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        Der Regen tröpfelt draußen gerade langsam auf die Erde und ich habe seit langer Zeit wieder einmal eine Tasse Tee neben mir stehen, während ich diese Worte in mein Notizbuch kritzle. Ich glaube immer noch daran, dass sich die guten Gedanken nur auf einem Blatt Papier entfalten können und bin in dieser Hinsicht wohl eher etwas altmodisch. Aber heute geht es mir noch einmal um ein sehr wichtiges Thema.
        Gestern fragte ich euch vorsichtig auf Instagram, wie denn eure Einstellung zu fairer Mode ist und ob ihr versucht nachhaltiger einzukaufen, beziehungsweise welche Erfahrungen ihr schon gemacht habt. Die Kommentare hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sich tatsächlich so viele Menschen diesem Thema annehmen und versuchen ihren kleinen Teil beizutragen.

        Trotzdem gab es noch viel Unsicherheit und auch einige Aussagen, denen ich nur widersprechen kann. Um genau diese soll es heute gehen und ich möchte vor allem versuchen euch den Einstieg etwas einfacher zu machen, beziehungsweise einfach auch die Angst vor dem Richtig und dem Falsch nehmen.

        1. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

        Jeder Anfang ist schwer und vor allem bei fairer Mode sind viele Menschen einfach überfordert und verloren. Ich kann euch für den Einstieg nur empfehlen, sich erst einmal in Ruhe hinzusetzen, um sich die ein oder andere Dokumentation anzuschauen. Dabei werden einem erst einmal richtig die Augen geöffnet, was man eigentlich die gesamte Zeit über unterstützt hat und auch ich konnte teilweise nicht richtig hinsehen, oder saß geschockt vor meinem Laptop. Einige gute Dokumentationen, faire Labels und Informationen für den Anfang findet ihr zum Beispiel bei Daria zusammengefasst und ansonsten hat auch YouTube eine riesige Auswahl zu bieten.

        2. Man braucht mehr Zeit und muss lange suchen.

        Wer sich nicht mit fairer Mode auseinandersetzen möchte, oder einfach zu faul ist um sich einmal richtig zu informieren der findet seine Ausreden. Ja, man braucht erst einmal etwas mehr Zeit, denn von allein kann dieses Umdenken im Kopf nicht passieren und vor allem am Anfang ist man sich oft unsicher, oder muss erst passende Marken für sich finden. Nach kurzer Zeit jedoch läuft aus meiner Erfahrung heraus das Einkaufen von Kleidung genauso schnell ab, wie in einem der Fast Fashion Läden und lange suchen muss, beziehungsweise möchte ich nur bei Second Hand Mode.
        Das hat aber für mich einen komplett anderen Hintergrund, denn Second Hand zu kaufen bedeutet für mich Unikate, oder alte Sachen mit Geschichte zu finden und für diese nehme ich die Suche gern in Kauf. Für mich gehört es mittlerweile dazu durch eine Menge Ramsch zu wühlen, um das perfekte Teil zu finden. Dieses schätze ich dafür aber umso mehr und es erzählt wie gesagt seine eigene kleine Geschichte. Das Zeitargument zählt natürlich für den Anfang, wenn noch alles neu ist und man unerfahren versucht sich zu informieren, aber oft ist es für viele auch nur eine faule Ausrede.


        3. Die Auswahl ist zu klein.

        Faire Mode steht noch immer in ihren Startlöchern und dementsprechend ist die Auswahl im Vergleich zu einem Fast Fashion Laden natürlich etwas geringer, allein schon weil das Budget bei den Unternehmen oft viel kleiner ist. Ich bin aber der Meinung, dass man diese riesige Auswahl überhaupt nicht braucht. Als ich bei Pull&Bear gearbeitet habe, wurde aller 2-3 Wochen das komplette Sortiment gewechselt, um den Käufern wieder einen neuen Anreiz zum Kaufen zu geben. Auf der Kleiderstange hingen oft die gleichen Teile in minimal verschiedener Ausführung.
        Meine Fragen an euch: Wollt ihr das wirklich? Brauchen wir das? Ist es nicht viel schöner bei einer kleineren Auswahl sofort fündig zu werden und Sachen zu tragen die nicht schon jeder im Kleiderschrank hängen hat? Macht es nicht mehr Spaß zu wissen, dass der Designer eine Idee im Kopf hatte und nicht einfach etwas für die Masse produziert hat, was sich gut verkauft?
        Nachdem ihr diese Fragen für euch beantwortet habt, möchte ich auch an dieser Stelle wieder auf Plattformen wie Kleiderkreisel verweisen. Dort bekommt man oft gebrauchte Teile aus der aktuellen Saison und auch auf dem Flohmarkt ist die Auswahl riesengroß.

        4. Fair Fashion ist zu teuer.

        Das wohl am meisten verbreitete Vorurteil dem ich am Anfang auch unterlegen war. Für gute Qualität muss man investieren, das ist uns allen klar, aber für Fair Fashion legte sich automatisch eine hohe Preisgrenze in meinem Kopf fest die mir einfach zu hoch war. Deswegen kommen hier zwei Dinge die ihr euch zu Herzen nehmen solltet.
        1. Wer billig kauft, kauft zweimal. Ja, wir rennen immer den neusten Trends hinterher und können gar nicht genug Mode im Kleiderschrank hängen haben. Da macht es auch keinen Unterschied, ob das neue T-Shirt nach dem dritten Tragen kaputt geht, aber solche Sachen könnt ihr auch Second Hand günstig kaufen. Dennoch gibt es viele Dinge bei denen jeder auf Qualität setzen sollte, gewisse Basics zum Beispiel. Gute fair produzierte T-Shirts zum Beispiel gibt es schon ab 25-30€ und dieser Preis macht wirklich niemanden arm. Die großen Markenketten haben uns einfach nur mit ihren billigen Preisen verwöhnt, weil sie in der großen Masse produzieren können.
        2. Second Hand ist oft günstiger. Ich kann euch gar nicht erzählen, wie oft ich mich schon über neue Schnäppchen gefreut habe, wenn ich zum Beispiel eine Hose für 20€ günstiger bekommen habe. Teilweise werden wirklich neuwertige Sachen verkauft die man im Laden nie zu diesem Preis bekommen hätte, man braucht nur eine gute Spürnase.

        5. Ich habe nicht die finanziellen Mittel um meinen kompletten Kleiderschrank umzustellen.

        Wo wir schon einmal dabei sind, bleiben wir doch gleich beim Geld. Keiner, wirklich keiner verlangt von euch, dass die Umstellung über Nacht passiert und ihr eure alten Klamotten zur Kleiderspende bringt, nur weil ihr jetzt fair Fashion kauft. Dieser Gedanke widerspricht sich sogar, denn wer anfängt fair einzukaufen, möchte in gewisser Hinsicht seinen Konsum auch etwas mehr einschränken. Behaltet also auf jeden Fall auch eure alte Kleidung und tragt sie, bis sie kaputt geht und sortiert für den Anfang nur die Sachen aus, bei denen ihr genau wisst, dass sie sonst nur in der hintersten Ecke einstauben. Selbst diese könnt ihr dann weiterverkaufen, oder verschenken um noch etwas Geld zu bekommen, oder einfach jemanden eine gute Freude zu machen. Ein fairer Kleiderschrank entsteht erst langsam und braucht seine Zeit, dabei solltet ihr euch nicht unter Druck setzten. Auch ich trage gern noch Teile die ich mir vor einem Jahr in der Stadt gekauft habe.


        6. Ich finde keine Second Hand Läden in meiner Stadt.

        Natürlich kann nicht jeder in einer großen Stadt mit der besten Auswahl an Second Hand Läden leben, das ist mir auch bewusst, aber Second Hand kann man auch gut online kaufen. Ich kann euch dafür zum Beispiel Kleiderkreisel, Asos Marketplace, Onimos, einige Shops auf Tictail (z.B. Collection No2) oder Mädchenflohmarkt empfehlen. Außerdem lohnt es sich auch mal zu schauen, ob es denn einen Blogger aus der Stadt gibt der sich mit dem Thema beschäftigt, denn sie haben oft eine kleine Zusammenstellung geschrieben. Gute Läden für Dresden habe ich zum Beispiel auf meiner FAQ Seite aufgelistet.


        Ihr seht also, in unseren Köpfen schwirren noch viele Vorurteile herum die eigentlich gar nicht existieren müssten. Aus eigener Erfahrung (auch an mir selbst), ist mein Eindruck einfach nur, dass Menschen Ausreden finden um sich nicht mit fairer Mode befassen zu müssen. Entweder weil sie schlichtweg (wie ich auch damals) zu faul sind, oder weil eine Verdrängung der Zustände immer einfacher ist, als das Hinschauen auf die Wahrheit.
        Ich würde mir einfach wünschen, dass sich jeder von euch ein paar Minuten Zeit nimmt, sich kurz damit befasst und erst dann seine Entscheidung trifft, wie und wo er kauft. Solltet ihr noch Fragen zu diesem Thema haben, könnt ihr mir natürlich gern einen Kommentar schreiben und ich freue mich auch über eure Erfahrungsberichte.


        Outfitdetails
        Schuhe: Dr. Martens // Hose: Topshop (über Kleiderkreisel) // Pullover: ONIMOS (*prsample)

        Location: Botanischer Garten Dresden
        Fotografin: Jessica (Instagram: @jessica.louisa)


        11 COMMENTS

        Ein toller Artikel!
        Du beschreibst genau das, was auch in mir damals vorgegangen ist, bevor ich mich mit Fair und Slow Fashion beschäftigt hatte. Und ich finde, du hast absolut recht: Die meisten der Argumente gegen einen solchen Konsumstil sind eigentlich lediglich Ausreden.
        Ich gestehe den Menschen zu, dass man sicherlich eine gewisse Zeit braucht, um bereit für eine solche doch einigermaßen unbequeme Auseinandersetzung zu sein – aber dennoch denke ich, dass sie (gerade, weil sie für fast alle unter uns machbar ist) eine ist, die gewissermaßen unsere ethische Pflicht den Menschen gegenüber ist, die unsere Kleidung produzieren.
        Aus den Augen, aus dem Sinn funktioniert zwar, sollte aber nicht die Lösung sein.

        Danke dir für den Artikel!

        Liebe Grüße
        Jenni

        Genau so sehe ich das auch. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar Menschen auch einfach nicht das nötige Wissen besitzen, aber oft steckt auch etwas Faulheit dahinter 🙂

        Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht. Mach weiter so! Inspirieren und motiviere die Menschen dort draußen weiter mit deinen Worten und deinen bezaubernden Bildern!

        Ich kann dir zu 100% zustimmen und werde diesen Blogpost auf jeden Fall weiterempfehlen! 🙂
        Ich selber kaufe nun seit ca. 2-3 Monaten nur noch Fair Fashion bzw. Secondhand und bin sehe überzeugt und begeistert diese Entscheidungen getroffen zu haben 🙂 Vielen Dank für den tollen Beitrag!
        Liebe Grüße ~ Marie ~

        Danke dir, lass uns die Nachricht verbreiten und ganz viel Erfolg auf deinem Weg!

        Danke das du Dir immer die Zeit nimmst so schöne Blogbeiträge zu schreiben. Du hast mir mit diesem Beitrag sehr geholfen mit meiner Entscheidung langsam aber sicher auf Fair Fashion und Second Hand umzusteigen. Und du hast mir mal wieder die Augen geöffnet und mir Mut gemacht.
        Danke.

        Sehr gern und viel Erfolg 🙂

        Danke für diesen so hilfreichen Beitrag!😍 Das hat mich auch jeden Fall total motiviert anzufangen ein paar Dokus über dieses Thema zu schauen und in Zufunkt werde ich auf jeden Fall versuchen so viele der aufgelisteten Shops wie möglich anzuschauen, die du auf dem makierten Blog empfohlen hast. Bestimmt werden ein paar schöne Shops dabei sein. Mich motiviert Faire Mode allein schon, weil man nicht so herum läuft wie (fast) jedes andere Mädchen. Danke und liebe Grüße🙂😍

        Die Dokus kann ich wirklich nur für den Anfang empfehlen, um einen guten Einstieg zu finden. Viel Erfolg 🙂

        Dank dir werde ich jetzt wohl anfangen. Der Beitrag hat wachgerüttelt – Danke!

        Genau so sollte es sein 🙂

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