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        Wie lange das alle schon wieder her ist, denke ich mir und lasse mich in einen dieser Tagträume fallen die mich schon mein Leben lang immer wieder überkommen. Ich denke zurück an eine Zeit in der ich jünger war, wenn auch nur ein paar Stunden oder Wochen, fühle mich wie damals, als könnte ich noch einmal kurz in diesen Moment schlüpfen, bis meine Erinnerung verblasst. Das ist verrückt. Unfassbar.
        Jeden einzelnen Tag erlebe ich mal mehr und mal etwas weniger, verstaue jedoch alles sorgfältig in meinen Marmeladegläsern und räume sie dann mit Vorsicht in das Regal. Es ist alt und verstaubt langsam, wie sollte es auch anders sein mit einem Regal was seit fast 20 Jahren im Keller steht, aber in den oberen Reihen sieht alles noch frisch und neu aus.

        Ich möchte meine Erlebnisse festhalten, jeden einzelnen Tag, aber ich kann es nicht. Niemand kann das, rede ich mir traurig ein, als könnte jemand meinen Schmerz verstehen und mit mir teilen. Ich vergesse etwas, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Immer wieder, wenn ich einen neuen Moment für mich erlebe und entdecke, ihn mit dem Marmeladeglas einfange und später in das alte Regal stellen möchte, muss ich dafür ein anderes herausnehmen und an die Seite stellen, bis jemand ohne Vorsicht in den Keller läuft und darüber stolpert.
        Dieses Vergessen macht mir Angst und fühlt sich an, als könnte man es nicht in Worte fassen. Heute morgen noch stand ich vor einem der schönsten Orte dieser Welt und jetzt bleibt mir nicht mehr als eine Erinnerung die sich unglaubwürdig anfühlt. Vor über einem Jahr flog ich so weit weg wie noch nie, gestern konnte ich mich nicht einmal an einen Ortsnamen erinnern.

        Alles verblasst irgendwann, schlüpft aus den zerbrochenen Gläsern am Kellerrand und ich habe das Gefühl alles aufschreiben und festhalten zu müssen, um mich später fremd zu fühlen, während ich mich an eine andere Zeit zurückerinnere und versuche Anhaltspunkte zu finden. Nein, eher einen Rettungsanker an den ich mich klammern kann, wenn ich feststelle, dass ich mich an einige Momente die ich selbst erlebt habe einfach nicht mehr erinnern kann.

        „Es ist, als hätte ich einen Film gesehen und ich war die Hauptrolle. Der Film war gut, keine Frage, wir haben gelacht, wir hatten einen guten Actionanteil und die Liebesgeschichte durfte auch nicht fehlen. Aber wie das mit Filmen so ist, man schaut sie, nickt begeistert und lässt die Geschichte dann tief in seinen Gedanken verschwinden.
        Jahre später reden wir vielleicht über diesen Film, müssen uns die Geschichte selbst immer wieder vorführen, um sie nicht zu vergessen und wünschten uns ihn noch einmal schauen zu dürfen. Doch mein Leben ist kein Film. Ich kann nicht zurückspulen.“
        Aus Verblasste Erinnerungen, 19. Juni 2017

        Outfitdetails
        Schuhe: Dr. Martens // hier aus Leder (!), hier eine vegane Alternative
        Kleid: Second Hand // ähnlich hier und hier, hier eine nachhaltige Alternative
        T-Shirt: Second Hand // hier eine nachhaltige Alternative
        Pullover: Second Hand // hier ein paar Second Hand Pullover zum stöbern
        Uhr: Kerbholz (PrSample) // hier

        Denkt immer darüber nach was ihr kauft und was ihr tatsächlich braucht.

        Location: Markkleeberg
        Kamera: Canon EOS 6D
        Objektiv: 24-105mm
        Bildbearbeitung Tutorial (hier)

        7 COMMENTS

        Ich verfolge dich schon länger über Instagram und habe dich gerade auch einer Freundin empfohlen mit den Worten, dass ich jemanden gefunden habe, der das Alltägliche so wunderbar in Worte fasst. Ich möchte dir hiermit einfach mal sagen, dass ich deine Texte sehr inspirierend und wunderbar formuliert finde! Ich liebe es, mir deine Bilder anzusehen, die so wundervoll miteinander harmonieren. Ich bin einfach happy, dass ich dich gefunden habe. Irgendwie machen mich einige deiner Texte auch etwas traurig, weil deine Ehrlichkeit so sehr berührt und du wirklich deine Gefühle zeigst, so, dass man sie spüren kann. Ich danke dir!
        Vielleicht schaust du ja mal bei mir vorbei, mein aktueller Beitrag ist ein bisschen von dem deinen inspiriert worden 🙂

        Liebe Grüße
        Vanessa

        Danke <3
        Ich schau gleich mal rein 🙂

        Ich habe jetzt schon einige deiner Texte gelesen und du sprichst einem einfach aus der Seele. Du verpackst Das, was jeder von uns irgendwie fühlt und denkt in Worte und lässt uns Das ganze so nochmal auf einer ganz anderen Ebene überdenken. Und Das wichtigste, du gibts mir und bestimmt auch vielen anderen das Gefühl nicht allein oder ‚komisch‘ zu sein. Und du schaffst es, dass ich selbst wieder Worte finde, die meine Gefühle und mein Denken beschreiben. Es fühlt sich so an, als säße ich für lange Zeit im Rollstuhl, habe vergessen, dass ich dich eigentlich laufen kann, einfach weil es bequem ist. Du hilfst mir auf und zeigst mir das Laufen erneuet und das es all die Mühe und Anstrengungen wert ist. Danke!

        Genau darum geht es doch, niemand ist allein mit seinen Gefühlen, wir sollten einfach öfter darüber reden 🙂

        Hallo,
        Ich hatte vorher nie besonders viel mit Literatur, dem Schreiben und erst recht nicht mit dem Lesen von Texten zu tun. In der Schule habe ich es nicht gemocht, vielleicht weil ich es nicht gut konnte, die Lehrerin nicht kompetent genug empfand oder es einfach als zu Realitätsfern wahrgenommen habe aber Fakt ist, dass du mir diese Art der Kultur bzw. der Kreativität und ja doch den Bezug zur Muttersprache näher gebracht hast und vor allem mein Interesse daran geweckt hast. Einfach aus dem Grund, deine Texte sind gegenwärtig, echt und zum Nachdenken anregend sind weil sie Themen umfassen, die einem tagtäglich über den Weg laufen oder auch einen ebenso beschäftigen wie dich. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob deine Schuhe von Dr. Martens oder vom Secondhand nebenan sind. Klar, ich lege auch extrem Wert auf Kleidung , der Eitel ist einfach irgendwo verankert aber viel wichtiger sind doch die Gedanken die in deinem Geist pregnant sind und dass du sie glücklicherweise teilst. Das macht deinen Blog persönlich und auch besonders. Ich hoffe du verstehst mich und vielleicht, ist der Gedanke über einen Kernfachwechsel von Physik zu Deutsch gar nicht mehr so irrelevant, wer weiß.
        Weiter so 🙂

        Hey !

        Ich möchte jetzt auch mal was zu deinen Texten schreiben, die ich jetzt schon etwas länger verfolge.
        Deine Art zu Schreiben, finde ich einfach bewundernswert.
        Du hast so einen offenen und ehrlichen, aber auch tiefsinnigen Schreibstil. Das gefällt mir schon lange gut.
        Ich muss sagen, ich bin zuerst aufgrund deiner Bilder auf dein Profil gestoßen. Die sind schon wirklich sehr ausdrucksstark. Allerdings habe ich dann auch angefangen nach und nach immer mehr deiner Blogposts zu lesen, vor allem auch ältere und die finde ich fast noch berührender. Oft schaffst du es auch mit deinen Worten etwas auszurdrücken, was ich selbst schon gefühlt habe. Einige deiner Texte haben es auch geschafft, dass ich meine eigene Lebensweise mehr überdacht habe.
        Kurz gesagt: Du hast Talent. 🖤

        Hey!
        Ich muss jetzt mal ehrlich sein. Ich hab dich auf Instagram entdeckt und war sofort in deine Bilder verliebt. Aber auf der Ebene des Ausdrucks und der Energie, die sie ausstrahlen. Alles schwappt so wunderbar leicht und natürlich zu mir herüber und ich hab mich in deinen Bildern verloren. Und auch dein Argument, dass viele sich für recht oberflächliche Dinge, wie beispielsweise Schuhe oder Haare interessieren, hat genau meine Ansichten getroffen. Ich schreibe selbst so oft es geht und es befreit mich. Also will ich dich hiermit bestärken und dich bitten weiterzumachen! Denn deine Worte berühren mich sehr und ich finde es wichtig, dass die Menschen wieder mehr schreiben, mehr lesen und Vorallem wieder mehr denken. 🙂

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