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        Stell dir vor eine Stille umgibt dich. Wie eine große, schwarze Wolke die du nicht durchbrechen kannst. Ein eiserner Vorhang. Und du, sitzt in diesem Gerüst aus Dunkelheit und Nebel. Stille. Ein Atemzug. Was war das? Mühsam rappelst du dich auf. Hast Hoffnung geschöpft, möchtest die Wolke verlassen, Farbe sehen, das Leben in dich aufnehmen. Aber du kannst nicht. Der Nebel legt sich vor deine Augen, umhüllt dich sanft aber bestimmt. Die Wolke lässt dich nicht gehen. Erschöpft sinkst du zusammen.

        Stell dir vor, diese Wolke begleitet dich Tag und Nacht. Beim Schlafen, Essen, wie ein Schatten läuft sie hinter dir her. Du versuchst ihr zu entfliehen, aber sie wird immer schneller als du sein. Du kannst ihr nicht entkommen. Einmal Dunkelheit, immer Dunkelheit. Stille. Sie lässt dein Herz schneller klopfen. Schwitzige Hände, rotes Gesicht. Nein, niemals wird sie dich gehen lassen.
        Stell dir vor, du bist eingesperrt in diesem Käfig. Kein Schlüssel, kein rettender Gefängniswärter, niemand hört deinen Hilfeschrei. Immer wieder kommen dich Menschen besuchen, du kennst sie nur flüchtig. Kannst keinen Augenkontakt herstellen, siehst sie nicht an. Aus deinem Mund kommt nichts als dunkler Rauch, fast, als würdest du umsonst auf Hilfe hoffen. Stille. Die Kälte lässt dich erschaudern. Immer wieder das Gleiche. Schwitzige Hände, rotes Gesicht. Sie lässt dich einfach nicht gehen. Es ist hoffnungslos.

         Stell dir vor, du bist verloren. Kein Selbstvertrauen, keine positive Energie, immer nur dieses ewige Schweigen, die Dunkelheit, die Stille. Was machst du? Du wirst aufgeben. Es macht dich krank, kein Fluchtversuch wird dir gelingen und du wirst immer schwärzer. Deinen Besuch sprichst du nicht mehr an, du hast keine Lust mehr auf kalten Rauch aus deinem Mund. Tränen laufen dir über die Wangen. Du kannst nichts daran ändern, niemand wird sie dir wegwischen. Du bist allein in deinem Käfig, in deiner großen, schwarzen Wolke, umhüllt von Dunkelheit und Nebel. Schweigen.

        Stell dir vor, du wirst krank. Niemand kümmert sich liebevoll um dich, du nimmst einen Stift in die Hand. Ein einfaches Buch wird dein einziger Gesprächspartner sein. Es ist schwarz, wie dein Inneres und du schließt es mit einem Schloss ab. Keiner soll deine Gedanken kennen, du schämst dich. Die Besucher werden weniger. Du redest sowieso nicht mit ihnen. Sie haben aufgegeben, wie du. Jede freie Minute sprichst du also mit deinem besten und einzigen Freund. Du erzählst ihm von deinem Tag, deinen Erlebnissen, Problemen und der Einsamkeit. Und natürlich von der großen schwarzen Wolke, dem Schweigen. Von den schwitzigen Händen und dem roten Gesicht. Der Verzweiflung. Doch Hilfe wirst du keine bekommen, nicht von einem Buch. Es wird dein stiller Zuhörer bleiben.

        Stell dir vor, eines Tages sitzt du in deiner Wolke, Tränen laufen dir über das Gesicht. Du sitzt in deinem Verlies, den Stift in der Hand und redest mit deinem stillen Zuhörer. Ein bitteres Lachen tönt dicht gefolgt von dunklem Rauch aus deinem Mund, dein Zuhörer wird niemals ein Wort sagen. Genau wie du. Nur Nebel, dunkle Wolken, Schweigen. Und während du im Mitleid schwimmst, läuft ein Besucher an dir vorbei. Er bleibt vor deinem Käfig stehen, hat Angst und Respekt vor dieser schwarzen Wand, welche dich umgibt und nicht loslässt. Er bleibt da eine Weile stehen und betrachtet das kleine Häufchen Elend, das du geworden bist. 

        Stell dir vor, du bemerkst ihn. Eure Blicke treffen sich, du hörst wieder diesen Atemzug. Eigentlich hast du aufgegeben, willst deinen schlaffen Körper nicht unnötig beanspruchen. Aber diesmal hat sich etwas verändert. Der Besucher vor deiner Wand ist schwarz. Wie du. Stille. Ihr schaut euch an. Tiefe Blaue Augen, das Tor zur Seele. Dieser Besucher kommt dir merkwürdig vor. Du weißt nicht genau warum, aber du versuchst dich aufzuraffen. Willst ihn genauer sehen, die Stille durchbrechen, aus deinem Gefängnis ausbrechen.

        Stell dir vor, du schaffst es. Schwitzige Hände und rotes Gesicht, ihr steht euch gegenüber. Schaut euch an. Dir fällt auf, was dich an ihm begeistert hat. Der Besucher ist groß, schlank und schwarz. In seiner linken Hand hält er ein dunkles Buch, versiegelt mit einem Schloss. Damit niemand seine Gedanken lesen kann. Er hat Probleme es festzuhalten, umklammert es mit aller Kraft. Schwitzige Hände und rotes Gesicht.

        Stell dir vor, du hast einen Besucher vor dir stehen, der ebenfalls von einer dunklen Wolke aus Stille umgeben wird. Es macht ihn mystisch und anziehen, du weißt genau, was er fühlt. Du möchtest ihm helfen, genauso wie er dir helfen wird. Den dunklen Vorhang zur Seite schieben, den Nebel wegpusten. Das Leben aufnehmen, gemeinsam nebeneinanderstehen. Rückhalt. Keine schwitzigen Hände, kein rotes Gesicht. Dem Schatten davonlaufen.

         Stell dir vor, er setzt sich neben dich auf die kalten Steine, nimmt deine Hand und sieht dir in die Augen. Ihr sprecht nicht mit Menschen, doch zwischen euch hat sich etwas verändert. Als würdet ihr den Anderen seit Ewigkeiten kennen. All die Worte, welche du in den letzten Jahren runtergeschluckt, verschwiegen hast, sprudeln aus deinem Mund heraus. Schwarz weicht den Farben, erst braun, dann blau, dann rot. Pulsierendes Leben.

        Stell dir vor, er hat dich gerettet. Du bist glücklich. Gemeinsam schafft ihr es auszubrechen. Baut euch eure eigene Wolke aus Glitzer. Denn jede gute Geschichte braucht ein Happy End und du hast es dir verdient. Die Stille ist den Worten gewichen, keine Zweifel bedrängen dich mehr. Du hast deine Angst besiegt. Selbstbewusstsein, Lebensfreude, glücklich sein, Liebe.

        13 COMMENTS

        wundervoll geschrieben und ein Text der Gefühle weckt! Auch die Fotos dazu gefallen mir sehr gut.. Lieben Gruß, Naomi

        Dein Text ist wirklich toll und gefühlvoll geschrieben, die Fotos sind sehr ausdrucksstark, toll!
        Tara Semira – Ibiza, fashion, lifestyle

        Der Text ist wirklich mitreisend. Bin hin und weg von deinem Talent. Wow!

        Lots of Love, Dilan from  DILANERGUL

        Ein wundervoller Text, mit dem ich mich gut verbinden kann. Da es mir schon oft genug so ergangen ist.
        Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

        Dein Blog gefällt mir wirklich gut! Ich finde es toll dass du so ausführliche Texte schreibst die einfach so viel beinhalten und aussagen. Ich würde mich freuen wenn du mal bei mir vorbeischaust ♡
        Xx jessi
        http://jessigri.blogspot.de/

        Wundervolle Geschichte und die Bilder passen perfekt 🙂

        Du kannst wundervoll schreiben, deine Worte ziehen einen richtig in deine Geschichte hinein und lassen sie nachfühlen. Liebe Grüße, Mona

        Sehr schöner Text. Das Schreiben liegt dir! Das merkt man ab dem ersten Satz.

        Liebste Grüße
        Geesa Marie

        Sehr schöner Text und die Bilder passen sehr gut dazu.
        Mit dem Anfang kann ich mich krankheitsbedingt sehr gut identifizieren. 🙂

        Liebe Grüße http://hydrogenperoxid.net

        Ich liebe Schwarz weiß Bilder und diese passen sehr gut zu deinem Text.
        Deine Geschichte ist so rührend geschrieben…… Du hast ein gutes Händchen dafür.

        Liebe Grüße

        Ich habe beim Lesen dieses Textes wohl gerade die Luft angehalten. So wundervoll gefühlvoll und mitreißend geschrieben!
        Ganz liebe Grüße 🙂

        Ich liebe deine Geschichten. Jedes Mal wenn mein Internet zu schlecht ist um die Bilder auch sofort zu laden, malst du mit deinen Worten Bilder in meinen Kopf. Auch jetzt sehe ich das Mädchen, vernebelt, auf steinernen eisigen Stufen sitzend und am schreiben. Ich fühle die Kälte, die wabernde Nähe der Wolke… Und wie da langsam jemand durch den Nebel sichtbar wird. Er hat rauhe Hände voller Tintenflecken weil ihm auch egal ist, wer sie sieht.
        Ich weiß nicht, woher deine Worte kommen, aber sie geben Hoffnung und Inspiration.

        Weißt du, genau diesen Zustand versuche ich mit meinen Worten zu erreichen. Danke dir für diese Worte. <3

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