26.07.2018

Die Hitze brütete über meinem Kopf,

als die ersten Wolken aufzogen und die Welt sich langsam ein Stück verdunkelte. Ich hastete etwas schneller den Berg hinauf, wollte ich doch nicht nass an meinem Ziel ankommen, obwohl mir der Schweiß in Strömen über das Gesicht und den Rücken lief.
Dieser Sommer war heiß, schön heiß und schwül und ich stelle immer wieder fest, wie sehr ich diese Jahreszeit gleichzeitig zu lieben und zu hassen gelernt habe. Hasslieben scheinen sowieso eine meiner liebsten Zeitvertreibe geworden zu sein, als könnte ich nicht einmal mehr die einfachen Entscheidungen selbstständig treffen können.

Ich hastete also den Berg etwas schneller hinauf, aus genannten Gründen, und fand mich ironischerweise wenige Minuten später barfuß auf einer vom Sommer ausgetrockneten Wiese wieder, um die Arme auszustrecken und den Regen zu genießen. Ich schloss meine Augen, legte mich auf den Rücken und musste schmunzeln, als ich einen warmen Hundekörper mit seinem hechelndem Atem neben mir spürte, während der regen auf meinen Körper tröpfelte.
Da lag ich und genoss die Umgebung, in welche ich zur Zeit so gern fahre, das Gras, das Sommergewitter, die leisen Stimmen meiner Familie im Hintergrund. Ich genoss diesen Ort, an welchen ich mich immer wieder flüchtete in vollen Zügen und fühlte mich selten so ruhig wie auf dieser ausgetrockneten Sommerwiese, obwohl der Wind Gänsehaut auf mir entstehen lies und sich unruhig über mir aufbäumte.

Manchmal fällt es mir schwer länger als eine Woche zu Hause in Leipzig zu sein, weil meine Wohnung für mich Arbeit bedeutet, Stress, weil der Sommer diesen Druck in mir aufbaut. Wenn die Sonne wieder einmal vor meinem Fenster strahlt, jeder Mensch die Sachen zusammenpackt und an den See fährt, das Wetter genießt und ich doch einfach nur tief durchatmen und inne halten möchte.

Warum habe ich ständig das Gefühl rausgehen zu müssen, auf in das nächste Abenteuer, das Leben mit Sonnenbrand auf der Nase genießen, als würde die Sonne an genau diesem Tag das letzte Mal scheinen, als würde ich genau heute alles verpassen?

Leipzig dreht sich für mich unglaublich schnell und manchmal doch viel zu langsam, es ist gefüllt mit guten Freunden und Einsamkeit. Die Hasslieben sind der Grund, warum ich manchmal Abstand brauche, um mich nicht gleichzeitig überfordert zu langweilen, weshalb ich oft hier raus fahre, meine Familie besuche und für ein paar Minuten regungslos während des Gewitters auf dem Boden liege und einfach nur genieße. Denn während der Regen tröpfelt, könnte ich davon berichten wie wichtig es ist auf seine eigene Intuition zu hören, sich immer wieder Zeit für sich selbst zu nehmen und etwas Balsam über die zerfledderte Seele zu reiben. Aber ich bin keine Lebensberaterin, ich habe nicht einmal mein eigenes fest genug im Griff und renne immer wieder suchend umher, um seine Einzelteile wie ein viel zu großes Puzzle wieder zusammenzusetzen.

Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Der Boden unter der Wiese ist weich und federt unglaublich sanft, wenn ich wieder einmal nicht weiter weiß und Angst habe zu fallen. Meine Lunge freut sich über Luft, über jeden einzelnen Atemzug, über frischen Sauerstoff, nachdem sie schon fast das Atmen verlernt hat und ich das letzte Mal tief durchgeatmet habe, als mich die Ärztin mit ihrem Abhörgerät danach fragte. Und manchmal braucht das Leben einfach nur einen Perspektivwechsel.

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KOMMENTARE

Ich liebe deine Ehrlichkeit und es ist als würdest du mir aus der Seele sprechen.

Wahre Worte, wunderschön ausgedrückt. Mehr kann ich dazu nicht sagen gerade. ♥