GALLERIES
        GO BACK
        TO MENU

        Sie waren jünger, damals, mutiger, entschlossener.
        Ein kühler Wind kündigte den Herbst langsam an, als sie sich noch einmal trafen an diesem warmen Sommerabend. Ein paar orange gefärbte Blätter lagen schon auf dem Stück Erde, auf welchem sie sich niederließen, um ihre letzten Worte zu tauschen.
        Er legte ihre Picknickdecke fast schon mit bedacht auf den Boden, nachdem sie ein paar Sekunden den stürmischen Wind genossen hatte und sich in seinem Lufthauch für einen Moment verlor. Als wollte er diese Situation für eine weitere Weile herauszögern.

        Die Beiden setzten sich im Schneidersitz gegenüber, als wären sie Fremde. Sie spielte nervös mit ihren Fingern herum, hier und da hörte man ein knacken, er wirkte gefasst unter seiner Fassade, konnte aber auch nicht den Anfang wagen.
        Eigentlich war das Ende schon beschlossene Sache, es mussten nur noch die richtigen Worte dafür gefunden werden. Er schaute sie an, sie schaute zurück, bevor ihr Blick wieder schüchtern auf ihre Hände zurückwanderte.

        „Ich kann nicht mehr.“, brach es dann schließlich aus ihr heraus, weil sie diese Stille nicht mehr hören konnte. Eine erste Träne lief ihr über das Gesicht und er hätte sie am liebsten in den Arm genommen, aber dafür waren sie heute nicht hier. Er musste stark bleiben und durfte nicht die Beherrschung verlieren.
        „Ich auch nicht.“, erwiderte er deshalb nur kühl, „Das wars dann wohl.“ Sie nickte kurz, blickte aber weiterhin durch einen weißen Tränenschleier nervös auf ihre Hände. Zwischen ihnen gab es noch so viel zu klären, aber keiner schaffte es die richtigen Worte zu finden. Also sagten sie beide nichts.

        Ihre Liebe war keine junge Liebe gewesen, ganz im Gegenteil, sie hatten schon einen längeren Abschnitt ihrer Leben miteinander verbracht. Die Beiden waren zusammen glücklich gewesen, hatten gelacht, getanzt und den Anderen nie im Stich gelassen. Sie waren zusammen auf Reisen gewesen, sei es nun in weiter Ferne, oder auf ihrem persönlichen Abenteuer gleich um die Ecke.
        Doch irgendwann hatte er angefangen sich aufzustauen, dieser große Berg an Streitigkeiten, Kompromissen und bald auch Problemen. Da war hier eine Kleinigkeit und dort eine weitere die eigentlich nicht weiter schlimm waren, sich aber gemeinsam zu einem unüberwindbaren Hindernis zusammentaten.

        An diesem letzten warmen Sommerabend trafen sie sich also nicht, um gemütlich ein Picknick auf der Decke zu machen, sie trafen sich aus einem viel ernsteren Grund. Wobei keiner von ihnen den ersten Schritt wagen wollte. Dafür war ihre Liebe immer noch zu groß.
        Aber was macht man denn, wenn zwischen zwei Menschen diese riesige Barriere aufgebaut wurde, um genau dieser Liebe im Weg zu stehen? Kämpft man weiter, obwohl man die Zwecklosigkeit schon eingesehen hat, fängt man von neuem an, um sie später erneut aufzubauen, oder wagt man den mutigen Schritt getrennte Wege zu gehen?

        Keiner von Beiden kannte die Antwort auf diese Frage, aber innerlich hatten sie sich schon entschieden. „Das wars dann wohl.“ Sie nickte kurz, blickte aber weiterhin durch einen weißen Tränenschleier nervös auf ihre Hände. Zwischen ihnen gab es noch so viel zu klären, aber keiner schaffte es die richtigen Worte zu finden. Also sagten sie beide nichts.
        Dann stand er auf und ging ohne einen letzten Blick in ihre Augen. Sie saß allein und zusammengesunken auf ihrer Decke und ihre Tränen wollten einfach kein Ende finden. Zu groß war dieser Schmerz in ihrer Brust, denn obwohl sie ihn erwartet hatte, traf er sie mit einer Wucht die sie nicht hätte voraussagen können. „Halt mich noch ein letztes Mal fest.“, murmelte sie leise, aber der kühle Wind trug ihre Worte in die falsche Richtung. Sie waren Beide allein.

        4 COMMENTS

        Bevor ich richtig wusste worum es ging hatte ich deine Kolumne leise vor mir vorgelesen und dadurch hatte ich selbst deine tiefgründigen Worte verinnerlich und merkt wie Gefühlsvoll so ein Text sein kann! Es sind nicht nur die Worte sondern auch das Bild was einem im Kopf schwebt und einen in die Situation hineinträgt und selbst die Gefühle spüren lässt! Ein wundervoller emotionaler Text!

        Toll! Du bringst diese Gefühle so unglaublich gut rüber mit deinen Worten. Auch die Bilder sind wie immer wunderschön, extrem passend und ausdrucksstark… Versetzte mich wieder mal ein Bisschen zurück in die Vergangenheit.

        Dein Scvreibstil ist … keine Ahnung ich weiß nicht was das richtige Wort dafär ist.
        Er bringt die Gefühle rihtig rüber, hier einmal die Liebe aber auch den Schmerz.
        Ich finde es echt gut.
        Schreibst du weiter?

        Wundervoll geschrieben. Diese Worte haben meine Seele berührt und trugen mich in meine eigene Vergangenheit. Da war er dann wieder, der Stich ins Herz, der Kloß im Hals,wenn man wieder daran denkt…
        Danke für diese Geschichte, war wirklich schön sie zu lesen und sich mal wieder in die Vergangenheit entführen zu lassen…

        Leave a Comment

        Your email address will not be published. Required fields marked *