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        Kauf faire Mode

        und hört endlich auf Tiere zu töten, um sie zu essen, brüllt uns das neue Bewusstsein unserer Gesellschaft entgegen, dem ich mich gern anschließe. Die Tatsachen sind spätestens nach zahlreichen Videos der Massentierhaltung, oder dem Einstürzen von Textilfabriken nicht mehr von der Hand zu weisen. Aber trotz dessen, dass sich mittlerweile viele Menschen damit auseinandersetzen und versuchen ihren kleinen Anteil beizutragen, waren Stimmen gegen genau dieses Bewusstsein noch nie lauter.

        Warum nur, habe ich mich immer gefragt, wie kann ein Mensch einfach wegsehen? Wie kann er all´diese Informationen in seinen Hinterkopf verdrängen und trotzdem ein Teil davon bleiben? Woher kommt diese Ignoranz, wenn ich am Grilltisch blöd gemacht werde, weil sich keine Scheibe Fleisch auf meinem Teller befindet und warum werden die Schlangen an der Kasse bei H&M, Zara & Co. nicht kürzer?

        Je mehr ich darüber nachdenke, desto wütender werde ich. Wie immer jedoch, hilft es nichts andere Menschen zu verurteilen, ohne dabei sich selbst zu kritisieren und genau damit habe ich angefangen. Denn auch ich konnte jahrelang stumm zusehen, gemütlich ein gebratenes Tier essen, oder zur Ausbeutung und Verschmutzung unserer Erde meinen Beitrag abgeben. Warum?, habe ich als erstes mich selbst gefragt und die Antwort darauf war ziemlich einfach.

        Wie kann ein Mensch einfach wegsehen?

        Wie kann er all´diese Informationen in seinen Hinterkopf verdrängen und trotzdem ein Teil davon bleiben? Woher kommt diese Ignoranz, wenn ich am Grilltisch blöd gemacht werde, weil sich keine Scheibe Fleisch auf meinem Teller befindet und warum werden die Schlangen an der Kasse bei H&M, Zara & Co. nicht kürzer?

        Uns sind die Ausmaße unseres Konsums, egal in welcher Hinsicht, überhaupt nicht mehr bewusst. Wir kaufen, kaufen, kaufen und sehen dabei nur noch den eigentlichen Gegenstand, ohne dabei einen Gedanken an seine Herkunft zu verschwenden. Wenn ich zum Abendbrot eine Scheibe Salami auf mein Brot legte, dann dachte ich nicht daran, dass ein totes Tier dahinter steckt, sondern aß einfach nur eine Scheibe Salami. Ohne Hintergedanken.

        Genauso erging es mir auch mit der Modeindustrie. Hey, ein schicker Rock für 5€!, dachte ich mir und verschwendete auch hier keinen Gedanken an ausgebeutete Näherinnen, oder Baumwolle voller Chemikalien. Hauptsache der Preis war möglichst billig und der Rock einigermaßen schön.

        Mir macht es Angst, dass ich damals einfach blind konsumierte und mir macht es immer noch Angst, wenn ich heute andere Menschen genauso blind konsumieren sehe. Ich meine, wir sehen fast täglich diese grausamen Bilder von abgeschlachteten Tieren, oder Fehlgeburten durch Chemikalien und trotzdem schaffen wir es in unserer europäischen Blase keinen einzigen Gedanken daran zu verlieren.

        Warum?, habe ich mich auch hier gefragt und die Antwort war wieder viel zu einfach. Die Zustände betreffen uns nicht persönlich. Dieses Bewusstsein zwischen einem fiktiven Film und der Realität in einem fremden Land ist in unserer Köpfen kaum noch vorhanden. Wenn wir bestimmte Situationen nicht mit eigenen Augen gesehen haben, können wir uns einfach nicht mehr vorstellen, dass tatsächlich reale Menschen oder Tiere auf diese Weise leben, beziehungsweise sterben müssen.
        Und das ist auch gut so, denken sich die Meisten, denn sonst müsste man ja tatsächlich etwas an seinem Lebensstil ändern. Durch diese Faulheit und durch dieses Denken, Verdrängen, lässt sich ein Leben, welches diese Zustände unterstützt mit dem eigenen Gewissen vereinbaren. Glaubt mir, ich zeige nicht mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf jemanden, ich habe selbst mit diesen Gedanken gelebt.

        Das Problem mit dieser Verdrängung geschieht erst, wenn man auf Menschen trifft die ein Bewusstsein für unsere Welt schon ausgebaut haben und versuchen ernsthaft etwas daran zu ändern. Man fühlt sich irgendwo schuldig und schlecht, möchte die Tatsache aber einfach nicht wahrhaben. Deswegen wird der Vegetarier beim Grillen ausgelacht und genau deswegen wird man trotzdem in Läden der Billigproduktion mitgeschleift, damit man die Schuld auf andere Menschen abladen kann. Ein: „Haha, aus dir kann ja nichts werden, wenn du kein Fleisch isst.“, bedeutet eigentlich: „Ich habe Respekt vor dir, aber Angst das zuzugeben, Angst zuzugeben, dass ich vielleicht Fehler mache, weil ich mich dann schlecht fühlen würde. Und das möchte ich nicht, also lachen wir lieber über dich.“

        Ich finde, dass die Kluft zwischen uns einfach zu groß geworden ist. Entweder man wird als „Öko“ abgestempelt, oder man ist der Dumme der es nicht schafft bewusst zu leben. Meine Wunschvorstellung wäre einfach, dass wir ein bisschen von unserem Öko-Ross heruntersteigen und den „Dummen“ die Hand reichen. Ihnen Mut zusprechen, ihnen in Ruhe etwas erklären und etwas Verständnis zeigen. Denn meiner Meinung nach liegt neben der puren Sturheit, dass man seinen Lebensstil nicht kritisieren lassen möchte, auch jede Menge Angst vor diesem Thema. Und genau diese versucht man mit sinnlosen Diskussionen, oder Schuldabweisungen zu verstecken.

        Natürlich soll das jetzt nicht heißen, dass jeder einen Freifahrschein aufgrund davon bekommt, jeder Mensch sollte sich einmal richtig informieren und dann seinen Lebensstil mit seinem Gewissen abklären, Massentierhaltung und Fast Fashion gehören damit immer noch zu Dingen die man vermeiden kann und sollte. Aber ein bisschen Verständnis können wir alle zeigen.

        ZITAT

        Kein Mensch ist in der Lage, das nachzuvollziehen, was er selbst nie erlebt hat.

        People think you’re crazy if you talk about things they don’t understand.

        OUTFITDETAILS

        Schuhe: Second Hand Paris (ähnlich hier – fair produziert und vegan)

        Jeans: Second Hand über Kleiderkreisel (ähnlich hier – fast fashion)

        Pullover: Second Hand über Kleiderkreisel (ähnlich hier oder hier – fair produziert)

        Gürtel: Mamas Schrank

        Das Problem mit dieser Verdrängung geschieht erst, wenn man auf Menschen trifft die ein Bewusstsein für unsere Welt schon ausgebaut haben und versuchen ernsthaft etwas daran zu ändern.

        9 COMMENTS

        Ich weiß genau, was du meinst. Mir geht es eigentlich auch so und irgendwie fühle ich mich schuldig. Genau, wie du gesagt hast.
        Aber nur bezüglich der Klamotten. Nicht bezüglich des Fleisches. Ganz ehrlich. Ich war mal ein oder zwei Jahre lang Vegetarier, aber weil ich auf einem biologisch-dynamischen Hof wohne (so viel zum Thema „Öko“), habe ich beschlossen, dass ich es mit meinem Gewissen vereinen kann, wieder Fleisch zu essen, weil die Tiere hier ja gut leben. Und ich esse jetzt auch nicht viel Fleisch. Was ja andererseits auch nicht jeder von sich sagen kann.
        Ganz liebe Grüße,
        Medea

        Es ist ja so schön, dass du so (selbst)kritisch denkst und es hier mitteilst. Dafür bin ich dir echt dankbar, weil es mir Mut und Kraft gibt! Stichwort man wird belächelt wegen Veganer Lebenseinstellung oder Second Hand gilt als unhygienisch / man kann sich nichts besseres leisten. Solche Kommentare haben mir schon desöfteren echt den letzten Nerv geraubt und dir scheint es ja nicht anders zu gehen. Dadurch habe ich auch wirklich oft schon an mir selbst gezweifelt, ob meine Umsetzungen denn nicht doch zu militant oder radikal sind? Nein, eben nicht. Und Menschen wie du zeigen mir das. Danke!🌞

        „Für mehr Abwechslung auf dem Grill: Julia einladen und Süßkartoffel kosten“ steht ganz oben als Widmung in meinem Abitur Jahrbuch und symbolisiert wohl am allerbesten, wie mich meine Mitschüler die letzten zwölf (gut, sagen wir acht) Jahre gesehen haben. Der Öko, der Nostalgiker, der Hippie. Dabei wollte ich das nie sein; nie in die belehrende „Weißt du eigentlich woher dieses Stück Fleisch kommt?“ Schublade rutschen und nie in dieser pazifistisch- veganen (und zugegeben sehr utopischen) Ideologie verloren gehen.
        Ich gebe dir recht in so vielen Punkten und lehne es ebenfals ab, ein Leben lang mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt zu laufen. Ich möchte, dass Menschen von selbst erkennen, was falsch läuft auf diesem Planeten und dafür ist sehr viel Aufklärungsarbeit nötig. Man muss beginnen, Menschen auf Augenhöhe zu behandeln und aufhören, aus (angeblich) moralisch- ethischer Überlegenheit ihnen Vorwürfe zu machen. Ein schlechtes Gewissen verbittert die meisten, ein gut gemeinter Rat jedoch kann Augen und Türen öffnen.
        Natürlich produzieren viele billig Modeketten alibi vintage und retro Mode – weil es wieder angesagt ist.Aber habt ihr schon mal bei Mama in den Schrank geschaut? Das ist Kleidung mit Geschichte. Kleidung, die sie vielleicht nicht mehr anziehen würde aber in neuer Kombination eine großartige Renaissance erleben könnte.
        Ich finde es nicht normal, dass man mit achtzehn direkt ein Auto besitzt und ab da an nicht mehr zu Fuß geht, oder dass man für drei Euro ein neuwertiges Oberteil kaufen kann. Doch am allerwenigsten finde ich es normal, dass die billig Wurst- und Fleischauswahl in den meisten Discounter größer ist, als die Gemüseabteilung und dies gesellschaftlich akzeptiert und nicht hinterfragt wird.
        Bevor die meisten Ökos von ihrem hohen Ross absteigen können, liegt es schon auf dem Grill neben meiner Süßkartoffel und nimmt ihr die Hitze weg.

        Liebe Grüße und mach weiter so; Menschen wie dich braucht die Welt. xx

        Diese Lücke ziwschen den „Ökos“ und denen die eben nicht so leben, also das was einem sonst so alltäglch vorkommt (leider) ist wirklich ziemlich groß, wie du auch sagtest. Und einerseits ist es wichtig, das zu ändern, oder es zumindest es su versuchen durch Reichweite, so wie du oder andere Blogger es zum Beispiel tun. Aber wichtig ist es auch, sich nicht nur mit anderen „Ökos“ darüber zu unterhalten, sondern auc vielmehr mit Freuden, die vielleicht nicht so denken. Schließlich kann man es denen doch auch erklären und einige vielleicht umstimmen. EInfach von der eigenen Meinung zu überzeugen, oder es zumindest zu probieren. Das ist ein wenig daher gesagt, aber dennoch wichtig anzusprechen, finde ich. Liebe Grüße 🙂

        Wieder mal ein guter und fast zu wahrer Artikel. Es ist manchmal einfach unglaublich zu sehen wie man selber handelt. Seit Jahren beschäftige ich mich mit solchen Themen und dann hab ich mich zwischendurch vegetarisch ernährt und Secondhand gekauft aber aus Faulheit und Scham dann doch wieder aufgegeben. Dann war da plötzlich doch wieder Salami auf dem Toast und ein Primark Shirt im Schrank und das Gewissen wurde stumm gemacht. Die Wahrheit zu meinem Wohl verdrängt. Nun fang ich wieder langsam damit an wo ich endlich älter bin und es ist außerdem traurig zu sehen dass umso jünger man ist man umso weniger ernst genommen wurde. Klar jetzt gibt es noch die gleichen blöden Kommentare wie damals aber allgemein werden meine eigenen Entscheidungen mehr respektiert nir weil ich älter bin, nicht weil ich bessere Begründungen habe… schon komisch.

        Wirklich gut geschrieben! Hatte gerade beim Frühstück wieder das Veggiethema. Mein Bruder versteht mich überhaupt nicht, ja, er versucht mir sogar klarzumachen, es wäre ungesund, wie ich mich ernähre..Von meiner Verwandtschaft werde ich oft belächelt oder gefragt, was ich denn eigentlich noch essen kann🙄
        Zum Glück habe ich im Freundeskreis ein Paar ‚Gleichgesinnte‘.

        Finde toll, was du machst und hab mich wegen dir dazu entschlossen, möglichst nur noch secondhand zu kaufen.

        Danke für deine Texte!
        🙂

        Der Text ist sehr schön geschrieben und du spricht ein Thema an, welches die meisten Menschen verdrängen. Ich habe mich kürzlich mit dem befasst und war schockiert. Für mich stand gleich fest, dass ich das nicht mehr unterstützen möchte. Was ich an dem ganzen das Schlimmste finde ist unsere Gesellschaft. Dieser Egoismus und die Intoleranz. Die Werte, welche den jungen Menschen vermittelt werden und die Vorbilder. In meinen Augen ist das mittlerweile richtig krank und abstossend.Man kann nur hoffen, dass die Menschen auch einmal anfangen nach zu denken und es ein weniger kritischer betrachten. Ganz liebe Grüsse Stefi

        Hey Katja,danke für den tollen Beitrag. Gerade das Bashing um Vegetarismus bekomme ich auch oft zu hören! Ein anderes Reizthema, bei dem es ähnliche Diskussionen gibt ist das Gendern. Ich rege mich oft darüber auf, dass unsere Sprache dermaßen sexistisch ist und verstehe einfach nicht, wieso es bei der derzeit existierenden Ungleichheit zwischen Mann und Frau (Gender Pay Gap,so schwer sein sollte, einfach beide anzusprechen. Warum kann „Studenten“ nicht flächendeckend durch „Studierede“ ersetzt werden? Weil es eben „immer so war“? Aber ja, die Macht der Gewohnheit und Bequemlichkeit…
        Ganz liebe Grüße an dich und traumhafte Bilder sind das wieder!

        Wow! Wundervoller Beitrag! Ich werde auch sehr oft kritisiert oder ausgemacht, weil ich Vegetarier bin und stelle mir auch oft die Frage, warum viele Menschen die oben genannten Tatsachen einfach ignorieren.
        Ich habe auch sehr lange in fast fashion Läden eingekauft, weil ich nicht nach der Herkunft der Produkte gefragt habe und ich einfach froh darüber war, etwas billiges zu finden. Aber seit ich angefangen habe, deine Beiträge zu lesen, habe ich mein Konsumverhalten überdacht und sehr verändert. Du bist eine tolle Inspiration!

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