Jul
11
16

Kolumne: Wie ich ein Fußballfan wurde und warum das gar nicht so schlecht ist

Die Europameisterschaft im Fußball ist wieder im vollem Gange. Eigentlich ein Grund für mich um sich im Haus einzuschließen und genervt den Fans aus dem Weg zu gehen. Jede große Saison aufs neue bedeutet die deutsche Nationalmannschaft für mich Stress und Nervenaufwand.
Schon als kleines Kind ging ich ab und an mit meinen Eltern zum Public Viewing, ich wurde einfach mitgeschleift. Keine Widerrede.

Auf mich warteten 90 + 15 Minuten voller Langeweile und schwarz, rot, gold geschminkten Biertrinkern. Der reinste Horror aus meiner Sicht und ich war glücklich wenns vorbei war. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum 22 Menschen einem Ball hinterherlaufen und was genau daran spannend sein soll.
Viel lieber schaute ich andere Sportarten. Turnen zum Beispiel, oder Wasserspringen. Die waren wenigstens ästhetisch und schön anzusehen. Selbst der stumpfsinnige Kanurennsport gefiel mir besser, was aber auch an meiner eigenen sportlichen Aktivität lag.

In der 11. Klasse dann bekam ich Dynamospieler in meine Klasse. Ihr könnt euch meine Begeisterung vorstellen, schlimm genug das Spektakel im Fernsehen schauen zu müssen, nein, jetzt sollten sie auch noch direkt neben mir sitzen. Dumm, überheblich und abgehoben war meine Einstellung gegenüber ihnen. Doch ich wurde eines besseren belehrt.

Die Fußballer in meiner Klasse waren richtig coole Typen und ich wurde sogar schnell neidisch auf sie. Denn durch ihren Sport hatten sie die Eigenschaft offen gegenüber anderen Menschen zu sein, sie schnell zu integrieren und einen großen Teamgeist zu zeigen. Sie vermittelten ein richtig starkes Gemeinschaftsgefühl und das wollte ich auch haben.
Mit dem Ende meiner Schulzeit begann nun die Weltmeisterschaft und ich begann wieder meine vollste Abneigung zu zeigen. Immer und überall dieses Fußball, so primitiv, warum können wir nicht das Land einer anderen Sportart sein?

Das Schlimmste daran war mein Freund. Ein begeisterter Fußballfan.

Ich hatte mit ihm schon einige Bayernspiele sehen müssen, aber zur Europameisterschaft lief der Fernseher ständig auf dem Fußballkanal. Wollte ich bei ihm sein kam ich nicht drum herum. Etwas genervt von den ganzen Spielen begeisterte mich trotzdem irgendetwas. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber zum Achtelfinale fragte ich ihn ob er Lust hat zum Public Viewing zu gehen.
Er war überrascht und ich bereute meine Frage schon kurz darauf. Trotzdem machten wir uns auf den Weg in die Dresdner Neustadt und suchten uns einen Platz zwischen den Fans.

Geschminkte Menschen, Leute in Trikots, Kinder oder einfach normal gekleidete Menschen wie wir kamen zur Leinwand um das Spiel zu sehen. Wenn ein Tor fiel jubelten sie zusammen, bei einer knappen Torchance ging ein Raunen durch die Menge.

Die anwesenden Leute kannten sich nicht, aber in genau diesem Moment hat sie der Fußball verbunden. Genau das Gemeinschaftsgefühl, welches ich bei den Fußballern in meiner Klasse immer beneidet habe. Und in genau diesem Moment wurde mit etwas klar und ich bekam die Idee für diesen Blogpost.

Ich mag kein Fußballfan sein und das Spiel taktisch nicht sonderlich gut verstehen. Aber ich liebe das Beisammensein und das gemeinsame Mitfiebern. Der Fußball mag nicht jedermanns Lieblingssportart sein, dennoch wird er in unserem Land gern gesehen und verbindet fremde Menschen.

Genau aus diesem Grund habe ich beschlossen öfter mal zuschauen zu gehen. Als kleiner Erfolgsfan. Denn es gibt nichts schöneres als nach einem solchem Abend nach Hause zu gehen und zu jubeln. Über den Sieg und den Teamgeist.

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3 COMMENTS

Ich bin bis heute kein großer Fußball-Fan, aber das trifft auf fast alle Sportarten zu. Ist einfach nicht meine Welt.
Aber ich finde es schön zuzusehen wie andere da voll und ganz aufgehen können. Da kann es dann trotz meiner Abneigung passieren, dass ich mich von der Freude anstecken lasse. Vor allem während der Em oder Wm 🙂

Liebe Grüße
http://hydrogenperoxid.net/blog/

Ich kann Fußball leider nichts abgewinnen und halte auch nichts von Public Viewing – aber das darf ja jeder machen wie er mag. 🙂
Liebe Grüße,
Marie <3

Melina Kochan

Ich zu meinen teil mag Fußball wirklich gern, besonders eben wegen diesen beisammen sein. Manchmal kann es eben doch schön sein mit den Freunden zusammen zu sitzen und fasziniert das Spiel zu verfolgen. 🙂

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