Nov
29
16

Kolumne: Es reicht!

„Du hast echt tolle Haare.“
„Danke.“
„Wie lange trägst du sie denn schon so? Die sind ganz schön lang.“
„4 Monate ungefähr, ist aber nicht alles mein echtes Haar.“
„Und wie lang waren deine Haare vorher?“
„Genauso lang wie jetzt.“
„Krass. Das dauert bestimmt richtig lang die zu erstellen? Und wie viel hast du bezahlt? Was machst du wenn du die Dreads irgendwann nicht mehr haben möchtest?“
„3 Tage hat es gedauert, ich habe 400€ bezahlt. Man kann Dreads auskämmen, aber bisher möchte ich sie nicht loswerden.“
, antworte ich mit einem Augenrollen und wende mich ab.

Ungefähr auf diese Weise beginnen alle Gespräche hier. Und ganz ehrlich? Ich bin genervt davon.
Als kleiner Neuling mit meiner neuen Frisur konnte die Fragerei nicht lang genug dauern und ich habe wirklich gern über meine Haare geredet. Aber irgendwann kamen immer wieder die gleichen Fragen: „Wie wäscht du deine Dreads?“ oder auch mein Favorit: „Darf ich mal anfassen?“ 

Ich möchte gar nicht unfreundlich klingen oder überheblich, aber wie würdet ihr reagieren wenn euch jemand fragt wie viel Geld ihr das letzte Mal beim Friseur bezahlt habt? Solche Fragen stellt man keinen fremden Menschen und nicht nur, dass mich die Fragerei nervt, ich bin auch genervt davon ständig nur auf meine Haare reduziert zu werden.
Reden wir nicht immer davon Menschen nicht auf ihr Äußeres zu reduzieren und auf ihre inneren Werte zu schauen? Alle Gespräche hier, ähnlich dem Anfangsdialog, beruhen auf einer solchen Oberflächlichkeit, dass mir schlecht werden könnte. Ich muss zugeben, am Anfang war ich begeistert ein kleines Stück mehr Aufmerksamkeit durch meine Dreads zu bekommen und bin viel selbstbewusster geworden. Ich bin ehrlich gesagt Niemand der gern im Mittelpunkt steht, aber ich wurde auf einmal von Anderen wahrgenommen. Anfangseuphorie. Mittlerweile bin ich es leid die Blicke der Menschen immer nur auf meinen Haaren zu sehen.

Was mich aber noch viel trauriger macht ist die Tatsache, dass die Oberflächlichkeit immer noch tief in unseren Köpfen drin sitzt. Wir sehen einen Menschen durch unsere Augen und fangen sofort an ihn zu be- oder verurteilen, wissen jedoch nichts über ihn und kennen nur seinen Kleidungsstil. Ich frage mich wie viele von uns sich täglich auf der Straße begegnen und mit abschätzenden Blicken mustern.
Das Schlimmste an dieser Oberflächlichkeit? Das Geld bestimmt den Markt und legt einen äußeren Schein über uns, das Geld versucht unsere Augen zu trügen. Markenklamotten, Uhren, ein neues Auto, der Konsum, das Geld, das Image. Wo ist da noch Platz für Tiefgründigkeit?

Ich habe beschlossen aus diesem Spiel auszusteigen. Ich möchte mit Menschen über ihre Interessen und Meinungen sprechen, sie besser kennen lernen und vielleicht neue Freundschaften gründen. Und auf jeden Fall möchte ich mir ein Bild von ihnen machen, bevor ich sie in eine meiner Schubladen stecke, denn das Gleiche erwarte ich auch von ihnen.
Solltet ihr mich also irgendwann mal auf der Straße treffen, dürft ihr gern mit mir über Gott und die Welt reden. Aber bitte erspart mir die ewigen Fragen über Dreadlocks, es sie denn ihr habt ernsthaftes Interesse, denn auch wenn sie ein Teil meiner Persönlichkeit sind stecken noch viele andere Dinge in mir.

Oberflächlichkeit Konsumgesellschaft Dreadlocks Fragen nerven Fashion- und Lifestyleblog aus Dresden Kolumne Amoureuxee Meer Neuseeland

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Outfitdetails // Pullover: Pull&Bear // Hose: Topshop // Schuhe: Birkenstock

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