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        Ich bin allein unterwegs, als ich das Unigelände betrete und einen Blick über seine furchteinflößende Fassade werfe. Um mich herum ziehen verschiedene Menschen vorbei die ich nur als Umrisse wahrnehme, zu viele Eindrücke benebeln meinen Verstand. Sie laufen in Grüppchen, lachend, oder hektisch, allein wie ich. Ich bekomme etwas Angst davor an diesem Ort zu sein und laufe instinktiv an einer der Mauern entlang, als würde mich ihr Schatten schützen, oder als könnte ich mich in ihr verkriechen.

        Nach einer viel zu langen Ewigkeit schließlich, scheine ich angekommen zu sein und lasse mich auf einen der unbequemen schwarzen Sitze fallen, immer noch überrumpelt von der Menschenmasse. Doch bevor ich überhaupt in die Lage komme diesen Gedanken weiter auszuführen, oder die Umrisse Menschen werden zu lassen, setzt sich ein ebenfalls schüchternes Mädchen, ich sollte an dieser Stelle wohl lieber Frau schreiben, aber das fühlt sich immer noch zu erwachsen an, neben mich und wir beginnen zaghaft ein Gespräch.

        3 Tage später bin ich wieder allein auf dem Campus unterwegs, wieder im Schatten der Mauer, wieder überfordert mit den Umrissen die dennoch langsam eine Form anzunehmen scheinen. Ich laufe die Treppen hinauf bis in einen weiteren Raum und lasse mich diesmal in einen der weißen Stühle fallen, während ich mit einem Lächeln begrüßt werde. Wir sind uns noch fremd und doch schaffe ich es aus dem Lächeln ein Gespräch werden zu lassen und vielleicht eine weitere Hürde zu nehmen.
        Es ist komisch, dass ich an Orten wie diesen überfordert bin und meine Gedanken nicht ordnen kann, dass ich keinen sinnvollen Mucks aus mir herausbekomme und mich ständig beobachtet fühle. Von vorn, von hinten, von der Seite, obwohl doch jeder nur mit sich selbst beschäftigt ist.

        Dennoch war ich noch nie so froh darüber diese Erfahrung unter fremden Menschen schon einmal gemacht zu haben und das möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, auch wenn es euch wahrscheinlich schon aus den Ohren heraushängt. Als ich nach Neuseeland flog war ich den ersten Monat auch allein in der Fremde, überfordert von den überfüllten Hostels und den verschiedenen Geschichten darin. Trotzdem habe ich es irgendwie geschafft mein Herz in die Hand zu nehmen, meinen Mut zusammenzupacken und einfach ein Gespräch zu beginnen.
        Ich bin dankbar darüber Menschen offen und unvoreingenommen begegnen zu können, mit ihnen zu reden, auch wenn ich immer noch überfordert mit der Lage um uns herum bin. Immerhin habe ich einen kleinen Schritt nach vorn geschafft und bin im Vergleich zu früher selbstbewusster geworden, schaffe es mir immer wieder einzureden, dass es anderen Menschen genauso geht wie mir und sie sich freuen, wenn jemand wie ich die Initiative ergreift.

        Das Ende der Geschichte? Ich habe immer noch Angst, ich sehe immer noch Umrisse, aber letztendlich bin ich damit nicht mehr allein und habe gelernt Erlebnisse, aber auch Ängste zu teilen.

        Dieser Text hat mir sehr lange im Kopf herumgeschwebt und war irgendwie schwerer die richtigen Worte zu finden. Deshalb hier noch ein paar Fragmente aus vorherigen Entwürfen:

        „Diese Erste-Woche ist der reine Wahnsinn, einigten wir uns flüsternd während der ersten Vorlesung der Einführungswoche die so unnötig war, dass ich das Thema schon wieder vergessen habe und ich nickte bestätigend mit dem Kopf, als sie auf einige nervöse Gesichter deutete und sagte, dass wir nicht die Einzigen mit diesem Gedanken seien. Ich war an diesem Tag nicht das letzte Mal richtig froh darüber, nach dem Abitur eine Auszeit genommen zu haben und mich nicht wie einige Andere sofort in das Studium gestürzt zu haben. Denn ohne das Böse zu meinen – den Meisten sah man es einfach an.
        Ich war froh darüber mehr Selbständigkeit und Offenheit gelernt zu haben, um mich nicht an jeden denkbaren Strohalm klammern zu müssen, sondern alle Eindrücke, Bekanntschaften und Worte von diesem Tag für mich persönlich auszuwerten, um selbstbestimmte Entscheidungen treffen zu können. Ich war froh darüber allein in den Hörsaal gegangen zu sein und mich nicht mit einer Gruppe vor der Uni getroffen zu haben, um mir ein eigenes Bild zu machen. Und ich war noch nie so froh darüber, dass ich mein Studium entspannt sehe und Dinge auch ihren Lauf nehmen lassen kann.“

        „„Ist neben dir noch frei?“, fragte sie mich mit brüchiger Stimme und ich erwiderte ihre Frage mit einem kurzen schüchternen Nicken. Ich wusste immer noch nicht ganz wohin ich mit meinen Gliedmaßen sollte und mein Blick wanderte immer wieder nervös durch den riesigen Saal in den immer mehr Menschen hineinkamen. Sie kamen in Grüppchen, oder wie ich ganz allein und suchten sich einen der unbequemen ausklappbaren Stühle – so richtig wohl schien sich keiner von ihnen zu fühlen.“

        „Ich war froh darüber mehr Selbständigkeit und Offenheit gelernt zu haben, um mich nicht an jeden denkbaren Strohalm klammern zu müssen, sondern alle Eindrücke, Bekanntschaften und Worte von diesem Tag für mich persönlich auszuwerten, um selbstbestimmte Entscheidungen treffen zu können. Ich war froh darüber allein in den Hörsaal gegangen zu sein und mich nicht mit einer Gruppe vor der Uni getroffen zu haben, um mir ein eigenes Bild zu machen.“

        „Ich glaube, dass ich noch vor einem Jahr viel nervöser in den riesigen Saal gegangen wäre und tatsächlich in dem Wahnsinn einfach untergegangen wäre.“

        Outfitdetails:
        Schuhe: Dr. Martens // hier, aus Leder (!)
        Hose: Dr. Denim // hier eine faire Alternative
        Mantel: Second Hand // hier ein paar faire Alternativen, hier eine fast Fashion Alternative
        Schal/Beutel: Second Hand

        Denkt immer darüber nach was ihr kauft und was ihr tatsächlich braucht.

        Location: Leipzig Lindenau/Gohlis
        Kamera: Canon EOS 6D
        Objektiv: 24-105mm
        Bildbearbeitung Tutorial (hier)

        12 COMMENTS

        Hallo Katja!
        Ich kann deine Gefühle während der Ersti-Woche total verstehen, ich meide wenn möglich auch so große, unbekannte und hektische Menschenmassen (in meinem Studiengang sind aber insgesamt auch „nur“ 150 Personen (Psychologie), ich weiß ja nicht wie das bei dir aussieht). Trotzdem – und auch obwohl ich mein Studium direkt an mein Abitur angehängt habe – fand ich diese zugleich offene Atmosphäre wundervoll und habe mich direkt wohl gefühlt. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist bei solchen Situationen durchaus praktisch, aber nicht zwingend notwendig, da ja im Studium anfänglich jeder auf das Knüpfen neuer Kontakte aus ist (Außerdem bildet sich das ja auch aufgrund solcher Erfahrungen aus) Geholfen hat es natürlich auch, dass ich den Mathe-Vorkurs an unserer Uni im Vorfeld besucht und dort schon Freundschaften geschlossen habe – kann ich also nur empfehlen! Vor allem am Anfang ist noch so viel Dynamik in der gesamten Gruppe zu erkennen und ich hoffe, dass wir das auch noch eine Zeit lang beibehalten, ich bin nämlich nicht der größte Freund von Gruppenbildung.
        Einen motivierenden Start ins Studium wünsche ich dir und noch viele weitere tolle Erfahrungen.
        Liebe Grüße,
        Alina

        Danke dir 🙂 Bei uns sind es an die 600 Leute was schon sehr stressig ist, aber so langsam ist die Hälfte eh nicht mehr in der Uni 😀
        Ich wünsche dir auch alles gute 🙂

        es war mir eine Freude diese erste, wenn auch unnötige, Vorlseung der Einführungsveranstaltung mit dir zu besuchen. Du bist wundervoll, vergiss das nicht 🙂

        Na du… Das klingt alles so, wie es auch bei mir war. Ich wünsche dir Glück und Erfolg und dass die Angst irgendwann ganz weg ist. Ich finde, dass es Tag für Tag besser wird und man sich immer mehr einlebt. Aber Uni ist einfach was ganz anderes…
        Liebe Grüße 😉

        Mir ging es genauso, als ich Anfang Oktober in die Hochschule bin. Und ich war auch froh, dass ich schon zuvor in Situationen war, in denen ich an einem unbekannten Ort unter fremden Menschen war und mich zurechtfinden musste. Die Bilder sind übrigens wunderschön.
        Ganz viel Liebe <3

        alles gute für dich und danke dir 🙂

        „Ich glaube, dass ich noch vor einem Jahr viel nervöser in den riesigen Saal gegangen wäre und tatsächlich in dem Wahnsinn einfach untergegangen wäre.“
        Dieser Satz ist wirklich so so schön! Genauso wie die Bilder übrigens. Ich mag die Kombi aus dunklem Mantel und dunklem Tor.

        Einen schönen Abend dir noch ♥

        Hey Katja,

        ich finde es sehr gut, dass du unter deinen Outfit-Verlinkungen geschrieben hast, man solle immer erst nachdenken und dann kaufen! Das finde ich so wichtig, versuche ich mir selbst anzugewöhnen und eine Erinnerung auf deinem Nachhaltigen-Mode Blog ist immer gut! Denn es lassen sich beide Sachen verbinden, man muss es nur wollen 🙂
        Deine Schilderungen von der ersten Woche kann ich mir ziemlich gut vorstellen. Man ist es einfach nicht gewohnt mit solchen riesigen Menschenmassen zusammen zu sein. In der Schule war das alles irgendwie kleiner und persönlicher… Aber man lernt mit seinen Aufgaben bzw. mit den Umständen umzugehen!
        Deswegen finde ich es immer so schön von deinen Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen zu lesen und dadurch zu erkennen und mich in schwierigen Situationen zu erinnern, dass ich nicht alleine bin.
        Dein eines Haus-Bild verdeutlicht diese Gedanken auch noch so so schön. Der Himmel ist total dunkel und alles ist grau und dunkel, aber ein Teil des Hauses ist von Sonnenstrahlen zwischen der Wolkendecke erleuchtet <3 Wunderschön!

        Liebe Grüße
        Pauline <3

        http://www.mind-wanderer.com

        Hey,

        danke dir 🙂 Irgendwann kommt das auch alles auf dich zu und ich hoffe, du bist besser vorbereitet als ich. Und die Interpretation des Bildes finde ich super, da habe ich selbst gar nicht drüber nachgedacht.

        Liebst, Katja

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