GALLERIES
        GO BACK
        TO MENU

        Immer wenn ich einen Text schreiben möchte oder Lust verspüre meine Gedanken mit der Welt zu teilen, schließe ich für einen Moment die Augen und horche in mich hinein. Die meisten meiner Worte schreibe ich intuitiv und ohne groß darüber nachzudenken, alles was ich mache ist in mein Innerstes zu schauen und meine Gefühle niederzuschreiben. Auch heute verspürte ich irgendwie den Drang loszulegen und Worte aneinanderzureihen.
        Also schloss ich meine Augen und versuchte in mich hinein zu hören. Es war irgendwie ein komischer Moment. ich fühlte nichts als stille Leere. Keine Freude, keine Traurigkeit, keine Liebe, keinen Schmerz, einfach nichts. Vielleicht ein leichtes Unbehagen bei dem Gedanken an meine bevorstehende Reise an das andere Ende der Welt, aber ansonsten war ich für ich kleine Weile nur eine Hülle ohne Inhalt. Komischerweise musste ich in diesem Moment an Franz Kafka denken.

        Er mag, was seine Geschichten angeht, nicht unbedingt mein Lieblingsschriftsteller sein und trotzdem waren seine Bücher die Einzigen, welche ich in der Schule gelesen hatte. Ich könnte mich in seinem Schreibstil verlieren und bewundere, wie ausführlich und durchdacht er seine Gedanken niedergeschrieben hat. Allgemein bewundere ich seine Art zu schreiben und kann mich wunderbar in seinen Wörtern treiben lassen.
        Als wir in Prag das Kafka-Museum besuchten, wurde mir erst richtig bewusst, warum ich eigentlich mit dem Schreiben angefangen hatte. Ich wollte ebenfalls meine Gedanken auf diese Art und Weise teilen, ohne feste Definition und klare Ziele. Der Leser darf interpretieren und vielleicht verstehe ich nicht einmal selbst den Sinn dahinter, aber der Moment des Schreibens lässt mich klarer Denken und schafft eine kleine Sekunde der Klarheit in meinem Kopf.

        Natürlich möchte ich Franz Kafka nicht das gedankenlose Schreiben unterstellen, aber mich reizt der Gedanke, dass manch ein Schriftsteller einfach für den Moment geschrieben hat und wir uns mit Interpretationen herumschlagen, obwohl es nicht einmal für ihn eine Richtige gegeben hat.
        Und während ich die Leere in mir spürte und über Kafka nachdachte, kam mir ein noch absurderer Gedanke in den Kopf. Was passiert, wenn ich all meine Ideen schon aufgeschrieben habe und die Einfallslosigkeit von einem langweiligen Leben rührt? Obwohl, langweilig ist vielleicht das falsche Wort für diesen Zustand, eher unbewusst. Blog hier, Instagram da, soziale Medien überall. Wo bleibt da noch Platz um das reale Leben in vollen Zügen zu genießen?

        Ich erwische mich immer wieder dabei, egal ob im Gespräch mit Freunden oder Familie, oder einfach nur auf dem Heimweg in der Bahn, wie ich jedes gesprochene Wort in meinem Umfeld in meinen neuen Eintrag packen möchte und dabei gar nicht mehr richtig zuhöre wie der Satz endet. Hast du es nicht gepostet, ist es nicht passiert, hört man immer wieder einen kleinen Protestschrei und irgendwie bin ich mitten drin in genau dieser Blase. Follower und Leser wollen jedes Detail aus dem Leben ihrer Vorbilder, wir werden täglich überschwemmt mit Informationen und Bildern aus dem letzten Urlaub, aber selbst über diese scrollen wir nur flüchtig anstatt kurz  zu ruhen und zu staunen.

        Das soziale Leben hat mich vielleicht schon in diesem Moment vollkommen ausgelaugt und ich habe jeden Gedanken aus meinem Kopf niedergeschrieben, weil ich verlernt habe nur für mich zu schreiben oder den Teilen-Knopf einfach einmal auszublenden. Vielleicht sollte ich das ganze Internetleben etwas langsamer und bewusster angehen lassen, wie meinen Modekonsum und meinen Kopf wieder für andere Dinge öffnen und, vor allem um das reale Leben in vollen Zügen zu genießen. Denn Kafka schrieb auch nicht für das Internet oder andere Menschen. Er schrieb für sich.

        IMG_1326 IMG_1347 IMG_1350 IMG_1361 IMG_1363 IMG_1370 IMG_1372 IMG_1373-2 IMG_1378 IMG_1382 IMG_1394 IMG_1397 IMG_1410 IMG_1411

        4 COMMENTS

        […] Und auch Katja biegt an dieser gedanklichen Kreuzung ab und veröffentlicht nach ihrer Insta-Beichte auf ihrem Blog eine Kolumne mit dem Titel: Kafka schrieb nicht für das Internet: […]

        Ich mag die Art, wie du schreibst. Deine Bilder faszinieren mich und du bist ein wahnsinnig schöner Mensch. Freue mich, dich hier ganz am Anfang meines „Blogger-Lebens“ gefunden zu haben. Ganz viele liebe Grüße von mir zu dir 🙂

        Oh danke dir und dir auch viel Erfolg beim Bloggen 🙂

        So schön und so wahr. Instagram, Pinterest und die anderen sozialen Medien überschwemmen uns mit Inspiration – doch persönliche Einfälle gehen auch mir dabei leider viel zu leicht verloren… Dabei ist den Kopf auszuschalten und einfach nur zu schreiben, das allerschönste Gefühl auf dieser Welt ?

        Leave a Comment

        Your email address will not be published. Required fields marked *