Immer wieder blinkt der schwarze kleine Strich auf meinem Bildschirm auf, bevor er wieder verschwindet. Er macht das weiße Blatt noch viel leerer und sinnloser. So klein und unscheinbar wie er immer wieder versucht an Land zu kommen, um dann doch in der endlosen Tiefe zu versinken. Wir haben ähnliche Gefühle.
Ich versuche meine Gedanken zu sortieren. Mein kleiner verlorener Freund springt mir immer aggressiver vor die Augen, aber mein Kopf findet keine klare Linie. Alles was ihn beschäftigt würde der moderne Mensch wohl unter Selbstfindung zusammenfassen. Nein, viel schlimmer, Selbstfindung im Netz.

Ich würde mich gerade gern selbst anbrüllen. Hör auf nachzudenken, schreib einfach! Aber selbst wenn ich ein paar herzlose Wörter aneinander reihen würde, sie würden nach nichts klingen außer Selbstmitleid. Ich fühle mich verloren in dieser Welt voller Selbstdarstellung, möchte mitmachen und gleichzeitig aussteigen.
Man muss wissen, was man erreichen möchte mit seiner Stimme im Netz. Diesen Satz habe ich schon unendlich viele Male aufgeschrieben und wieder durchgestrichen. Denn, was will ich denn eigentlich?

Ich habe versucht Modebloggerin zu sein - und bin gescheitert. Dann wollte ich mich für faire Mode einsetzen - und bin wieder gescheitert. Emotionale Texte kamen hinzu - zu viel Selbstmitleid. Liebe deinen Körper, habe ich euch gesagt und war selbst nicht glücklich. Und mittlerweile schreibe ich oberflächliche Beiträge über meine Neuseelandreise und ziehe über andere Blogger her. Weil ich meinen eigenen Platz noch nicht gefunden habe.
Mir gehen langsam die Ideen aus. Immer wieder probiere ich neue Herangehensweisen um ein bisschen zufriedener zu werden. Was auch funktioniert. Für ein paar Wochen, manchmal nur Tage. Bevor mich die Realität wieder einholt und ich mich wie eine leere Hülle fühle die versucht Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Was unterscheidet dich von anderen Bloggern?, Was macht dich einzigartig?, wurde ich letztens in einem Interview gefragt. Und meine einzige Antwort war, dass ich uns als eine Gruppe selbstdarstellerischer Menschen sehe von der ich mich nicht ausschließen möchte. Um einen Blog zu gründen, seine Person dauerhaft gut aussehen zu lassen und im Netz zu präsentieren, muss man schon sehr selbstverliebt sein.
Manchmal denke ich darüber nach einfach auszusteigen. Ich denke darüber nach eine weiße Weste anzuziehen, stumpf meine Fotografien zu teilen und meine Prinzipien einfach herunterzuschlucken. Aalglatt, perfekt, ohne Meinung, ohne anzuecken, kein persönliches Dilemma was man öffentlich niederschreibt und ausdiskutieren lässt, keiner der mich für irgendetwas verurteilen könnte.

Aber selbst dafür bin ich zu feige. Weil ich Aufmerksamkeit suche. Ob ich selbstverliebt bin? Könnt ihr hier nachlesen. Sobald ein Beitrag weniger Klicks oder Kommentare bekommt, hinterfrage ich mich. Was falsch ein völlig falscher Ansatz ist. Das weiß ich selbst.
Manchmal fühle ich mich richtig beschissen, dass ich immer auf dieser Suche nach Bestätigung bin und mich ein paar Kommentare wieder aufmuntern können, obwohl sie von Fremden geschrieben werden. Ich frage mich, wann genau ich mich so verändert habe und wieso ich diese Aufmerksamkeit nicht in der Realität, sondern nur in den sozialen Netzwerken suche. Die Wahrheit scheint genauso ernüchternd wie die Frage - ich bin im normalen Leben zu schüchtern um im Mittelpunkt zu stehen.

Ihr braucht nur meinen Namen in einer kleinen Runde aus Bekannten zu nennen und ich werde rot anlaufen, weil mich ihre Blicke mustern. Ich stehe gern im Hintergrund, lache mit der Gruppe, aber würde nie nach vorne treten um einen eigenen Witz zu erzählen. Warum also suche ich auf einmal im Internet diese Bestätigung die ich gar nicht brauche?
Dieser Blog hat mir viel gegeben. Wenn ihr wüsstet wie aufgeregt ich nach dem Posten des ersten Beitrages war. Und heute denke ich nicht einmal groß darüber nach. Ich bin selbstbewusster geworden, habe gelernt wie viel mir die Fotografie und das Schreiben bedeutet, ich laufe manchmal stolz durch die Stadt, weil ich etwas erreicht habe. Weil ich etwas erreicht habe.

Was denn eigentlich? Ich habe mir ein eigenes Imperium aufgebaut in dem ich mich perfekt darstellen kann, ohne hinterfragt zu werden. Denn wer sich im echten Leben mit großen Federn schmückt, wird schnell angeschaut und gerät auch einmal in die Konfrontation. Eine Situation der ich mich nie stellen könnte. Viel zu schüchtern.
Im Internet dagegen sind wir alle groß. Nicht umsonst herrscht hier ein viel offener Umgang, auch mit Kritik. Einer Konfrontation kann ich hier aus dem Weg gehen. Dann klappte ich meinen Laptop zu, oder schreibe durch den Bildschirm eine gehässige Antwort zurück. Ohne jemals ein Gesicht gesehen zu haben.

Diese ganze Sache stellt sich oft als großer Mist heraus und so viel mir dieser Blog auch gegeben hat, manchmal wünsche ich mir nie damit angefangen zu haben. Dann wäre ich jetzt eine normale 19-Jährige die vielleicht ausgefallenere Mode trägt, aber nicht erklären könnte wie man seine Zielgruppe analysiert oder möglichst viele Leute auf Instagram erreicht. Ich wäre ein kleiner Niemand, keiner außer meine Freunde würde sich für mich interessieren und ich könnte beruhigt einen unscheinbaren Platz im Hintergrund einnehmen.
Aussteigen geht aber auch nicht mehr. Ich hänge schon viel zu tief drin. Also versuche ich einen anderen Weg zu finden. Aber während ich versuche diese Gedanken endlich abzustellen und endlich wieder richtig mit dem Bloggen anzufangen, ohne oberflächliche Reisebeiträge oder einen Post über das Bloggen und mein Selbstmitleid, blinkt mich dieser schwarze Balken vom weißen Papier an und endet genau wieder dort, wo wir schon am Anfang standen.

Das Schreiben ist für mich eine Art der Therapie, sage ich immer und lasse für gewöhnlich meine Gedanken einfach in die Finger fließen um sie niederzuschreiben. Ich bin das erste Mal in einer Phase, in der ich mich nur im Kreis drehe und das Gefühl habe, immer wieder unterschiedliche Worte mit der gleichen Bedeutung auf das Papier zu bringen.
Normalerweise habe ich mit den Themen eines Beitrags schon abgeschlossen und eine Lösung für mich gefunden. Damit auch ihr etwas davon mitnehmen könnt. Dieses Mal aber, habe ich noch keine Antwort gefunden.

Vielleicht stellt meine Situation gerade meine Art des Bloggens dar. Das mich dieses Thema nicht loslässt und ich meine Gedanken öffentlich teilen sollte, um diesmal keine Aufmerksamkeit für mich, sondern für diese verrückte Welt zu bekommen.
Um aufzuklären, was eigentlich dahintersteckt und welche Selbstdarstellung wir jeden Tag mit einem einfachen Klick unterstützen. Wie trotzdem verdammt viele Selbstzweifel und Unsicherheit hinter einem bekannten Gesicht aus dem Netz stecken kann, wie kaputt einen dieser Druck von außen machen kann. Wenn man auf einmal nicht mehr im Hintergrund steht.

Ich versuche mir also nichts anmerken zu lassen und laufe weiterhin mit einem breiten Grinsen durch die Welt. Wie eine leere Hülle die ihren Inhalt noch nicht gefunden hat stolziere ich über die Straße und hoffe, dass mein Kopf endlich Ruhe gibt. Oder mit guten Ideen um die Ecke kommt. 

Schuhe: Dr. Martens // Hose: Topshop // Hemd & Pullover: Second Hand // Jacke: Onimos

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9 COMMENTS

Ich bin Blogs leid, die ein Thema haben. Denn ein Menschenleben hat niemals ein Thema. Wir haben immer Phasen, ändern unsere Meinungen, lernen dazu, vergessen etwas wieder, widersprechen uns, blabla und wenn man ehrlich bleiben möchte, sollte man sich kein Thema suchen. Man sollte sich seinen persönlichen Phasen und Umtreibungen hingeben. Und auch für eine Bloggerin sollte es okay sein, einem Post von vor 4 Monaten zu widersprechen, den Filter bei den Fotos zu ändern, Posts auch wieder zu löschen, genauso, wie wir Worte manchmal gerne wieder zurücknehmen würden.
Du bist kein Label, du bist eine Person. Lass dich nicht von deinem eigenen Blog in eine Schublade stecken.
Ich bin froh dass ich deinen Blog gefunden habe und diesen Post als erstes gelesen habe. Hab richtig Bock auf den Rest. Nach genau so einen Blog habe ich seit Monaten gesucht.

Das unterschreibe ich genauso!

Arabella

das ist der Grund, wieso ich keinen Blog habe. Ich glaube, wir sind im echten leben sehr ähnlich. Ich hab es aber nicht geschafft meinen Blog hochzuladen und bin froh drüber, wenn ich deine Beiträge lese. ich könnte mit der Kritik nicht umgehen.. Ich liebe aber deine Beiträge und hoffe du findest deinen weg und machst noch lange weiter. ?

Was für ein schöner Beitrag. Ich liebe es wie du deine Worte niederschreibst und wie sie ineinander passen. Wie ein kleines Gedicht nur ohne Reim. Ich kann sehr gut verstehen wie du dich fühlst, da es mir genauso geht. Man möchte gerne mehr Leser, Leser die man begeistert, aber eigentlich schreibt man weil es einem Spaß macht und man möchte etwas besonderes sein, in der Welt voller Blogger und „Influencer“ weiß aber nicht wie und was, weil es alles schon zu geben scheint, man möchte so real und natürlich sein, aber trotzdem irgendwie gemocht. Diesen Konflikt habe ich auch ständig mit mir, manchmal mehr und manchmal weniger. Dieses Thema ist für mich auch so schwer, weil ich nicht genau weiß was ich mit meinem Blog will, über was ich schreiben will, was meine Stärken oder Besonderheiten sind und wie meine perfekte Leserschaft ist.
Allerdings habe ich für mich selbst schon herausgefunden, dass ich meinen Blog schreiben möchte, weil ich es liebe, weil es mir Spaß macht und Erfüllung schenkt. Klar möchte ich dabei auch gut sein und Leser haben. Aber wenn man etwas von Herzen tut, dann finden sich Leute die dies anerkennen.
Man kann so viel beachten und optimieren und damit möchte ich mich auch gerne beschäftigen, wenn ich die Zeit habe. Aber gerade ist das einfach nicht mein Hauptziel.
Vielleicht kannst du ja auch einen Kompromiss mit dir selbst schließen und damit fürs erste weitermachen und dich damit besser fühlen…

Nach diesem langen schwall von Gedanken habe ich mal eine simplere Frage zu deinem Blog: Womit ist dein Design gemacht bzw. wo hast du es gekauft? Und du nutzt sicher wordpress.org, ist es sehr kompliziert seinen Blog alleine zu verwalten und braucht man dazu viele Computer Kenntnisse? Und wie ist dein Blog Header Bild gemacht bzw. wo? Das ist wirklich wunderschön 🙂

Ich wünsche dir noch eine wundervolle letzte Zeit in Neuseeland und versuch es zu genießen und deine Gedanken erstmal auf den Moment zu konzentrieren, mit dem anderen Zeug kannst du dich immer noch in Deutschland beschäftigen 🙂

Liebe Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Hey, ich sehe das mittlerweile genauso. In mir ist bloß immer dieser Drang etwas gut machen zu wollen und den kann ich nicht abstellen.
Ich habe Header und Design bei Etsy gekauft und wenn man einmal den Umzug hinter sich hat ist WordPress sogar einfacher als Blogger.

Liebst, Katja

Mit Blogger blogge ich gar nicht, aber es gibt doch 2 verschiedene Varianten von wordpress oder? Einmal die normale bei der man über wordpress bloggt und die sich um alles wie Cookies, Werbung und die Sicherheit usw. kümmern und einmal einen selbst gehosteten Blog. Also so habe ich das zumindest verstanden.

Ja, bei der Einen organisierst du alles selbst und musst dir auch etwas Webspace kaufen 🙂 Ich hab mir das aber alles einrichten lassen, weil mir das zu kompliziert war 😀

Anna

Ich hab mal gelesen, man soll sich einen Beruf suchen, der nicht nur einem selbst sondern auch anderen etwas bringt und dass genau das einen glücklich machen wird – zu wissen oder zu sehen, dass andere von unserer Arbeit profitieren. Und obwohl du wahrscheinlich nicht von jedem zehnten Leser zu deinen Beiträgen eine Rückmeldung bekommst, solltest du dir klar machen wie vielen der schüchternen Mädchen die sich nicht im Netz selbst darstellen und und die im Hintergrund bleiben, sich noch entwickeln du mit deinen inspirierenden, zum Nachdenken anregenden Texten hilfst!! Wir fühlen uns dadurch so verstanden wie sonst nur selten … deine Texte machen dich zu einer ganz besonderen Bloggerin! ♥

Das klingt irgendwie logisch und ist ein schöner Gedanke 🙂
Dankeschön <3

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