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        „Du findest bestimmt einfach Freunde.“, sagt sie zu mir, nachdem sie mich auf einer dieser Ersti-Veranstaltungen überrumpelte und mich freundlich an den einen Abend erinnerte, den wir gemeinsam in Neuseeland in einem der schäbigen Hostels verbrachten. „Das habe ich damals schon gesehen und meine Freundin, ich weiß gar nicht mehr ob du dich noch an sie erinnerst hat mir zugestimmt. Für Menschen wie dich scheint es überhaupt kein Problem zu sein auf Andere zuzugehen und einfach Bekanntschaften zu machen. Aber egal,“ fährt sie dann fort, „ich finde es einfach verrückt dich wiederzusehen. Wie klein doch die Welt ist!“
        Ich hörte schon gar nicht mehr richtig zu, denn ich kann immer nicht ganz richtig folgen, wenn aus dem Mund der gegenüberstehenden Person dieser Wasserfall an Worten kommt und ich noch immer mit ihrem ersten Satz zu kämpfen habe. „Du findest bestimmt einfach Freunde.“, schwebt er mir im Kopf herum und ich muss freundlich nicken, als sie nicht aufhört weiterzureden, mich umdrehen und verschwinden.

        „Du findest bestimmt einfach Freunde.“

        Ich, die Person die immer allein unterwegs ist, durch ihr trauriges Hobby der Selbstdarstellung noch weiter vereinsamt und wenig Freunde besitzt bekommt also gesagt, sie würde einfach Freunde finden. Diese ganze Situation ist so absurd, dass mir ein trauriges Lachen aus der Kehle dringt, denn so einen Satz kann man nur sagen, wenn man die äußere Fassade von mir noch nicht durchbrochen hat.
        Als eine offene, nette und höfliche Person, wie ich sie selbst in mir sehe, schaffe ich es auf Veranstaltungen oder einer dieser Gelegenheiten bei denen man sich eben trifft, schnell Gesprächspartner zu finden und ihnen mein Interesse zu zeigen. Wir als menschliche Wesen brauchen soziale Kontakte und wollen unsere eigene Geschichte am liebsten der ganzen Welt erzählen, schaut euch doch nur an was ihr hier gerade lest. Und ich höre ihnen gern zu. Ich biete ihnen mein Ohr im Austausch von neuen Erkenntnissen, Ideen oder auch einfach nur für dieses Gefühl froh über mein Leben zu sein. So scheint das zu funktionieren in unserer Gesellschaft und ich bin gern ein Teil davon Worte zu teilen und neue Worte kennen zu lernen. Noch dazu brauche ich oftmals meine Gesprächspartner nicht einmal selbst zu suchen, sondern sie finden ihren Weg allein durch mein Aussehen, oder sonstige Details die Menschen auf den ersten Blick an mir spannend zu finden scheinen zu mir.

        Ich, die Person die immer allein unterwegs ist, durch ihr trauriges Hobby der Selbstdarstellung noch weiter vereinsamt und wenig Freunde besitzt bekommt also gesagt, sie würde einfach Freunde finden.

        Die Hälfte meiner Freunde sprach mich aufgrund meiner Haare an, oder machte den Vorurteilen alle Ehre, indem sie mich nach Feuer, Zigaretten und in seltenen Fällen auch nach Drogen fragten. Ich scheine eine Alleingängerin mit meinem Aussehen und meiner Abneigung gegen jeglichen Rauch zu sein, aber diese Vermutung trägt wahrscheinlich in diesem Moment nicht viel zum Inhalt dieses Textes bei.
        Auf jeden Fall aber kann ich mich, obwohl ich eine sehr schüchterne Person bin, gut vermarkten, unterhalten und auch nicht selten sehr gut in die Lage anderer Menschen hineinversetzten. Ich scheine ein willkommener Gesprächspartner zu sein und das ehrt mich, wäre da nicht dieses kleine Detail am Ende, welches nicht vergessen werden sollte.

        Fast alle dieser Gesprächspartner, oder Bekanntschaften, wie ich sie gern nenne, basieren und bleiben auf einer oberflächlichen Basis auf der sie auch begonnen haben. Man trifft sich, führt einen netten Small-Talk und verabschiedet sich dann mit der Erinnerung an ein nettes Gespräch, aber ohne weiteren Kontakt. Das ist auch der Grund, warum ich mich nie als eine Person bezeichnen würde die schnell Freunde findet, sondern eher als ein Mädchen (irgendwann komme ich schon noch dazu das Wort Frau auf mich anzuwenden und niederzuschreiben), welches allein zwischen vielen netten Gesprächspartnern steht, aber den Moment der Tiefgründigkeit immer wieder verpasst.
        Mir fällt es schwer einen Kontakt aufrecht zu erhalten, oder eine Verabredung auszumachen, wie man sie auf zwischenmenschlicher Basis öfter macht. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich ein oberflächlicher Mensch bin über den man nach dem ersten Gespräch alles herausfinden kann, oder ob mich tatsächlich eine Art Bindungsangst überfällt, auf jeden Fall habe ich nur sehr wenig enge Freunde denen ich schreiben kann wenn ich sie brauche, was uns schon wieder zu diesem Text führt. Menschen reden gern und auch ich möchte meine Probleme irgendjemandem erzählen der sie ernst nimmt.

        Oftmals ist diese Höflichkeit, diese Offenheit ein Schutzinstinkt, oder eine Art des Verbergens eigener Probleme die man niemandem auf oberflächlicher Basis zeigen möchte.

        Ein nettes Fazit, oder einen Lösungsvorschlag am Ende des Textes habe ich damit leider auch nicht für euch, aber ich kann euch vielleicht mit einem kleinen Denkanstoß vertrösten. Ich weiß nicht ob es zu allgemein gefasst ist an dieser Stelle über alle Menschen zu schreiben, aber zumindest ich möchte nicht nach meiner äußeren Hülle beurteilt werden, schon gar nicht nach dem Aussehen, oder ein paar Worten die man wechselt wenn man sich kennen lernt. Oftmals ist diese Höflichkeit, diese Offenheit ein Schutzinstinkt, oder eine Art des Verbergens eigener Probleme die man niemandem auf oberflächlicher Basis zeigen möchte, beziehungsweise auch Gefühle vor denen man sich selbst schämt und die man damit niemandem zeigen möchte.
        Das ist eine kleine Theorie von meiner Seite, vielleicht bringt sie euch dazu Menschen nicht zu beurteilen und auch einmal den ersten Schritt zu machen, indem man sich gegenseitig ernst nimmt, oder einfach fragt wie es der gegenüberstehenden Person wirklich geht. Oftmals kann diese kleine Geste nicht nur gut tun, sondern auch der Anfang einer Freundschaft sein.

        Mit der Autorin des Anfangssatzes habe ich zum Beispiel auch keinen Kontakt mehr, obwohl ich doch so schnell neue Freunde finde, aber sollten wir uns noch einmal über den Weg laufen möchte ich folgendes ergänzen: „Ich finde bestimmt einfach neue Gesprächspartner weil ich versuche nett zu sein, keine Freunde auf tiefgründiger Basis.“


        Outfitdetails
        Schuhe: Dr. Martens // Ein sehr altes Modell welches ich Second Hand kaufte und leider ausverkauft ist.
        Hose: Second Hand Levis // ähnlich hier (nicht nachhaltig), oder Second Hand hier
        Hemd: Second Hand // ähnlich hier Second Hand oder nachhaltig hier und hier (ok, die Letzte ist nicht ähnlich, sondern einfach nur schön 😀 )

        Denkt immer darüber nach was ihr kauft und was ihr tatsächlich braucht.

        Location: Dresden
        Kamera: Canon EOS 6D
        Objektiv: 24-105mm
        Bildbearbeitung Tutorial (hier)

        12 COMMENTS

        Hi!
        Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr du mir aus der Seele schreibst. Ich dachte ich wäre die einzige mit dem Problem schwer Freunde zu finden. All die Freunde, die ich habe, sind aus meiner Kindheit und ich habe fast kaum Freunde die ich in meiner Jugend kennengelernt habe. Ich rede zwar immer mal wieder mit neuen Leuten, Nur den Kontakt kann ich nicht halten.

        Deine Bilder sind mal wieder richtig schön! Ich konnte mich zum Teil selbst im Text wiedererkennen, denn ich finde es auch schwer tiefergehende Freundschaften entstehen zu lassen. Dafür muss ich die Person für eine längere Zeit kennen und es ist für mich auch sehr wichtig auf der gleichen Wellenlänge zu sein. Ein bisschen smalltalk hier und da reicht dafür wohl nicht aus, Auf jeden Fall wieder ein toller Text!

        liebe Katja,
        du schreibst einem aus der Seele. Ich selbst, durfte mir auch schon des öfteren anhören, dass ich doch so viele Freunde hätte oder so viele kennen würde. Doch es sind doch die Meisten nur Bekanntschaften oder Begegnungen. Ich würde mich selbst auch als offener Mensch beschreiben, habe kein Problem damit mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen. Vor allem an Veranstaltungen, wo ich allein hin geh – logisch keiner steht gern alleine rum. Ich frage mich manchmal, ob man es überhaupt „schafft“ „viele“ tiefe Freundschaften zu pflegen, jede einzelne kostet ja Zeit und Energie und hat es nicht ein Hintergrund, warum man nur paar richtig gute Freunde hat?
        Ich fand es lustig, als du gesagt hast, dass du auf Grund deiner Dreads für ein Raucher gehalten wirst. Hab selber welche und werde auch gerne in von mir getauften „Vorurteilschubladen“ gesteckt.

        Liebe Grüße
        Franzi 🙂

        Den Gedanken hatte ich auch schon, denn tatsächlich bedeuten Freunde ja auch „Stress“ weil man sich um sie kümmern „muss“.
        Witzig mit den Dreads 😀

        Liebe Katja,

        ich fande den Text sehr passend zu meiner derzeitigen Situation und habe mir in letzter Zeit schon einige Gedanken zu der Thematik gemacht. Ich bin vor ein paar Monaten in eine neue Stadt gezogen. Ich finde es schwer Kontakte zu knüpfen. Oft lernt man durch diverse Institutionen (z.B.Schule, Berufsschule, etc.) Leute kennen. Allerdings ist es schwer in meiner beruflichen Situation Leute in meinen Alter kennenzulernen, da ich regelmäßig die Einrichtungen wechsel. Ich verstehe also gut wie du dich bei so einem Satz fühlst. Ich würde gerne noch viel intensiver mit dir über das Thema sprechen, allerdings fällt es mir schwer meine Gedanken zu verschriftlichen.

        Liebe Grüße
        Jennifer

        Ich wünsche dir auf jeden Fall alles gute und hoffe, dass du dich bald wohl fühlst und tolle Menschen um dich Scharen kannst ❤️

        Je mehr ich deine Beiträge lese desto mehr finde ich mich darin wieder. Ich würde mich gerade wirklich gerne mit dir unterhalten! Ich glaube schlussendlich findet niemand „schnell viele Freunde“, sondern es gibt eben Menschen die besser und die schlechter Small-Talk führen können und ein höheres oder niedrigeres Selbstbewusstsein besitzen – und somit einfach BEKANNTSCHAFT schließen. „Schnell viele Freunde“ finden impliziert ja schon fast Oberflächlichkeit, denn wahre und vor allem tiefgründige Freundschaften kann man nur knüpfen, wenn man sich Zeit nimmt sich auf den Menschen einzulassen. FAST. Nichtsdestotrotz würde ich auch Menschen als meine Freunde bezeichnen, mit denen ich diese Tiefgründigkeit nicht so teilen kann wie ich es vielleicht gerne würde. Freund – im Duden steht als Definition eine „vertrauliche Anrede“ und Vertrauen kann ich vergleichsweise schnell aufbauen, vielleicht weil ich selber meinen Charakter akzeptiere und versuche immer ehrlich mit mir und anderen zu sein. Im Endeffekt kommt es also auf die eigene Definition an. Jemanden zu finden der wirklich „perfekt“ zu einem passt, dem man alles erzählen kann, mit dem man alles teilt und der einen zu 100% versteht ist schwierig und ich glaube da kommt es auch darauf an wie facettenreich der Charakter ist. Ich habe noch keine Person getroffen, die gleichzeitig so sensibel und so willensstark, so melancholisch und heiter und zugleich leicht stressbar und dennoch zwanglos wie ich ist – und doch habe ich so viele bewundernswerte Menschen getroffen mit denen ich gerne meine Zeit verbringe. Und noch etwas: Je differenzierter (und so wirkst du auf mich, obwohl da auch immer eine sehr starke Melancholie in deinen Worten mitschwingt) man ist, desto mehr zieht man auch Menschen an die ebenfalls so sind (und damit meine ich jetzt nicht diejenigen die dich aufgrund deiner Haare ansprechen).
        Alles Liebe,
        Alina
        Ps: Wunderbare Bilder!

        Wow, was für ein Kommentar 😮
        Ich kann dir auf jeden Fall nur nickend zustimmen, aber Freundschaften sind sowieso ein komplexes Thema, da kann man nicht einfach mit einem Satz wie sie, oder einem Text wie ich drüber urteilen.
        Liebe Grüße!

        Könnte mich beschreiben.. Meine Schwester meinte mal zu mir, dass ich so viele Freunde habe.. Ich habe viele bekannte, aber nur sehr wenige/keine, die ich anrufen würde, wenn ich reden muss. Kann mich also gut in dich hineinversetzen.
        Ps. Schöne Bilder. Meine Lieblingsblumen 🙂

        Wow, dieser Text hat mich echt zum Nachdenken gebracht.. bei deinem Schreibstil kann man sich immer super in die Lage hineinversetzen. Und diese Bilder sind ja echt der Wahnsinn! Wunder-wunderschön! <3

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