Versucht euch einmal vorzustellen, ihr könntet keine Stunde eures Lebens verbringen, ohne ständig alles teilen zu wollen. Ein Essen, eine Wanderung, ein Treffen mit FreundInnen, kein Tag ohne dieses Bedürfnis das Handy für ein schnelles Bild in die Hand zu nehmen. Wer nicht postet wird vergessen, was nicht gepostet wurde ist auch nicht wirklich geschehen und irgendwann würdet ihr untergehen in dieser Welt.
Nicht nur durch die Tatsache, dass immer mehr von euch verlangt werden würde. Mehr privates, noch mehr Hintergrundinformationen, das Internet frisst einen förmlich von innen auf. Aber nicht nur das, auch von außen würde Druck hinzukommen. Freunde die genervt von dieser Aktivität sind, der Zwiespalt mit der Familie – sollte man sie zeigen, oder lieber nicht? – und immer wieder die Frage, ob man nicht einen Moment gemeinsam erleben könnte, ohne diesen gleich zu teilen.

Stellt euch vor, ihr würdet euch genau zwischen den Perspektiven befinden, zwischen dem Versuch sich einzureden alle teilen alles, also scheint das „normal“ zu sein, dem eigenen Selbstwertgefühl und den immer wieder rollenden Augen eures Umfeldes. Aber ihr nehmt das Handy trotzdem stündlich in die Hand, nur noch ein Foto, weil ihr dem Druck nicht standhalten könnt. Es ist wie eine Sucht.

Ungefähr an diesem Punkt befinde ich mich gerade. Ich möchte Momente mit euch teilen und ich möchte sie im gleichen Augenblick nicht teilen und je mehr ich darüber nachdenke, desto verwirrter werde ich über diese Situation. Das Wort Realityshow im Bezug auf Instagram wird für mich immer passender, die Storys ersetzen das abendliche Fernsehen und Personen wie ich die Z-Promis über die man sich eigentlich nur lustig machen möchte.
Irgendwie möchte ich das alles nicht mehr, aber irgendwie möchte ich trotzdem weitermachen und genau deshalb beschloss ich ein weiteres Mal die Ärmel hochzukrempeln, mein Dasein zu hinterfragen und auf Instagram etwas kürzer zu treten. Vielleicht habt ihr es bemerkt, vielleicht bemerken wir diese Dinge schon gar nicht mehr, ich meine würde es einen Unterschied machen, wenn ich nicht jeden Tag ein neues Bild hoch lade? Nein, außer vielleicht für den Algorithmus und genau das muss ich noch verinnerlichen.

Viel zu oft poste ich am Abend noch schnell ein altes Bild, nur um etwas gepostet zu haben, viel zu oft lade ich inhaltlosen Content in meine Story, weil ich den Druck in mir verspüre etwas teilen zu müssen. Dieses Gefühl, diese Sucht kann und darf nicht überhand nehmen, weshalb ich 3 einfache Dinge tat.

1. Ich entfolgte Personen die mich nicht mehr inspirierten.
2. Ich beschloss weniger aus meinem privaten Leben in den Storys zu teilen, immerhin gibt es den Blog auf dem ich alles aufarbeite.
3. Und schlussendlich löschte ich meinen Fotografieaccount, um die Bilder mit auf dem Großen zu teilen. Manchmal kommt es mir vor, als würde sich immer nur alles um mein Gesicht, um meiner Person drehen und davon möchte ich mehr Abstand nehmen.

Instagram soll für mich wieder die Plattform werden, auf welcher man Inspiration und Gedankenanstöße findet, großartige Fotografien sieht, oder tatsächlich etwas Neues lernt. Man braucht nur die richtigen Accounts dafür und muss sich abseits auf den Pfaden der Selbstdarstellung bewegen. Genau davon möchte auch ich wegkommen.
Warum muss ich mein Leben ausschlachten, damit ihr euch inspiriert fühlt? Seit wann lache ich krampfhaft in die Kamera, weil mein Outfit heute gut aussieht für Instagram, obwohl ich mich nicht danach fühle? Wieso teile ich jeden einzelnen privaten Moment mich euch? Wo bleibe ich selbst bei dieser Verherrlichung meines Lebens und wo bleibt mein privates Umfeld?

Wenn man sich anfängt diese Fragen zu stellen, erscheint alles was ich bisher getan habe ziemlich sinnlos, was es gar nicht sein soll. Aber ich muss mich immer wieder selbst auf diese Weise hinterfragen, brutal und ehrlich mit mir selbst sein und dadurch einen weiteren Schritt vorankommen. Natürlich wird Instagram für mich nie ohne Selbstdarstellung funktionieren, denn damit habe ich schließlich irgendwo meinen Erfolg, falls man ihn so nennen möchte. Ein Teil von mir wird immer in jedem einzelnen Stück Bild oder Text stecken und das möchte ich auch gar nicht ändern, anders könnte ich mich selbst nicht glaubwürdig nennen.
Alles was ich möchte sind ein paar Meter Abstand, ein paar Tage auf der Zuschauerbank, um mir selbst darüber klar zu werden wie unendlich dumm dieser Druck ist, den ich mir mache. Kein Mensch braucht in dieser mit Informationen durchfluteten Welt jeden Tag ein Foto und erst recht nicht jede Stunde eine Instagramstory von mir. Meine Ideen kann ich sinnvoller und dosierter auf eine viel schönere Art und Weise vermitteln, ohne mich ständig selbst an den Pranger zu stellen und ohne direkt meine gesamte Existenz online zu stellen.

Gedanken, Bilder, Produkte und Geschichten verkaufen sich am besten, wenn man ihnen ein Gesicht zuordnen kann. Aber ist dieses Gesicht wirklich immer notwendig, oder viel mehr ein verzweifelter Versuch ein Stück weiter ins Scheinwerferlicht zu rücken?

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Ist es nicht absurd? Snapchat bringt mich dazu täglich morgens und abends mindestens ein Foto zu schicken, um „Flammen“ mit jemandem aufzubauen. Dabei bringen mich diese Flammen nicht einen Schritt weiter und vergehen sofort wenn ich es einmal nicht mache. Ich finde deine Texte wunderschön, du bringst es wirklich auf den Punkt!

Ich finde es schon wirklich beängstigend wie präsent soziale Medien wie Instagram in unserem Leben geworden sind. Ich selbst erwische mich mehrmals am Tag dabei, dass ich die neusten Bilder like, mit Storys anschaue und so Minuten verstreichen lasse, die ich so viel sinnvoller hätte nutzen können. Aber da ist dieser Druck, man will alles mitbekommen, manchmal auch einfach nur „kurz“ draufschauen. Ich selbst bin vermutlich ein durchschnittlicher Nutzer von Instagram was das eigene Veröffentlichen von Bildern angeht. Kein Influencer, kein Bild jeden Tag, eher eins jeden Monat, manchmal mehr, manchmal noch weniger. Wenn etwas besonderes ansteht oder einfach schöne Bilder entstanden sind, dann landen sie auf Instagram. Bald bin ich für ein paar Tage weg und insbesondere bei Ausflügen sind meine Gedanken ganz oft „ein schönes Bild für Instagram“ zu schießen – wozu denn? Ich habe schon überlegt, dieses mal keines hochzuladen, aber ich will es andererseits, weil ich nicht oft im Jahr weg bin (im Sinne von Urlaub, 1-2x wenn es hochkommt), dann möchte man doch zeigen, wenn mal etwas passiert. Oder? Ach, es ist alles so schwierig. Ich glaube, ich verstehe dich. Wenn du sagt „Einerseits will ich und andererseits will ich nicht!“ Es geht mir ähnlich.

Liebe Grüße
Vanessa
https://vanybri.wixsite.com/meinleben

Hallo,
Ich finde, Instagram macht die Blogsphäre ein Stück weit kaputt. Instagram rückt zu sehr in den Mittelpunkt und das sollte nicht so sein. Ein Blogbeitrag gibt einem viel mehr. Und es ist auch schade, dass man rechtlich nicht mehr anonym bloggen darf. Das ist sehr schade. Instagram ist auch sehr unglaubwürdig,wenn Menschen Fotos posten von ihrem „Frühstück im Bett“ im Winter, morgens. Und dann ist der Raum taghell (okay, Lampen), es stehen Blumen im Bett, Schuhe/Kosmetik, Kaffeetassen direkt auf der Matratze usw. Was für ein Unsinn? Du merkst, ich halte nicht viel von Instagram, aber solange alle Blogger Insta nutzen (weil, Kooperationen usw) wird sich das nicht ändern. Ich für meinen Teil finde, dass man nicht ständig alles teilen sollte und vor allem nicht in zu großem Maße sein Privatleben. vlg