GALLERIES
        GO BACK
        TO MENU

        Während unser Schiff langsam über den Milford Sound schipperte, habe ich mich das erste Mal gefragt, was ich hier eigentlich mache. Aber beginnen wir von vorn.

        Eine Nacht auf dem Boot, sollte es werden und ich habe seit dem Verlassen Fox Glaciers darauf hingefiebert. Die Sache hat zwar einen stolzen Preis, aber man ist schließlich nur einmal Backpacker in Neuseeland. Man kann sich in eine kleine Kabine auf dem Schiff einbuchen, sieht Sonnenaufgang und Untergang vom Wasser aus und bekommt leckeres Essen. Die Entscheidung war nicht sonderlich schwer.
        Wir standen also pünktlich 16:00 Uhr ausgerüstet mit Kamera, Ersatzakkus, Stativ und geleerter Speicherkarte auf dem Steg und warteten gespannt darauf endlich das Schiff betreten zu dürfen. Innen empfing uns der Kapitän mit einem warmen Muffin, der Geruch nach der See und eine kleine aber gemütliche Übernachtunsmöglichkeit.

        Dann ging die Reise auch schon los. Im Rückblick bin ich nicht unbedingt stolz auf die ersten Stunden vor und auf der Bootstour, aber dieser Blog dreht sich schließlich nicht nur um die schönen Dinge im Leben. Also Augen zu und aufschreiben.
        Wir tuckerten langsam über den Milford Sound, die Landschaft und das Gefühl endlich wieder auf dem Wasser zu sein machten den Moment einfach perfekt. Die letzten Sonnenstrahlen zeigten sich hinter den Bergen. Und ich hatte nichts besseres zu tun, als wie eine Verrückte über das Schiff zu rennen um wirklich jede Kleinigkeit einzufangen. Das war aber noch nicht alles.
        Auch mein Freund musste dran glauben. Ich wollte hier noch ein schönes Foto, da noch eins und die Perspektive musste auch perfekt sein. Ich scheuchte ihn erbarmungslos über das Deck.

        Auf diese Weise verging die Fahrt zu einer kleinen Bucht und das Schiff warf den Anker. Hier sollte unser Platz für die Nacht sein.
        Man hatte jetzt die Auswahl zwischen einer kleinen Tour auf einem anderen Boot, oder die Chance selbst paddeln zu gehen. Obwohl ich gern gepaddelt wäre (mehr dazu hier) entschieden wir uns wegen eisiger Temperaturen dennoch für die Weichei-Version.

        Angekommen auf dem kleinen Schiff erklärte ein einheimischer Guide etwas über den Milford Sound, die Fische und den Gletscher vor dem wir halt machten. Aber ich hörte gar nicht richtig zu. Meine volle Aufmerksamkeit lag eher darin noch ein perfektes Foto zu schießen und ich war sogar ein bisschen angepisst, weil man in dem Boot nicht richtig aufstehen konnte und ständig die Köpfe anderer Touristen im Bild waren.
        Wieder zurück auf dem großen Schiff war meine Laune richtig schlecht und als ich dann auf der Kabine meinen Freund ohne Grund anging, fragte ich mich selbst was das gerade eigentlich soll. Dafür hatte ich jetzt wirklich keine 250$ bezahlt.

        Also nahm ich mir ein paar Minuten für mich, setzte mich auf das Deck, trank einen warmen Tee und schaut der Sonne beim Untergehen zu. Ich genoss das erste Mal seit dem Betreten des Schiffes einfach den Moment. Ohne Kamera.
        Ich weiß nicht genau wann sich das Blatt gewendet hat, aber für mich besteht zwischen dem Erlebnis und dem perfekten Foto nur noch ein schmaler Grad. Und damit meine ich nicht einmal Bilder für meinen Blog oder Instagram, sondern schlichte Erinnerungsfotos die meinen Anforderungen entsprechen sollen. Schließlich möchte ich mich zu Hause nicht ärgern etwas verpasst zu haben. Der Gedanke daran, dass ich gerade etwas viel wichtigeres – den Moment – verpasse, kommt mir viel zu selten.

        Nach dem Essen und ein paar letzten verzweifelten Versuchen die Sterne einzufangen, gab ich die Kamera also aus den Händen und lies meinen Freund fotografieren. Ich hielt nur noch die Nase in den Wind, schnupperte die frische Seeluft und genoss einfach die restliche Fahrt in den Sonnenaufgang. Ganz ehrlich?
        Das sollte ich öfter machen. Denn so gern ich mir auch in ein paar Jahren die Erinnerungsfotos anschaue und zurückblicke, ich möchte Neuseeland in vollen Zügen genießen und einfach glücklich sein.

























        4 COMMENTS

        Hallo?
        Ich finds super das du auch über solche Themen schreibst. Ich selbst denke mir in solchen Situationen immer ich muss das nicht alles haargenau festhalten ich mache lieber ein oder zwei Symbolbilder weil wenn ich wirklich möchte dann kann ich einfach wiederkommen und den Moment nochmal erleben auch wenn die Umsetzung unrealistisch ist hilft der Gedanke in solchen Situationen zu mehr Gelassenheit.
        Liebe Grüße:)

        Die Umsetzung ist leider wirklich unrealistisch und mit zwei Symbolbildern könnte mein Fotografieherz niemals leben. Aber jeder Mensch ist verschieden und ich finde deine Einstellung gut!
        Liebst, Katja

        Hallo Katja,

        ich kann dich total verstehen! Ich kenne das Problem nur zu gut, schöne Fotos machen zu wollen und dabei zu wenig zu genießen. Aber ebenso passiert es mir oft, dass ich mir vornehme Fotos zu machen, dann keine Lust dazu habe und es hinterher bereue… es ist wirklich schwierig. Aber man muss einfach ehrlich zu sich selbst sein und eben manchmal auch inne halten und überlegen, was man gerade eigentlich tut und warum.
        Die Bilder sehen trotz des „Stresses“ der dahinter steckt unglaublich schön aus und strahlen Ruhe aus. Die Landschaft ist einfach nur traumhaft.
        Ich hoffe, dass ich es in Namibia auch hin bekomme ein paar schöne Sternenbilder zu machen. In der Wüste muss der Sternenhimmel, ebenso wie in Neuseeland, wahnsinnig toll sein 🙂 Ich bin schon sehr gespannt!
        Genieße deine letzte Zeit in Neuseeland 🙂

        Liebe Grüße
        Pauline <3

        http://www.mind-wanderer.com

        Oh, ganz viel Spaß in Namibia!
        Ich finde es irgendwie schwierig, da ich das hier mittlerweile auch als eine Pflicht ansehe (im positiven Sinn aber), und mich hinterher nicht ärgern möchte. Deswegen werde ich auf jeden Fall weiter fotografiere, mir aber auch Tage wie diese gönnen und einfach gar nichts machen – für die persönliche Entspannung.
        Liebst, Katja

        Leave a Comment

        Your email address will not be published. Required fields marked *