Dez
15
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Ich wünsche dir alles Glück der Welt! Aber nicht mit mir.

Es war ein kühler Abend in Deutschland als mein Handy aufleuchtete und mir seine Nachricht ins Auge sprang. Drei einfache Worte standen hinter seinem Namen: „Hey, wie gehts?“ In meinem Kopf fingen die Gedanken an zu rasen, die Vergangenheit holte mich ein. Damals. Ich wusste nicht ob ich glücklich, empört oder verärgert reagieren sollte und rang mich zu einem „Gut und dir?“ durch.
Es ist nicht so, dass ich ihn nicht mochte oder gehasst hätte, aber unsere Wege hatten sich viel zu oft auf die falsche Weise gekreuzt. Ich war damals in einer früheren Beziehung und stand, würde ich behaupten, mit beiden Beinen fest und glücklich im Leben. Bis er kam. Bis sich alles veränderte.

Wenn man nichts anderes kennt als eine lange und stabile Beziehung fängt man sich irgendwann an zu fragen. Man stellt sich dumme Fragen, Fragen auf welche man die Antwort gar nicht kennen möchte.
Auf jeden Fall lernten wir uns damals kennen, ich in meiner heißbeliebten Beziehung, er in völliger Freiheit. Wir verstanden uns auf Anhieb und unsere Gespräche waren von Anfang an mehr. Da waren diese tiefen Blicke zwischen unseren Augen, ich hatte das Gefühl tief in seine Seele zu blicken und konnte ihn trotzdem nie erreichen.
Wir trafen uns nie allein, aber unsere Nachrichtenverläufe gingen bis tief in die Nacht. Am Ende wussten wir Beide, dass zwischen uns mehr passieren könnte, änderten daran jedoch nichts.

Meine glückliche Beziehung verlief weiterhin glücklich als würde nichts passieren. Innerlich durchlitt ich jedoch diesen Machtkampf der sich schwer in Worte fassen lässt. Auf der einen Seite war da mein Freund der mir Sicherheit und Geborgenheit gab, bei dem ich mich einfach wohlfühlen konnte. Auf der anderen Seite aber gab es diese mystische Verheißung, das Neue und Unbekannte was auf mich wartete.
Ich bin nie wirklich in seine Welt vorgedrungen obwohl ich es damals gern getan hätte. Wir führten einen völlig unterschiedlichen Lebensstil, während ich am Abend auf dem Sofa kuschelte zog er durch die Nacht. Er war geheimnisvoll und wir waren uns trotz aller Entfernung nah wie nie zuvor.

Aber wie erwähnt, er fragte mich nie nach mehr, vielleicht auch aus Respekt vor meinem Freund und ich fragte ihn ebenfalls nie. Ich trennte mich irgendwann von meiner Beziehung und auch unsere Wege verliefen auseinander. Ein Mensch kann nicht ewig warten.
Ich bereute es manchmal ihn einfach gehen gelassen zu haben. Nie mit ihm ins kalte Wasser gesprungen zu sein und es einfach zu probieren. Mich hinter einer Liebe versteckt zu haben. Was hätte schon schiefgehen können?

Und jetzt an diesem kühlen Abend als seine Nachricht leise, aber bestimmt, auf meinem Bildschirm aufploppte kamen all´diese Gefühle wieder in mir auf. Unser Versäumnis, unsere schöne Zeit, so geheimnisvoll.
Nach einer Weile Smalltalk wagte er sich zu einer Frage die uns Beiden im Kopf herumschwebte. „Wenn ich dich damals nach mehr, nach einer Beziehung gefragt hätte, was hättest du geantwortet? Hätten wir eine Zukunft miteinander haben können?“
Ich dachte lange über eine Antwort nach. Es war die gleiche Situation wie damals, ich in einer glücklichen Beziehung und er in völliger Freiheit. Da war dieser blöde Infinitiv, was wäre denn gewesen wenn? Was wenn ich einfach in das kalte Wasser gesprungen wäre?

5 Mal tippte ich meine Worte bis ich sie für richtig befand. „Nein.“, lauteten sie, „wir hätten nie eine glückliche Zukunft gehabt. Vielleicht wäre es mit uns Beiden gut gegangen und wir hätten ein paar schöne Monate miteinander verbracht. Aber du hättest mir nie Gewissheit geben können. Diese Geborgenheit, das Gefühl der Sicherheit und Stabilität. Dinge vor denen ich damals fliehen wollte und doch so sehr gebraucht habe. Wir wären eine flüchtige Romanze gewesen, nicht mehr.“
Es war die Wahrheit. Ich dachte noch oft darüber nach ob meine Worte nicht die Falschen waren, aber er war nichts als schöner Traum. Wenn man lange Zeit in Beziehungen verbringt vermisst man manchmal dieses Gefühl Neues zu entdecken, das Geheimnisvolle zu erforschen. Aber man vergisst dabei auch oft wie viel einem diese alte Beziehung geben kann und das man sie nicht einfach wegwerfen sollte nur weil man Angst hat etwas zu verpassen.

Er hat nie Stellung zu meiner Antwort genommen und trotzdem blieben wir gute Freunde. Erst letzte Woche schrieb er mir von einem neuen Date und ich wünschte ihm alles Glück der Welt. Weil er es auch endlich verdient hat diesen sicheren Hafen einer Beziehung zu erreichen, aber auf seine Weise. Und nicht mit mir.

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6 COMMENTS

Hallo Katja,

der interessante Look deiner Fotos hat mich auf diesen Beitrag gelockt. Und ich habe ihn sogar gelesen 🙂
Es geht hier zwar nicht um Fotografie, daher ist es eigentlich nicht mein Thema: aber die Angst etwas zu verpassen kann ich nachvollziehen. Wenn man diesem Gefühl aber in einer Beziehung nachgeht, ist eins gewiss: man verpasst am Ende beides. Die echte Liebe bricht und das flüchtige, neue, ungewisse ist schneller weg, als der Gedanke da war, den man vorher lange Zeit unterdrückt hat. Macht das Sinn? Was ich sagen wollte: Beziehungen sind keine materiellen Produkte. Die sozialen Netzwerke, Dating-Apps & Co. versuchen permanent die Unzufriedenheit zu wecken, weil noch 1000 andere potentiell «bessere» Partner auf einen warten. Es zählt das hier und jetzt. Du hast alles richtig gemacht … falls das eine wahre Geschichte war 😉

Gruß
Thomas

Hallo Thomas,
danke fürs Lesen. Es war tatsächlich eine wahre Geschichte 🙂 Und ich kann dir nur vollkommen zustimmen!
Liebst, Katja

Hey Katja! Bei mir ist das grade anders rum, ich bin diejenige die jemanden kennt der ebenfalls in einer Beziehung ist, aber genau dieses Verheißungsvolle zwischen uns spürt. Und er spürt das auch und vermutlich wären wir perfekt füreinander wenn sie nicht wäre. Aber er kann sich nicht trennen, vermutlich genau deshalb wieso du es nicht konntest, aus Angst oder vielleicht weil doch die Geborgenheit wichtiger ist. In 4 Monaten geht sie zum Studieren und ich weiß nicht was dann passiert, aber ich werde es auf mich zukommen lassen. Ich danke dir für diesen Text, einfach weil er grade so unglaublich gut passt und vielleicht weil es für mich auch leichter wird zu akzeptieren, jetzt wo ich die Gedanken der anderenfalls Seite kenne.
Alles Liebe
Jana

Hey Jana,
natürlich kann er sich trennen wenn er möchte. Es ist in diesem Moment einfach seine Entscheidung 🙂 Wenn in 4 Monaten die Freundin weg ist solltest du aber immer noch daran denken, dass er mit ihr zusammen ist und keine Dummheiten anstellen!
Liebst, Katja

patty

Dein Text hat mich wirklich gefesselt und mir Gänsehaut auf den Armen erzeugt. Ich kann so gut nachfühlen wie du dich in dieser Situation gefühlt hast, weil ich eine ganz ähnliche Situation von mir selbst kenne. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt – Was wäre gewesen wenn ?. Aber manchmal sollen Dinge einfach nicht geschehen und dafür folgen andere. Das Leben ist immer irgendwie unverhofft und am Ende steht man ganz woanders als man es erwartet hätte.Trotzdem glaube ich daran, dass alle Dinge auch einem bestimmten Grund passieren und man diese manchmal einfach nicht hinterfragen sollte, denn man würde keine Antwort darauf bekommen !

Liebe Grüße
Measlychocolate by Patty
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Die Dinge sollten eben genauso kommen wie sie gekommen sind. Und manchmal ist es ganz gut der Versuchung zu widerstehen 🙂
Liebst, Katja

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