Mai
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planlos

Das ist es wieder, dieses Gefühl, welches mich in Neuseeland schon viel zu oft begleitet hat. Planlosigkeit. Was irgendwo, auf einer Reise wie dieser und auf einem Weg wie diesem ein Stück weit gewollt erscheint, mich aber trotzdem so unsicher macht.
Vielleicht ist Planlosigkeit auch der falsche Begriff dafür, vielleicht sollte ich dieses flaue Gefühl im Magen eher das ‚über den Haufen werfen von Plänen nennen, um dann kopfüber in den nächsten spontanen Einfalt zu laufen‘. In der Hoffnung diesmal wird alles besser werden.

Vielleicht auch eher dieses Unwohlsein, wenn man andere Menschen auf dem gleichen Weg trifft und sie einem so viel durchdachter und weiter mit ihren Gedanken vorkommen, als man das selbst gerade ist. Ja, vielleicht fehlt es mir einfach an Selbstvertrauen, um auch einmal mit stolzer Brust hinter meiner Planlosigkeit zu stehen, ohne mich von der Meinung Anderer beeinflussen zu lassen. Ich weiß es nicht.

Ich möchte spontan sein und klammere mich trotzdem mit voller Kraft an jeden rettenden Strohalm, um am Ende alles über den Haufen zu werden und von vorn zu beginnen. Das ist doch eine merkwürdige Angelegenheit, oder nicht?

14.08.2018
Ein kleines Häufchen Elend

Mein Körper zittert und meine Füße schmerzen. Ich habe blaue Flecken an den Hüftknochen, weil der Rucksack so sehr drückt. Mit letzter Kraft schaffe ich es irgendwie unter die kalte Hosteldusche, witzig wie ich mich vor einigen Tagen noch jeden Abend mit dem Notizbuch gute Texte schreiben sah. Aber während mir den gesamten Tag lang endlose Gedanken durch den Kopf schwirren, finde ich am Abend nicht die Kraft sie auf dem Papier festzuhalten.

15.04.2018

Der Regen tröpfelt leise auf das Dach der alten Kirche, welche diese Nacht unsere Unterkunft sein soll. Wir sitzen genau unter dem Fenster an einem Tisch, spielen Karten, während wir hungrig nach einem langen Tag auf das Essen warten.
Im Raum stehen schon die Tische gedeckt, schottische Musik tönt aus den alten Lautsprechern hinter uns. Ein älterer Schotte läuft um die Tische, zündet die Kerzen an und trifft letzte Vorbereitungen. Durch eine kleine Spalte am anderen Ende des Raums zieht der Duft vom Frischgekochten in unsere Nasen, ich kann den Koch durch alte Whisky Flaschen, Pfannen und Töpfe hindurch beobachten.

Es sind Momente wie diese, welche die lange Wanderung erst wirklich vollkommen machen. Die gemütliche Atmosphäre, die Gastfreundlichkeit und die volle Entschleunigung. Als wäre man für ein paar Stunden in einer fremden Welt gelandet.
Ich würde sie so gern für immer einfangen, diese Ruhe und Gelassenheit, fernab von der Hektik und dem Alltag zu Hause. Ich würde diese Erlebnisse gern für immer aufbewahren, aber alles was ich kann, Fotografieren und Schreiben, erscheint mir nicht intensiv genug.

Das ist sie wohl, diese Sache mit dem Reisen. Man muss alle Momente in sich aufsaugen, genießen und sich schwören, irgendwann noch einmal zurückzukehren, an diese wunderbaren Orte.

16.04.2018

Es gibt nichts schöneres, als nach einem langen Tag eingekuschelt auf dem Fensterbrett zu sitzen und ein paar Zeilen zu schreiben, während der Regen an die Scheibe tröpfelt. 

Wenn mir die Worte fehlen

Der eigentliche Grund, warum dieser Blog entstanden ist, war mein fehlendes Selbstvertrauen. Ich wollte gehört und verstanden werden, weil ich es nicht schaffte mit meinem Umfeld über Probleme zu sprechen und auf der Suche nach Bestätigung war.
Heute ist das anders. Ich habe Freunde an meiner Seite mit denen ich über alles sprechen kann, ich habe Menschen um mich, denen ich alles anvertrauen kann, ich bin stärker und selbstbewusster geworden.

Mein kleiner Schatten, du bist so schön. Wie du neben mir sitzt, während ich aus dem Fenster schaue und die dunkle Nacht beobachte.

Warum hänge ich gerade mit meinem Geist so sehr in der Vergangenheit? Zwischen Neuseeland und seinen Vorkommnissen, zwischen der Schule und dem Training mit seinen Menschen? Sind es diese ungeklärten Gespräche die noch in der Luft hängen und mich jetzt in meinen Träumen verfolgen? Menschen die mir alles geben und deren Gutmütigkeit ich in meiner unbewussten Kindlichkeit mit den Füßen getreten habe? Diese immer wiederkehrende Frage nach dem „was wäre wenn?“ und endlosen Schuldzuweisungen über längst vergessene Geschichten?

17.04.2018

19.04.2018
Wenn mir die Worte fehlen (pt.2)

Und als ich eines Abends auf dem Sofa saß und versuche krampfhaft ein paar Worte zu Papier zu bringen, realisierte ich etwas wichtiges – ich bin glücklich.

Nicht auf diese Weise wie sie in Filmen gezeigt wird, in denen die Hauptfigur freudig durch die Luft springt, oder hyperaktiv einen kleinen Tanz aufführt. Eher auf meine eigene Weise.
Nicht dieses Glücklich-Sein, welches man lautstark in die Welt hinausschreien möchte, sondern eher eine innere Zufriedenheit die sich in mir breit gemacht hat. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich zu dieser Situation gekommen bin, ich habe mich selbst einfach hineinmanövriert.

Nicht, dass ich diesen Zustand ablehnen würde, ganz im Gegenteil. Diese innere Zufriedenheit war es, nach der ich die letzten Monate und Wochen verzweifelt gesucht habe, als ich immer wieder am Abgrund des schwarzen Lochs stand und überlegte zu springen.
Diese Leichtigkeit hat sich verführerisch angefühlt, ich wollte meine Arme ausbreiten und Fliegen. In der Luft schweben und alles hinter mir lassen. Trotzdem habe ich widerstanden, um jetzt still auf dem Sofa zu sitzen.

Nicht dieses still, bei dem man sich allein fühlt und keiner mit einem sprechen möchte. Nicht diese endlose Stille die betäubend auf den Ohren sitzt.
Eher eine angenehme Ruhe, in welcher mein Kopf endlich leise ist und die Stimmen darin für ein paar Minuten schweigen. All´das fühlt sich unglaublich beruhigend an, Stille, Zufriedenheit und eine angenehme Erschöpfung nach einem langen Tag.

Einzig und allein meine Kreativität scheint diesen Zustand nicht Willkommen zu heißen. Als müsste ich am Abgrund stehen, mit zitternden Beinen, um etwas erschaffen zu können. Als müsste ich die inneren Dialoge führen und mit der Lautstärke in mir leben, um zu verstehen.
Alles was ich gerade habe, möchte ich nicht mehr hergeben, auch wenn ich wieder an dieser Stelle stehen werde. Das Leben ist ein Auf und Ab, so viel habe ich in der letzten Zeit lernen können. Ich habe jetzt schon Angst vor dem nächsten Ab.
Aber vielleicht sollte ich genau diese Zeit nutzen, um zu kreieren und diesen Zustand der Stille einfach als seine kleine Pause sehen die es zu genießen gilt.

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Missi

Das sieht wirklich nach einem traumhaften Urlaub aus. Schottland steht ganz oben auf meiner Liste <3 Ich bin übrigens auch eher der Planer bei Urlauben – möglichst durchstrukturiert, damit man auch viel sieht 🙂
Liebe Grüße,
Missi von Himmelsblau

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