Mai
30
17

Jeden Tag ein kleines bisschen fairer.

Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und grüble. Ja, das mag sich für viele von euch komisch anhören und ja, natürlich gibt es wichtigere Probleme. Aber ich stehe eben ab und zu vor meinem Schrank, versuche etwas zu finden worin ich mich diesen Tag wohl fühle und grüble darüber nach, welche Kombinationen zusammenpassen könnten.
Und manchmal gibt es eben Tage, an denen will nichts richtig passen. Meistens genau an den Tagen, an welchen ich den Drang dazu habe etwas Neues zu probieren und nicht immer wieder nur ein T-Shirt über eine weitere schwarze Jeans zu tragen. Also kommt es dann schließlich dazu, dass ich etwas anprobiere, unzufrieden bin, etwas neues anprobiere und wieder unzufrieden bin.

Es scheint ein ewiger Teufelskreis, in meinem Fall aber eher einer zum Kopfschütteln, zu sein. Ich möchte etwas Neues probieren, fühle mich aber unwohl, außerhalb meiner Komfortzone. Hätte man sich auch irgendwie denken können.
Und genau heute ist wieder einer dieser Tage. Ich habe viel anprobiert, mich oft unwohl gefühlt und stehe nun in Unterwäsche vor meinem Schrank, das Gesicht zu einer Grimasse verzogen.

Wisst ihr, was das Absurde an meinem Teufelskreis ist? Ich ende immer wieder in den gleichen Klamotten. Denn viel zu oft ist der Auslöser für eine dieser Phasen der Gedanke, dass ich gewisse Teile doch schon viel zu oft getragen habe und es Zeit für etwas Abwechslung ist.
Dieses Problem hatte ich in Neuseeland auch öfter, immerhin war meine Auswahl dort noch beschränkter. Dennoch, im Gegensatz zum heutigen Tag konnte ich nicht viel ausprobieren, ich konnte nichts neues kaufen und ich landete ebenfalls am Ende in meinen Lieblingsklamotten.

Was für eine Erkenntnis, werdet ihr euch jetzt denken, aber ihr habt vielleicht schon mitbekommen, dass ich manchmal etwas Zeit dafür brauche. Ich höre nicht gern auf andere Menschen und muss meine Erfahrungen selbst sammeln.
Denn auch heute bin ich wieder in meinem Lieblingskleid gelandet, während um mich herum Röcke, Tops und Jumpsuits auf dem Boden verteilt liegen. Und genau diese Situation ist wieder eine von denen die mir die Augen öffnen.

Ich habe tatsächlich so viel Kleidung, dass ich mich eine halbe Stunde am Tag damit beschäftigen kann, was ich denn heute anziehe. Ich habe tatsächlich so viel davon, dass ich sie lieblos auf dem Boden verteilen kann. Und ich habe so viel Müll in dem ich mich nicht wohl fühlen kann, bei dem mir aber trotzdem immer wieder eine Ausrede in den Kopf kommt, warum ich ihn behalten müsste.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich tatsächlich auf meinen Kleiderschrank freute (mehr dazu hier), jetzt aber fast nur Kleidung trage die sich auch in meinem Backpack befand. Weil daran nicht nur eine Menge Erinnerungen hängen, sondern weil sie mich auch immer wieder daran erinnert, wie wenig wir eigentlich brauchen. Und wie viel wichtigere Probleme es gibt.

Was wäre denn, wenn wir unseren Kleiderschrank auf das Minimalste reduzieren? Würden wir jeden Tag glücklich in unsere Lieblingskleidung schlüpfen und uns gar keine großen Gedanken mehr machen?
Ich glaube, dass ich in den letzten Monaten meine Antworten gefunden habe. Selbst, wenn wir auf das Minimalste reduzieren würden, hätten wir am Ende nur 2-3 Lieblingsteile die wir gern anziehen. Denn mehr braucht ein Mensch nicht. Glaubt mir, ich habe es selbst probiert.

Das Problem sind nur neue Trends, eine ständige Weiterentwicklung, die ständige Überschwemmung des Markts mit Kleidung und der komische Blick anderer Menschen, wenn man sich in ihren Augen „komisch“ kleidet, oder in ihren Augen „nicht genug“ im Schrank hat. Man wird einfach viel zu schnell abgestempelt und hat ein großes Etikett auf seiner Stirn.
Denn für uns ist es heute normal neue Kleidung zu kaufen, oder einem neuen Trend zu folgen. Macht schließlich auch jeder. Und es ist tatsächlich kein Geheimnis, dass man angeschaut wird, wenn man aus der Masse heraussticht. Das ist mir egal, sage ich oft zu mir selbst, aber ganz so einfach ist das nicht.

Die Lösung für mich ist zur Zeit das ständige aussortieren meines Schrankes, denn immer wieder fallen mir alte Teile auf die ungeliebt in der Ecke hängen. Ich bin langsam dabei minimalistisch zu werden, aber das ist bekanntlich ein langer Weg. Lasst mir also dabei ein bisschen Zeit.
Eine weitere Erkenntnis war für mich das bewusste Einkaufen. Auch, wenn es mir immer noch schwerfällt, gehe ich kaum noch in fast-fashion-Läden, um gar nicht erst in die Versuchung zu kommen. Ich kaufe fast ausschließlich Second Hand, oder Online und dabei hat mir diese Checkliste ganz gut geholfen:

Brauche ich dieses Teil?
Brauchte ich es auch schon gestern?
Passt es wirklich perfekt?
Stimmt die Qualität/Herstellung?
Kann ich es vielleicht von jemanden borgen, oder mieten?

Sobald ich eine Frage (außer die Letzte) mit „Nein“ beantworten muss, hänge ich das Teil wieder zurück. Ich kenne auch viele Menschen die sich dann ein Zeitlimit von 30 Tagen geben, um ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken, aber das ist zum Beispiel bei Second Hand Mode nicht möglich.
Für mich klappt dieses Prinzip bisher ganz gut, auch wenn es natürlich noch ausbaufähig ist. Aber dieser Weg ist wie schon erwähnt sehr langwierig und nicht von heute auf morgen zu bewältigen, dennoch zählt für mich schon der Wille. Und den würde ich mir von Allen ein bisschen stärker wünschen. Denn pure Ignoranz und fröhliches Weitershoppen gegenüber diesem Thema ist auch keine Lösung.

Was sagt ihr dazu und habt ihr vielleicht noch ein paar gute Tipps für mich?

Outfitdetails 
Kleid: Huffer // Cardigan: Madekind // Schuhe: Second Hand

PREVIOUS POST
NEXT POST
Read Comments
Hide Comments
6 COMMENTS
Lena

Schöner Beitrag! Ich kaufe nur Teile, die ich nicht schon so ähnlich bereits besitze. Wenn mir ein Trend gefällt, darf ich nur 1-2 Stücke in dem Stil kaufen und die müssen sich deutlich in Form oder Farbe unterscheiden. Außerdem kaufe ich jedes Kleidungsstück mit dem Hintergedanken, dass ich es mindestens 5 Jahre tragen will (gilt nicht für Schuhe); die Qualität muss also gut sein und wenn es mir nicht 100% gefällt, kaufe ich es nicht. Mit diesen Prinzipien fahre ich gut, bei mir kommen im Jahr auf die Art und Weise vielleicht 7 Teile dazu. Dadurch, dass ich oft umgezogen bin durch Reisen usw. hat sich mein Kleiderschrank auch auf ein Minimum reduziert und ich bin happy damit. Vielleicht kannst du ja auch von meinen Tipps profitieren. 🙂 übrigens: meine Eltern haben mir früher verboten, bei H&M, Zara usw. einzukaufen, ich hatte eigentlich so gut wie nie Fast Fashion Teile im Schrank. Früher fand ich das blöd, aber mittlerweile muss ich darüber schmunzeln, dass ich oft Tipps lese, wie man weniger konsumieren kann und viele davon schon von Anfang an befolge. Hab einen schönen Tag und viel Erfolg weiter auf deiner Reise zu einem tollen, fairen, minimalistischen Kleiderschrank! Alles Liebe, Lena

Caro

Huhu 🙂
Ja, da stimme ich dir absolut zu!
Ich trage immer zuerst meine Lieblingsklamotten – bis die dann in die Wäsche wandern 😀 Oftmals finde ich es schwer, wirklich faire Klamotten zu finden, dann oft kommen die dann doch von woanders her oder wurden gar nicht so fair hergestellt, wie es auf den ersten Blick scheint. Mein erster Schritt war es daher, meinen Kleiderschrank auszumisten und nur noch die Dinge zu kaufen, die ich wirklich brauche. Bevor es im Januar auf Weltreise geht, sortiere ich nochmal aus und dann habe ich nur noch das, was in meinen Rucksack passt 🙂
Schöne Grüße,
Caro

Ja, das stimmt. Ich bin auch manchmal richtig verzweifelt da durchzusehen – deswegen kaufe ich auch so viel Second Hand.

Viel Spaß auf deiner Reise, wollte ich dir noch wünschen ☺️

Karina

Ich mag deine Schreibweise sehr gerne und kann dir nur zustimmen.

Add Comment

TYPE AND HIT ENTER