht flüchten. Ein Ziel anvisieren und drauf zu gehen. Notfalls stolpern oder kriechen, ist auch okay. Hauptsache raus aus Gefängnissen und weg von tickenden Uhren, die einem die verrinnende Lebenszeit um die Ohren hämmern, als ginge es einem nicht schon besch’ssen genug. Irgendwie weiter… Dann ist da auch nichts, was man bereuen muss. Alles Liebe!