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        Ich habe gerade einen ziemlich beschissenen Job. Jeden Tag stehe ich von 7:30-17:00 Uhr auf einer Kiwiplantage und muss kleine Knospen von der Pflanze abpflücken. Eine positive Sache hat dieser Job jedoch auch an sich, denn während man den ganzen Tag diese monotone Arbeit verrichtet, überdenkt man auf einmal sein Leben.
        Mir kamen mehrere Gedanken in den Sinn, ich wurde fast schon ein bisschen philosophisch. Am Ende blieben meine Gedanken wie so oft an der deutschen Gesellschaft und meinem Platz darin hängen. Mein Plan stand eigentlich fest, Schule, Neuseeland, Studium. Ja, das Studium hat einen wichtigen Platz in unseren Köpfen eingenommen und mir ist zum ersten Mal richtig bewusst geworden, wie viel Druck dadurch eigentlich auf uns ausgeübt wird. Die Eltern wollen einen guten Studiengang und einen guten Abschluss sehen, vor den Freunden muss man sich auch noch irgendwo beweisen und am Ende gehen die eigenen Entschlüsse vielleicht sogar dahinter unter.

        Und dieser Druck hört nicht wirklich auf. Unser ganzes Leben wird von einer Gesellschaft beurteilt, welches uns gar nicht wirklich kennt. Sie schaut auf unseren Abschluss, unseren Kleidungsstil und versucht über die sozialen Medien auch in unser privates Innerstes einzudringen. Und genau da beginnen unsere Probleme. Wir stehen auf einmal morgens vor dem Kleiderschrank und finden nichts zum anziehen. Oder wir müssen unseren Eltern erklären, dass man auch mit kreativen Studiengängen am Ende Geld verdienen kann und sie sich nicht sorgen müssen. Und natürlich fällt es uns schwer die richtige Auswahl für das Mittag zu treffen, da uns der Bio-Wahn nicht in Ruhe lässt.
        Das alles sind keine negativen Sachen. Sie zeigen, dass wir uns weiterentwickeln, Trends hin oder her, und versuchen unseren eigenen Weg zu finden. Aber es sind auch alles Luxusprobleme.

        Wahrscheinlich kann es keiner mehr wirklich hören, aber Neuseeland hat bei mir die Sicht auf diese Dinge verändert. Hier ist man plötzlich froh überhaupt Essen und einen Schlafplatz zu finden, liebt seine wetterfeste Regenjacke und hat diesen Luxus gar nicht mehr vor Augen. Alles was ich hier möchte ich überleben, Menschen kennenlernen und die Welt entdecken.
        Als mich genau diese Gedankengänge beim Knospenpflücken überkamen, wurde mir auch deutlich wie sehr diese Last von mir gefallen ist. Ich finde es sehr schwer dieses Gefühl zu beschreiben, aber ich brauche gerade keinen vollen Kleiderschrank und möchte mich auch nicht nicht mit diesen Luxusproblemen herumschlagen.

        Aber genau diese Luxusgesellschaft nimmt mir jede Freude wieder zurück nach Deutschland zu kommen. Da muss man sich wieder damit herumschlagen und am Ende die kritischen Blicke der Anderen auf seinem Körper spüren. Ich glaube in Deutschland geht es uns ein kleines Stück zu gut. Wir haben einen riesigen Überfluss an allem und haben verlernt wirklich dankbar zu sein. Vielleicht erscheint uns auch einfach nur unser eigenes Leben zu langweilig, weshalb wir anfangen das der Anderen zu kritisieren?
        Ich weiß es nicht. Im Moment bin ich froh mich nicht in diesem Hamsterrad mitzudrehen und das Geschehen von außen zu betrachen. Bitte werdet glücklicher und zufriedener bis ich da bin und lasst mich mein Leben einfach leben. Ganz ohne kritischen Blick.

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        4 COMMENTS

        Liebe Katja,

        ich wage mich aus der zugegebenermaßen recht gemütlichen Position des stillen Beobachters und Mitlesers heraus, um dir zu sagen: Diese Aufnahmen von dir übertreffen diesmal wirklich alles. Du bist wunderschön und die Fotos in diesem Beitrag fangen das so gekonnt ein! Auch das Bokeh ist absolut traumhaft und als leidenschaftlicher Schnappschussfotograf bin ich furchtbar neugierig, welches (neue?) Objektiv hier wohl zum Einsatz kam.

        Viele herzliche Grüße runter zu Euch beiden!

        Liebe Katja,

        das sind sehr interessante Gedanken und allgemein ist das ein hochspannendes Thema, mit dem ich mich auch oft auseinandersetze. Was brauchen wir wirklich? Und – eng damit verknüpft -: Wer sind wir und wollen wir sein?
        Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen und freue mich für dich, dass du diese Erfahrungen „außerhalb“ sammeln kannst – ich glaube, dieser Prozess ist ein sehr wichtiger (und ich hoffe, dass ich irgendwann auch einnal die Gelegenheit dazu habe, ihn auch räumlich nachzuvollziehen).

        Liebe Grüße
        Jenni

        Diese Sinnfragen sind allgemein sehr schwierig und wenn dann noch der Druck von außen dazu kommt, kann man wohl nicht anders als der Gesellschaft einfach zu folgen. Ich bin auf jeden Fall sehr froh über meine neuen Erfahrungen hier drüben und hoffe du findest sie auch irgendwann.
        Liebst, Katja

        Heyhey ,
        Kann mich darin total wiederfinden, bin grad in japan und arbeite dort auf einer Farm und habe genau dieselbe Erfahrung gemacht: die arbeit ist oft monoton abee dafür hat man unrndlich viel Zeit darüber nachzudenken, was man eigentlich vom leben will, was einem wichtig ist usw. .. bin gespannt was du noch so schreibst 🙂

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