Als ich letztens im Laden stand und meinem Aushilfsberuf nachging, hörte ich zufällig ein Gespräch zwischen zwei jungen Damen vor dem Handtaschenregal. Ich weiß, man soll keine fremden Leute belauschen, aber als die eine Dame ein kleines rosa Prachtstück in die Höhe hielt und sich über einen Preis von stolzen 18 Euro aufregte, konnte ich einfach nicht weghören.

Ich weiß gar nicht mehr richtig wie genau, nach ein paar Minuten jedoch begann das Gespräch in die spannende Richtung Primarkqualität zu laufen. Wahrscheinlich lag es am Vergleichspreis für eine Tasche aus besagtem Laden. Jedenfalls fragte sich die eine Dame, wie man denn diesen günstigen Preis rechtfertigen kann, während die andere Dame einfach nur, wie nebenbei, das Wort Kinderarbeit fallen lies.
Etwas entrüstet zog ihre Gesprächspartnerin jetzt auch noch H&M als Vergleich hinzu und erwähnte die dortigen Preise. „Ja, aber die haben wenigstens Qualität und sind nicht ganz so…“ Am liebsten hätte ich mich in diesem Augenblick ganz frech eingemischt und gefragt was sie uns denn mit diesem Satz sagen möchte, aber ich war leider mit der Aufgabe verpflichtet Sachen neu aufzubügeln.

Beide hatten anscheinend an diesem Punkt sowieso keine Lust mehr auf dieses Gespräch, die perfekte Handtasche für die abendlichen Partys blieb einfach zu teuer. Und während ich auf die Präsentation von dreckigen weißen Socken in Ballerinas schaute, bemitleidete ich die Beiden ein bisschen.

Ich muss zugeben, aus meiner Einschätzung waren sie Beide in dem richtigen Alter um sich in der neusten Kleidung zu präsentieren (auch wenn ihr Aussehen nicht ganz meinen Geschmack betraf – siehe genannte Sockenkombination), sollten sie doch genügend Vernunft haben dieses wichtige Thema nicht nur oberflächlich mit Vorurteilen zu besäuseln, sondern etwas tiefer zu graben.
Denn eines wissen wir alle: Weder H&M, Primark oder andere große Klamottenketten produzieren ihre Ware zu 100% fair und nachhaltig. Und ich bin immer noch der Meinung, dass sie auch nicht damit aufhören werden, solange sie sehen wie das Geschäft läuft und Menschen ihren Handel unterstützen.

Worüber die beiden jungen Damen kurz nebenbei diskutiert haben ist tatsächlich für viele Menschen genauso in den Hintergrund ihrer Gedanken gerückt, diesen Eindruck habe ich in meinem Job auf jeden Fall gewonnen.

Da wird überlegt ob ein Shirt für 5,99 Euro nicht doch zu teuer ist. Vielleicht solltet ihr lieber einmal überlegen, ob ihr das 10. Shirt in eurem Schrank wirklich braucht, oder lieber in 2-3 qualitative und faire Stücke investiert? Euch einfach bewusster über euren Konsum und dessen Ausmaße werdet und auch einmal hinter die Kulissen schaut, anstatt das schlechte Gewissen einfach zu verdrängen?

Ich weiß, dass man über dieses Thema einen viel längeren und ausführlicheren Beitrag mit Fakten zur Überzeugung schreiben könnte, jedoch möchte ich dies an der Stelle einfach weglassen und einfach nur an den gesunden Menschenverstand appellieren. Denn jeder von uns hätte in unserer heutigen Gesellschaft locker einer dieser Gesprächspartner sein können. Nicht jedem liegt das minimalistische Leben, aber dennoch sollten wir uns einen Kopf über unsere Käufe machen und sie hinterfragen.

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KOMMENTARE

Hallo Katja, habe gerade durch Zufall deinen Blog entdeckt und finde ihn ganz toll. Und dich sehr sympathisch! 🙂
Solche Konversationen habe ich schon so oft gehört (und kürzlich sogar etwas ähnliches zum Thema Bio (-Baumwolle) geschrieben), aber es fehlt einfach noch sehr viel Verständnis und kritisches Hinterfragen, weil die meisten Konsumenten einfach blind sind. Ich frage mich auch, in welchem Laden du arbeitest (und wieso? :)). Jedenfalls sehr spannendes Thema- und schöner Appell deinersets!
Liebst, Corinna
http://www.kissenundkarma.de

Hey Corinna,
ich habe bei Pull&Bear gearbeitet und hatte mich ehrlich gesagt vor der Bewerbung noch gar nicht ganz so stark mit dem Thema auseinandergesetzt. Aber ich glaube die Arbeit hat mir auch geholfen den Klamottenkonsum besser zu verstehen und ihm den Rücken zu kehren. Meine Arbeit dort ist jetzt erst einmal vorbei und ich hoffe in der Zeit meiner Abwesenheit durch die Neuseelandreise verändert noch mehr Menschen und lässt sie mehr Fair Fashion kaufen.
Liebst, Katja

Du hast Recht, irgendetwas läuft in der Modebranche und auch in unserem täglichen Konsumverhalten ganz gewaltig schief. Ich habe mich (ich gebe es zu) leider auch erst vor einigen Wochen das erste Mal so richtig mit alldem, mit meinem Gewissen beschäftigt. Ich möchte nicht mehr zu dem Konsumwahn beitragen, sondern Alternativen für mich finden. Ich hoffe, ich halte durch – aber allein dass andere (so wie du) mit Gedanken wie diesen vorangehen, ermutigt mich sehr 🙂

Ja, die Leute nehme gerne Primark als Beispiel. Nein, H&M ist nicht besser, Asos auch nicht und schon gar nicht Hugo Boss oder Adidas. Und dann fragen sie einen wo man sonst einkaufen soll, wenn man das alles beachtet. Das ist wie mit der Veganen Ernährung. Menschen fragen mich, was man dann sonst essen kann, außer Obst, Gemüse und Tofu. Es ist so schade, dass die meisten Menschen sich nicht weiterbilden, sondern auf der Stelle stehen und diese Position mit vorwurfsvollen Fragen verteidigen. Ich meine, ich finde es nicht schlimm wenn Menschen Fleisch essen oder bei H&M oder Primark einkaufen, aber dann müssen sie sich auch bewusst sein, was sie da gerade tun. Das tun sie nämlich nicht. Sie sehen bewusst weg. Sie essen totes meist krankes Tier und kaufen Kleidung, die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden, meist durch Kinderhand. Und wenn dann noch der Satz kommt „Die Kinder müssen ja arbeiten, sonst kann die Familie nicht überleben“ weiß ich nicht ob ich weinen oder lachen soll.

Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht.
Aber irgendwie muss man am Ende des Tages mit sich im Reinen sein und wenn man das durch sein Verhalten nicht schafft, verschließt man eben die Augen.

Deine Bilder gefallen mir sehr sehr gut 🙂

Ein ganz toller Post zu einem wichtigen Thema. Ich glaub sowas kriegt man in deinem Beruf besonders häufig mit. Ich merke als Kellnerin auch viel zu häufig wie sich Gäste ständig über den teuren Preis beschweren. Jeder möchte es billig aber natürlich von bester Qualität. Das klappt halt manchmal einfach nicht beides.
Ich möchte auch mehr in qualitativ hochwertigere Stücke investieren als immer den gleichen H&M Ramsch zu kaufen. Unter anderem auch, weil den einfach jeder hat. Nur ist es manchmal schwer zu wissen wo man anfangen soll. Hast du vielleicht Marken/Läden in denen du mit gutem Gewissen einkaufst?
Liebe Grüße,
Farina

Hey Farina,
ich schau oft bei Kunstkinder Mag (http://www.kunstkinder-mag.de) oder Daria (http://dariadaria.com) nach Inspiration und sonst versuche ich in nächster Zeit nur Second Hand oder bei Kleiderkreisel zu schauen.
Und du hast so Recht, als Verkäuferin bekommt man vor allem diese Masse an Kleidung nochmal richtig vor Augen geführt.
Liebst, Katja

Schöne Kolumne und deine Botschaft ist so wahr. Manchmal denk ich, man sollte sich fragen „Wenn jemand von mir verlangt, das Kleidungsstück selbst zu nähen, würde ich es für diesen geringen Preis verkaufen?“

Liebe Grüße, Dunja

Ich glaube so einfach kann man das nicht sagen, denn schließlich funktioniert die Massenherstellung ganz anders als ein handgenähtes Stück voller Liebe. Aber trotzdem sollte jeder gerecht für seine Arbeit belohnt werden 🙂
Liebst, Katja